Der 18-jährige Alexander Jorias absolvierte sein Abitur – die deutsche Variante der Matura – mit der maximal möglichen Punktezahl. Dafür lernte er angeblich nur zwei Stunden täglich – aber mit KI-Unterstützung. Was sich andere Schüler von ihm abschauen können.

Eins gleich vorweg: Mit Schummeln hat das, wofür Alexander Jorias die Hilfe von KI-Bots in Anspruch genommen hat, nicht einmal annähernd zu tun. Der 18-Jährige aus dem deutschen Bundesland Hessen hat vielmehr herausgefunden, wie er die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz am effizientesten nutzen kann, um seine Ziele zu erreichen.
Und worum es ihm ging, war von Anfang an klar: Das Abitur – die deutsche Form der Matura – mit der höchsten möglichen Punktezahl von 900 Punkten abzuschließen. Ein Kunststück, das nur einer Handvoll Schülerinnen und Schülern pro Jahr gelingt – wenn überhaupt.
Dass es Alexander Jorias nun gelungen ist, hat vor allem mit der außergewöhnlichen psychischen Verfasstheit des 18-Jährigen zu tun. Denn Jorias ist ein hoch analytischer Kopf, der bereits vor Jahren damit begonnen hat, sein Ziel anzuvisieren. Und der sich die Optionen, mit denen ihn die KI dabei unterstützen kann, Stück für Stück erarbeitet hat.
Mit welchen Tricks und Kniffen sich der Schüler von der KI zu Höchstleistungen hat pushen lassen, wie viel Zeit und Mühe er dafür investieren musste und was ihn überhaupt angetrieben hat, seinem Ziel alles unterzuordnen, hat Alexander Jorias dem Spiegel sowie der FAZ ausführlich erzählt. Und er teilt sein Wissen über Social Media mit der ganzen Welt.
Was man über den außergewöhnlichen jungen Mann und seine Arbeit mit der KI wissen muss – der Überblick:

Worum geht es?
Der 18-jährige Alexander Jorias aus Hessen hat im Abitur die maximal möglichen 900 von 900 Punkten erreicht – eine Leistung, die in Deutschland nur äußerst wenigen Schülerinnen und Schülern gelingt. Aufmerksamkeit erhält er aber nicht nur wegen der Bestnote.
Sondern?
Jorias spricht offen darüber, wie er sich für seine Bestleistung vorbereitet hat und welche Rolle Künstliche Intelligenz dabei spielte. Denn der 18-Jährige nutzte ChatGPT und Claude (den KI-Assistenten der US-Firma Anthropic) nach eigenen Angaben nicht zum Schummeln oder Schreiben von Aufgaben, sondern als persönlichen Prüfer und kostenlosen Nachhilfelehrer.
Was muss man über den Musterschüler wissen?
Alexander Jorias, Jahrgang 2007, stammt aus Zwingenberg in Südhessen. Er besuchte ein Gymnasium in Hessen und absolvierte sein Abitur vor wenigen Tagen mit der bestmöglichen Punktezahl: 900 von 900 möglichen Punkten.
Wie funktioniert das deutsche Abitur-System?
Es basiert auf einem Gesamtergebnis aus der zweijährigen Qualifikationsphase (Block I) und den Abiturprüfungen (Block II). Dabei werden die Noten für die Schüler in Punkte von 0 bis 15 übersetzt. Eine glatte Note 1 entspricht 14 Punkten, die absolute Bestnote "1+" entspricht 15 Punkten.
Und das gilt für die letzten beiden Schuljahre?
Ja. Die Schüler bringen rund 40 Kursergebnisse aus den letzten vier Halbjahren ein. Für das perfekte Abitur muss in jedem einzelnen Kurs die Maximalpunktzahl von 15 Punkten erreicht werden, das ergibt maximal 600 Punkte. Dazu kommen die Abiturprüfungen: In den meist 4 bis 5 Prüfungsfächern (schriftlich und mündlich) müssen ebenfalls in jeder Prüfung 15 Punkte erzielt werden. Diese Prüfungsnoten werden vier- oder fünffach gewertet, ergibt also maximal 300 Punkte.
Und das ist Alexander Jorias gelungen?
Ja, er erreichte im Abitur die Höchstpunktzahl von 900 Punkten. Rechnerisch entspräche das einer Durchschnittsnote von 0,67, offiziell wird die Leistung jedoch – wie alle Ergebnisse ab 823 Punkten – mit der Gesamtnote 1,0 bewertet. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums erreichen nur wenige Prozent eines Jahrgangs die Note 1,0; die Maximalpunktzahl ist noch einmal deutlich seltener.
Warum wird so darauf Bezug genommen, dass diese Leistung in Hessen erbracht worden ist?
Weil das Abitur – anders als unsere Matura – in Deutschland Landessache ist. Es gibt kein bundesweit einheitliches Zentralabitur. Je nach Bundesland (z. B. in Bayern oder NRW) variieren die Aufgaben, der Fächerkanon und die Schwierigkeitsgrade.
Wie außergewöhnlich ist die Leistung von Alexander Jorias?
Sehr außergewöhnlich. Die volle Punktzahl gilt als absolute Ausnahme und gelingt bundesweit nur einer Handvoll Schülern pro Jahr.
Wie hat er das geschafft?
Jorias führt seinen Erfolg nicht auf einen einzelnen Faktor zurück, sondern auf eine Kombination aus Disziplin, effizienten Lernmethoden und konsequenter Vorbereitung. Nach eigener Aussage begann der Ehrgeiz bereits zu Beginn der Oberstufe, als er erstmals die Bestnote von 15 Punkten erhielt. Von da an wollte er dieses Niveau dauerhaft halten.
Was tat er dafür?
Er arbeitete im Unterricht besonders aktiv mit, meldete sich häufig und versuchte, den Stoff bereits dort möglichst vollständig zu verstehen. Für die eigentliche Abiturvorbereitung setzte er auf feste Lernzeiten, aktives Wiederholen und regelmäßige Selbsttests statt auf kurzfristiges Auswendiglernen.
Kann das jeder?
Diese Frage beantwortet Jorias selbst zurückhaltend. Er betont ausdrücklich, dass seine Methoden nicht automatisch zu 15 Punkten führen. Lernen sei ihm schon immer leichtgefallen. Seine Tipps könnten zwar vielen helfen, effizienter zu lernen, eine Garantie für Spitzennoten seien sie aber nicht.

Wie viel Zeit investierte Alexander Jorias in seine Abitur-Vorbereitungen?
"Ich hatte mir vorgenommen, dass ich täglich zwei Stunden lerne, immer morgens um acht Uhr", so der 18-Jährige im Spiegel. Ohne Ausnahme und Ablenkung – danach konnte er machen, was er wollte: Sport, Freunde treffen, ins Freibad gehen. Für seine drei schriftlichen Abi-Prüfungen habe er insgesamt 64 Stunden gelernt, für die beiden mündlichen 45 Stunden.
Das klingt nach erstaunlich wenig Zeit?
Ja, wobei man dazu sagen muss, dass Alexander spätestens seit dem Beginn der Oberstufe auf hohem Niveau am Unterricht teilnahm und damit von einem anderen Niveau aus wegarbeitete, als viele seiner Schulkollegen.
Verrät Alexander seine Lernmethoden im Detail?
Ja. Anders als viele Spitzenabsolventen macht Jorias seine Strategien öffentlich. Auf Instagram, TikTok und seiner eigenen Website veröffentlicht er Lernzettel, KI-Prompts und Tipps zur Prüfungsvorbereitung. Der junge Mann hat bereits mehr als 12.000 Follower.
Stichwort KI: Wie hat er diese eingesetzt, um sie möglichst effizient nutzen zu können?
Alexander Jorias nutzte ChatGPT und Claude als persönlicher Tutor. Die KI sollte mündliche Prüfungen simulieren, seine Antworten streng bewerten und konkrete Verbesserungsvorschläge machen. Entscheidend war für ihn dabei, dass die Programme ihn nicht loben, sondern möglichst kritisch auf Fehler und Schwächen hinweisen – wie dies auch ein realer Tutor getan haben würde.
Was ist damit im Detail gemeint?
Jorias hat die KI Übungsklausuren simulieren und seine Antworten anschließend strenger korrigieren lassen, als es in der Schule erwartet würde. In seinem Prompt stand unter anderem: "Du simulierst eine mündliche Abiturprüfung in Hessen für das Fach Deutsch. Der Schüler hat durchgehend 15 Punkte erzielt. Bewerte entsprechend auf diesem Niveau."
Soll heißen?
Der 18-Jährige hat sich sehr clevere Prompts – also formulierte Befehle an die KI – erarbeitet, die Lern- und Prüfungssituationen aus dem wahren Leben vorweggenommen haben. So konnte er die Praxis im Zusammenspiel mit der KI bestmöglich simulieren.
Also kann theoretisch jeder, der seine Übungs- und Lernarbeit kopiert, so erfolgreich sein?
Theoretisch ja, praktisch eher nein. Denn Jorias nennt selbst mehrere Voraussetzungen für seinen Erfolg, die leicht übersehen werden: Lernen fiel ihm schon immer leicht;
Er arbeitete in der gesamten Oberstufe kontinuierlich auf 15-Punkte-Niveau;
Er war im Unterricht außergewöhnlich aktiv;
Er hatte eine sehr hohe intrinsische Motivation (das Ziel der 900 Punkte);
Bereits seine Mutter hatte ein außergewöhnlich gutes Abitur (898 Punkte), was seine Zielsetzung zusätzlich beeinflusste.
Was kann man aus seinem Erfolg für sich selbst lernen?
Jorias' Methode dürfte für viele Lernende hilfreich sein – insbesondere der Einsatz von KI als kritischer Prüfungspartner. Seine Ergebnisse sind aber ebenso Ausdruck einer Kombination aus hoher Begabung, langfristiger Disziplin und guter Lernstrategie. Nicht die KI allein erklärt den Erfolg, sondern wie sie in einen bereits sehr systematischen Lernprozess eingebunden wurde.
Wie geht es jetzt für den 18-Jährigen weiter?
Zunächst reist er für rund zwei Monate im Rahmen eines Work-and-Travel-Aufenthalts nach Asien. Anschließend beginnt er in München ein Studium im Fach Technology and Management. Parallel baut er eine Präsenz in sozialen Medien auf, wo er Lernmethoden, KI-Prompts und Tipps zur Prüfungsvorbereitung veröffentlicht.
Was macht die Geschichte von Alexander Jorias so außergewöhnlich?
Sie zeigt, wie sich Lernen durch Künstliche Intelligenz verändert. Während früher Nachhilfe oder Lerngruppen notwendig waren, können Schülerinnen und Schüler heute jederzeit anspruchsvolle Prüfungsgespräche simulieren, sich Antworten erklären lassen und unmittelbares Feedback erhalten. Genau darin könnte der eigentliche Paradigmenwechsel liegen: Nicht das Schreibenlassen von Hausaufgaben, sondern individuelles Üben und kontinuierliches Feedback gehören zu den stärksten Einsatzmöglichkeiten generativer KI.