"Er sah aus wie der böse Imperator aus 'Star Wars'", schrieben Medien nach dem Besuch von Musik-Legende Bob Dylan bei Past Leo XIV. im Vatikan. Inzwischen wurden bekannt, warum der Musiker mit schwarzer Kapuze erschien und worüber die beiden sprachen.

Schwarze Kapuze über dem Kopf, lockere Krawatte, ein Regenschirm, dazu der knappe Gang durch die vatikanischen Gänge: Als Bob Dylan am Mittwoch bei Papst Leo XIV. auftauchte, wirkte der Besuch wie eine Szene zwischen Pop-Mythos und Kirchenprotokoll. Auch auf den Fotos, die ihn mit dem Heiligen Vater zeigen, trägt der 2016 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Musiker die Kapuze hochgezogen, ganz in seinem spröden, unbeirrbaren Stil.
"Er sah aus wie der böse Imperator Palpatine aus 'Star Wars'", ätzten Kommentatoren prompt über den exzentrischen Auftritt der 85-jährigen Musik-Legende. Doch hinter der ungewöhnlichen Kleidung stand nicht bloß Exzentrik, sondern offenbar der Versuch, Dylan möglichst unverstellt auftreten zu lassen. Ein Anliegen, dass dem ebenfalls aus den USA stammenden Papst offenbar nicht einmal ein Wimpernzucken abrang, berichtet ABC News.
Worüber die beiden bei ihrem Treffen im Vatikan gesprochen haben, in welcher Stimmung Bob Dylan den Heiligen Vater schließlich verließ und weshalb die beiden bereits seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind – die Details über das spirituelle Treffen:

Was ist bei dem Treffen im Vatikan passiert?
Bob Dylan besuchte Papst Leo XIV. am Mittwoch im Vatikan. Das Treffen dauerte nur wenige Minuten und fand während einer Pause zwischen Dylans Konzertterminen in Italien statt. Der Papst schenkte Dylan einen Rosenkranz, Dylan überreichte ihm ein Exemplar seiner Autobiografie "Chronicles: Volume One".
Warum fiel Dylans Kleidung so auf?
Dylan trug einen schwarzen Hoodie, eine locker sitzende Krawatte und einen schwarzen Regenschirm. Auf den offiziellen Bildern ist zu sehen, dass er die Kapuze die ganze Zeit über den Kopf gezogen hatte. Gerade in der feierlichen Umgebung des Vatikans wirkte das zumindest ungewöhnlich und wurde rasch zum Thema, im Vatikan und außerhalb.
Warum behielt Dylan die Kapuze auf?
Der vatikanische Kulturfunktionär Antonio Spadaro sagte hinterher, er habe Dylans Begleiter gefragt, ob es nicht besser wäre, die Kapuze für das Treffen mit dem Papst abzunehmen. Die Antwort lautete sinngemäß: Das sei Dylans Art, normal zu sein, und das Abnehmen hätte bedeutet, ihn zu verändern. Die Kleidung wurde damit fast selbst zur Aussage: Dylan wollte offenbar nicht geschniegelt auftreten, sondern als er selbst.
Wie reagierte Papst Leo XIV. auf den ungewohnten Look?
Nach Spadaros Schilderung ließ sich Leo XIV. davon nicht irritieren. Als Dylan mit hochgezogener Kapuze hereinkam, habe der Papst nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Das passt zu dem Bild, das Spadaro von Leo zeichnet: jemand, der Künstlern zuhört und Fragen stellt, statt sich an Äußerlichkeiten festzuhalten.
Wer hat das Treffen eingefädelt?
Begleitet wurde Dylan von Antonio Spadaro und Andrea Monda, dem Chefredakteur der Vatikanzeitung L'Osservatore Romano. Spadaro machte klar, dass Dylan den Papst treffen wollte. Zugleich betonte er, Dylan gehöre zu Leos Hintergrund, der heutige Papst sei schon in seiner Studienzeit mit dessen Musik vertraut gewesen, wie die Londoner Times weiß.
Wie lief das Gespräch zwischen den beiden ab?
"Es war ein privates Treffen. Dylan wollte unter vier Augen sprechen, also verließen wir den Raum, und sie unterhielten sich allein", sagte Spadaro. "Doch als er den Raum verließ, lag ein intensiver und zufriedener Ausdruck auf Dylans Gesicht." Und weiter: "Künstler wie Bob Dylan haben ein feines Gespür, sie können prophetisch sein und ihre Wahrnehmung der Welt schneller ausdrücken als Politiker. Der Papst hört zu und stellt Fragen."

Worüber könnten die beiden gesprochen haben?
Gesichert ist, dass es inhaltliche Berührungspunkte reichlich gibt: Leo zitierte in einem 2026 erschienenen Buch über Abrüstung bereits aus Dylans unveröffentlichtem Protestsong "Go Away You Bomb". Darin richtet sich der Sänger gegen atomare Aufrüstung und beschreibt die Bombe als menschengemacht, im Besitz von Menschen und von Menschen gehandhabt.
Welche Rolle spielte das Thema Krieg und Frieden?
Eine ziemlich naheliegende. Leo verwendete Dylans Zeilen, um vor einem Wettrüsten und vor dem Rückgriff auf Atomwaffen zu warnen. Das deutet darauf hin, dass Dylans Songwriting für den Papst nicht bloß Popkultur ist, sondern Material für eine moralische und politische Debatte über Frieden.
Gab es auch spirituelle Anknüpfungspunkte?
Ja, und zwar recht konkrete. Spadaro schrieb, Dylan sei mit dem heiligen Augustinus sehr vertraut, also mit jenem Kirchenvater, der Leos Spiritualität und dem Augustinerorden besonders wichtig ist. Dazu passt, dass Dylan 1967 den Song "I Dreamed I Saw St. Augustine" schrieb.
Wie religiös ist Bob Dylan heute?
Dylan wurde als Robert Zimmerman in Minnesota in eine jüdische Familie geboren. 1979 wurde er bekennender Christ und stieß mit Liedern wie "Gotta Serve Somebody" und "Saved" manche langjährige Fans vor den Kopf. In den vergangenen Jahren äußerte er sich vorsichtiger, sagte aber 2022 in einem Interview, er sei ein religiöser Mensch, lese in der Heiligen Schrift, meditiere und bete.
War das Dylans erstes Treffen mit einem Papst?
Nein. 1997 spielte er in Bologna bei einem Konzert für Johannes Paul II. und viele Tausend weitere Menschen. Danach sprach er auch mit dem polnischen Papst, der später in einer Rede sogar Zeilen aus Dylans berühmtem Song "Blowin’ in the Wind" aufgriff.
Warum passt das Treffen gerade jetzt so gut?
Dylan war ohnehin in Italien unterwegs und spielte am Montag in Mailand, am Donnerstag in Rom. Bei seinem letzten Konzert vor dem Papstbesuch sang er "Tryin’ to Get to Heaven", ein Lied, das schon im Titel eine religiöse Sehnsucht trägt. So wirkte der Abstecher in den Vatikan nicht wie ein bloßer Promitermin, sondern wie eine Begegnung mit längerem Vorlauf.

Was bleibt von diesem kurzen Termin besonders hängen?
Vor allem zwei Bilder: Dylan mit hochgezogener schwarzer Kapuze im Vatikan und ein Papst, der darin kein Problem sah. Dazu kommt ein Gespräch, das zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, aber inhaltlich klar umrissen ist: Kunst, Glaube, Augustinus und die Frage, wie man in Zeiten neuer Aufrüstung über Frieden spricht.
Wie geht es dem Papst nach seiner Krebs-Operation gesundheitlich?
Offensichtlich sehr gut, der Heilige Vater zeigte sich bei dem Treffen kraftvoll und gut gelaunt. Am Freitag bricht er zudem zu seiner schon länger geplanten Südamerika-Reise auf. Sie führt bis 17. November durch Uruguay, Argentinien und Peru. In jedem Land sind Treffen mit Staatsoberhäuptern, religiöse Zeremonien und öffentliche Messen geplant.