Worum geht es? Die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette ist am Mittwoch vom Landgericht Verden zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil markiert einen der spektakulärsten Abschlüsse eines deutschen Terrorismus-Verfahrens.
Warum das Urteil? Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Klette gemeinsam mit den weiterhin flüchtigen Ex-RAF-Mitgliedern Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub über Jahre bewaffnete Raubüberfälle auf Geldtransporter und Supermärkte verübte.
Wofür wurde Daniela Klette verurteilt? Für schweren Raub, erpresserischen Menschenraub, Waffenbesitz und Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.
Was war der Tatzeitraum? Die Anklage bezog sich auf eine Serie bewaffneter Überfälle zwischen 1999 und 2016 in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Fiel das Urteil hoch aus? Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich 15 Jahre gefordert. Das Gericht blieb also leicht unter der Forderung der Anklage.
Warum war der Prozess so besonders? Der Fall gilt als historisch, weil Klette jahrzehntelang als eine der meistgesuchten Ex-Terroristinnen Deutschlands galt. Nach dem Ende der RAF lebte sie mehr als 30 Jahre im Untergrund.
Wann wurde sie entdeckt? Klette wurde im Februar 2024 in Berlin-Kreuzberg festgenommen. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung fanden Ermittler Waffen, Munition, gefälschte Ausweise, Gold, rund 240.000 Euro Bargeld sowie eine Panzerfaust-Attrappe.
Warum verübte die Gruppe die Überfälle? Nach Ansicht der Ermittler finanzierten Klette, Garweg und Staub mit den Überfällen ihr Leben im Untergrund. Insgesamt soll die Gruppe mehr als 2,7 Millionen Euro erbeutet haben.
Wie lebte Daniela Klette im Untergrund? Unter falschem Namen besuchte sie Tanzkurse, Pilates, Lesungen und Capoeira-Trainings. Nachbarn beschrieben sie später als freundlich und unauffällig.
Warum war der Prozess so aufwendig? Es wurde eigens eine frühere Reithalle in Verden zu einem Hochsicherheits-Gerichtssaal umgebaut. Die Kosten lagen laut niedersächsischer Justiz bei rund 3,6 Millionen Euro.
Hat Daniela Klette Reue gezeigt? Nur teilweise. In ihrem Schlusswort bedauerte sie laut Prozessbeobachtern traumatisierte Opfer der Überfälle. Gleichzeitig verteidigte sie aber weiterhin radikal linke Positionen und äußerte erneut Kapitalismuskritik.
Was war die RAF? Zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren ermordete die linksextreme Terrororganisation mehr als 30 Menschen.
Worum geht es? Ein mutmaßlicher Betrüger soll Hollywood-Star Johnny Depp (62) über fast zwei Jahre hinweg heimlich 619.508 Euro von der Kreditkarte gestohlen haben. Nun wurde ein Verdächtiger in Budapest festgenommen.
Was soll passiert sein? Laut ungarischen Ermittlern (hier das Video der Erstürmung der Wohnung) wurden mit Depps Kreditkartendaten zwischen Januar 2024 und Dezember 2025 insgesamt 308 Transaktionen durchgeführt.
Wohin ging das Geld? Die Zahlungen liefen laut Polizei überwiegend über Online-Buchungen, Unterkünfte, digitale Käufe und kleinere Einzeltransaktionen. Gerade weil die Beträge meist relativ klein waren, blieb der Betrug offenbar lange unbemerkt.
Wie flog alles auf? Eine US-Bank meldete verdächtige Bewegungen auf einem Konto. Über IP-Adressen, E-Mail-Konten und Telefonnummern gelangten die Behörden zu einer Wohnung im Budapester Stadtteil Angyalföld. Dort wurde der Verdächtige Anfang Mai von schwer bewaffneten Polizisten festgenommen.
Wer ist der Verdächtige? Ein 27-jähriger jordanischer Staatsbürger mit Aufenthaltsgenehmigung für Ungarn. Der Mann bestreitet bislang alle Vorwürfe. Ein Gericht ordnete Untersuchungshaft an.
Wie reich ist Johnny Depp heute noch? Er galt lange als einer der bestbezahlten Schauspieler Hollywoods. Zwischen 1999 und 2016 soll er laut Gerichtsunterlagen mehr als 650 Millionen Dollar verdient haben.
Aber? Gleichzeitig sorgten luxuriöse Immobilien, Jachten, Kunstsammlungen, Privatjets und jahrelange Rechtsstreitigkeiten
für enorme Ausgaben. Sein heutiges Vermögen wird je nach Quelle noch auf rund 100 bis 150 Millionen Dollar geschätzt.
Warum ist Depps Finanzsituation seit Jahren ein Thema? Weil durch die Prozesse gegen seine Ex-Frau Amber Heard weltweit Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurde.
Nämlich? Es wurde öffentlich bekannt, wie extrem hoch seine Ausgaben zeitweise waren – darunter bis zu 30.000 Dollar monatlich für Wein, zahlreiche Luxusimmobilien und Millionenbeträge für Sicherheitspersonal und Kunstwerke.
Wie könnten die Täter an die Kreditkartendaten gekommen sein? Genau das versuchen die Ermittler derzeit herauszufinden. Diskutiert werden Datenlecks, gehackte Online-Konten, abgefangene Kartendaten oder frühere Online-Zahlungen. Die Polizei schließt auch mögliche internationale Netzwerke nicht aus.
Worum geht es? Die USA haben neue Luftangriffe auf Ziele im Iran durchgeführt. Washington spricht von "Selbstverteidigung". Man habe 16 iranische Minenleger nahe der Straße von Hormus zerstört.
Was waren die Ziele? Nach Angaben des US-Regionalkommandos CENTCOM richteten sich die Angriffe gegen iranische Raketenstellungen im Süden des Landes sowie gegen Boote, die offenbar Minen in der Straße von Hormus verlegen sollten.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig? Sie zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman wird ein großer Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggasexports transportiert.
Warum sprechen die USA von "Selbstverteidigung"? Das US-Militär erklärte, die Angriffe hätten dem Schutz eigener Truppen und der internationalen Schifffahrt gedient.
Gilt die Waffenruhe nicht mehr? Doch, CENTCOM betonte, man halte sich grundsätzlich an die aktuelle Waffenruhe, werde aber Bedrohungen gegen amerikanische Streitkräfte und Verbündete nicht akzeptieren.
Wie reagiert der Iran? Iranische Medien berichteten nach den Angriffen von mehreren Todesopfern nahe der Insel Larak in der Straße von Hormus. Die Revolutionsgarden warnten erneut vor Vergeltung und bezeichneten die US-Angriffe als Verletzung iranischer Souveränität.
Gab es Gegenschläge? Ein Tanker wurde nach einem mutmaßlich iranischen Angriff vor der Küste des Oman beschädigt. Am Schiffrumpf ereignete sich eine Explosion.
Was war die Folge? Treibstoff trat aus, es gab eine Warnung an umliegende Schiffe. Die Besatzung sei in Sicherheit, berichtete die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO)
In welchem Zusammenhang stehen die Angriffe? Die neuen Luftschläge sind Teil der seit Monaten eskalierenden Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran. Seit Anfang 2026 greifen die USA und Israel gemeinsam iranische Militär- und Nuklearziele an.
Welche Rolle spielt Donald Trump? Er hatte dem Iran zuletzt mehrfach mit weiteren Militärschlägen gedroht. Washington fordert von Teheran unter anderem Einschränkungen des iranischen Raketen- und Atomprogramms. Trump erklärte wiederholt, die USA würden notfalls "mit maximaler Härte" reagieren.
Warum stehen die iranischen Raketenstellungen im Fokus? Die USA und Israel sehen das iranische Raketenprogramm als zentrale Bedrohung für die Region.
Weil? Geheimdienste gehen davon aus, dass der Iran trotz zahlreicher Luftangriffe weiterhin über einen großen Teil seines Raketenarsenals verfügt. Besonders mobile Abschussrampen gelten als schwer zerstörbar.
Warum greifen die USA Minenleger-Boote an? Washington befürchtet, dass der Iran die Straße von Hormus blockieren oder verminen könnte. US-Geheimdienste hatten zuletzt mehrfach vor entsprechenden Vorbereitungen gewarnt.
Gibt es trotz der Angriffe diplomatische Gespräche? Ja. Parallel zur militärischen Eskalation laufen weiterhin Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Mehrere Staaten aus der Golfregion versuchen derzeit zu vermitteln.
Was ist der aktuelle Stand? Laut US-Außenminister Marco Rubio gibt es zwar Fortschritte, die Gespräche bleiben aber äußerst schwierig.
Worum geht es? Der Vorstand des britischen Ölkonzerns BP hat beschlossen, den Vorsitzenden Albert Manifold abzusetzen. Laut Unternehmensmitteilung geschah dies wegen "ernsthafter Bedenken" hinsichtlich "Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten".
Was heißt das? Die Formulierung gilt in Großbritannien als ungewöhnlich scharf und deutet auf tiefere interne Probleme hin. Manifold war nur ein Jahr im Amt.
Wer ist Albert Manifold? Ein irischer Manager, der zuvor den Baustoffkonzern CRH führte und dort als harter Sanierer galt. Er soll bei BP intern erheblichen Druck auf das Management ausgeübt haben.
Warum ist die Begründung so brisant? Die Begriffe "Governance", "Aufsicht" und "Verhalten" deuten nicht auf strategische Differenzen, sondern auf mögliche Konflikte rund um Unternehmensführung, Kontrolle und persönliches Verhalten hin.
Was ist der konkrete Vorwurf? Offiziell wurden keine Details veröffentlicht. Britische Medien berichten jedoch über Spannungen mit anderen Board-Mitgliedern und Kritik am Führungsstil. Eine Person aus dem Umfeld des BP-Vorstands beschrieb den Manager als "lautstark".
Was ist damit gemeint? Manifold wurde laut Financial Times von anderen Direktoren als "zu aggressiv" angesehen. Er habe sich gegenüber leitenden Mitarbeitern mitunter herablassend verhalten, sowohl in Einzelgesprächen als auch in größeren Runden.
Was bedeutet "Governance-Standards" konkret? Damit sind Regeln guter Unternehmensführung gemeint. Dazu zählen Transparenz, Einhaltung interner Kontrollmechanismen, Umgang mit Interessenkonflikten, Compliance-Regeln, Verhalten gegenüber Management und Aufsichtsrat.
Warum ist der Fall heikel? BP hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrere Führungsprobleme. Besonders belastend war der Rücktritt des früheren CEO Bernard Looney im Jahr 2023 wegen nicht offengelegter persönlicher Beziehungen zu Angestellten.
Welche Rolle spielte der BP-Vorstand? Laut Mitteilung fiel die Entscheidung einstimmig (was selten vorkommt). Das gilt als wichtiges Signal, weil es zeigt, dass Manifold offenbar keine Unterstützung mehr innerhalb des Boards hatte.
Wie reagierten Investoren? Die Aktien von BP fielen am Dienstag um rund 5 Prozent. Investoren wünschen sich bei BP vor allem Stabilität, nachdem der Konzern bereits mehrere Führungswechsel und Strategiedebatten erlebt hat.
Worum geht es? Boliviens Präsident Rodrigo Paz hat angekündigt, sein eigenes Gehalt sowie die Bezüge von Ministern und hohen Regierungsbeamten um 50 Prozent zu kürzen.
Warum? Mit dem Schritt versucht die Regierung, massive Proteste im Land zu beruhigen. Demonstranten werfen Paz wirtschaftliches Versagen vor und fordern seinen Rücktritt.
Was war der Auslöser? Die schwere Wirtschaftskrise, steigende Preise und eine wachsende Unzufriedenheit mit der Regierung. Besonders die Inflation bei Lebensmitteln und Treibstoffen belastet viele Menschen.
Was war die Folge? In mehreren Städten kam es zuletzt zu Straßenblockaden und Massenkundgebungen.
Warum kürzt Paz die Gehälter? Der Präsident will damit ein Signal setzen, dass auch die politische Führung Opfer bringen müsse. Paz erklärte, die Regierung müsse "Solidarität mit der Bevölkerung" zeigen. Die Maßnahme soll den Vorwurf entkräften, die Elite lebe trotz Krise weiter privilegiert.
Reicht die Maßnahme aus, um die Proteste zu stoppen? Viele Demonstranten halten die Gehaltskürzungen für symbolisch. Oppositionsgruppen sprechen von einem "PR-Manöver" und verlangen weiterhin wirtschaftliche Reformen sowie den Rücktritt des Präsidenten.
Wie schwer ist die Krise? Bolivien kämpft derzeit mit Devisenmangel, hoher Staatsverschuldung, sinkenden Gasexporten und Problemen bei der Treibstoffversorgung. Teilweise bilden sich lange Schlangen an Tankstellen, weil importierter Treibstoff knapp ist.
Warum ist das für Bolivien besonders problematisch? Die Wirtschaft war jahrelang stark von Erdgasexporten abhängig. Sinkende Produktion und niedrigere Einnahmen haben die Staatsfinanzen massiv belastet. Gleichzeitig steigen die Kosten für Subventionen und Importe.
Wer ist Rodrigo Paz? Der 58-Jährige gilt als zentristischer Politiker und wirtschaftlich pragmatischer Präsident. Er versprach Stabilität und Reformen, steht nun aber zunehmend unter Druck. Kritiker werfen ihm vor, die wirtschaftlichen Probleme unterschätzt zu haben.
Welche Gruppen protestieren? Gewerkschaften, Studenten, indigene Gruppen, Oppositionsparteien, Transportarbeiter. Teilweise schließen sich auch frühere Unterstützer der Regierung den Demonstrationen an.
Gibt es Gewalt bei den Protesten? In mehreren Städten kam es zuletzt zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Medien berichten von Verletzten und Festnahmen. Besonders angespannt ist die Lage in La Paz sowie in wirtschaftlich wichtigen Regionen des Landes.
Warum sorgt die Lage international für Aufmerksamkeit? Bolivien besitzt große Rohstoffvorkommen, darunter Lithium, das für Batterien und Elektroautos wichtig ist. Internationale Investoren beobachten die politische Instabilität deshalb mit Sorge.
Worum geht es? Mexiko hat sich bereit erklärt, während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 als Quartier für die iranische Nationalmannschaft zu dienen. Das Turnier wird gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet.
Wieso Mexiko? Brisant ist dabei vor allem eine Aussage der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum: Die USA hätten "nicht gewollt, dass die iranische Mannschaft dort übernachtet".
Aber spielt der Iran nicht in den USA? Ja, alle drei Gruppenspiele. Gegen Neuseeland (15.6.) und Belgien (21.6.) in Los Angeles, gegen Ägypten (26.6.) in Seattle.
Warum sorgt die Entscheidung international für Aufsehen? Der Fall verbindet Sport mit Geopolitik. Die USA und der Iran befinden sich im Kriegszustand, das macht das Antreten bei der WM brisant.
Warum wollen die USA die iranische Mannschaft nicht beherbergen? Offiziell gibt es bislang keine Stellungnahme aus Washington.
Warum ist die Sache sportpolitisch problematisch? Die FIFA versucht traditionell, politische Konflikte vom Fußball fernzuhalten. Dass ein Team bei einer WM nicht im Gastgeberland untergebracht wird, könnte als politische Diskriminierung interpretiert werden.
Wo soll die iranische Mannschaft nun wohnen? Nach bisherigen Informationen soll das Team sein Basisquartier in Mexiko beziehen und von dort zu den Spielen in die USA reisen. Details zum genauen Standort wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Warum ist das logistisch kompliziert? Es bedeutet: zusätzliche Flüge, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen, komplizierte Grenz- und Visaabläufe, höheren organisatorischen Aufwand.
Gibt es Reaktionen aus dem Iran? Iranische Medien berichten teils kritisch über die Haltung der USA. Kommentatoren sprechen von einer "Politisierung des Sports". Offizielle Vertreter des Fußballverbands bemühen sich allerdings um eine eher zurückhaltende Tonlage.
Worum geht es? Der japanische Baseballmanager Shinnosuke Abe, Manager des japanischen Baseballclubs Yomiuri Giants, ist nach einem ungewöhnlichen Polizeieinsatz zurückgetreten. Indirekt beteiligt war auch ChatGPT.
Was ist passiert? Die 18-jährige Tochter des Managers geriet mit ihrer Schwestern in einen körperlichen Streit. Abe ging dazwischen, packte seine Tochter am Kragen, sie landete auf dem Boden.
Und? Die 18-Jährige befragte danach ChatGPT und eine Kinderberatungsstelle, wie sie sich verhalten soll. Kurz darauf tauchte die Polizei bei der Familie auf und nahm den Vater vorübergehend fest.
Warum sorgt das für Aufsehen? Weil er Fragen über den Einfluss künstlicher Intelligenz auf Familienkonflikte und Polizeieinsätze aufwirft.
Wer ist der Shinnosuke Abe? Er war acht Jahre lang selbst Spieler der Giants, dann Cheftrainer, nun gilt er als bekannter Baseballmanager in Japan. Der Sport genießt im Land enorme Popularität.
Warum trat er zurück? Der Manager erklärte laut Medienberichten, er wolle weiteren Schaden für sein Team und den Sport vermeiden. In Japan spielen öffentliche Verantwortung und persönliches Fehlverhalten im Berufsleben traditionell eine große Rolle.
Wie reagierte die Tochter? Sie zeigte sich verblüfft. Mit ihrem Vater habe sie sich versöhnt, sie sei auch nicht verletzt worden. "Bitte macht euch keine Sorge", sagte sie.
Worum geht es? Die umstrittenen Urteile im sogenannten Fordingbridge-Vergewaltigungsfall werden nun vor dem britischen Berufungsgericht überprüft. Das Verfahren hatte für viel Empörung in der Bevölkerung gesorgt, berichtet die Times.
Was ist passiert? Drei Jugendliche hatten zwei Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren vergewaltigt, die Taten teilweise gefilmt und Videos verbreitet. Viele Briten reagierten schockiert darauf, dass kein Täter ins Gefängnis musste.
Wann war das? Ende 2024 und Anfang 2025 in der englischen Kleinstadt Fordingbridge. Die Täter vereinbarten über Snapchat ein Treffen, ein Mädchen wurde gemeinsam vergewaltigt. Ein weiteres Mädchen wurde später ebenfalls Opfer eines Gruppenübergriffs.
Welche Strafen hat das Gericht ausgesprochen? Das Jugendgericht verhängte sogenannte "Youth Rehabilitation Orders". Die Jugendlichen erhielten intensive Überwachung, Kontaktverbote und Auflagen, mussten aber nicht ins Gefängnis.
Weil? Der Richter argumentierte, die Angeklagten seien sehr jung und würden über eine "geringe intellektuelle Kapazität" verfügen. Er fügte hinzu, er wolle "diese Kinder nicht unnötig kriminalisieren".
Wie alt sind die Angeklagten? Die beiden Hauptangeklagten sind jetzt 15 Jahre alt, ein dritter Verdächtiger ist 14.
Warum wird das Urteil jetzt überprüft? Der britische Generalstaatsanwalt ließ den Fall wegen möglicher "unangemessen milder Strafen" an das Berufungsgericht weiterleiten. Das ist in Großbritannien nur bei besonders umstrittenen Entscheidungen möglich.
Welche Rolle spielt Keir Starmer? Der Premierminister Keir Starmer erklärte öffentlich, die Fälle seien "zutiefst verstörend". Er unterstützte die Überprüfung durch das Berufungsgericht und lobte die Opfer für ihren Mut.
Was sagte er? "Ich finde es als Politiker erschütternd. Ich finde es als Vater erschütternd.“ Starmer steht dabei auch politisch unter Druck, härter gegen Gewalt gegen Frauen vorzugehen.
Was prüft das Berufungsgericht nun genau? Der Court of Appeal untersucht, ob die Strafen gemessen an der Schwere der Taten zu milde waren. Falls das Gericht zu diesem Schluss kommt, könnten die Jugendlichen nachträglich deutlich härtere Strafen erhalten – darunter Jugendhaft.
Warum ist die Entscheidung juristisch heikel? Das britische Jugendstrafrecht legt traditionell großen Wert auf Resozialisierung. Richter müssen bei minderjährigen Tätern Alter, psychische Entwicklung und Reife berücksichtigen.
Was berichten die Opfer? Eines der Opfer erklärte vor Gericht, sie habe nach der Tat "sterben wollen". Beide Mädchen schilderten schwere psychische Folgen, Angstzustände und massive Belastungen durch die Verbreitung der Videos.