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Mehrheit dagegen

Nicht nur bei uns: Amerikaner laufen Sturm gegen KI-Rechenzentren

So wie bei den in Österreich geplanten Projekten sorgen auch in Amerika der enorme Strom-, Wasser- und Bodenverbrauch der Anlagen für Skepsis bei der Bevölkerung. Anders sind freilich die Dimensionen: In den USA sind über 1.400 Rechenzentren in Planung oder Bau.

Am 18. Juli gingen bei 142 Demonstrationen in 42 Bundesstaaten hunderttausende Menschen gegen KI-Rechenzentren auf die Straße
Am 18. Juli gingen bei 142 Demonstrationen in 42 Bundesstaaten hunderttausende Menschen gegen KI-Rechenzentren auf die StraßeREUTERS/Evelyn Hockstein/File Photo
The Economist
Akt. 03.09.2026 11:44 Uhr

Ein Gespenst geht um in Amerika – das Gespenst der Rechenzentren. Die mit Computern voll gestellten Hallen, die den Boom der künstlichen Intelligenz in den USA antreiben, sind inzwischen unbeliebter als fast jede andere Form von Infrastruktur – selbst als Atomkraftwerke.

Landkreise und Bundesstaaten überziehen sie mit immer neuen Auflagen oder wollen ihren Bau ganz verbieten. Im Juli passierte der Ratepayer Protection Act, ein Gesetzentwurf zur Begrenzung der Auswirkungen von Rechenzentren auf die Strompreise, problemlos die Ausschussphase im Repräsentantenhaus.

Am 31. August schaltete sich Donald Trump in die erbitterte Debatte ein – sehr zum Unbehagen von Republikanern, die in umkämpften Wahlkreisen für die Zwischenwahlen antreten. Wer Rechenzentren vor Ort verhindere, werde am Ende "rückständig und arm" dastehen, warnte er, wenn dadurch die "goldene Gans" getötet werde.

Der Widerstand gegen Rechenzentren bringt traditionelle politische Bündnisse durcheinander, verändert die bevorstehenden Wahlen und verunsichert Technologieunternehmen und Investoren. Ob er den Siegeszug der KI bremsen wird, ist allerdings eine andere Frage.

Bodenfressender Moloch: KI-Rechenzentrum in einem Wohngebiet in Lowell, Massachusetts
Bodenfressender Moloch: KI-Rechenzentrum in einem Wohngebiet in Lowell, Massachusetts
REUTERS/Brian Snyder

Wie schnell sich die politische Stimmung rund um Rechenzentren verändert hat, zeigen drei sehr unterschiedliche Bundesstaaten: Texas, Illinois und Pennsylvania. 2019 unterzeichnete J. B. Pritzker, der Gouverneur von Illinois, ein parteiübergreifend getragenes Gesetz, das Anreize für den Bau von Rechenzentren schuf.

"In der heutigen Welt", erklärte er damals, "sind Rechenzentren für unsere Infrastruktur ebenso unverzichtbar wie Straßen, Züge und Schulen." In Texas prahlte Greg Abbott noch im vergangenen Jahr damit, sein Bundesstaat sei "das Epizentrum der KI-Entwicklung". Josh Shapiro, Gouverneur von Pennsylvania, zeigte sich ähnlich begeistert: "Wir setzen bereits voll auf KI."

Im August schlug Pritzker plötzlich einen ganz anderen Ton an. Rechenzentren, sagte er vor Journalisten, könnten "höhere Strompreise, höhere Wassergebühren oder … ökologisch nicht vertretbare Praktiken" zur Folge haben. Bereits im Juni hatte er die Anträge auf jene Steuervergünstigungen, die 2019 eingeführt worden waren, einseitig ausgesetzt.

In Texas ordnete Abbott an, dass die Stromversorger des Bundesstaates sämtliche Rechenzentren überprüfen, die Strom beziehen wollen. Die Anlagen, warnte er, "könnten die Zuverlässigkeit und Stabilität des texanischen Stromnetzes gefährden". Auch Shapiro hat die Regeln verschärft und Gemeinden mehr Möglichkeiten gegeben, Projekte zu verhindern. Zugleich brandmarkt er seinen Gegenkandidaten im Rennen um das Gouverneursamt als Befürworter von Rechenzentren – ein Vorwurf, der zunehmend zum politischen Schimpfwort wird.

Noch vor etwas mehr als einem Jahr zeigten einige Umfragen eine Mehrheit für den Bau lokaler Rechenzentren. Bis März hatte sich das Bild gedreht: Eine Gallup-Umfrage ergab, dass 71 Prozent dagegen waren. Erhebungen des Annenberg Public Policy Center verzeichneten zwischen Februar und Juni/Juli einen Umschwung der Zustimmung um 19 Prozentpunkte. Eine Ende August veröffentlichte Umfrage von The Economist und YouGov kam auf eine Ablehnung von 63 Prozent. Rechenzentren wurden von allen Wählergruppen als schlecht für das Land bewertet (siehe Grafik unten).

Chicago verdeutlicht den Wandel. Lange vor dem KI-Boom beherbergten die Stadt und ihre Vororte Dutzende Rechenzentren – dank ihrer Lage im Zentrum der amerikanischen Internetinfrastruktur und vergleichsweise niedriger Strompreise. Bis vor Kurzem interessierten sich nur wenige Menschen dafür. Nun füllen sie öffentliche Anhörungen, um Bauvorhaben im gesamten Bundesstaat zu verhindern. Im August kamen Hunderte zusammen, um gegen die Pläne für ein Projekt auf der South Side von Chicago zu protestieren, das nach Angaben seiner Entwickler nicht einmal ein Rechenzentrum ist.

Quer durch die politischen Lager haben die Amerikaner eine negative Einstellung zu KI-Rechenzentren
Quer durch die politischen Lager haben die Amerikaner eine negative Einstellung zu KI-Rechenzentren
The Economist

In den ersten acht Monaten dieses Jahres befassten sich US-amerikanische Landkreise mit 409 Moratorien oder vergleichbaren Maßnahmen – fast siebenmal so viele wie im gesamten Vorjahr. In mehr als einem halben Dutzend Bundesstaaten, darunter praktisch alle umkämpften Staaten der Zwischenwahlen, haben mehr als 20 Prozent der Landkreise mindestens ein Moratorium beschlossen (siehe Grafik unten).

"Aus der Sicht eines Anwalts für Bau- und Bodennutzungsrecht ist dies eines der schwierigsten Entwicklungsprobleme, mit denen ich in meiner Laufbahn zu tun hatte", sagt Tommy Mann von Winstead, einer Kanzlei in Dallas. "Das Ausmaß der Emotionen, die mit diesen Projekten verbunden sind, habe ich so noch nicht erlebt."

Einige Befürworter von Rechenzentren machen ausländische Mächte für den Widerstand verantwortlich. "China könnte darüber nicht glücklicher sein", sagte Trump. Im Juni erklärte OpenAI, ein Entwickler von KI-Modellen, ein chinesisches Unternehmen habe Bilder erstellt, die darauf abzielten, die Unterstützung für Rechenzentren in den USA zu untergraben.

Am 27. August teilte X, eine soziale Plattform, mit, man habe ein chinesisches Botnetz mit 200.000 Konten identifiziert, das dieses Material verbreite. Die verfügbaren Belege deuten allerdings darauf hin, dass diese Bemühungen kaum Wirkung hatten. OpenAI kam zu dem Schluss, dass sie unter Amerikanern "wenig oder gar keine erkennbare Interaktion" ausgelöst hätten.

Der eigentliche Grund für die Empörung ist einfacher. Die Amerikaner stehen der KI skeptisch gegenüber, misstrauen den Unternehmen, die sie entwickeln, und befürchten Arbeitsplatzverluste. Doch Umfrage um Umfrage zeigt: Was ihnen an Rechenzentren am meisten Sorgen bereitet, sind deren Auswirkungen vor Ort – oder zumindest das, was sie sich darunter vorstellen. Eine jüngste Fox-News-Umfrage ergab, dass 75 Prozent der Befragten Energieverbrauch, Wasserrechnungen und Verkehr als Hauptgründe für ihre Ablehnung eines Rechenzentrums in ihrer Umgebung nannten. Nur 11 Prozent verwiesen auf die KI selbst.

In den USA sind aktuell mehr als 400 Moratorien gegen KI-Rechenzentren anhängig
In den USA sind aktuell mehr als 400 Moratorien gegen KI-Rechenzentren anhängig
The Economist

Viele dieser Befürchtungen sind übertrieben. Google, ein weiterer großer Betreiber von Rechenzentren, gibt an, dass seine Rechenzentren und Büros 2025 rund 10,9 Milliarden Gallonen (41 Milliarden Liter) Wasser verbrauchten – nach eigenen Angaben ungefähr so viel, wie jährlich zur Bewässerung von 73 Golfplätzen im Südwesten der USA benötigt wird.

Amazon zufolge verbrauchten seine Rechenzentren weltweit im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Gallonen Wasser – zwei Prozent weniger als 2024, obwohl weitere Anlagen hinzukamen. 2023 wurde 74-mal mehr Wasser für die Bewässerung von Agrarflächen verbraucht als von Rechenzentren – selbst wenn das Wasser eingerechnet wird, das zur Erzeugung ihres Stroms benötigt wird.

Eine hochexplosive Debatte

Beim Strom sieht die Sache anders aus. Das Lawrence Berkeley National Laboratory, ein staatlich finanziertes Forschungszentrum, schätzt, dass Rechenzentren 2023 rund 4,4 Prozent des amerikanischen Stroms verbrauchten. Bis 2030 könnten es zwischen 9,5 und 15,3 Prozent sein.

Welche Auswirkungen das auf die Verbraucher hat, ist weniger eindeutig. Die Großhandelspreise steigen. Das könnte letztlich auch die Haushalte treffen. Das Electric Power Research Institute, ein Forschungsinstitut, schätzt allerdings, dass das Wachstum der Rechenzentren die durchschnittlichen Strompreise zwischen 2019 und 2024 sogar um sechs Prozent gesenkt hat, weil sich die Fixkosten des Stromnetzes auf mehr Abnehmer verteilen.

In den vergangenen Wochen haben drei große Energieversorger – Georgia Power, Pacific Gas & Electric und Indiana Michigan Power – allesamt darauf hingewiesen, dass Rechenzentren zu niedrigeren Stromrechnungen beitragen könnten. Gleichzeitig haben 30 Bundesstaaten Tarife für sogenannte "Large Loads" beschlossen oder vorgeschlagen. Sie sollen sicherstellen, dass Großverbraucher wie Rechenzentren für notwendige Investitionen in die Infrastruktur aufkommen.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob die öffentliche Meinung noch beeinflussbar ist. Eine in diesem Monat veröffentlichte Umfrage von Echelon Insights ergab, dass sich die Ablehnung von Rechenzentren umkehren ließe, wenn den Befragten nur ein möglicher Vorteil genannt würde – etwa niedrigere Grundsteuern oder höhere Ausgaben für Schulen.

"Lasst die Daten regieren!", sagt Donald Trump. Seine Angst: dass China an den USA vorbeiziehen könnte
"Lasst die Daten regieren!", sagt Donald Trump. Seine Angst: dass China an den USA vorbeiziehen könnte
REUTERS/Evelyn Hockstein

"Die Wähler sind bereit, einen Deal über Rechenzentren zu machen", sagt Patrick Ruffini, ein republikanischer Meinungsforscher und Leiter von Echelon. Sie scheinen auch für finanzielle Anreize empfänglich zu sein. Eine weitere Umfrage der University of Virginia ergab, dass die Mehrheit der Befragten bereit wäre, einige tausend Dollar zu akzeptieren, um ein lokales Rechenzentrum zu unterstützen.

Der Median der akzeptierten Zahlung lag bei 10.000 Dollar. Alle Einwohner eines durchschnittlich großen US-Landkreises auszuzahlen, würde rund 240 Millionen Dollar kosten – für die Technologiebranche ein Taschengeld. Schon heute überschüttet sie Gemeinden mit Zuwendungen.

Dennoch gibt es kaum Anzeichen dafür, dass der Widerstand nachlässt. "Wir werden 2028 dasselbe erleben", sagt Darrell West von der Brookings Institution, einem Thinktank. Gouverneure, die dem Thema in diesem Jahr entkommen, würden in zwei Jahren damit konfrontiert sein, wenn sie zur Wiederwahl antreten, argumentiert er.

Auch in anderer Hinsicht steht die politische Welt der Rechenzentren Kopf. Für die Demokraten in Illinois könnte der Widerstand besonders unangenehm werden, denn dort sind die Gewerkschaften einflussreich. Viele Gewerkschaften unterstützen Rechenzentren nachdrücklich.

Nach Pritzkers Entscheidung im Juni veröffentlichten mehrere Gewerkschaftsführer eine scharf formulierte Stellungnahme. Der Schritt, hieß es darin, "wird Milliarden Dollar an Investitionen und Tausende gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze nach Indiana, Kentucky und Ohio treiben".

Tim Gillooley, ein lokaler Gewerkschaftsfunktionär, formuliert es noch deutlicher: "Diese Rechenzentren werden gebaut! Sorgen wir dafür, dass sie hier gebaut werden. Die Steuervorteile sind enorm, ebenso die gut bezahlten Arbeitsplätze im Bau und die gut bezahlten Stellen, die nach der Inbetriebnahme für den Betrieb der Rechenzentren entstehen."

Insgesamt sind in den USA 3.300 Rechenzentren in Betrieb und weitere 1.400 in Bau oder Planung
Insgesamt sind in den USA 3.300 Rechenzentren in Betrieb und weitere 1.400 in Bau oder Planung
The Economist

Der wachsende Widerstand wirkt wie Sand im Getriebe der Branche. Steuerbefreiungen für Computerchips – der größte einzelne Kostenfaktor beim Bau eines neuen Rechenzentrums – bestehen in den meisten Bundesstaaten weiterhin, darunter Texas. In anderen, etwa Arizona und Ohio, wurden sie jedoch ausgesetzt oder, wie in Pennsylvania, an Bedingungen geknüpft.

Das wird zusammen mit der Erfüllung lokaler Forderungen zwangsläufig die Kosten für neue Rechenzentren erhöhen. Dennoch haben einige wenige Bundesstaaten weiterhin einen überproportionalen Einfluss. Allein in Texas befinden sich mehr Rechenzentren im Bau als in Georgia, Arizona und Pennsylvania zusammen (siehe Grafik 3).

Investitionen in Rechenzentren könnten schlicht in Bundesstaaten mit weniger strengen Regeln abwandern. "Genügend dieser Rechenzentren werden eine Heimat in Gemeinden finden, die bereit sind, mit ihnen zusammenzuarbeiten – im Gegenzug für Steuereinnahmen und andere Vorteile", sagt Jack Painter, Energieanalyst beim Beratungsunternehmen Capstone.

Oder, wie Trump es formulierte: "Lasst die Daten regieren."

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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