Schwer wie ein SUV, groß wie ein Zeltanhänger fürs Auto: Am Freitag tritt ISS-Elektroschrott in die Erdatmosphäre ein. Was dann passiert.

Vor drei Jahren stieß die Internationale Raumstation "ISS" ein nicht mehr funktionstüchtiges Batteriepaket ab. Es sollte eigentlich beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen, wird es nach neuen Berechnungen aber nicht tun. Zumindest nicht ganz. Am Freitag könnten Trümmerteile auf die Erde fallen. Das deutsche "Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe" gab am Donnerstag eine offizielle "Gefahreninformation" aus: "Im Zeitraum zwischen dem Mittag des 8. März und dem Mittag des 9. März wird der Wiedereintritt eines größeren Weltraumobjektes in die Erdatmosphäre erwartet, das möglicherweise zersplittern wird" hieß es da.
Wie gefährlich ist das wirklich? Darüber gibt es widersprüchliche Angaben. Das Bundesamt schreibt: "Die Wahrscheinlichkeit des Auftreffens von Trümmerteilen in Deutschland ist nach jetzigen Informationen als sehr gering einzuschätzen."
Also nicht gefährlich, oder? Das deutsche "Weltraumlagezentrum" der Bundeswehr dagegen kam in einer "ersten Analyse" zum Schluss: Trümmerteile des Batteriepakets der ISS könnten den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen und als Hunderte Schrapnelle die Erdoberfläche erreichen.
Also doch gefährlich, oder? Das "Bundesamtes für Katastrophenschutz" wiederum schreibt: "Eine Gefährdung für Deutschland wird derzeit jedoch als statistisch unwahrscheinlich angesehen." Aber: "Sollte sich das Risiko erhöhen, erhalten Sie eine neue Information."
Oder doch sehr gefährlich? Der "Kurier" sprach mit Astrophysiker Jonathan McDowell vom "Harvard–Smithsonian Center" in den USA. "Dieses dichte 2,6 Tonnen schwere Objekt wird nicht vollständig zerfallen – es werden wahrscheinlich 200 bis 500 Kilo schwere Fragmente den Boden erreichen, verteilt über Hunderte von Kilometern entlang des Weges." Wo sie landen, wisse niemand.

Österreich fühlt sich sicher… Der Weltraum ist ein Fall für Leonore Gewessler (Grüne). Ihr "Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie" (BMK) ist dafür nämlich ressortverantwortlich, das wissen die wenigsten. Auf seiner eigenen Webseite schreibt das Ministerium: "Das BMK ist daher für die Genehmigung und Überwachung der nationalen Weltraumaktivitäten sowie für die Registrierung von Weltraumgegenständen zuständig". So ein "Weltraumgegenstand" käme jetzt herunter.
… und zeigt sich entspannt Während in Deutschland am Donnerstag gefühlt jede Behörde – teils sehr unterschiedliche – Gefahreneinschätzungen abgab und Katastrophen-Apps Warnhinweise verschickten, sagte Österreich zur Sicherheit gar nichts. Man sei mit allen zuständigen Organisationen und Behörden verbunden, von den Krisenstäben im Land bis zu ESA, also der europäischen Weltraum-Organisationen, hieß es schließlich am Abend aus dem Ministerium. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiere, liege "bei 1 zu 10 Milliarden". So etwas wie jetzt käme ein bis zweimal im Monat vor.
Was jedenfalls passiert: Mehrere Überflüge der Erde Klar scheint jedenfalls, dass nicht alle Teile des Batteriepakets beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen werden. Der Elektroschrott wird dann mehrfach die Erde umrunden, auch über Österreich und Deutschland fliegen. In vier etwa eineinhalb Minuten kurzen Zeitfenstern zwischen 16.47 Uhr und 19.50 Uhr könnte der Weltraumschrott am Freitag dann auf Deutschland treffen. In der Zeit zwischen Freitagmittag und Samstagmittag kann es am Himmel zu Leuchterscheinungen kommen, ein Überschallknall ist möglich.
Was fliegt da eigentlich auf uns zu? Es handelt sich um ein 4 Meter mal 2 Meter mal 1,5 Meter großes Gebilde, das am ehesten aussieht wie ein Zeltanhänger fürs Auto. Dieser "Zeltanhänger" ist 2,6 Tonnen schwer. Er wurde am 21. März 2021 von der ISS abgestoßen, es war das größte Objekt, das die Raumstation jemals in den Weltraum entlassen hat. Der Vorgang wurde von der "Mission Control" von Houston, Texas, aus gesteuert. Ein Canadarm2-Roboterarm setzte den "Zeltanhänger" frei. Die ISS flog zu diesem Zeitpunkt in einer Höhe von rund 426 Kilometern über die Nordküste Chiles.
Im All ausgetauscht Genau genommen handelt es sich bei dem "Zeltanhänger" um eine Palette mit alten Nickel-Wasserstoff-Batterien. Die Batterien wurden bei mehreren Weltraumwanderungen von der ISS entfernt und durch neuere Lithium-Ionen-Speicher ersetzt, um die Systeme der Station weiter mit Strom zu versorgen.
Nur ein paar Sekunden über Österreich Laut Berechnungen des "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) tritt der Elektroschrott über dem Norden Nordamerikas in die Atmosphäre ein. Diese Einschätzung könne sich aber noch ändern, sagen die Forscher. Problem der Berechnung: Das Batteriepaket braucht für eine Erdumrundung etwa eineinhalb Stunden, für den Überflug über Österreich nur ein paar Sekunden. Ein Zahlendreher und du bist auf einem anderen Kontinent.