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Social-Media-Stars

Fashion, Partys, One Night Stands: Diese Omas begeistern Millionen

Mit ihren 96 Jahren unterhält die Amerikanerin Lillian Droniak 15 Millionen Follower auf TikTok und mehr als 4 Millionen auf Instagram. Sie ist die Leitfigur der "Granfluencer", eines immer beliebter werdenden Social-Media-Trends. Was hinter dem Phänomen steckt.

Ihr Enkel Kevin setzt Lillian "Grandma" Droniak ins rechte Licht für ihre Social-Media-Auftritte: die 96-Jährige ist der unumstrittene Star der "Granfluencer"
Ihr Enkel Kevin setzt Lillian "Grandma" Droniak ins rechte Licht für ihre Social-Media-Auftritte: die 96-Jährige ist der unumstrittene Star der "Granfluencer"APA-Images / AP / Jason DeCrow
Lena Schöndorfer
Akt. 24.10.2026 02:55 Uhr

Ein Pflegeheim im US-Bundesstaat Connecticut, irgendwann nach Mitternacht. Die Pensionistin Lillian Droniak sitzt in ihrem Rollstuhl, ein Cocktailglas in der Hand, im Hintergrund laute Musik. Die 96-Jährige feiert mit Mitbewohnern – und filmt alles für ihre Millionen Follower auf Instagram und TikTok mit dem Handy.

Wenige Tage später liegt ein Brief auf ihrem Tisch: Die Heimleitung droht mit einer Kündigung wegen zu viel Party und wegen des Alkohols, so BBC News. Glück gehabt: Die lebensfrohe Oma und das Pflegeheim einigten sich auf Feierlichkeiten ohne Alkoholkonsum.

Was wie eine skurrile Anekdote klingt, ist Teil eines wachsenden Trends. Immer mehr Frauen jenseits der 80 werden zu Stars auf TikTok und Instagram. Die sozialen Plattformen, die lange als Spielwiese für die Generation Z (also die Jahrgänge 1995 bis 2012) galten, finden in den lebensfrohen Seniorinnen eine komplett neue Zielgruppe an Content-Produzenten.

Die Großmutter von nebenan polarisiert als virales Phänomen im Netz – und das macht sich bezahlt. Laut BBC verdienen manche dieser Seniorinnen mittlerweile mehr als in ihrem gesamten Berufsleben zuvor. Mit mehreren Millionen Fans auf Instagram und Co. sind die TikTok-Omas ein beliebtes Ziel für Influencer-Werbung und verdienen dabei teilweise monatlich im fünfstelligen Bereich. Wer die bekanntesten Grannies im Netz sind, was sie zu erzählen haben und warum sie so polarisieren – das muss man über den Trend wissen:

Was genau sind "Granfluencer"?
Der Begriff setzt sich aus Grandma (auf Deutsch Oma) und Influencer zusammen. Gemeint sind Menschen im höheren Alter, meist schon Pensionisten, die auf sozialen Medien eine große Reichweite aufgebaut haben. Die Granfluencer erreichen mit ihren Videos oft ein Publikum, das jung genug wäre, um ihre Enkel zu sein.

Worum geht es in ihren Geschichten?
Sie zeigen ihren Alltag, geben Tipps zu Mode, Kochen oder Haushalt. Die 96-jährige Lillian Droniak, einer der Stars dere Szene, teilt sogar Storys über angebliche One-Night-Stands – wie viel Wahrheit dahintersteckt, bleibt (zum Glück) offen. Sie verrät lediglich, dass sie bei ihrem Date übernachtet und dort Frühstück bekommen habe. Ob die 96-Jährige ihren Verehrer wiedersehen möchte, ist noch unklar.

Wer sind die bekanntesten TikTok-Omas?
Die erfolgreichste Online-Oma ist Lillian Droniak, besser bekannt als Grandma Droniak. Die 96-Jährige aus Connecticut hat über 15 Millionen Follower auf TikTok und wurde bekannt für ihre freche Art und ihre legendären Pflegeheim-Partys in Connecticut. Zu ihren bekanntesten Kolleginnen gehören Nonna Gracie (85), die italienische Rezepte teilt, Modefan Viv Truran (82) aus Wales oder Barbara Costello (77), die Haushaltstipps gibt.

Wie viel Geld verdienen sie damit?
Die Einnahmen können sich sehen lassen: Oma Droniak finanziert mit ihren Social-Media-Deals ihre monatlichen Pflegeheimkosten von 12.000 Dollar (rund 11.000 Euro). Laut eigenen Angaben spart sie einen Teil ihrer Einnahmen auch für die Universitätsgebühren ihrer Enkelkinder. Die gebürtige Italienerin Nonna Gracie sagt, sie verdiene mit ihren Kochvideos mehr als in allen früheren Jobs zusammen.

Und woher kommt das Geld?
Hauptsächlich aus Markenkooperationen mit Lebensmittel- und Kosmetikfirmen. Die 82-jährige Viv Truran tobt sich auf Instagram im Bereich Lifestyle aus und wirbt unter anderem für die französische Kosmetikmarke Cerave. Die Waliserin betont, sehr wählerisch bei ihren Koops zu sein, und deshalb bereits lukrative Werbekooperationen abgelehnt zu haben.

Entwickeln sich die Granfluencer weiter?
Aber ja, es kommt immer wieder zu weiteren Projekten: Nonna Gracie veröffentlichte im Frühjahr 2026 ihr eigenes Kochbuch "Sunday Dinner with Nonna Gracie" und stellte ihr eigenes Olivenöl vor. Die ehemalige Lehrerin Barbara Costello, auf Social Media bekannt als "Brunch with Babs", schaffte es mit ihrem Buch rund um praktische Haushaltstipps sogar auf die Bestsellerliste der New York Times.

Warum sind die Omas so beliebt?
Experten aus der Influencer-Branche sehen mehrere Gründe. Ältere Creators wirken authentischer und vertrauenswürdiger als jüngere Influencer. Sie haben oft jahrzehntelange Erfahrung in dem, was sie zeigen – ob Kochen, Mode oder Lebensweisheiten. Für Marken sind sie daher attraktive Werbepartner. Außerdem: Die Granfluencer sind aus einer einzigartigen Nische entstanden, die es neben ihren weitaus jüngeren Influencer-Kollegen so bisher noch nicht gab.

Wer schaut den Seniorinnen am liebsten zu?
Überraschenderweise sind es vor allem junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, die diesen Seniorinnen folgen. Viele sehen in ihnen eine Art "virtuelle Großmutter". Die 82-jährige Viv Truran berichtet, dass Fremde sie auf der Straße ansprechen und sagen, sie würden sich durch ihre Videos weniger einsam fühlen. Dabei steht nicht allein die Unterhaltung im Vordergrund, sondern auch die emotionale Verbundenheit mit dem Publikum und der Aufbau einer eigenen Community – ähnlich einer digitalen Großfamilie.

Was macht den Content dieser Omas so besonders?
Anders als bei vielen jüngeren Influencern geht es weniger um perfekt inszenierte Bilder. Die Seniorinnen zeigen echte Lebensfreude und vermitteln, dass das Leben auch im hohen Alter aufregend sein kann. Oma Droniak sagt selbst: "Die Leute denken, dass ältere Menschen einfach nur dasitzen und auf eine Wand starren. Aber ich zeige, dass Älterwerden gar nicht so schlimm ist. Wir nehmen das Alter an, können immer noch Spaß haben, und ich gehe nach wie vor manchmal aus und feiere."

Wie reagieren Pflegeheime auf den Trend?
Nicht immer so positiv, wie man meinen möchte, wie der Fall von Grandma Droniaks feuchtfröhlichen Partys zeigt. Nach der Drohung mit dem Rauswurf einigte sie sich mit der Heimleitung auf einen Kompromiss: Sie darf weiter feiern, aber dabei keinen Alkohol mehr ausschenken. Der Vorfall machte sie nur noch berühmter – das Video mit dem Kündigungsbrief ging viral (siehe Reel unten).

Wer hilft den Seniorinnen bei der Technik?
Fast immer sind Familienmitglieder involviert. Bei der 96-jährigen Droniak ist ihr Enkel Kevin für die Nachbearbeitung der Videos verantwortlich. Nonna Gracies Enkel Matthew schlug ihr vor sechs Jahren vor, mit dem Filmen anzufangen – obwohl sie zunächst skeptisch war und von Social Media nichts verstand. Er fungiert unter anderem auch als ihr Management für Kooperationsanfragen. Die Zusammenarbeit zwischen den Generationen ist Teil des Erfolgsrezepts.

Gibt es auch männliche Granfluencer?
Ja, wenn auch weniger. Im deutschsprachigen Raum ist etwa Opa Werner bekannt geworden, ein 89-Jähriger aus Berlin. Er erntete zahlreiche Follower mit seiner Verkostung eines Iced Matcha Latte - DAS Getränk der Generation Z. Aber die erfolgreichsten Accounts gehören Frauen – möglicherweise, weil Themen wie Kochen und Haushalt traditionell mit Großmüttern assoziiert werden.

Ist der Trend auch in Österreich angekommen?
Das Phänomen ist global, auch wenn die bekanntesten Namen aus dem englischsprachigen Raum stammen. Hierzulande steigt das Interesse an älteren Content Creators ebenfalls. Vor allem das Thema Altern in Würde und das Vermitteln von Lebensfreude findet auch beim heimischen Publikum Anklang.

Was können jüngere Menschen davon lernen?
Die Botschaft ist simpel, aber wirkungsvoll: Das Leben endet nicht mit der Pension. Man kann mit 82 noch zum Mode-Vorbild werden, mit 85 ein Kochimperium aufbauen und sogar mit 96 noch Partys schmeißen. Die TikTok-Grannies zeigen, dass Lebensfreude keine Altersgrenzen kennt – und Social Media nicht nur den Jungen gehört.

Lena Schöndorfer
Akt. 24.10.2026 02:55 Uhr