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Klingt wie E-Gitarre

Cool? Peinlich? Warum der neue E-Ferrari alle verrückt macht

Fans unter Strom, der Börsenkurs im Absturz. Ferrari stellte seinen neuen Elektro-Sportwagen "Luce" vor und – nun ja – überraschte. Fünfsitzer, 1.113 PS, Glas-Schalthebel, aber die Optik ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Was dahintersteckt (und was in ihm drin).

Für eingefleischte Ferrari-Fans steht hier kein Ferrari sondern irgendwas
Für eingefleischte Ferrari-Fans steht hier kein Ferrari sondern irgendwasFerrari
NewsFlix Redaktion
Akt. 26.05.2026 21:58 Uhr

Nicht jeder, der sich online momentan das Maul zerreißt, wird ihn auch fahren können. Der neue Ferrari "Luce" kostet ab 550.000 Euro, aber der Preis war es nicht, was für Überraschungen sorgte. Eher, dass der Wagen aussieht als wäre er in einer chinesischen Manufaktor entstanden und nicht in einer auf Design getrimmten Werkstätte in Bella Italia.

Das sahen auch die Aktienbesitzer so. Kaum hatte der Rennwagen das Licht erblickt, plumpste der Kurs an den Börsen ab, über den Tag hinweg um 6 Prozent. Das hat Gründe.

Investoren zweifeln daran, dass Luxus-Elektroautos dieselbe emotionale Wirkung entfalten wie klassische Ferrari-Modelle mit V8- oder V12-Motoren. Zudem schwächelt der weltweite E-Auto-Markt. Da spielte es keine Rolle, dass Ferrari den "Luce" nicht in roter Farbe bewarb (sie es aber auch gibt), sondern in blau.

Die Auto-Lichtgestalt verfügt über vier Motoren, die Räder werden je nach Lust und Laune unterschiedlich mit PS beschickt. Es gibt Allradantrieb, vier Türen (die sich gegenläufig öffnen lassen) und fünf Sitzplätze. Schallwellen werden aus elektromechanischen Vibrationen der Achsen gewonnen, verarbeitet und verstärkt, um einen speziellen Sound zu erzeugen (der nach E-Gitarre klingt).

Im Ferrari Luce verfügt über ein hochmodernes High-End-Audiosystem: 21 Lautsprecher wurden für maximale Akustikleistung entwickelt und integriert
Im Ferrari Luce verfügt über ein hochmodernes High-End-Audiosystem: 21 Lautsprecher wurden für maximale Akustikleistung entwickelt und integriert
Ferrari
Der Sound des Autos wird nicht erzeugt, sondern es werden die Geräusche der elektrischen Achsen aufgenommen und verstärkt
Der Sound des Autos wird nicht erzeugt, sondern es werden die Geräusche der elektrischen Achsen aufgenommen und verstärkt
Ferrari
Die Eckdaten: 5026 Millimeter breit (ohne Spiegel), 1999 mm hoch, Leergewicht 2260 kg
Die Eckdaten: 5026 Millimeter breit (ohne Spiegel), 1999 mm hoch, Leergewicht 2260 kg
Ferrari

Im Innenraum hat sich ein früherer Apple-Designer ausgetobt und dem "Luce" zurückgegeben, was er dem iPhone abgenommen hatte: Tasten. Was Sie über den neuen Ferrari wissen sollten:

Was ist der Ferrari "Luce"?
Der "Luce" ist das erste vollelektrische Serienauto in der Geschichte Ferraris. Der Name bedeutet auf Italienisch "Licht". Ferrari präsentiert das Modell als luxuriösen Hochleistungs-GT und nicht als klassischen Zweisitzer-Supersportwagen. Das Auto besitzt fünf Sitze und vier Türen und soll Sportwagen-Performance mit Alltagstauglichkeit verbinden.

Wie sieht der "Luce" aus?
Das Design unterscheidet sich deutlich von klassischen Ferrari-Modellen. Mehrere Medien beschreiben den Wagen als Mischung aus Shooting Brake (also aus einer sportlichen Mischung aus Kombi und Coupé), Luxuslimousine und SUV.

Was fällt auf?
Die gegenläufig öffnenden Türen, die futuristische Front, große Glasflächen und ein minimalistisches Cockpit. Ferrari spricht vom aerodynamisch effizientesten Auto der Unternehmensgeschichte.

Welche Rolle spielte Jony Ive?
Der frühere Apple-Designer Jony Ive entwickelte gemeinsam mit seinem Studio LoveFrom große Teile des Innenraums und des Bedienkonzepts. Ferrari wollte bewusst eine Verbindung aus Luxus, Technologie und minimalistischer Ästhetik schaffen.

Was überrascht?
Dass trotz vieler Displays wieder verstärkt physische Knöpfe und Schalter verwendet werden.

Am Lenkrad befinden sich ein fünfstufiger Hebel, um auf Witterung zu reagieren (Eis bis trocken) und ein dreistufiger Hebel zur Fahrzeugeinstellung
Am Lenkrad befinden sich ein fünfstufiger Hebel, um auf Witterung zu reagieren (Eis bis trocken) und ein dreistufiger Hebel zur Fahrzeugeinstellung
Ferrari
In den Ferrari "Luce" wurde ein High-End-Audiosystem mit 21 Lautsprecher verbaut
In den Ferrari "Luce" wurde ein High-End-Audiosystem mit 21 Lautsprecher verbaut
Ferrari

Wie ist der Ferrari Luce technisch aufgebaut?
Er basiert auf einer komplett neuen Elektroplattform, die Ferrari eigens für dieses Fahrzeug entwickelt hat. Das Auto besitzt Allradantrieb und vier separate Elektromotoren – also einen Motor pro Radseite und Achse. Ferrari spricht von einem "Quad-Motor-Layout".

Wie funktionieren die vier Motoren?
Die beiden hinteren Elektromotoren sind deutlich stärker als die vorderen. Hinten liefert jeder Motor rund 416 PS, vorn jeweils etwa 141 PS. Gemeinsam entsteht eine Gesamtleistung von rund 1.050 bis 1.113 PS – je nach Fahrmodus.

Wie wird das ausgesteuert?
Die Motoren können die Kraft an jedem Rad individuell verteilen. Dadurch entsteht ein extrem präzises Torque Vectoring, also eine elektronische Drehmomentsteuerung. Ferrari nutzt dabei Technologien aus der Formel 1.

Welche Beschleunigung erreicht der Luce?
Ferrari gibt für den Sprint von 0 auf 100 km/h etwa 2,5 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei über 310 km/h liegen. Damit bewegt sich der Luce auf dem Niveau klassischer Ferrari-Hypercars – trotz seines hohen Gewichts von mehr als zwei Tonnen.

Welche Batterie steckt im Auto?
Verbaut ist eine 122-kWh-NMC-Batterie. Die Zellen stammen vom koreanischen Hersteller SK On, das Batteriesystem entwickelte Ferrari allerdings in Eigenregie. Die Batterie arbeitet mit 880 Volt und ermöglicht Ladeleistungen von bis zu 350 kW.

Wie lange dauert das Laden?
Unter Idealbedingungen soll das Fahrzeug in weniger als 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden können.

Wie groß ist die Reichweite?
Ferrari spricht von rund 530 Kilometern Reichweite. Allerdings setzt der Hersteller beim Luce nicht primär auf maximale Reichweite, sondern auf Performance. Mehrere Experten weisen darauf hin, dass die Reichweite im Vergleich zu anderen Luxus-Elektroautos eher durchschnittlich ausfällt.

Welche Fahrmodi besitzt der Luce?
Bekannt sind bislang drei Hauptmodi: "Range", "Tour" und "Performance". Im Range-Modus werden die vorderen Motoren teilweise deaktiviert, um Energie zu sparen. Im Tour-Modus steht Komfort im Vordergrund. Im Performance-Modus werden alle vier Motoren maximal aktiviert und das volle Drehmoment freigegeben.

Wie funktioniert der Antrieb im Alltag?
Ferrari entwickelte ein System, bei dem sich die vorderen Motoren bei gleichmäßiger Fahrt automatisch entkoppeln können. Dadurch sinkt der Energieverbrauch. Sobald Leistung benötigt wird, schalten sich alle vier Motoren wieder zu. Dieses Prinzip ähnelt modernen Hybrid-Supersportwagen.

Welche Fahrwerkstechnik verwendet Ferrari?
Der Luce besitzt ein hochmodernes 48-Volt-Aktivfahrwerk. Ferrari behauptet, das System reagiere so schnell, dass klassische Stabilisatoren teilweise überflüssig werden. Zusätzlich besitzt der Wagen eine Hinterradlenkung. Die Hinterräder können also aktiv mitlenken, was Agilität und Stabilität verbessern soll.

Warum gilt das Auto aerodynamisch als besonders?
Ferrari spricht vom aerodynamisch effizientesten Straßenfahrzeug der Firmengeschichte. Das Auto besitzt zahlreiche aktive Luftkanäle, versteckte Öffnungen und bewegliche Aerodynamik-Elemente. Auffällig sind auch die extrem glatten Flächen und das coupéhafte Dach.

Wie sieht der Innenraum aus?
Der Innenraum ist einer der ungewöhnlichsten Teile des Projekts. Das Cockpit verbindet digitale Anzeigen mit bewusst vielen physischen Knöpfen, Kippschaltern und Metallreglern. Ive wollte ausdrücklich verhindern, dass das Fahrzeug wie ein "steriler Computer auf Rädern" wirkt.

Warum spricht jeder über die Knöpfe?
Weil Jony Ive eigentlich als Designer gilt, der physische Tasten bei Apple fast komplett abgeschafft hat. Beim Ferrari Luce ging er jedoch bewusst den gegenteiligen Weg. Das Auto besitzt zahlreiche echte Schalter, Aluminium-Kippschalter und mechanische Bedienelemente. Ferrari argumentiert, dass Fahrer bei hohen Geschwindigkeiten taktile Bedienelemente bevorzugen.

Welche Displays finden sich im Auto?
Der Luce besitzt mehrere OLED-Displays. Besonders auffällig ist das zentrale Display, das zwischen Fahrer und Beifahrer rotieren kann. Zusätzlich gibt es ein digitales Kombiinstrument sowie Displays im Fond. Ferrari verwendet bewusst abgerundete Formen, die an Apple-Produkte erinnern.

Welche Materialien werden verwendet?
Im Innenraum dominieren gebürstetes Aluminium, polierter Stahl, Leder, Gorilla Glass und mattierte Metalloberflächen. Besonders auffällig ist ein gläserner Gangwahlschalter sowie ein Schlüssel mit E-Ink-Display.

Wie viele Personen passen hinein?
Der Luce ist Ferraris erster echter Fünfsitzer. Gleichzeitig handelt es sich erst um den zweiten Viertürer in der Geschichte der Marke. Das Fahrzeug ist deutlich größer als klassische Ferrari-Modelle und besitzt den größten Kofferraum, den Ferrari je gebaut hat.

Wie klingt ein elektrischer Ferrari?
Ferrari entwickelte ein eigenes Soundsystem, das die Vibrationen und Geräusche der hinteren Elektromotoren verstärkt. Anders als viele Konkurrenten simuliert Ferrari keinen klassischen V8-Sound, sondern erzeugt eine neue Art von futuristischem Klangbild. Einige Journalisten vergleichen den Sound mit einer elektrischen Gitarre oder einem Jet-artigen Hochfrequenzton.

Wie wurde das Auto entwickelt?
Die Entwicklung begann bereits vor mehreren Jahren streng geheim. Ferrari investierte Milliarden in ein neues "E-Building" in Maranello. Dort entstehen künftig Elektro- und Hybridmodelle. Ferrari-Chef Benedetto Vigna – früher ein Chip-Manager – trieb das Projekt massiv voran.

Wie teuer wird der Luce?
Der Einstiegspreis liegt bei rund 550.000 Euro. In vielen Märkten dürfte der tatsächliche Preis wegen Individualisierung deutlich höher liegen. Damit wird der Luce einer der teuersten Elektro-Pkw der Welt.

Wo wird das Auto verkauft?
Ferrari plant einen weltweiten Vertrieb. Europa soll Ende 2026 beliefert werden, die USA folgen 2027. Besonders wichtig sind die Märkte USA, China, Naher Osten, Europa Vorbestellungen laufen bereits.

Die Türen des "Luce" öffnen einander zugewandt
Die Türen des "Luce" öffnen einander zugewandt
Ferrari
Die Reifen des Ferrari Luce wurden mit dem Ziel entwickelt, den Rollwiderstand um 15 % zu reduzieren
Die Reifen des Ferrari Luce wurden mit dem Ziel entwickelt, den Rollwiderstand um 15 % zu reduzieren
Ferrari
Die Konsolen und Anzeigen sind sehr klassisch gehalten
Die Konsolen und Anzeigen sind sehr klassisch gehalten
Ferrari

Wie viele Autos will Ferrari bauen?
Offizielle Stückzahlen nennt Ferrari (noch?) nicht. Branchenmedien rechnen aber mit bewusst begrenzten Produktionszahlen. Ferrari verfolgt traditionell die Strategie, weniger Fahrzeuge anzubieten als nachgefragt werden. Genau dadurch bleiben Exklusivität und Wiederverkaufswerte hoch.

Warum gilt der Luce als Risiko?
Ferrari verkauft bislang vor allem Emotionen rund um Verbrennungsmotoren. Viele Kunden lieben den Klang der V8- und V12-Motoren. Elektroautos wirken dagegen oft leiser und technologischer. Genau deshalb fragen sich Anleger und Fans, ob ein elektrischer Ferrari dieselbe Faszination auslösen kann.

Warum sind Luxus-Elektroautos derzeit problematisch?
Viele wohlhabende Käufer bevorzugen weiterhin klassische Verbrenner. Luxusmarken verkaufen Emotionen, Klang und Tradition – genau das geht bei Elektroautos teilweise verloren. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz aus China massiv. Hersteller wie BYD oder Xiaomi bieten technologisch starke Elektroautos deutlich günstiger an.

Warum haben Lamborghini und Porsche ihre Elektrostrategien geändert?
Lamborghini verschob den Start seines ersten Elektroautos mehrfach, weil die Nachfrage nach elektrischen Supersportwagen geringer ausfällt als erwartet. Porsche kämpft gleichzeitig mit schwächeren Verkaufszahlen des Taycan und Problemen auf dem chinesischen Markt. Deshalb investieren viele Luxusmarken wieder stärker in Hybridmodelle und moderne Verbrennungsmotoren.

Wie erfolgreich ist Ferrari wirtschaftlich?
Ferrari zählt zu den profitabelsten Autoherstellern der Welt. Im Jahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 6,68 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von etwa 1,53 Milliarden Euro. Ferrari lieferte 2024 weltweit 13.752 Fahrzeuge aus.

Welche Ferrari-Modelle waren zuletzt besonders erfolgreich?
Zu den wichtigsten aktuellen Modellen zählen der SUV "Purosangue", der Plug-in-Hybrid SF90 Stradale, der 296 GTB, der Roma und der Daytona SP3.

Wer überraschte dabei?
Besonders der Purosangue entwickelte sich zu einem Verkaufserfolg, obwohl Ferrari ursprünglich nur begrenzte Stückzahlen plante. Hybridmodelle wie der SF90 zeigen zudem, dass Ferrari-Kunden elektrifizierte Antriebe akzeptieren – solange weiterhin ein klassisches Ferrari-Fahrgefühl erhalten bleibt.

NewsFlix Redaktion
Akt. 26.05.2026 21:58 Uhr