Wer die erste Staffel der Fußball-Comedy "Ted Lasso" nicht liebt, hat kein Herz. Und wer die Staffeln 2 und 3 nicht für schwächer hält, hat kein Hirn. Flapsig formuliert. Sei's drum: Nun ist Anpfiff zu Staffel 4. Und Ted kann noch einmal beweisen, was er drauf hat.

Den kulturellen Einfluss von "Ted Lasso", der Serie wie ihrer gleichnamigen Hauptfigur, zu unterschätzen, ist schwer möglich: Für den Streamingdienst Apple TV+ war die 2020 erstmals ausgestrahlte Comedy um einen unendlich sympatischen American-Football-Coach aus Kansas City, der in London landet, um ein zweitklassiges Fußballteam zu trainieren, der erste echte Hit.
Branchenmedien nannten das Format u. a. "die wichtigste Comedy-Serie des Streaming-Zeitalters". Und der ungewöhnliche Führungsstil der von Jason Sudeikis verkörperten Hauptfigur wird inzwischen sogar in Management-Seminaren diskutiert und gelehrt.
Seinen Reiz zog "Ted Lasso" zu Beginn sicher nicht zuletzt daraus, dass die Welt im August 2020 uneingeschränkten Optimismus und den Glauben, dass alles gut werden würde, nötiger brauchte als alles andere. Die Corona-Pandemie stand noch an ihrem Anfang, eine Impfung war nicht in Sicht und die Welt hatte gerade vier Jahre Trump ertragen müssen; Ungewissheit beherrschte den Zeitgeist.
Laut Sudeikis, der die Figur schon Jahre davor entwickelt hatte und der bis heute einer der Autoren ist, sollte der Charakter auch ein bewusster Gegenpol zur von Trump verkörperten und geförderten Spaltung, zu seiner rüden und hasserfüllten Kommunikation sein.
Ob die Dinge in der Welt seither besser oder schlechter geworden sind, mag jeder für sich beurteilen; und ob in breitem Mittlerer-Westen-Akzent (zumindest im Original) vorgetragener Optimismus angesichts von Trump 2, Klimakrise, Ukraine-Krieg und sonstigen Katastrophen immer noch die passende Seelen-Medizin ist, ebenso.
Während die Staffeln 1 und 2 nahezu auf universell positives Echo stießen, gab es bei Staffel 3 von "Ted Lasso" erstmals leise Kritik: Zu lange wären die Folgen, zu ausufernd die Handlungsstränge, zu wenig Comedy und zu viel bemühtes Drama.
Vielleicht auch deshalb war 2023 und nach dieser Staffel erst einmal Schluss (auch wenn die Serienschöpfer damals steif und fest behaupteten, das Format wäre von Anfang an auf nur drei Staffeln ausgelegt gewesen). Bis 2025 schließlich bekannt wurde, dass eine vierte Staffel gedreht wird, die allerdings eher Reboot als direkte Fortsetzung der bisherigen Handlung sein würde.
Ted lebt nun, einige Jahre nach seiner Zeit in London, wieder in seiner Heimat Kansas City, Missouri, auch um mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können. Er arbeitet als Assistant Manager in einem lokalen Supermarkt. Ein Abstieg, mögen manche meinen, für Ted ist das aber okay so: Er bringt seinen Optimismus auch in seinen neuen Job ein.
Aus heiterem Himmel steht jedoch eines Tages Besuch aus London vor seiner Haustür. Rebecca (Hannah Waddingham), Leslie (Jeremy Swift) und Keeley (Juno Temple), das Kernteam des Richmond FC, haben ein Angebot für den alten Coach: Er soll das beim Verein neu etablierte Frauenteam trainieren.
Ted findet das Angebot natürlich nett und freut sich, seine alten Freunde wiederzusehen, sagt aber nach etwas Bedenkzeit ab: Er will bei seiner Familie und vor allem bei seinem Sohn bleiben und nicht wieder über den Atlantik ziehen. Indes rät ihm vor allem seine Mutter Dottie (Becky Ann Baker) dazu, zurück nach London zu gehen. Sie kennt ihren Sohn am besten und merkt, dass er mit seinem jetzigen Job nicht wirklich glücklich ist.

Staffel 4 von "Ted Lasso" knüpft tonal weitgehend dort an, wo Staffel 3 geendet hatte: Etwas Humor, etwas Gefühl, aber (bisher) ohne Erkenntnis, warum dieses Reboot zwingend nötig gewesen sein sollte. So wie sie ist, könnte die Staffel auch im Nachmittagsprogramm eines x-beliebigen TV-Senders laufen.
Man könnte auch die berechtigte Frage stellen, ob eine Figur wie Ted Lasso heute noch zeitgemäß ist. Grenzenloser Optimismus stößt an seine Grenzen, wenn sich bittere Realitäten nicht mehr weglächeln lassen. Die Serie muss also die Wirklichkeit, in der sie stattfindet, entweder weitgehend ausblenden, oder so weit verkitschen, dass ihr Protagonist nicht zur traurigen Karikatur verkommt.
Leider tut Staffel 4 – zumindest in der bisher verfügbaren 1. Folge – aber genau das. Das Ergebnis ist eine etwas zu oberflächliche, zu leichte Soap, die ihrem großen Auftrag nicht gerecht wird. Wobei: Ab und zu blitzen sie durchaus noch auf, die witzigen Momente, die typischen Ted Lasso-Szenen, die einen schmunzeln lassen. Und nach nur 1. Folge abschreiben sollte man die Serie keinesfalls.
Ob die Welt derzeit wirklich ein weiteres Format braucht, das sie in Zuckerwatte (ver)packt, während sie lichterloh brennt, kann bezweifelt werden. Vor allen Serien und Filme, die sich ernst nehmen – und das tat "Ted Lasso" früher einmal – sollten das nicht tun.

Interessanter wäre gewesen, wenn die Autoren sich und ihren Figuren etwas mehr Realismus erlaubt hätten: Es wäre durchaus spannend zu sehen gewesen, wie die Figur Ted Lasso mit ihrem Optimismus an ihre Grenzen kommt – und wie sie damit umgeht.
Wer Staffel 3 von "Ted Lasso" mochte, wird auch mit dem Start in den vierten Aufguss glücklich sein. Wer die Entwicklung der Serie vor der dreijährigen Pause kritisch sah, wird auch nach dem Neustart Fragen haben: So einfach lässt sich die Sache herunterbrechen. Aber wer weiß: Vielleicht überraschen uns die Autoren ja doch noch. Es wäre uns, aber vor allem Ted wirklich zu wünschen.
"Ted Lasso" Staffel 4, Komödie. USA 2026, 10 Episoden à ca. 40-50 Minuten, Episode 1 online, ab 12. August jede Woche eine weitere Episode, Apple TV+