Sie war mutig, anständig und immer sie selbst. Doch das Bemerkenswerte war nicht, wie viele sie liebten, sondern wie wenige sie nicht mochten. Dolly Parton war eine der wenigen Konstanten, auf die sich in den zerrissenen USA noch alle Menschen einigen konnten.

Als Dolly Parton in ihren Zwanzigern war, lehnte sie Elvis Presley ab. Sie hatte ein wunderbares Lied geschrieben, "I Will Always Love You", und der King wollte es aufnehmen. Sein Manager verlangte von ihr, die Hälfte der Rechte an dem Lied abzutreten – schließlich war Elvis ein Superstar und sie nicht. Sie sagte Nein.
Es muss einiges an Mut erfordert haben, als Frau, die in Tennessee in einer Hütte mit nur einem Raum und ohne Strom aufgewachsen war, Elvis zum Teufel zu schicken. Doch es brachte ihr Millionen ein. Die Version von Whitney Houston, viele Jahre später, wurde zu einem der meistverkauften Songs aller Zeiten. (Die arabische Version, die Saddam Hussein für einen Wahlkampf-Song abkupferte, sei besser vergessen.)
Dolly Parton wurde zum Megastar, mit 25 Nummer-1-Hits in den Billboard Hot Country Charts und elf Grammy Awards. Doch das Bemerkenswerte an ihrer Karriere war nicht, wie viele Menschen sie liebten, sondern wie wenige sie nicht mochten. Vor fünf Jahren veröffentlichte die urbane, liberale New York Times einen Artikel mit der Überschrift: "Gibt es etwas, worauf wir uns alle einigen können? Ja: Dolly Parton." Kurz nach ihrem Tod wurde öffentlich sowohl von Donald Trump als auch von New Yorks linkem Bürgermeister Zohran Mamdani um sie getrauert. Was war ihr Geheimnis?

Es begann mit ihrer Stimme: ein leicht bebendes, helles Sopranregister mit dem näselnden Akzent der Appalachen. Sie konnte süß und nostalgisch klingen, etwa in "Coat of Many Colors", dem Lied über einen selbst genähten Mantel aus Stoffresten, über den die anderen Kinder lachten, der sie aber sich "reich" fühlen ließ, weil ihre Mutter so viel Liebe hineingelegt hatte.
Sie konnte müde und verständnislos klingen, wie in "9 to 5", wo sie sich vor dem Kampf durch den Berufsverkehr und den Arbeitstag für einen gleichgültigen Chef "eine Tasse Ehrgeiz" einschenkt. Oder scharf und durchdringend, wie in "Jolene", in dem sie eine andere, schönere Frau anfleht: "Nimm mir nicht meinen Mann … auch wenn du es könntest."
Parton war eine begnadete Songwriterin – und begann zu einer Zeit, in der weibliche Country-Sängerinnen nur selten ihre eigenen Lieder schrieben. Ihre Texte waren direkt und verspielt; sie besaß das Talent, komplexe Geschichten und Lebensweisheiten in gereimte Zweizeiler zu verdichten – und das in erstaunlichem Tempo: Sie sagte einmal, sie habe möglicherweise "Jolene" und "I Will Always Love You" in derselben Nacht geschrieben.

Sie war vielseitig, arbeitete mit Paul McCartney, Lizzo und einem niederländischen Rapper namens Mr. Probz zusammen. Sie spielte in Filmen, schrieb eine Autobiografie, gründete den familienfreundlichen Freizeitpark Dollywood, rief eine Wohltätigkeitsorganisation ins Leben, die mehr als 300 Millionen Bücher an Kinder verteilte, und starb mit einem Vermögen von mehr als 450 Millionen Dollar.
Das weltweit erste geklonte Schaf wurde nach ihr benannt, weil es aus einer Brustdrüsenzelle geklont worden war. Im Dezember soll ein Musical über ihr Leben am Broadway Premiere feiern.
Man musste ihren Kampfgeist respektieren. Ihre Eltern – ihr Vater war Pächter eines kleinen Bauernhofs – waren so arm, dass der Arzt, der sie zur Welt brachte, mit einem Sack Maismehl bezahlt wurde. Als viertes von zwölf Kindern trat sie bereits mit zehn Jahren in einer lokalen Fernsehsendung auf. Nur drei Jahre später stand sie erstmals auf der Bühne des Grand Ole Opry in Nashville; Johnny Cash stellte sie vor.

Noch vor ihrem Schulabschluss hatte sie einen Vertrag als Songwriterin. Als sie populärer wurde als Porter Wagoner, mit dem sie sich 1967 zusammengetan hatte, und dieser eifersüchtig und übergriffig wurde, ging sie ihren eigenen Weg. Sie wandte sich Pop-Songs zu und konzentrierte sich zunehmend auch auf Schauspiel, Schreiben und geschäftliche Unternehmungen, darunter Film- und Fernsehproduktionen. Sie bewies Geschäftssinn, ohne rücksichtslos zu werden – zumindest nicht öffentlich.
Sie nahm ihren christlichen Glauben ernst, konnte aber mühelos über sich selbst lachen. Einmal nahm sie inkognito an einem Dolly-Parton-Ähnlichkeitswettbewerb teil – und verlor gegen einen Mann. Kontroversen ging sie aus dem Weg. "Ich bin nicht in der Politik, ich bin Entertainerin", sagte sie. Zweimal lehnte sie die Presidential Medal of Freedom ab, aus Sorge, damit politisch zu wirken.



Auf die Frage, wie sie sowohl schwule als auch konservativ-religiöse Fans haben könne, antwortete sie: "Das sind zwei verschiedene Welten, und ich lebe in beiden und liebe sie beide." Während der Corona-Pandemie rief sie die Amerikaner allerdings dazu auf, sich impfen zu lassen – mit einer eigenen Version von "Jolene":
"Vaccine, vaccine, vaccine, vaccine,
I’m begging of you, please don’t hesitate.
Vaccine, vaccine, vaccine, vaccine,
because once you’re dead, then that’s a bit too late."
Auf Deutsch hört sich das leider etwas weniger schmissig an:
"Impfung, Impfung, Impfung, Impfung,
ich flehe dich an, bitte zögere nicht.
Impfung, Impfung, Impfung, Impfung,
denn wenn du erst tot bist, ist es ein bisschen zu spät."

Sie starb in ihrem Haus in Nashville, nur wenige Autostunden von ihrem Geburtsort entfernt. Dabei hatte sie ihren Ehemann nach 59 Jahren Ehe nur knapp überlebt. Carl Dean, ein Asphaltunternehmer, den sie mit 18 kennenlernte, hatte offenbar keinerlei Interesse am Showgeschäft und gab sich manchmal als Gärtner aus, wenn Reporter vor der Tür standen. Er starb im März 2025 mit 82 Jahren.
Ihr Tod wurde von ihrem Neffen bekannt gegeben, der von seinem Vater die Leitung ihres Sicherheitsteams übernommen hatte. Eines ihrer letzten Alben enthielt dank einiger Archivaufnahmen gemeinsame Aufnahmen mit fünf Generationen ihrer Großfamilie. Produziert wurde es von einem Cousin. Den Abschluss bildet ein gesprochenes Schlusswort von Parton: "Bis wir uns wiedersehen, bewahrt die Musik in eurem Herzen und die Berge in eurer Seele."
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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"