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4. November 2025

Atomkraft, Verbrenner Das plant neue tschechische Regierung

Worum geht es? Die neue Koalition in Tschechien aus drei rechten oder rechtspopulistischen Parteien steht, auch das Programm wurde fixiert. Weniger Klimaschutz, Verbrennerautos sollen weiter fahren dürfen, in der EU und in der NATO will das Land bleiben.

Was ist die Vorgeschichte? Anfang Oktober fanden in Tschechien Parlamentswahlen statt. Die oppositionelle Partei Ano von Unternehmer-Milliardär Andrej Babiš gewann mit 34,5 Prozent der Stimmen.

Wer bildet nun die Regierung? Aufgrund des Wahlergebnisses brauchte Babiš zwei Partner. Mit den beiden Kleinparteien "Freiheit und direkte Demokratie" (SPD) und der Autofahrerpartei Motoristé sobě wurde er einig. Das Dreierbündnis besetzt 108 der 200 Sitze im Prager Abgeordnetenhaus.

Gibt es schon eine Regierung? Nein, die Minister sollen erst bis Mitte Dezember festgelegt werden, einige rechtsextreme Kandidaten gelten als problematisch. Die Ano wird den Regierungschef und 8 Minister stellen, die SPD 3, die Autopartei 4.

Was steht nun im Regierungsprogramm? Es soll keine Steuererhöhungen geben, stattdessen eine Senkung der Körperschaftsteuer von 21 % auf 19 %. Der Euro als Währung wird abgelehnt, es bleibt die Krone. Die Kernenergie soll ausgebaut werden.

Was ist mit Klimaschutz? Die drei Parteien fordern Rücknahme oder Stopp von Teilen der EU‑Klimapolitik, die Kritik am European Green Deal ist deutlich. Das geplante Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 in der EU sei "inakzeptabel".

Was ist das sichtbare Zeichen dafür? Die Motoristenpartei übernimmt neben Kultur-, Sport- und Außen- auch das Umweltministerium.

Was ist mit der Migration? Die künftige Regierung will eine Nulltoleranz-Politik bei irregulären Einreisen, der EU-Migrations- und Asylpakt wird abgelehnt. Es soll ein neues Asylgesetz erarbeitet werden, das Schutz nur in Ausnahmefällen vorsieht.

Was sonst noch? Das Renten-Eintrittsalter wird mit 65 gedeckelt. Für NGOs und Medien ist eine stärkere Kontrolle geplant. Das Dreierbündnis tritt für eine Reduktion der Ukrainehilfe ein.

Weitere Meldungen

KI identifiziert Tote 5 Mio. Namen von Nazi-Opfern gefunden

Worum geht es? Das israelische Holocaust-Forschungszentrum Yad Vashem lässt Archive mit künstlicher Intelligenz durchforsten. Ziel ist es, die Todesfälle der rund sechs Millionen Juden zu dokumentieren, die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordet wurden.

Wie weit ist die Forschung? Am Montag gab Yad Vashem bekannt, dass die Namen von fünf Millionen Holocaust-Opfern mithilfe von KI identifiziert werden konnten. Die Forscher gehen davon aus, weitere 250.000 Namen finden zu können.

Wie geht das vor sich? Als Basis dienen Zeugnisse von Überlebenden und Angehörigen (sogenannte "Gedenkblätter"), historische Dokumente (z. B. Deportationslisten, Lagerregister, Gemeindebücher), Archive in über 60 Ländern, teils digitalisiert. Außerdem Partnerschaften mit Institutionen und Museen.

Wie kann KI da helfen? Durch den Einsatz von KI-gestützter Texterkennung und Datenabgleich kann Yad Vashem seit einigen Jahren wesentlich schneller neue Opfer identifizieren oder bestehende Datensätze verknüpfen.

Wie passiert das? Die KI hilft, Handschriften in verschiedenen Sprachen (z. B. Deutsch, Polnisch, Russisch, Hebräisch, Jiddisch) zu entziffern. In Pilotprojekten wird KI eingesetzt, um Gesichter auf historischen Fotos mit anderen Quellen abzugleichen. Ziel: Angehörige oder unbekannte Opfer identifizieren.

Was ist Yad Vashem? Die offizielle israelische Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust in Jerusalem. Sie wurde 1953 gegründet.

Deal in trockenen Tüchern Kleenex kauft Neutrogena-Hersteller

Worum geht es? Ende September hatte Donald Trump ohne Beleg behauptet, das Schmerzmittel Tylenol würde Autismus verursachen. Die Folgen waren gravierend, nun wurde Tylenol-Hersteller Kenvue verkauft.

Was ist der Hintergrund? Gemeinsam mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hatte der US-Präsident Schwangere gewarnt: "Nehmen Sie kein Tylenol zu sich."

Was war die Folge? Die Probleme von Kenvue verschärften sich. Der Aktienkurs ist seit Anfang 2025 um rund ein Drittel gefallen.

Und jetzt? Am Montag kündigte der Konzern Kimberly-Clark an, Kenvue übernehmen zu wollen. Der Vorgang soll in einem Jahr abgeschlossen sein. Die Transaktion hat ein Volumen von 48,7 Milliarden US-Dollar, einschließlich Schulden.

Was ist Kimberly-Clark? Ein US-amerikanischer Konzern, der sich auf Hygiene-, Pflege- und Gesundheitsprodukte spezialisiert hat. Bekannte Marken sind Kleenex oder die Windeln Huggies. Firmensitz ist Texas, das Unternehmen hat rund 44.000 Mitarbeiter weltweit.

Und Kenvue? Es handelt sich um eine Abspaltung von Johnson & Johnson. Bekannte Marken sind Tylenol, Pepcid, Neutrogena, Listerine. Das Unternehmen hat 22.000 Mitarbeiter.

Schicksalstag für Trump Oberstgericht entscheidet über Zölle

Worum geht es? In den vergangenen Monaten überzog US-Präsident Donald Trump die Welt mit Sonderzöllen. Am Mittwoch entscheidet der Oberste Gerichtshof, ob die Zölle rechtens waren.

Wie ist die Tragweite? Enorm, denn hier steht Trumps politisches System zur Disposition. Entscheidet der Supreme Court gegen ihn, verliert er sein wesentlichstes Druckmittel.

Ist Trump das bewusst? Ja, er bezeichnet die Klage als "den wichtigsten Fall aller Zeiten", so Axios.

Was ist der Hintergrund? Trump hat die Zölle weitgehend auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) verhängt. Das Gesetz ist 50 Jahre alt und wurde noch nie für diesen Zweck verwendet.

Was ist das Problem? Die Kläger sagen: Eine Besteuerung ist nur dann legitim, wenn sie von den Vertretern des Volkes beschlossen wird. Also durch den Kongress, nicht durch den Präsidenten. Der Grundsatz gelte seit der amerikanischen Revolution.

Was sagt die Trump-Seite? Trump agiere auf der Basis eines nationalen Notstandes. Der Präsident müsse die Möglichkeit haben, auf eine Notlage zu reagieren.

Wie geht das Verfahren aus? Das ist vollkommen offen.

Folter-Affäre im Militär Israel verhaftet Generalin wegen Video

Worum geht es? Im August 2024 strahlte ein israelischer TV-Sender ein geheimes Video aus. Es zeigt, wie Reservesoldaten auf dem Militärstützpunkt Sde Teiman im Süden Israels einen palästinensischen Gefangenen misshandeln.

Was soll genau passiert sein? Die Soldaten nehmen den Häftling beiseite, umzingeln ihn mit Riot-Schilden, um die Sicht zu versperren. Dann sollen sie ihn geschlagen und sexuell misshandelt haben. Er wurde schwer verletzt.

Warum platzte der Skandal nun? Weil sich herausstellte, dass Yifat Tomer‑Yerushalmi, die bisherige Militär‑Generalstaatsanwältin der Israel Defence Forces (IDF), das Video zur Veröffentlichung freigegeben hatte.

Woher stammt das Video? Aus einer Überwachungskamera im Gefängnis Sde Teiman Detention Facility.

Legte die Generalin ein Geständnis ab? Ja. Sie wurde zunächst ihres Amtes enthoben und trat dann "mit sofortiger Wirkung" zurück. In einem Schreiben an den Generalstabchef begründete sie ihr Vorgehen.

Was steht drin? Sie habe "als Leiterin der Militärstaatsanwaltschaft und aus tiefem Verantwortungsgefühl gegenüber der Einheit und meinen Untergebenen, die Freigabe von Material an die Medien genehmigt, um der gegen die militärischen Strafverfolgungsbehörden gerichteten falschen Propaganda entgegenzuwirken", schreibt sie.

Was ist damit gemeint? Sie spielte damit auf einige rechtsgerichtete Politiker in Israel an, die behauptet hatten, die Vorwürfe schwerer Misshandlungen des palästinensischen Gefangenen seien erfunden.

Was wurde aus dem Häftling? Er kam im Zuge des nunmehrigen Austausches mit der Terrorgruppe Hamas frei.

Und aus Yifat Tomer‑Yerushalmi? Sie wurde am Montag in Haft genommen.

Gebühr statt Trinkgeld So tricksen Lokale Belegschaft aus

Worum geht es? Trinkgelder sind nicht nur in Österreich eine heikle Materie. Ein neues Gesetz verpflichtet britische Restaurants, Trinkgelder an alle Beschäftigten weiterzugeben. Das aber wird immer öfter umgangen.

Was steckt dahinter? Besucher von Lokalen fiel auf, dass sich auf den Rechnungen ein neuer Posten findet. Er nennt sich "Bearbeitungsgebühr" oder "Verwaltungsgebühr".

Wie hoch ist die Gebühr? Die Times berichtet von einer Pizzeria, die 12,5 Prozent auf die Rechnung aufschlug.

Wie kam das zustande? Um die Trinkgeld-Regelung fairer zu gestalten, wurde 2023 der Employment (Allocation of Tips) Act eingeführt – nach acht Jahren Verhandlung. Bis dahin lag es im Ermessen des Unternehmens, ob und wie viel Geld es an Mitarbeiter weitergibt.

Was war nun anders? Das Gesetz trat 2024 in Kraft und schreibt vor, dass Arbeitgeber Trinkgelder ohne Abzüge – abzüglich Steuern und Sozialversicherung – an ihre Angestellten weiterleitenn und diese Trinkgelder fair und transparent unter den Mitarbeitern aufteilen müssen.

Dann brach Kreativität aus, oder? Es gab plötzlich eine "Gedeckgebühr", eine "Markengebühr" oder eine "Bezahlgebühr". Die Restaurants argumentieren, dass sie aufgrund der explodierenden Kosten nur so ihre Preise halten können.

Was sagt die Gewerkschaft? Sie nennt den Vorgang "Trinkgeldraub".

Japan gewinnt Müll-WM 74,76 Kilo in 20 Minuten gesammelt

Worum geht es? Noch nicht olympisch, in Japan aber schon Volkssport: Müllstammeln. Nun fand in Tokio der zweite Spogomi World Cup statt. Ziel ist es, in einer vorgegebenen Zeit möglichst viel Abfall zu sammeln.

Wie bitte? Der Name Spogomi setzt sich aus "Sport" und dem japanischen Wort für Müll, "gomi", zusammen. Es ist ein Wettlauf zwischen Dreierteams, Punkte werden sowohl für die Menge, als auch für die Art des Mülls vergeben.

Was gibt es da so? Für Zigarettenkippen 50 Punkte, für Plastikflaschen 25 Punkte, für Dosen 15 Punkte, für brennbaren Müll wie Papier, Plastiksackerln und Textilien 10 Punkte und für nicht brennbaren Abfall wie Glas, Batterien und Metalle 5 Punkte, jeweils pro 100 Gramm.

Gibt es auch Abzüge? Das Einsammeln von Sperrmüll wie Feuerlöschern, Reiskochern und Kinderwagen führte zu einem Abzug von 100 Punkten.

Wie darf man sich den Wettbewerb vorstellen? Die Teams ziehen 45 Minuten durch die Straßen und dürfen dabei nicht weiter als 10 Meter voneinander entfernt sein. Laufen ist verboten, ein offizieller Kampfrichter geht mit. Anschließend gibt es 20 Minuten Zeit,  um den Müll zu sortieren.

Werden einfach Mülleimer ausgeleert? Gute Idee, ist aber verboten.

Seit wann gibt es den Wettlauf? Seit 2008, der World Cup fand zum zweiten Mal statt. In Japan gibt es auch an Schulen Wettbewerbe.

Wer gewann? Japan mit 74,76 Kilo Müll und 7.210 Punkten vor Deutschland und Marokko. 33 Teams nahmen teil.

Bahn schafft Rekord Schon jeder zweite Zug ist unpünktlich

Worum geht es? Früher waren die Deutschen stolz auf ihre Eisenbahn, jetzt machen sie Witze darüber. Zugfahren ist mittlerweile ein Glücksspiel wie Lotto. Im Oktober erreichte rund die Hälfte aller Fernzüge unpünktlich ihr Ziel. Der alte Rekord wurde unterboten.

Wie lauten die genauen Zahlen? Lediglich 51,5 Prozent aller ICEs und ICs kamen korrekt an, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Erst im September hatten die Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn mit 55,3 Prozent einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht.

Was ist die Ursache? Leider etwas, das sich nicht über Nacht beheben lässt, nämlich der schlechte Zustand der Schienen und die zur Sanierung nötigen Bauarbeiten. Eine Baustelle kann einen Dominoeffekt auslösen.

Wann war es besonders schlimm? Die Wochenenden laufen etwas besser, weil weniger Güterverkehr unterwegs ist. Aber am 23. und 24. Oktober benötigten Reisende gute Nerven. Da kamen überhaupt nur 37 Prozent aller Züge in der Zeit an.

Was gilt als pünktlich? Wenn ein Zug maximal fünf Minuten und 59 Sekunden Verspätung hat.