Mounjaro, Wegovy und Ozempic helfen mittlerweile Millionen Patienten beim Abnehmen oder gegen Diabetes. Eine neue Studie aus Großbritannien bringt die Mittel nun aber auch mit Haarausfall in Verbindung. Woran das liegen könnte, was die Forschung dazu sagt.

Mit Abnehmspritzen Kilos verlieren – und die Haare gleich noch dazu? Darauf könnte es hinauslaufen, wenn sich das Ergebnis einer neuen britischen Studie bestätigen sollte, berichtet die britische Times.
Denn die Untersuchung legt den Verdacht nahe, dass sogenannte GLP-1-Medikamente wie Mounjaro, Wegovy oder Ozempic deutlich öfter zu Haarausfall führen als andere Medikamente, die ebenfalls von Diabetespatienten zur Gewichtsreduktion eingenommen werden.
Wie zuverlässig die bisherigen Studienergebnisse sind, was den Haarausfall aller Wahrscheinlichkeit nach verursacht und wie groß das Risiko tatsächlich ist, mit den überschüssigen Kilos auch seine Haarpracht loszuwerden – das ist über die neue Studie bekannt:
Worum geht es?
Eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie hat Daten von 50.000 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes ausgewertet. Rund 12.000 davon nahmen GLP-1-Medikamente wie Ozempic, die übrigen andere Medikamente. Das Ergebnis: Unter den Anwendern von GLP-1-Hemmern wurde deutlich häufiger über Haarausfall berichtet als unter Patienten, die andere Medikamente zur Gewichtsreduktion einnahmen.

Wie groß ist der Unterschied?
Nach Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie Alter und Gewicht war die Einnahme von GLP-1-Hemmern mit einem um 68 Prozent höheren Risiko für Haarausfall verbunden als die Einnahme von DPP-4-Hemmern. Im Vergleich zu SGLT-2-Hemmern lag das Risiko um 37 Prozent höher.
Welche Medikamente sind damit konkret gemeint?
Genannt werden vor allem GLP-1-Medikamente wie Mounjaro, Wegovy und Ozempic. In der Studie geht es um diese Wirkstoffgruppe im Vergleich zu anderen häufig verwendeten Diabetesmedikamenten wie eben solche mit DPP-4- und SGLT-2-Hemmer.
Lassen sich die Studienergebnisse auch auf Nicht-Diabetiker übertragen?
Die Analyse betraf ausschließlich 50.000 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Verallgemeinerungen über alle Anwender von Abnehmspritzen lassen sich daraus nur mit Vorsicht ableiten.
Welche Form von Haarausfall ist gemeint?
Die Analyse deutete auf einen Zusammenhang mit nicht-vernarbender Alopezie hin. Dabei bleiben die Haarfollikel intakt, sodass grundsätzlich die Möglichkeit besteht, dass Haare wieder nachwachsen. Das ist für Betroffene eine wichtige Einordnung.
Warum kommt es überhaupt zum Haarausfall?
Die Forscher halten den Gewichtsverlust und die reduzierte Kalorienzufuhr durch die GLP-1-Medikamente für den "wahrscheinlichsten Mechanismus" hinter dem Haarverlust. Denn eine Kalorienbeschränkung könne "zu physiologischem Stress und Mikronährstoffmangel, etwa an Eisen, Zink und Biotin, beitragen, was wieder den Haarwachstumszyklus stören kann", so die Folgerung der Studienautoren.
Geht es also eher um das Medikament oder um das Abnehmen?
Das ist einer der noch nicht final geklärten Punkte. Experten vermuten, dass nicht nur das Medikament selbst, sondern auch die Folgen eines raschen Gewichtsverlusts für den Haarausfall eine Rolle spielen könnten.

Gibt es noch andere mögliche Erklärungen?
Ja, die Forscher nennen auch "metabolische, hormonelle und immunologische Effekte, die GLP-1-Rezeptoragonisten zugeschrieben werden und das Haarwachstum und den Haarzyklus beeinflussen können". Zudem wurden die Medikamente mit Veränderungen der Schilddrüsenfunktion in Verbindung gebracht. Und auch eine verzögerte Magenentleerung kann die Aufnahme oral verabreichter Medikamente beeinträchtigen und zu Haarausfall führen.
Wie häufig wird Haarausfall als Folge von Abnehmspritzen gemeldet?
Seit Anfang 2025 haben in Großbritannien laut Gesundheitsbehörden mehr als 1.250 Menschen Haarausfall als Nebenwirkung von Wegovy, Mounjaro oder Ozempic gemeldet. Für 2026 nennt die Behörde bisher 399 Meldungen im Zusammenhang mit dem GLP-1-Wirktoff Tirzepatid und 148 im Zusammenhang mit Semaglutid. Im gesamten Vorjahr waren es 541 beziehungsweise 164 Meldungen.
Ist das Haarausfall-Risiko insgesamt hoch?
Nein, in Anbetracht der Gesamtzahl an Anwendern von GLP-1-Abnehmspritzen ist das Gesamtrisiko gering. Vor allem aber überwiegen die Vorteile dieser Medikamente – Verbesserung der Blutzuckerkontrolle, Gewichtsreduktion und Senkung des Risikos von Adipositas-bedingten Komplikationen – bei weitem das relativ geringe potenzielle Risiko von Haarausfall.
Warum ist das Thema trotzdem relevant?
Weil Haarausfall zwar meist keine körperlichen Schäden verursacht, aber psychisch stark belasten und das Selbstwertgefühl, die Lebensqualität und die Therapietreue von Patienten beeinflussen kann. Gerade bei langfristigen Therapien ist das nicht nebensächlich.

Was bedeutet das alles für Betroffene?
Vor allem: Aufmerksam bleiben und Veränderungen ernst nehmen. In Großbritannien werden Patienten ausdrücklich gebeten, Nebenwirkungen von Medikamenten der Arzneimittelbehörde zu melden. Entscheidend wird sein, ob weitere Studien den Zusammenhang zwischen den Medikamenten und Haarausfall bestätigen und genauer trennen können, was auf die Medikamente selbst, was auf raschen Gewichtsverlust und was auf Nährstoffmängel zurückgeht.