Worum geht es? Mehr als 100 Autorinnen und Autoren haben ihren Rückzug aus dem französischen Verlag Grasset angekündigt – aus Protest gegen den rechtskonservativen Medien- und Industriebesitzer Vincent Bolloré, berichtet der Guardian.
Was ist der Hintergrund? Die Betroffenen haben Sorge vor einer politischen Einflussnahme auf Verlagsprogramme und Inhalte. Bolloré gilt als gut vernetzt im französischen Mediensektor und steht politisch sehr weit rechts im rechten Spektrum.
Was heißt das konkret? Die Schriftsteller wollen dem Verlag ihre Werke entziehen (dafür müssen sie klagen) und stoppen die künftige Zusammenarbeit. Solche Aktionen sind im französischen Literaturbetrieb selten und haben daher auch politisches Gewicht.
Wer gehört dazu? Einige in Frankreich sehr bekannte Persönlichkeiten. Die Punk-Feministin Virginie Despentes und der Philosoph Bernard-Henri Lévy. Sie haben einen offenen Brief gegen den 74-jährigen Verlagschef geschrieben.
Was steht drin? "Wir weigern uns, Geiseln in einem ideologischen Krieg zu sein, der versucht, Autoritarismus überall in Kultur und Medien durchzusetzen", schrieben sie. "Wir wollen nicht, dass unsere Ideen, unsere Arbeit sein Eigentum werden."
Gibt es einen Anlass? Ja, der Abgang des moderaten Grasset-Verlegers Olivier Nora, der den Betrieb 26 Jahre lang geleitet hatte. Der Journalist und Schriftsteller David Dufresne zerriss seinen Vertrag mit Grasset in einer Fernseh-Talkshow.
Worum geht es? Europa erlebt nach der faktischen Schließung der Straße von Hormus, die "größte Energiekrise, mit der wir je konfrontiert waren", warnt der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA) in einem Interview mit AP.
Was ist die Konsequenz? "Europa hat noch ungefähr sechs Wochen Kerosin", sagt Fatih Birol. Es könnte bald zur Streichung von Flugverbindungen kommen.
Was ist die IEA? Eine internationale Organisation, die sich mit Energiepolitik, Energiesicherheit und Marktentwicklung beschäftigt, Sitz ist in Paris. Die Agentur wurde 1974 gegründet, die meisten großen Industrieländer sind Mitglied.
Welche Entwicklung sieht Birol? Die Auswirkungen der Knappheit werden "höhere Benzinpreise, höhere Gaspreise und höhere Strompreise" sein, und fügte hinzu, dass einige Teile der Welt stärker betroffen sein würden als andere.
Wen trifft es? "Die asiatischen Länder, die auf Energie aus dem Nahen Osten angewiesen sind, stehen an vorderster Front", sagte er und nannte Japan, Korea, Indien, China, Pakistan und Bangladesch.
Und? "Dann wird es nach Europa und Amerika kommen."
Welches Szenario sieht er? "Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, dass wir bald die Nachricht erhalten werden, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel gestrichen werden."
Worum geht es? Wie schnell schlägt das Herz von Carlos Alcaraz, welche Körpertemperatur hat Aryna Sabalenka aktuell? Wearables können das auslesen, nun werden sie beim berühmtesten Tennisturnier der Welt erlaubt.
Was genau? Wimbledon hat angekündigt, dass Spieler künftig im Rahmen einer Testphase erstmals Datentracking-Geräte während der Matches nutzen dürfen.
Warum ist das wichtig? Damit öffnet sich das traditionsreiche Turnier für Sporttechnologie, die im Tennis bisher nur sehr eingeschränkt erlaubt war.
Was heißt das? Konkret geht es um Geräte, die biometrische Daten erfassen können, etwa Herzfrequenz, Belastungsniveau, Körpertemperatur oder Erholungswerte. Diese Daten sollen helfen, die körperliche Belastung im Hochleistungstennis besser zu verstehen.
Warum? Um Trainings- sowie Regenerationsprozesse zu optimieren. Die Auswertung erfolgt dabei nicht live während des Spiels, sondern erst nach dem Match.
Wieso nicht live? Ein zentraler Punkt der Regeln ist, dass die Geräte keinen Einfluss auf das laufende Spiel haben dürfen. Es gibt also weiterhin kein Live-Coaching über Daten oder taktische Echtzeit-Analysen während der Partie.
Ist das neu? Viele Spieler arbeiten bereits mit Wearables im Training, während Turniere wie Wimbledon bislang sehr restriktiv waren. Andere große Turniere haben ähnliche Entwicklungen teilweise früher zugelassen, oder auch verboten.
Worum geht es? Schweden galt lange als eines der Länder, die Schulen stark digitalisiert haben – mit Tablets, Laptops und digitalen Lernplattformen schon in frühen Klassenstufen. Nun ändert sich dieser Kurs, berichtet die BBC.
Warum? Die schwedische Regierung setzt sich für eine stärkere Fokussierung auf physische Bücher, Papier und Stifte in den Klassenzimmern ein, um dem sinkenden Alphabetisierungsgrad entgegenzuwirken.
Wie war das bisher? Laptops wurden ab Ende der 2000er Jahre zum Standard in schwedischen Klassenzimmern. Schon 2015 hatten rund 80 % der Schüler an kommunalen, staatlich finanzierten Gymnasien individuellen Zugang zu einem digitalen Endgerät.
War das auch politisch gewollt? Es war Teil der Mission der sozialdemokratisch geführten Regierung, schon die jüngsten Kinder auf ein digitales Leben vorzubereiten. Die verpflichtende Nutzung von Tablets in Vorschulen wurde 2019 in den Lehrplan aufgenommen. 2025 erfolgte die Abschaffung der Regel.
Wer regiert momentan in Schweden? Seit Oktober 2022 gibt es eine konservativ-bürgerliche Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Ulf Kristersson (Moderaterna). Er führt ein Kabinett mit den Christdemokraten und den Liberalen an.
Wie wirkt sich das aus? Die schwedische Regierung hat zusätzliche Mittel bereitgestellt, damit Schulen wieder mehr analoge Lehrmittel anschaffen können. Gleichzeitig bedeutet diese Entwicklung nicht, dass digitale Bildung abgeschafft wird.
Was heißt das in der Praxis? Die Regierung verwendet den Slogan "från skärm till pärm", der auf Schwedisch einprägsam klingt und übersetzt "vom Bildschirm zum Ordner" bedeutet.
Anders ausgedrückt? "Wir versuchen tatsächlich, Bildschirme so weit wie möglich abzuschaffen", sagt Joar Forsell, Bildungssprecher der Liberalen Partei, deren Vorsitzender Schwedens Bildungsminister ist.
Worum geht es? Die deutsche Synthie-Pop-Band Alphaville hat öffentlich erklärt, dass sie US-Präsident Donald Trump die Nutzung ihres Songs "Forever Young" untersagt und sogar rechtliche Schritte prüfen will.
Was ist passiert? Trump veröffentlichte auf seiner Plattform Truth Social ein KI-generiertes Video Das Video zeigt ihn in verschiedenen Lebensphasen (von Kindheit bis heute). Unterlegt war das Ganze mit dem Alphaville-Hit "Forever Young".
Wie reagierte die Band? Sie distanziert sich klar von Trumps politischen Ansichten und erklärte, sie werde den Beitrag aus dem Internet entfernen lassen. Alphaville untersagt jede weitere Nutzung ihrer Musik durch Trump oder die Republikanische Partei.
Woher weiß man das? Ein Statement wurde auf Instagram veröffentlicht und von Sänger Marian Gold unterzeichnet.
Geht das? Künstler können eine Nutzung juristisch anfechten, in der Praxis hängt die rechtliche Lage oft von Lizenzen über Verwertungsgesellschaften ab. Am Donnerstag war der Song bei Trump noch zu hören.
Worum geht es? Am 20. Februar hatte der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Trump verhängten Zölle gegen viele Handelspartner für unzulässig erklärt. Die Regierung fügte sich, allerdings war es nur eine Pause.
Warum? Laut aktuellen Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent könnten die Trump-Zölle mit Anfang Juli 2026 wieder eingeführt bzw. erhöht werden.
Plötzlich wieder erlaubt? Bessent meinte, die Regierung arbeite daran, die höheren Zölle auf anderer Rechtsbasis neu einzuführen. Etwa als Maßnahmen gegen Länder mit "unfairen Handelspraktiken".
Was ist damit gemeint? Der Trade Act of 1974 macht das möglich. Er war bereits Grundlage für viele frühere China-Zölle. Sie können verhängt werden, wenn Staaten Dumping betreiben oder hohe Subventionen gewähren, die einen fairen Handel verunmöglichen.
Was heißt das jetzt? Die US-Regierung hatte bei den Zöllen eine Pause von 150 Tagen eingeräumt. Sie läuft im Juli aus. Bis dahin gilt ein globaler Zusatz-Zoll von 10 Prozent auf fast alle Importe.
Worum geht es? Der Aktienkurs des Luxusgüterkonzerns Hermès brach am Mittwoch um bis zu 14 Prozent ein. Das Unternehmen hatte enttäuschende Umsatzzahlen für das erste Quartal veröffentlicht.
Was ist der Hintergrund? Seit Beginn des Iran-Krieges sind die Umsätze im Nahen Osten, dem zuvor am schnellsten wachsenden Markt des französischen Unternehmens, um 6 Prozent gesunken, da Konsumenten Einkaufszentren und Flughäfen meiden.
Gibt es auch anderswo Probleme? Auch in Europa gingen die Umsätze zurück, was das Unternehmen auf die geringere Anzahl von Touristen in Paris und London zurückführte.
Muss man sich Sorgen machen? Mitnichten. Hermès lieferte keine schlechten Zahlen, sie blieben nur unter den Erwartungen. Also: Der Umsatz betrug ca. 4,1 Milliarden Euro, das Wachstum 5,6 Prozent (währungsbereinigt). Die Erwartung lag aber bei 7 Prozent.
Worum geht es? Scott Kirby, Vorstandsvorsitzender von United Airlines Holdings Inc., hat eine mögliche Fusion mit der American Airlines Group Inc. ins Gespräch gebracht, berichtet Bloomberg.
Warum ist das relevant? Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde die größte Fluggesellschaft der Welt schaffen. Das Duo würde einen Marktanteil von über 34 Prozent haben und den derzeitigen US-Marktführer Delta (17,8 Prozent) deutlich übertreffen.
Woher weiß man von den Plänen? Weil Kirby bei einem Treffen mit Präsident Trump im vergangenen Monat die Idee einer Fusion mit American Airlines ins Gespräch brachte.
Was hat Trump damit zu tun? Formal nichts, aber Fusionen von Fluggesellschaften müssen sowohl vom Justizministerium als auch vom Verkehrsministerium genehmigt werden. Und da kommt Trump ins Spiel.
Weil? Viele der ranghöchsten Kartellbeamten und Staatsanwälte des US-Justizministeriums wurden zuletzt ausgetauscht. Lobbyisten wissen, dass sie sich nun direkt an die Führungsspitze des Justizministeriums oder an Trump selbst wenden müssen, wenn sie etwas erreichen wollen.