Weil in seinem mit zwei Sternen ausgezeichneten Lokal ein Dessert mit Ameisen dekoriert worden ist, könnte ein Restaurantbetreiber in Seoul jetzt für bis zu ein Jahr ins Gefängnis wandern. Denn die kleinen Insekten sind in Südkorea nicht als Lebensmittel zugelassen.

Schwarze Ameisen, als Blickfang sorgfältig auf einem Sorbet drapiert: Wegen dieser mehr oder weniger avantgardistischen Kreation muss sich jetzt ein Restaurantbetreiber aus Seoul vor Gericht verantworten.
Denn während in vielen westlichen Ländern der Welt Ameisen längst als Lebensmittel zugelassen sind und in Teilen Asiens und Afrikas ohnedies seit jeher als wichtige Eiweißquelle gelten, stehen sie in Südkorea auf dem Index, berichten die BBC sowie der Korea Herald.
Dem Restaurantbetreiber, dessen Lokal vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet worden ist, droht dafür im schlimmsten Fall bis zu einem Jahr Haft sowie eine Geldstrafe. Was über den Fall bisher bekannt ist:
Worum geht es?
Ermittler des südkoreanischen Ministeriums für Lebensmittelsicherheit entdeckten Online-Bewertungen eines Sterne-Lokals in Seoul mit Fotos von Gerichten, auf denen Ameisen zu sehen waren. Eine Untersuchung ergab: Das Restaurant verwendete über vier Jahre hinweg insgesamt rund 49.000 Ameisen, um eine seiner Dessert-Kreationen damit zu verzieren.

Weiß man, um welche Ameisenart es sich dabei gehandelt hat?
Nein, bekannt ist nur, dass es sich um schwarze Ameisen gehandelt hat. Es gibt allerdings zahlreiche Ameisenarten mit schwarzer Färbung. Laut Behörden seien die getrockneten Tiere aber eigens für diesen Zweck aus den USA und aus Thailand importiert worden.
Warum sind Ameisen in Südkorea verboten?
Südkorea hat eine strenge Liste von nur zehn Insektenarten, die als Lebensmittel zugelassen sind – darunter Heuschrecken, Wanderheuschrecken und bestimmte Grillen. Ameisen fehlen auf dieser Liste.
Gibt es dafür eine Begründung?
Die Behörden prüfen vor einer Zulassung Faktoren wie Toxizität, Nährwert, Sicherheitsrisiken und ob die Insekten hygienisch gezüchtet und verarbeitet werden können. Die verwendeten Ameisen würden demnach bis zu 55-mal mehr Schwermetalle enthalten als typische essbare Insekten.
Was bedeutet das für das Restaurant?
Das verschärft den Vorwurf der Staatsanwaltschaft erheblich. Somit geht es nämlich nicht nur um eine formale Zulassungsfrage, sondern potenziell auch um ein Gesundheitsrisiko für die Gäste des Lokals.
Weiß man, welches Restaurant betroffen ist?
Nein, die Gerichtsunterlagen nennen weder den Namen des Restaurants noch dessen Besitzer. Bekannt ist nur, dass es sich um eines von insgesamt zehn Restaurants in Südkorea handelt, die vom französischen Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet worden sind. Alle zehn Lokale liegen übrigens in der Hauptstadt Seoul.
Was bedeuten zwei Michelin-Sterne?
Das ist die zweithöchste Auszeichnung, die der renommierte Guide zu vergeben hat. Zum Vergleich: In Österreich hat der Guide Michelin derzeit 19 Restaurants mit zwei Sternen ausgezeichnet.

Was sagt der Restaurantbesitzer?
Er argumentiert, dass die Ameisen nur ein kleiner Teil eines 15-Gänge-Menüs waren – eben als Topping für Sorbets. Zudem hätten die Gäste die Wahl gehabt: Nur etwa 60 Prozent entschieden sich für die Ameisen-Variante, der Rest bekam Alternativen wie fermentierten Essig oder essbare Blüten.
Welche Strafe droht ihm jetzt?
Die Staatsanwaltschaft fordert ein Jahr Haft für den Besitzer des Lokals sowie eine Geldstrafe von umgerechnet etwa 10.000 Euro.
Wann gibt es ein Urteil?
Das Gericht wird sein Urteil am 2. September verkünden. Sollte der Restaurantbesitzer verurteilt werden, wäre dies ein klares Signal an die gehobene Gastronomie: Kreativität endet spätestens dort, wo das Lebensmittelrecht beginnt.
Wie sieht die Rechtslage in der EU aus?
In der Europäischen Union fallen Insekten unter die sogenannte Novel-Food-Verordnung. Lebensmittel, die vor Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden, brauchen eine spezielle Zulassung. Mittlerweile sind einige Insektenarten EU-weit zugelassen, darunter Mehlwürmer und Hausgrillen.
Dürfen Restaurants in Österreich Ameisen servieren?
Das hängt davon ab, ob die konkrete Ameisenart als Novel Food zugelassen ist. Grundsätzlich müssen Hersteller, die Insekten auf den Lebensmittelmarkt bringen wollen, eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung beantragen. Ohne Zulassung ist die Verwendung nicht erlaubt – auch nicht in der gehobenen Gastronomie.
Warum werden Insekten überhaupt als Nahrung diskutiert?
Insekten gelten als proteinreiche und ressourcenschonende Alternative zu herkömmlichem Fleisch. Die Aufzucht verbraucht deutlich weniger Wasser und Land als etwa Rinderzucht. Allerdings gibt es in vielen westlichen Ländern nach wie vor kulturelle Vorbehalte gegen Insekten als Nahrungsmittel.

Müssen Insekten in Lebensmitteln gekennzeichnet werden?
Ja, in der EU ist eine klare Kennzeichnung Pflicht. Produkte, die Insekten oder Insektenpulver enthalten, müssen dies auf der Verpackung angeben. Das gilt auch für Allergikerhinweise, da Insekten bei Menschen mit Krustentier- oder Hausstaubmilben-Allergien Reaktionen auslösen können.
Ist der südkoreanische Fall ein Einzelfall?
Nein, weltweit experimentieren Spitzenrestaurants seit vielen Jahren immer wieder mit Insekten. Das berühmte "Noma" in Kopenhagen servierte bereits Ameisen. Der Unterschied: In Dänemark ist dies legal.