Der Multimilliardär und Kurzzeit-Regierungsmitarbeiter sollte mit dem DOGE-Programm die Bundesverwaltung verschlanken und dem Staat Geld sparen. Doch die Bilanz seiner Arbeit fällt ernüchternd aus. Musks Einsparungen kosteten das Land viele Milliarden zusätzlich.

Im Weißen Haus feierte man den größten Regierungsumbau seit Jahrzehnten. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, sollte mit seinem Department of Government Efficiency – kurz DOGE – die Bundesverwaltung auf Effizienz trimmen. Hunderttausende Beamte erhielten Kündigungsangebote oder wurden entlassen. Doch was nach radikalem Sparen klang, entwickelte sich zum teuren Paradoxon.
Laut Time Magazine zeigt ein neuer Bericht des Government Accountability Office (GAO), also des US-Rechnungshofs, dass die Kosten für bezahlte Freistellungen zwischen 2023 und 2025 um 435 Prozent gestiegen sind. Der Löwenanteil – rund 6,7 Milliarden Dollar (ca. 5,8 Mrd. Euro) – geht dabei auf das Konto des DOGE-Programms.
Wofür all die zusätzlichen Milliarden ausgegeben wurden, weshalb die Trump-Regierung DOGE dennoch für einen Erfolg hält und wie viele Menschen letztlich durch Musks Bemühungen ihren Job im Bundesdienst verloren haben – die wichtigsten Fakten im Überblick:
Was ist DOGE?
DOGE steht für Department of Government Efficiency, ein Programm, das die Trump-Administration Anfang 2025 unter der Führung von Elon Musk startete. Ziel war es, die Bundesverwaltung zu verkleinern und vermeintlich verschwenderische Ausgaben zu streichen. Der Name spielt bewusst auf die Kryptowährung Dogecoin an, für die Musk wirbt.
Wie funktionierte das Kündigungsprogramm?
Im Jänner 2025 erhielten rund zwei Millionen Bundesbedienstete ein Angebot: Wer freiwillig kündigt, bekommt bis Ende September volles Gehalt und alle Sozialleistungen weiter. Diese sogenannte Deferred Resignation sollte freiwillige Abgänge fördern, ohne harte Kündigungen aussprechen zu müssen.

Warum wurde für Nichtstun bezahlt?
Wer das Kündigungsangebot annahm, wurde auf bezahlten Verwaltungsurlaub geschickt, musste also nicht mehr arbeiten, erhielt aber weiter sein Gehalt. Diese Überbrückungszeit sollte den Übergang zu einem neuen Job erleichtern. In der Praxis bedeutete das: Millionen an Steuergeld flossen an Menschen, die keinen Dienst mehr verrichteten.
Wie viel Geld wurde insgesamt ausgegeben?
Der GAO-Bericht beziffert die Kosten für bezahlte Freistellungen im Jahr 2025 auf etwa 9,6 Milliarden Dollar (ca. 8,4 Mrd. Euro). Davon entfielen rund 70 Prozent – also 6,7 Milliarden Dollar (ca. 5,8 Mrd. Euro) – auf Freistellungen im Rahmen des DOGE-Programms. Die Gehaltskosten für administrative Freistellungen versechsfachten sich damit im Vergleich zu 2023.
Welche Behörden waren am stärksten betroffen?
Die Personalreduktion traf verschiedene Ministerien unterschiedlich hart. Das Bildungsministerium verlor 46 Prozent seiner Belegschaft, die General Services Administration 37 Prozent. Das Amt für Personalmanagement (OPM) schrumpfte um 34 Prozent, die National Science Foundation um 33 Prozent. Das Heimatschutzministerium (DHS) hingegen baute weniger als ein Prozent ab.
Was sagt die Regierung zu den Kosten?
OPM-Direktor Scott Kupor verteidigt das Programm in seiner Antwort auf den GAO-Bericht. Die 6,7 Milliarden seien einmalige Kosten, während die dadurch erzielte Personalreduzierung künftig 20 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen werde. Aus Sicht der Regierung sei die Investition also langfristig rentabel.
Was sagen Kritiker?
Demokratische Senatoren sehen das völlig anders. Senatorin Patty Murray kritisiert: Das sei die teuerste vorstellbare Art gewesen, die Regierung schlechter zu machen. Trump habe Milliarden ausgegeben, um erfahrene und dringend benötigte Experten aus dem Staatsdienst zu drängen. Die Qualität der Verwaltung leide langfristig.
Wie viele Stellen wurden insgesamt abgebaut?
Laut dem britischen Guardian reduzierten die USA die Zahl der Bundesbediensteten um 355.000 Personen, verglichen mit dem Personalstand von Januar 2023. Das führte einerseits zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt, weil zu viele Menschen gleichzeitig nach der selben Art Job Ausschau hielten. Und andererseits wurden zahlreiche Beamte wieder eingestellt, nachdem die Regierung festgestellt hatte, dass in einigen Bereichen zu viele Stellen abgebaut worden waren.

Gibt es auch rechtliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit den Freistellungen?
Ja, und sie sind kompliziert. Ein Gericht befand, dass das Bundes-Personalmanagement OPM seine Befugnisse überschritten habe, als es Behörden anwies, Tausende neue Mitarbeiter in deren Probezeit zu entlassen. Der Supreme Court hob im Juli 2025 allerdings eine diesbezügliche einstweilige Verfügung auf und erlaubte weitere Kündigungen. Die Klagen gegen einzelne Behördenpläne laufen weiter.
Wurden viele Kündigungen zurückgenommen?
Wie man es nimmt. Im Herbst 2025 eskalierte der Streit um geplante Massenentlassungen in einem Government Shutdown. Rund 4.100 Beamte erhielten Kündigungen, über 10.000 weitere Stellen sollten gestrichen werden. Der Kongress machte diese Kündigungen per Gesetz rückgängig und ordnete die Wiedereinstellung aller Betroffenen samt Nachzahlung der Gehälter an.
Wie fällt die Gesamtbeurteilung der DOGE-Einsparungen aus?
Das kommt darauf an, wen man fragt. Douglas Pasternak vom Trump Accountability Project, einer Watchdog-Initiative der unabhängigen Verbraucherschutz- und Bürgerrechtsorganisation Public Citizen, bezeichnete die Reformbemühungen als "planlos". Die Regierung habe diese Initiative nicht durchdacht und jetzt hätte die Verwaltung mit den Folgen zu kämpfen.
Welche Folgen sind das konkret?
Laut Trump Accountability Project vor allem Verzögerungen bei der Auszahlung von Sozialversicherungsleistungen, längere Wartezeiten in Krankenhäusern der Veteranenverwaltung für Patienten, die medizinische oder psychische Versorgung benötigen, Kürzungen bei der Bundesfeuerwehr sowie Personalengpässe bei der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency, die inzwischen versucht, Personal wieder einzustellen.
Was bedeutet der Rechnungshof-Bericht für die Effizienz-Debatte?
Der Fall zeigt, dass radikale Reformen unbeabsichtigte Kosten verursachen können. Wer schnell Personal abbauen will, muss entweder harte Kündigungen riskieren – mit möglichen rechtlichen Folgen – oder großzügige Abfindungen zahlen. Beides ist teuer. Die versprochenen Einsparungen lassen sich kurzfristig jedenfalls kaum realisieren.

Welche Lehren lassen sich daraus ziehen?
Verwaltungsreformen brauchen Zeit und durchdachte Planung. Schnellschüsse können mehr kosten, als sie sparen, wenn Abfindungen, Rechtsklagen und Qualitätsverluste bei der Leistung eingerechnet werden. Das DOGE-Beispiel dürfte künftige Debatten über Staatsabbau prägen – nicht nur in den USA, sondern überall, wo ähnliche Ideen diskutiert werden.
Aber bringt das ganze jetzt auf lange Sicht dennoch Einsparungen?
Ob die versprochenen 20 Milliarden Dollar Einsparungen pro Jahr tatsächlich eintreten, wird sich erst in den kommenden Jahren weisen. Die nächsten Budgetberichte werden zeigen, ob Musks Effizienz-Experiment aufgeht. Und welche Folgen die Personalkürzungen auf die Leistungen und die Effizienz des öffentlichen Dienstes haben werden, steht noch einmal auf einem anderen Blatt.