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GruSS aus der Küche

"Die geht mir tierisch auf den S… – verbrenn die Eier und spuck rein"

Ein schnelles Frühstück im italienischen Badeort Riccione nahe Rimini endete für eine Familie aus Florenz anders als erwartet: Auf dem Bestellzettel des Kellners stand eine deftige Beleidigung und die Aufforderung an den Koch, in die Eierspeise zu spucken. Mahlzeit.

Der verräterische Bestellbon: "Die geht mir tierisch auf den Sack – verbrenn die Eier und spuck rein"
Der verräterische Bestellbon: "Die geht mir tierisch auf den Sack – verbrenn die Eier und spuck rein"Google
NewsFlix Redaktion
Akt. 24.08.2026 16:42 Uhr

Da überlegt man sich künftig zweimal, ob man bei seiner Essensbestellung Extrawünsche deponiert …

Eine dreiköpfige Familie aus Florenz, die ursprünglich aus Brasilien stammt, aber schon länger in Italien lebt, war vergangene Woche auf Kurzurlaub im Städtchen Riccione an der italienischen Adriaküste südlich von Rimini. Wer den Ort googelt, bekommt die Auskunft, dass es sich bei der 35.000-Einwohner-Stadt um einen "eleganten Badeort" handelt, der an seinem sechs Kilometer langen Sandstrand alljährlich bis zu 1,6 Millionen Gäste begrüßen darf.

Auf einen Bewohner von Riccione kommen so pro Jahr etwa 40 Touristen. Das sind fast zehnmal so viele wie in Wien – in der Bundeshauptstadt kamen 2025 auf einen Einwohner etwa 4,2 Touristen. In den Gassen von Riccione kann es da schon eng werden. Und wenn die Saison dem Ende zugeht, liegen auch die Nerven bei den Einheimischen gelegentlich etwas blanker, als sie es sollten.

Das musste auch die Familie aus Florenz erfahren, als sie in einer Café-Bar am Mittwochvormittag ein spätes Frühstück einnehmen wollte. Offenbar waren sich Gäste und Kellner nicht grün, ein Wort gab das andere, der Kellner machte aus seinem Herzen keine Mördergrube und am Ende steht ein "Gastronomie-Skandal", der binnen Stunden viral ging und nun schon seit Tagen ganz Italien bewegt.

Was genau vorgefallen ist, wie es überhaupt so weit kommen konnte und wie man mit solch einer Situation ganz bestimmt nicht umgeht, um sie unauffällig zu lösen – eine adriatische Frühstücksposse, bei der das Tourismusland Italien gar nicht gut wegkommt:

Etwa 1,6 Millionen Besucher kommen jeden Sommer nach Riccione, das Städtchen ist damit der zweitgrößte Touristenort an der italienischen Adriaküste
Etwa 1,6 Millionen Besucher kommen jeden Sommer nach Riccione, das Städtchen ist damit der zweitgrößte Touristenort an der italienischen Adriaküste
Getty Images

Worum geht es?
Eine Familie aus Florenz machte vergangene Urlaub in Riccione und betrat am Mittwoch gegen 10 Uhr ein Lokal in der Viale Maria Ceccarini, keine 200 Meter vom Strand entfernt. Bestellt wurde ein Marillensaft, zwei Mal Orangensaft, ein Espresso sowie zwei Portionen "Uova Strapazzate", die italienische Bezeichnung für eine Eierspeise vulgo Rührei.

Es gibt schlimmere Beleidigungen für einen Kellner …
Grundsätzlich ja. Aber der Angestellte, sein Name ist Giovanni, wie praktischerweise auf dem Bestellbon vermerkt ist, schien an diesem Vormittag eine kurze Zündschnur zu haben. Denn einer der Frühstücksgäste, eine Dame, bat ihn, ihre Eierspeise etwas länger zu braten und auf die Salatgarnitur zu verzichten.

Und weiter?
Wie genau dieses Gespräch verlaufen ist, in welchem Ton und wie ausführlich, wird wahrscheinlich für immer ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls fühlte sich Giovanni nach dem Bestellvorgang offenbar nicht so gut, wie es nötig gewesen wäre, um einen friktionsfreien weiteren Verlauf des kleinen Frühstücks zu gewährleisten. Und so notierte er auf der Bestellung bei einer der Eierspeisen: "Molto cotte, no insalata, questa mi ha rotto il cazzo azzi – brucia le uova e sputaci dentro."

Come si dice in tedesco?
"Sehr durchgebraten, kein Salat, die geht mir tierisch auf den Sack – verbrenn die Eier und spuck rein."

Wurde die Bestellung von der Küche entsprechend ausgeführt?
Das ist nicht geklärt, tut aber auch nichts zur Sache. Denn mit der Bestellung kam auch der Bestellbeleg des Kellners aus der Küche zurück an den Tisch der Gäste. Wer auch immer hatte ihn wohl versehentlich auf dem Tablett liegen gelassen, anstatt ihn wegzuschmeißen. Und so nahm das Eierspeis-Drama seinen Lauf.

Wie reagierten die Frühstücksgäste?
Die Familie konfrontierte den Kellner offenbar sofort mit dem Zettel. Dieser weigerte sich zunächst, einen Vorgesetzten zu holen. Erst nach einer Diskussion kamen ein weiterer Kellner und ein Verantwortlicher hinzu. Diese entschuldigten sich und versicherten, die Küche hätte die Aufforderung nicht umgesetzt. Die Familie verzichtete trotzdem auf das Frühstück, bezahlte ihre bisherige Konsumation (Kaffee und Saft) und verließ wutentbrannt das Lokal.

"Uova Strapazzate" ist die italienische Bezeichnung für eine simple Eierspeise
"Uova Strapazzate" ist die italienische Bezeichnung für eine simple Eierspeise
Getty Images

Was unternahm die Familie danach?
Sie veröffentlichten ein Foto des Belegs mit der Beleidigung auf Google samt einer vernichtenden Kritik über das Lokal. Über Social Media verbreitete sich der Vorfall und schon am nächsten Tag berichtete die Lokalzeitung La Voce di Cesenatico über den Scandalo.

Hat das Restaurant darauf reagiert?
Ja, der Vorfall wurde nicht bestritten und man entschuldigte sich öffentlich. Die Besitzer des Lokals erklärten, das Verhalten des Kellners sei unangemessen gewesen und entspreche in keiner Weise den Werten des Hauses. Und man werde Maßnahmen treffen, um solche Vorfälle künftig zu verhindern.

Aber dann ist doch eigentlich alles wieder okay?
Na ja, nicht wirklich. In den folgenden Tagen nahmen sich auch überregionale Zeitungen wie La Stampa des Vorfalls an und recherchierten die Hintergründe der unappetitlichen Episode. Demnach entschuldigte der Manager des Lokals den Ausrutscher damit, dass es sich bei dem Kellner um einen 17-Jährigen gehandelt hätte, der erst wenige Wochen vor dem Vorfall eingestellt worden sei.

Gab es Konsequenzen für den Burschen?
Nein, scheinbar nicht. Aber schwerer wiegt, dass die betroffene Familie sich wieder zu Wort gemeldet hat und die Aussagen des Managements offen in Zweifel zieht. Demnach sei der Kellner, bei dem sie bestellt hätte, eine erwachsene Person gewesen und keinesfalls ein 17-Jähriger. Die Betreiber des Lokals lässt das jedenfalls nicht gut dastehen, noch dazu in einer Touristenhochburg.

Bemüht sich das Lokal um Schadensbegrenzung?
Falls ja, dann versteht man darunter jedenfalls etwas anderes, als es für gewöhnlich in Management-Kursen gelehrt wird. Auf Facebook und Instagram veröffentlichte man nämlich am Wochenende ein offenbar witzig gemeintes Video (siehe unten), in dem ein Gast in dem Lokal diverse Speisen ablehnt und schließlich meint, er sei nur wegen der Eierspeise da. Daraufhin fragt ihn der Besitzer spöttisch lächelnd: "Mit Spucke oder ohne?"

Italienischer Humor?
Möglicherweise. Aber es geht noch weiter. Wie das Schweizer Online-Medium Watson berichtet, lässt das Restaurant die User darüber abstimmen, ob der 17-jährige Kellner (falls es ihn überhaupt gibt) gefeuert oder ihm eine zweite Chance gegeben werden solle.

Wie fielen die Reaktionen aus?
Die augenzwinkernde Aufarbeitung kam bei den Userinnen und Usern überhaupt nicht gut an. Viele kritisierten, dass das Restaurant den Ernst der Situation offenbar nicht verstanden habe. Und ob sich die betroffenen Gäste bei dieser Art der Kommunikation ernst genommen fühlen, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Könnte die Familie das Lokal klagen?
Das hängt vom Einzelfall ab. In die Speisen eines Gastes zu spucken, kann als Körperverletzung oder zumindest als Beleidigung gewertet werden. Da die Aufforderung aber angeblich nicht umgesetzt wurde, dürfte eine Strafverfolgung schwierig sein. Die Absicht allein reicht für eine Verurteilung in der Regel nicht aus. Abgesehen davon: Wer möchte sich wegen solch einer respektlosen Dummheit wirklich den Stress eines Verfahrens antun?

Wie sollten sich Gäste in so einer Situation verhalten?
Grundsätzlich empfiehlt es sich, Ruhe zu bewahren und das Gespräch mit einem Vorgesetzten zu suchen. Den Beleg als Beweis zu sichern, war in diesem Fall klug. Bei gravierenden Vorfällen kann auch eine Anzeige sinnvoll sein. Das Veröffentlichen in sozialen Medien kann Druck erzeugen, birgt aber auch rechtliche Risiken. Aber letztlich ist die einzige Reaktion, die einen Unternehmer spüren lässt, dass sein Verhalten nicht in Ordnung war, jene, die er in seiner Kassa sieht. Insofern war der Weg an die Öffentlichkeit wohl zielführend.

NewsFlix Redaktion
Akt. 24.08.2026 16:42 Uhr