NewsFlix.at Logo
"Sinn und Sinnlichkeit"

Warum diese Liebesgeschichte auch nach über 200 Jahren aktuell ist

"Sinn und Sinnlichkeit" von Jane Austen gehört auch zwei Jahrhunderte nach seinem Entstehen zu den Klassikern der Weltliteratur und wurde mehrfach verfilmt. Eine neue, frische und zeitgemäß weibliche Version des Stoffes startet diese Woche in den heimischen Kinos.

Elinor (Daisy Edgar-Jones) verliert auch dann nicht die realität aus den Augen, als sie sich in Edward Ferrars (George MacKay) verliebt: Jane Austens "Sinn und Sinnlichkeit" startet diese Woche in den Kinos
Elinor (Daisy Edgar-Jones) verliert auch dann nicht die realität aus den Augen, als sie sich in Edward Ferrars (George MacKay) verliebt: Jane Austens "Sinn und Sinnlichkeit" startet diese Woche in den KinosUPI / Alex Bailey / © 2026 FOCUS FEATURES LLC
Christian Klosz
Akt. 15.10.2026 01:26 Uhr

Manche Liebesgeschichten überdauern schlicht deshalb Jahrhunderte, weil sich an den Widersprüchen des Herzens wenig ändert. Jane Austens "Sinn und Sinnlichkeit", 1811 erschienen, erzählt von zwei Schwestern, die zwischen Vernunft und Leidenschaft ihren eigenen Weg zum Glück suchen.

Nun kommt eine neue Verfilmung der Geschichte von Elinor und Marianne Dashwood ins Kino – und erinnert daran, wie modern ein Klassiker sein kann, der von gesellschaftlichen Zwängen, romantischen Illusionen und der Kunst handelt, sich selbst treu zu bleiben. "Sinn und Sinnlichkeit" der Regisseurin Georgia Oakley startet diese Woche in den österreichischen Kinos.

Austen erzählt von einer Gesellschaft, in der Vermögen, Herkunft und Heirat über die Zukunft von Frauen entscheiden. Gerade darin liegt die Aktualität ihres Romans: Er zeigt, wie sehr persönliche Entscheidungen von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt werden. Elinor beherrscht ihre Gefühle und übernimmt Verantwortung, Marianne folgt leidenschaftlich ihrem Herzen. Doch Austen macht es sich nicht leicht mit der Gegenüberstellung von Vernunft und Emotion.

Mit dem Tod des Vaters bricht auch ein wirtschaftliches Unglück über Mrs. Dashwood (Caitríona Balfe, r.) und ihre Töchter Elinor (Daisy Edgar-Jones), Marianne (Esmé Creed-Miles) und Margaret (Bodhi Rae Breathnach) herein
Mit dem Tod des Vaters bricht auch ein wirtschaftliches Unglück über Mrs. Dashwood (Caitríona Balfe, r.) und ihre Töchter Elinor (Daisy Edgar-Jones), Marianne (Esmé Creed-Miles) und Margaret (Bodhi Rae Breathnach) herein
UPI / Courtesy of Focus Features / © 2026 FOCUS FEATURES LLC

Elinors Selbstkontrolle ist Stärke und Bürde zugleich, Mariannes Offenheit Quelle von Lebendigkeit und Verletzlichkeit. Keine der Schwestern hat allein recht. Erst im Spannungsfeld zwischen Gefühl und Verstand gewinnen beide an Reife. In einer Zeit, in der Authentizität hochgeschätzt wird und Emotionen zugleich öffentlich verhandelt werden, wirkt diese Einsicht bemerkenswert modern: Es geht nicht darum, weniger zu fühlen, sondern die eigenen Gefühle zu verstehen.

Austens anhaltende Wirkung verdankt sich auch ihrer gesellschaftlichen Schärfe und ihrem feinen Humor. Hinter höflichen Umgangsformen entdeckt sie Eitelkeit, Berechnung und ökonomische Interessen. Ihre Dialoge sind pointiert, ihre Figuren widersprüchlich, ihre Ironie niemals bloßer Spott. Denn bei aller Kritik begegnet sie ihren Figuren mit Menschlichkeit. Sie verklärt die Liebe nicht, nimmt die Sehnsucht nach ihr aber ernst. So erzählt der Roman zugleich von den Zwängen seiner Epoche und von der universellen Neigung, sich selbst und andere zu täuschen.

"Sinn und Sinnlichkeit" handelt vom Versuch, sich selbst treu zu bleiben, ohne die Verbindung zu anderen zu verlieren. Dass wir uns in diesen Figuren noch immer wiedererkennen, ist kein Zufall. Es ist die Kunst Jane Austens, menschliche Widersprüche so präzise zu beschreiben, dass sie auch zwei Jahrhunderte später nichts von ihrer Wahrheit eingebüßt haben.

Marianne (Esmé Creed-Miles, l.) ist romantisch und lebendig, während Elinor (Daisy Edgar-Jones) die ruhigere und Überlegtere der beiden Schwestern ist
Marianne (Esmé Creed-Miles, l.) ist romantisch und lebendig, während Elinor (Daisy Edgar-Jones) die ruhigere und Überlegtere der beiden Schwestern ist
UPI / Courtesy of Focus Features / © 2026 FOCUS FEATURES LLC

"Sinn und Sinnlichkeit"

Worum es geht Nach dem Tod ihres Vaters verlieren die Dashwood-Schwestern Elinor (Daisy Edgar-Jones) und Marianne (Esmé Creed-Miles) gemeinsam mit ihrer Mutter (Caitríona Balfe) ihr Zuhause. Das Familienanwesen geht an ihren Halbbruder über, während die Frauen mit deutlich weniger Geld auskommen müssen.

Sie ziehen in ein bescheidenes Cottage in der englischen Grafschaft Devon und versuchen, sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden, in der die wirtschaftliche Sicherheit unverheirateter Frauen wesentlich davon abhängt, ob sie einen wohlhabenden Ehemann finden.

Die beiden Schwestern gehen mit dieser Situation höchst unterschiedlich um: Elinor agiert besonnen und kontrolliert, selbst als sie sich in Edward Ferrars (George MacKay) verliebt. Eine gemeinsame Zukunft scheint jedoch unwahrscheinlich, weil Edwards Familie andere Vorstellungen von seiner Heirat hat.

Marianne wiederum folgt ihrem Herzen und verliebt sich leidenschaftlich in den charmanten John Willoughby (Frank Dillane). Doch auch sie muss erfahren, dass romantische Gefühle allein noch kein Lebensglück bringen …

Lohnt sich das? Jane Austens "Sinn und Sinnlichkeit" , erschienen 1811 und gehört bis heute zu den bekanntesten Gesellschaftsromanen der englischen Literatur. Die Geschichte über zwei Schwestern, die nach einem Schicksalsschlag ihren Weg zwischen Vernunft und Leidenschaft suchen, wurde bereits mehrfach verfilmt.

Besonders populär ist bis heute Ang Lees Version von 1995, für deren Drehbuch Emma Thompson einen Oscar erhielt und die mit Kate Winslet, Hugh Grant und Alan Rickman erstklassig besetzt war. Die Neuverfilmung von Georgia Oakley muss sich zwangsläufig an diesem Klassiker messen lassen, verfolgt allerdings einen eigenständigen Ansatz.

Oakley, die mit dem Sozialdrama "Blue Jean" auf sich aufmerksam machte, rückt die wirtschaftliche Unsicherheit und die eingeschränkten Möglichkeiten von Frauen zur damaligen Zeit stärker in den Vordergrund. Ihre "Sinn und Sinnlichkeit"-Adaption betont die Abhängigkeit der Frauen von familiären Vermögensverhältnissen.

Die ersten Kritiken sind positiv, besonders gelobt werden die naturalistische Inszenierung und die Beziehung der Schwestern. Oakleys Zugang, ihre Neuinterpretation eines Klassikers, kommt weitgehend gut an. Kritik gibt es am Fehlen von Humor und Leichtigkeit im Vergleich zur berühmten Ang-Lee-Verfilmung.

"Sinn und Sinnlichkeit", Literaturverfilmung, Drama. GB 2026, 132 Minuten, ab 16. Oktober im Kino

Der charmanten John Willoughby (Frank Dillane) entfacht das Herz von Marianne
Der charmanten John Willoughby (Frank Dillane) entfacht das Herz von Marianne
UPI / Courtesy of Focus Features / © 2026 FOCUS FEATURES LLC

Außerdem neu im Kino:

"Whalefall"
Nach dem Tod seines Vaters (Josh Brolin) taucht Jay Gardiner (Austin Abrams) vor der kalifornischen Küste nach dessen sterblichen Überresten. Doch der Tauchgang nimmt eine drastische Wendung: Jay wird von einem riesigen Pottwal verschluckt. Eingeschlossen im Inneren des Meerestieres und mit nur noch einer Stunde Sauerstoff beginnt ein verzweifelter Kampf ums Überleben.
Regisseur Brian Duffield ("Love and Monsters") verbindet in seinem neuen Film einen extremen, etwas unglaubwürdigen Überlebenskampf mit einem Familiendrama. Das klaustrophobische Szenario verspricht jedenfalls Hochspannung.

"Whalefall", Survival-Thriller. USA 2026, 106 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"Sacrifice"
Der abgehalfterte Hollywoodstar Mike Tyler (Chris Evans) gerät bei einer glamourösen Wohltätigkeitsgala auf einer griechischen Insel in die Gewalt einer radikalen Gruppe. Angeführt von Joan (Anya Taylor-Joy) folgen die Eindringlinge einer düsteren Prophezeiung und wollen drei Menschen einem Vulkan opfern, neben Tyler sollen auch ein skrupelloser Milliardär (Vincent Cassel) und eine junge Performerin (Ambika Mod) dran glauben.
Regisseur Romain Gavras ("Athena") verbindet in seinem ersten englischsprachigen Film Satire und exzessive Action mit griechischer Mythologie. Im Nebenrollen sind Salma Hayek, John Malkovich und Charli XCX zu sehen.

"Sacrifice", Action-Komödie, Satire. GB/USA/FRA/ITA 2026, 103 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"Nachts in der Provinz"
Hinter dem Titel verbergen sich zwei prämierte Kurzfilme des österreichischen Regisseurs David Lapuch: "Cornetto im Gras", 2023 bei der Diagonale als bester Kurzspielfilm ausgezeichnet und 2024 für den Österreichischen Filmpreis nominiert. Sowie "Frutti di Mare", der 2026 bei der Diagonale Premiere feierte. Für die Kinofassung wurden ein neuer Prolog und ein verbindendes Intermezzo gedreht.
Beide Geschichten spielen in der steirischen Provinz und erzählen in melancholischer Grundstimmung von "ganz gewöhnlichen Menschen" in Alltagssituationen, in denen das Kleine und Banale mit dem Großen und Universell-Tragischen kollidiert. In den Hauptrollen sind u.a. Thomas Schubert, Marlene Hauser, Maria Hofstätter und Faris Rahoma zu sehen.

"Nachts in der Provinz", Tragikomödie, Episodenfilm. AUT 2026, 84 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"A New Dawn"
Eine stillgelegte Feuerwerksfabrik soll abgerissen werden, um Platz für eine neue Straße zu schaffen. Seit vier Jahren lebt Keitaro zurückgezogen auf dem Gelände und will das Geheimnis eines legendären Feuerwerks entschlüsseln, das sein verschwundener Vater einst erschuf. Seine Suche führt ihn zurück zu einer Kindheit, die ihn bis heute prägt.
Der Anime von Yoshitoshi Shinomiya, sein Langspielfilmdebüt, verbindet eine poetische Geschichte über Verlust und Freundschaft mit Fragen des Klimawandels. Der vor allem visuell überzeugende Film feierte Premiere im Wettbewerb der Berlinale 2026 und wurde beim Animationsfilmfestival von Annecy mit dem Jurypreis ausgezeichnet.

"A New Dawn", Anime, Fantasy. JP/FRA 2026, 76 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"Street Fighter"
Die beiden Kampfsportler Ryu (Andrew Koji) und Ken Masters (Noah Centineo) treffen erneut aufeinander, als Chun-Li (Callina Liang) sie für das World Warrior Tournament rekrutiert. Die Sache entpuppt sich jedoch als Teil einer gefährlichen Verschwörung.
Regisseur Kitao Sakurai bringt die legendäre Videospielreihe mit einem prominent besetzten Ensemble auf die Leinwand.

"Street Fighter", Action, Martial Arts. USA/JP 2026, 119 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"Spaziergang nach Syrakus"
Paul Gompitz (Charly Hübner) hat einen ungewöhnlichen Traum: Er möchte von Rostock nach Syrakus auf Sizilien reisen und damit den Spuren des Dichters Johann Gottfried Seume folgen. Doch es ist das Jahr 1982. Und Paul lebt in der DDR, wo seine Ausreiseanträge immer wieder abgelehnt werden. So beginnt er, eine riskante Flucht zu planen.
Regisseur Lars Jessen verfilmt eine Erzählung von Friedrich Christian Delius.

"Spaziergang nach Syrakus", Drama. DE/ITA 2026, 97 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"Monster Mia"
Mia fühlt sich als Außenseiterin und wird nach einem Vorfall an ihrer bisherigen Schule auf die geheimnisvolle Finsterwald-Akademie geschickt. Dort trifft sie auf Vampire, Werwölfe und andere Monster, die ihr erstmals das Gefühl geben, dazuzugehören. Allerdings hat Mia ein Geheimnis: Sie ist selbst ein Mensch. Als der rachsüchtige Schuldirektor Van Vlad einen gefährlichen Plan verfolgt, müssen Mia und ihre neuen Freunde zusammenarbeiten, um die Menschen vor einer Verwandlung in Monster zu bewahren.
Animationsabenteuer aus Österreich mit den Stimmen von Lilian Gartner, Verena Altenberger, Michael Ostrowski, Armin Assinger u.a.

"Monster Mia", Animationsfilm, Fantasy. AUT/ESP/DE 2026, 81 Minuten, ab 15. Oktober im Kino

"Nöstlinger – Sowieso und überhaupt"
Christine Nöstlinger zählt zweifellos zu den wichtigsten österreichischen Autorinnen des 20. Jahrhunderts und hat die Kinderliteratur nachhaltig geprägt. Alexandra Schneiders Dokumentarfilm anlässlich des 90. Geburtstags der 2018 Verstorbenen zeichnet das Leben und Schaffen der Schriftstellerin nach und beleuchtet zugleich die gesellschaftlichen Veränderungen in Österreich während der vergangenen fünf Jahrzehnte. Zu Wort kommen darin u.a. auch Autorin Stefanie Sargnagel, die Schauspielerin Ursula Strauss und Karin Nyman, die Tochter von Astrid Lindgren.

"Nöstlinger – Sowieso und überhaupt", Dokumentation. AUT 2026, 90 Minuten, ab 16. Oktober im Kino

Christian Klosz
Akt. 15.10.2026 01:26 Uhr