Sam Altman, Gründer von ChatGPT, sagt, die Welt müsse akzeptieren, dass mit seiner Technik auch "schlechte Dinge" passieren würden, da das Gute überwiege. Auch Konkurrent Elon Musk bekam sein Fett weg. Der sei "ein Tyrann", dem er "auf die Nase schlagen" werde.

Einen "Meltdown" nennen es die Amerikaner gerne, wenn jemandem die Worte schneller aus dem Mund sprudeln, als er gemeinhin nachdenken kann, also einen "Ausraster". Als etwas in dieser Art muss man wahrscheinlich auch sehen, was Sam Altman, der Chef von ChatGPT-Entwickler OpenAI, in einem Podcast-Studio hingelegt hat. Hoffentlich.
Der 41-Jährige sprach bei der US-Polit-Plattform Politico über die Risiken der auch von seinem Unternehmen entwickelten KI-Technik. Aber nicht etwa, wie man diese verhindert, sondern warum man sie hinnehmen sollte. Die Welt solle akzeptieren, dass mit Künstlicher Intelligenz auch "einige schlechte Dinge passieren", schreibt der Guardian über das offenherzige Interview. Die Vorteile der Technologie würden dennoch die Nachteile überwiegen, argumentiert Altman.
Nicht alle sehen jedoch die Kosten-Nutzen-Risikoabwägung so entspannt wie der Tech-Milliardär. Die Reaktionen auf sein offenherziges Interview reichen von deutlicher Kritik bis hin zu scharfer Ablehnung. Was Altman konkret gesagt hat, wie er seine Haltung argumentiert und weshalb auch sein Konkurrent Elon Musk ins Visier des 41-Jährigen geriet – das sagte der KI-Entwickler:

Was hat Sam Altman genau gesagt?
In einem Interview für den Politico-Podcast "Decoded" erklärte Altman, dass OpenAI einen "zurückhaltenderen Regulierungsansatz" vertrete als die meisten seiner KI-Kollegen. Wörtlich sagte er: "Wir glauben, dass die Welt akzeptieren sollte, dass einige schlechte Dinge passieren, um die Vorteile dieser Technologie nutzen zu können." Er wolle keinen Deal, der Hacks, Betrug oder Missbrauch durch KI komplett verhindert – weil die Menschen "um Größenordnungen mehr Gutes als Schlechtes" mit der Technik anstellen würden.
Warum sorgen die Aussagen für Aufregung?
Altmans Position steht im Kontrast zu den wachsenden Sorgen über KI-Sicherheit. Erst kürzlich warnten führende Tech-Chefs den UN-Sicherheitsrat vor den Gefahren unkontrollierter KI. Dass der Mann, der ChatGPT entwickelt hat, jetzt für lockerere Regeln plädiert, empfinden viele als problematisch. Kritiker sehen darin vor allem Eigeninteresse vor dem geplanten Börsengang von OpenAI.
Wer hat Altman kritisiert?
Besonders scharf reagierte Ron DeSantis, republikanischer Gouverneur von Florida. Er sagte, er habe "kein Verständnis", dass "eine Handvoll Tech-Oligarchen" Sicherheitsentscheidungen für alle anderen treffen wolle. Gary Marcus, KI-Skeptiker und Professor an der New York University, warf Altman vor, "das leise Gesagte laut auszusprechen: Haltet still, damit wir reich und mächtig werden können."
Was meint Altman mit "schlechten Dingen"?
Altman spricht von Hacks, Betrug und Missbrauch der Technologie – also Dingen, die bereits heute mit KI passieren. Seine Argumentation: Diese Risiken seien ein Preis, den die Gesellschaft zahlen müsse, weil der Gesamtnutzen von KI überwiege. Allerdings schränkte er ein, "wirklich katastrophale Risiken" wie einen Kontrollverlust über KI werde er nicht akzeptieren.

Wie unterscheidet sich OpenAI vom Konkurrenten Anthropic?
Altman grenzte sich im Interview deutlich von Dario Amodei ab, dem Chef des Konkurrenten Anthropic. Während Anthropic für strengere Sicherheitsauflagen eintritt, plädiert Altman für mehr Zugänglichkeit der Technologie für die breite Öffentlichkeit. Er halte es für "völlig inakzeptabel", wenn ein einziges Labor in San Francisco entscheide, was sicher ist und wie der Nutzen verteilt wird.
Hat OpenAI seine Position zur Regulierung geändert?
Tatsächlich hat OpenAI zuletzt einige Zugeständnisse gemacht. Das Unternehmen unterstützt jetzt strengere Sicherheitsauflagen in US-Bundesstaaten und einen Gesetzesvorstoß, der KI-Firmen verpflichten würde, externe Sicherheitsprüfer zu beschäftigen. Erst im September schloss sich Altman der Forderung an, die Entwicklung der fortschrittlichsten KI-Modelle zu verlangsamen.
Was ist mit dem Streit zwischen Altman und Elon Musk?
Im selben Interview griff Altman auch Tech-Milliardär Elon Musk an. Bereits zuvor sagte gegenüber dem Magazin Vanity Fair: "Ich mag keine Tyrannen, und ich denke, Elon ist ein Tyrann." Auf die Frage nach einer Zusammenarbeit der KI-Branche meinte Altman nun: "Ich denke, manchmal muss man einem Tyrannen auf die Nase schlagen." Musk betreibt mit xAI ein konkurrierendes Unternehmen.
Wie ernst sind die Risiken von KI wirklich?
Selbst innerhalb von OpenAI gibt es Sorgen. Erst am Wochenende kündigte mit David Robinson ein leitender Mitarbeiter. Er sagte, die Unternehmen, die KI entwickeln, seien "bei weitem nicht vorsichtig genug". Ex-OpenAI-Forscher Miles Brundage bedauerte, die Idee der "schrittweisen Einführung" mit verbreitet zu haben – das ergebe "keinen Sinn mehr", nachdem bereits Todesfälle mit KI in Verbindung gebracht wurden.
Was bedeutet das für den geplanten Börsengang?
OpenAI strebt einen Börsengang an, der das Unternehmen zu einem der wertvollsten Tech-Konzerne machen könnte. Kritiker wie NYU-Professor Gary Marcus vermuten, dass Altmans Plädoyer für lockere Regulierung auch diesem Ziel dient. Strengere Auflagen könnten das Geschäftsmodell und die Bewertung von OpenAI beeinträchtigen.

Gibt es einen internationalen Konsens zur KI-Sicherheit?
Nein, im Gegenteil. Während in den USA über bundesweite Sicherheitsregeln diskutiert wird, hat Europa mit dem AI Act bereits ein strengeres Regelwerk verabschiedet. Die jüngsten Warnungen von Tech-Chefs vor dem UN-Sicherheitsrat haben Hoffnungen auf internationale Abkommen geweckt – doch Altmans Aussagen zeigen, dass selbst innerhalb der Branche keine Einigkeit herrscht.
Was bedeutet das für Nutzer von ChatGPT?
Für die Millionen Menschen, die täglich ChatGPT oder ähnliche KI-Tools nutzen, bedeutet die Debatte vor allem eines: Die Frage, wie sicher und verantwortungsvoll diese Technologie entwickelt wird, ist noch lange nicht geklärt. Altmans "Gesellschaftsvertrag" – Risiken akzeptieren für mehr Nutzen – ist ein Vorschlag, den mit Sicherheit nicht alle mittragen wollen.