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Texas

Herzfehler: Eltern wollten Baby abtreiben, Leihmutter weigerte sich

Ein Ehepaar engagiert eine Leihmutter. Während der Schwangerschaft stellt sich heraus, dass das Kind mit einem schweren Herzfehler zur Welt kommen wird. Die Eltern entschließen sich zu einer Abtreibung, aber die Leihmutter weigert sich. Nun wurde der Bub geboren.

Weil bei einer Untersuchung ein schwerer Herzfehler diagnostiziert wurde, wollte ein Wunsch-Elternpaar sein Kind abtreiben lassen, aber die Leihmutter sagte Nein (Symbolbild)
Weil bei einer Untersuchung ein schwerer Herzfehler diagnostiziert wurde, wollte ein Wunsch-Elternpaar sein Kind abtreiben lassen, aber die Leihmutter sagte Nein (Symbolbild)Getty Images
NewsFlix Redaktion
Akt. 14.08.2026 23:21 Uhr

Ein Neugeborenes liegt auf der Intensivstation eines texanischen Krankenhauses. Sein kleines Herz schlägt, doch die linke Herzhälfte ist nicht vollständig ausgebildet. Mehrere Operationen werden nötig sein, um dem Buben eine Chance auf ein normales Leben zu geben. Doch bevor er überhaupt das Licht der Welt erblickte, tobte bereits ein erbitterter Rechtsstreit um sein Schicksal.

Wie CBS News berichtet, ist das Baby nun in der Obhut seiner Wunscheltern und wird medizinisch versorgt. Die kalifornischen Eltern hatten von der Leihmutter aus Alaska verlangt, die Schwangerschaft abzubrechen, nachdem Ärzte den schweren Herzfehler diagnostiziert hatten. Die Frau verweigerte die Abtreibung – und reiste nach Texas, wo der Generalstaatsanwalt schließlich eingriff.

Der Fall zeigt die komplexen rechtlichen und ethischen Grauzonen der Leihmutterschaft. Worum es geht:

Was genau ist passiert?
Ein Ehepaar aus Kalifornien hatte eine Frau aus Alaska als Leihmutter engagiert. Bei vorgeburtlichen Untersuchungen wurde beim Ungeborenen ein hypoplastisches Linksherzsyndrom festgestellt – ein seltener, schwerer Herzfehler. Die Eltern forderten daraufhin eine Abtreibung. Die Leihmutter lehnte ab und reiste kurz vor der Geburt nach Texas. Dort kam der Bub am Mittwoch zur Welt.

Wann wurde die Herzfehler-Diagnose gestellt?
Bereits vor Monaten, es wäre noch genügend Zeit gewesen, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen.

Kämpfte dafür, dass das Baby ausgetragen werden konnte: Ken Paxton, der Generalstaatsanwalt von Texas
Kämpfte dafür, dass das Baby ausgetragen werden konnte: Ken Paxton, der Generalstaatsanwalt von Texas
REUTERS/Kylie Cooper/File Photo

Warum ist der Fall nach Texas gewandert?
Texas hat besonders strenge Abtreibungsgesetze und gilt als einer der konservativsten US-Bundesstaaten in dieser Frage. Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton schaltete sich ein und erwirkte eine gerichtliche Anordnung. Diese stellt sicher, dass das Neugeborene lebensrettende medizinische Versorgung erhält. Gleichzeitig wurde entschieden, dass die Wunscheltern – nicht die Leihmutter – für medizinische Entscheidungen zuständig sind.

Was will die leibliche Mutter?
Laut US-Medien strebt sie danach, sich das Sorgerecht für das Kind zu erkämpfen. "Wir arbeiten daran, diese Vaterschaftsfeststellungen anzufechten, weil wir der Meinung sind, dass nach texanischem Recht eine Frau, die ein Kind gebiert, zur Mutter des Kindes wird", so der Anwalt der Leihmutter

Weshalb diese Meinungsänderung bei der Leihmutter?
Es wurde bislang keine Begründung dafür kolportiert. Aber es ist anzunehmen, dass die Leihmutter inzwischen der Meinung ist, dass die Wunscheltern kein recht mehr hätten, das Kind aufzuziehen, nachdem sie zuvor dessen Abtreibung verlangt hatten.

Was ist ein hypoplastisches Linksherzsyndrom?
Bei diesem angeborenen Herzfehler sind die Strukturen der linken Herzhälfte unterentwickelt. Das Herz kann nicht ausreichend Blut in den Körper pumpen. Ohne Behandlung ist der Defekt tödlich. Betroffene Kinder benötigen in den ersten Lebenswochen eine Operation, meist folgen weitere Eingriffe. Mit moderner Medizin können viele Betroffene heute allerdings ein weitgehend normales Leben führen.

Wer entscheidet bei einer Leihmutterschaft über eine Abtreibung?
Das hängt stark vom jeweiligen Land bzw. Bundesstaat ab. In den meisten Rechtssystemen liegt die letzte Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch bei der schwangeren Frau – auch wenn sie eine Leihmutter ist. Vertragliche Klauseln, die eine Abtreibung bei bestimmten Diagnosen vorsehen, sind in vielen Ländern rechtlich nicht durchsetzbar. Der Konflikt zwischen Selbstbestimmungsrecht und vertraglichen Vereinbarungen ist allerdings ein juristisches Minenfeld.

Welche Rolle spielen Leihmutterschaftsverträge?
Verträge zwischen Wunscheltern und Leihmüttern regeln üblicherweise viele Details: Vergütung, medizinische Betreuung, Verhaltensregeln während der Schwangerschaft. Manche Verträge enthalten auch Klauseln zu Abtreibungen bei schweren Fehlbildungen. Doch grundlegende Persönlichkeitsrechte – wie das Recht der Frau, über ihren eigenen Körper zu bestimmen – können durch solche Verträge nicht einfach außer Kraft gesetzt werden.

Der kleine Bub muss bereits in den nächsten Tagen eine schwere Herz-OP über sich ergehen lassen (Symbolbild)
Der kleine Bub muss bereits in den nächsten Tagen eine schwere Herz-OP über sich ergehen lassen (Symbolbild)
Getty Images

Wie ist die Rechtslage in Österreich?
In Österreich ist Leihmutterschaft vollständig verboten. Das Fortpflanzungsmedizingesetz untersagt es, eine Schwangerschaft für eine andere Frau auszutragen. Auch die Vermittlung von Leihmutterschaften ist strafbar. Österreichische Paare, die dennoch eine Leihmutter im Ausland engagieren, bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Die Anerkennung der Elternschaft kann kompliziert werden.

Warum ist Leihmutterschaft in vielen Ländern umstritten?
Kritiker sehen in der kommerziellen Leihmutterschaft eine Kommerzialisierung des weiblichen Körpers. Es gibt Bedenken, dass wirtschaftlich schwächere Frauen ausgebeutet werden könnten. Befürworter argumentieren, dass Leihmutterschaft kinderlosen Paaren eine Chance auf ein leibliches Kind gibt. Besonders gleichgeschlechtliche männliche Paare haben oft keine andere Möglichkeit, genetisch verwandte Kinder zu bekommen.

In welchen Ländern ist Leihmutterschaft erlaubt?
Die Regelungen variieren stark. In den USA ist kommerzielle Leihmutterschaft in einigen Bundesstaaten wie Kalifornien legal und weit verbreitet. In Kanada ist nur altruistische Leihmutterschaft erlaubt – die Leihmutter darf kein Honorar erhalten, nur eine Aufwandsentschädigung. In der Ukraine und Georgien ist kommerzielle Leihmutterschaft unter bestimmten Bedingungen legal. Innerhalb der EU ist sie in den meisten Ländern verboten.

Was passiert, wenn bei vorgeburtlichen Untersuchungen Probleme entdeckt werden?
Das ist einer der heikelsten Punkte bei Leihmutterschaften. Wenn schwere Fehlbildungen oder Krankheiten diagnostiziert werden, können die Interessen von Wunscheltern und Leihmutter auseinandergehen. Manche Wunscheltern erwarten ein gesundes Kind und wollen bei schwerwiegenden Diagnosen die Schwangerschaft beenden. Die Leihmutter hingegen hat möglicherweise religiöse oder ethische Einwände gegen einen Abbruch.

Texas hat eines der strengsten Abtreibungsgesetze der USA
Texas hat eines der strengsten Abtreibungsgesetze der USA
REUTERS/Evelyn Hockstein

Wie häufig kommt es zu solchen Konflikten?
Genaue Zahlen gibt es nicht, da viele Streitigkeiten außergerichtlich beigelegt werden. Experten gehen davon aus, dass schwere Konflikte selten sind – die meisten Leihmutterschaften verlaufen ohne größere Probleme. Doch wenn es zum Streit kommt, sind die Fälle oft emotional aufgeladen und rechtlich komplex. Sie landen zunehmend vor Gerichten und in den Medien.

Was bedeutet der Fall in Texas für die Zukunft der Leihmutterschaft?
Der texanische Fall könnte weitreichende Folgen haben. Er zeigt die Grenzen vertraglicher Regelungen auf, wenn es um fundamentale Rechte geht. Vermittlungsagenturen und Anwälte werden ihre Verträge wohl überarbeiten müssen. Gleichzeitig könnte der Fall die Debatte über eine einheitlichere Regulierung der Leihmutterschaft in den USA und international neu entfachen.

NewsFlix Redaktion
Akt. 14.08.2026 23:21 Uhr