NewsFlix.at Logo
Neues Buch

Ist Trump Putins Agent im Weißen Haus? Oder nur sein Fanboy?

Der britische Journalist und Russland-Kenner Luke Harding untersucht in seinem neuen Buch "Betrayal" das brisant-skurrile Verhältnis zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Und er wirft eine heikle Frage auf: Handelt der US-Präsident im Interesse Russlands?

Warmer Empfang in Alaska: Donald Trump und Wladimir Putin am 15. August 2025 auf drr US-MilitärbasisElmendorf-Richardson in Anchorage
Warmer Empfang in Alaska: Donald Trump und Wladimir Putin am 15. August 2025 auf drr US-MilitärbasisElmendorf-Richardson in AnchorageREUTERS/Kevin Lamarque
NewsFlix Redaktion
Akt. 25.08.2026 05:53 Uhr

August 2025, ein Flugfeld in Alaska. Zwei Männer schütteln sich die Hände, Kameras klicken. US-Präsident Donald Trump empfängt Wladimir Putin zu einem Gipfeltreffen über den Krieg in der Ukraine. Es ist ein Bild, das um die Welt geht – und das viele Fragen aufwirft.

Der britische Journalist Luke Harding war jahrelang Korrespondent in Moskau. Jetzt hat er mit "Betrayal" ein Buch vorgelegt, das Trumps Politik gegenüber der Ukraine schonungslos dokumentiert, schreibt der Guardian über das neue Werk seines Korrespondenten. Seine These: Die USA haben die Ukraine verraten – und dahinter könnte weit mehr stecken als nur schlechte Außenpolitik.

Die wichtigsten Thesen aus dem neuen Buch des Moskau-Kenners, wie sich Luke Harding einen Namen gemacht hat und weshalb er seit Jahren nicht mehr nach Russland einreisen darf – das muss man über "Betrayal" und seinen Autor wissen:

Worum geht es in dem neuen Buch "Betrayal"?
Luke Harding zeichnet nach, wie sich die amerikanische Ukraine-Politik unter Trump verändert hat. Statt den Druck auf Moskau zu erhöhen, habe die neue Administration die Ukraine im Stich gelassen. Harding dokumentiert das nicht nur anhand von Verhandlungen und Gipfeltreffen, sondern auch durch Berichte aus ukrainischen Städten, die unter ständigem russischen Beschuss stehen.

Hat seit Jahren Einreiseverbot in Russland: der britische Journalist, Buchautor und Russland-Kenner Luke Harding
Hat seit Jahren Einreiseverbot in Russland: der britische Journalist, Buchautor und Russland-Kenner Luke Harding
APA-Images / Lehtikuva / Emmi Korhonen

Was ist beim Alaska-Gipfel passiert?
Im August 2025 lud Trump Putin zu einem Gipfel nach Alaska ein. Trump behandelte den russischen Präsidenten mit auffälliger Ehrerbietung – in der irrigen Annahme, Putin sei zu Kompromissen bereit. Doch der einzige Kompromiss, den Putin im Sinn hatte, war die kampflose Übergabe ukrainischen Territoriums. Das Treffen endete bereits vor dem Mittagessen, Trump war genervt von Putins langen Vorträgen über die Geschichte der russisch-ukrainischen Beziehungen.

Welche heikle Frage stellt das Buch?
Harding geht der Frage nach, ob Trump selbst ein russischer "Asset" sein könnte – also jemand, der bewusst oder unbewusst russischen Interessen dient. Genießt Trump einfach nur die Gesellschaft von Autokraten und beneidet ihre absolute Macht? Oder gibt es andere Gründe für seine putinfreundliche Haltung?

Gibt es für Trumps "Autokraten-Leidenschaft" weitere Beispiele?
Ja, neben Putin zeigt der US-Präsident seit Jahren ein auffälliges Interesse an Nordkoreas Diktator Kim Jong-un und Chinas Präsident Xi Jinping. Überraschenderweise hat er an weiteren Alleinherrschern auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion keinerlei offen zur Schau gestelltes Interesse, obwohl es da einige Beispiele gäbe, die ihm eigentlich imponieren müssten.

Was zeigt das Buch über den Krieg in der Ukraine?
Autor Luke Harding dokumentiert das Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung. Während Präsident Wolodymyr Selenskyj vor der Weltpresse telegen unter Druck gesetzt wurde, besuchte Harding eine von einer russischen Drohne zerstörte Kinderklinik in Odessa. Eine Ärztin sagte ihm: "Wir haben sie mit Liebe aufgebaut. Die Arbeit von fünf Jahren wurde in einem Augenblick zerstört."

Donald Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: das Verhältnis der beiden Männer ambivalent zu nennen, wäre noch untertrieben
Donald Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: das Verhältnis der beiden Männer ambivalent zu nennen, wäre noch untertrieben
REUTERS/Kevin Lamarque

Wer sind die zentralen Figuren im Buch?
Die "Bösewichte" des Buches sind laut Rezension eindeutig Trump und Putin. Aber Harding beschreibt auch Einzelschicksale wie jenes von Ri Chol-nam, einem nordkoreanischen Soldaten, der überrascht war, für Russland kämpfen zu müssen. Nach seiner Gefangennahme durch die Ukrainer unternahm er einen Suizidversuch.

Welche Rolle spielt Europa im Buch?
Harding beschreibt, wie Putin versucht, Europa einzuschüchtern – etwa durch Sabotage von Internetkabeln am Meeresboden oder durch Drohnen, die in den europäischen Luftraum eindringen. Auch die europäische Sorge vor einem Deal zwischen Trump und Putin über die Köpfe der Europäer hinweg wird thematisiert.

Wie reagiert der Kreml auf Trump?
Paradoxerweise scheint Putin von Trump enttäuscht zu sein. Der US-Präsident habe die ukrainische Kapitulation, die sich Putin erhofft hatte, nicht "geliefert". Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach zuletzt von einem "Irrglauben" bei Trump, dass ukrainische Angriffe auf russisches Territorium zum Kriegsende beitragen könnten.

Was sagen Historiker zu der Situation?
Der renommierte Historiker Timothy Snyder sieht eine paradoxe Rolle Trumps: Einerseits sei dieser Putin weit entgegengekommen und habe damit russische Erwartungen erfüllt. Andererseits führe Putin den Krieg möglicherweise nur noch wegen Trump weiter – in der Hoffnung auf einen noch besseren Deal.

Warum macht Putin keine Kompromisse?
Das ist laut Rezension das größte Rätsel: Warum beharrt Putin auf einem teuren und aussichtslosen Krieg, obwohl Trump so entgegenkommend ist? Harding kann diese Frage nicht vollständig beantworten, weil er keinen Zugang mehr nach Moskau hat. Seine Kontakte dort hätten vielleicht Einblicke ermöglicht.

Luke Harding "Betrayal: Trump, Putin and the New Age of Conquest", 394 S., Guardian Faber Publishing, ab 19 Euro
Luke Harding "Betrayal: Trump, Putin and the New Age of Conquest", 394 S., Guardian Faber Publishing, ab 19 Euro
Guardian Faber Publishing

Ist Trump wirklich ein russischer Agent?
Diese Frage beantwortet das Buch nicht eindeutig. Es dokumentiert aber eine Reihe von Verhaltensweisen des US-Präsidenten, die Fragen aufwerfen. Ob Trump bewusst russischen Interessen dient oder einfach autoritäre Führungspersönlichkeiten bewundert, bleibt offen. Die Indizien sind beunruhigend, ein Beweis fehlt.

Was muss man über Luke Harding wissen?
Der 58-jährige Brite ist Senior International Correspondent des Guardian, der sich vor allem mit Russland, Putin, der Ukraine und internationalen Konflikten beschäftigt und früher als Moskau-Korrespondent arbeitete; 2011 wurde ihm die Wiedereinreise nach Russland verweigert. Bekannt wurde er durch zahlreiche investigative Bücher über den russischen Machtapparat unter Wladimir Putin. Er beschäftigt sich auch seit Jahren mit dem unheilvollen "Verhältnis" zwischen Putin und Trump.

Was schreibt der Autor über den weiteren Verlauf des Ukraine-Krieges?
Das Buch erscheint in einer Phase, in der der Ukraine-Krieg weiter eskalieren könnte. Viele Insider rechnen mit einer weiteren Offensive Putins, eventuell sogar auf Basis einer weiteren Mobilmachung, wovor sich in Russland immer mehr Menschen fürchten. Ob Trump und Putin vorher doch noch zu einem Deal kommen – und was das für die Ukraine und Europa bedeuten würde – lässt Harding offen.

Luke Harding "Betrayal: Trump, Putin and the New Age of Conquest", 394 S., Guardian Faber Publishing, ab 19 Euro (als Digital-Version)

NewsFlix Redaktion
Akt. 25.08.2026 05:53 Uhr