In "The Boroughs" wird Alfred Molina von seiner Familie in ein Wüsten-Altersheim abgeschoben. Dort wartet aber nicht der Herztod auf den Pensionisten, sondern ein Energie saugendes Alien. Die neue Serie der Macher von "Stranger Things" begeistert! Jetzt auf Netflix.

Man kann Netflix nicht vorwerfen, es sich im Erfolg gemütlich zu machen: Monat um Monat liefert der Streaming-Riese neue Formate, Filme und Serien, die thematisch sehr unterschiedlich ausgerichtet sind. Neben manch halb garem Content finden sich immer wieder Perlen. In diese Kategorie fällt auch die Serie "The Boroughs", hinter der die Duffer-Brothers ("Stranger Things") als Produzenten stehen.
Die Serie baut in ihrer Grundidee auf ein gesellschaftlich relevantes Thema: Wie gehen wir mit unseren älteren Mitbürgern um? Oft heißt die Antwort: Seniorenheim. Die gibt es in besserer und schlechterer Ausführung, vom reinen "Rentner-Abstellplatz" bis zum luxuriösen High-End-Resort reicht meist das Angebot. Die Optionen richten sich primär nach den finanziellen Möglichkeiten.
"The Boroughs" ist keineswegs das erste Format, das das Unterhaltungspotential dieses Settings erkannt hat. Zuletzt erschienen etwa die Serie "Undercover im Seniorenheim", die Buchverfilmung "The Thursday Murder Club" oder der Horrorfilm "The Rule of Jenny Pen".
Die Seniorenresidenz in "The Boroughs" ist gleich eine ganze Kleinstadt. Mitten in der Wüste von New Mexico reihen sich Bungalows im Vorstadt-Stil aneinander. Dorthin wird auch – eher widerwillig – Sam Cooper (Alfred Molina) von seiner Familie verfrachtet, nachdem seine Frau kürzlich verstorben ist. Eigentlich wollte sie nach "Boroughs" ziehen, er erbt nun die Nutzungsrechte für den Bungalow.
Der dauer-grantige pensionierte Ingenieur ist sozial nicht gerade umgänglich und will eigentlich gar nichts mit seinen neuen Nachbarn zu tun haben. Im Grunde will er die Residenz nur schnellstmöglich wieder verlassen und bittet um ein – letztlich erfolgloses – Treffen mit dem gelackten CEO der Anlage, Blaine Shaw (Seth Numrich), um den Vertrag zu stornieren.
Also findet sich Sam fürs Erste mit seinem Schicksal ab. Seine Nachbarn sind eigentlich gar nicht so übel und bemühen sich um seine Integration in die Gruppe. Doch gerade als er sich mit dem rüstigen Bachelor Jack (Bill Pullman), der direkt neben ihm wohnt, angefreundet hat, wird er eines Nachts Zeuge eines ebenso unheimlichen wie unglaublichen Vorfalls.
Ein spinnenartiges Alien-Wesen macht sich über Jack her und saugt diesem förmlich seine Lebensenergie aus. Sam beginnt zu recherchieren und erfährt, dass das nicht der erste derartige Vorfall gewesen ist. Gemeinsam mit seinen Nachbarn (u. a. Geena Davis, Alfre Woodard) macht er sich auf, dem Geheimnis von "The Boroughs" auf die Spur zu kommen …
Es wird recht schnell klar, woher bei "The Boroughs" der Wind weht: Die Serie versteht sich als eine Mischung aus Science Fiction, Horror, Familiendrama und Mystery, die großen Wert auf die Etablierung des Settings legt. Das Motiv des Unheimlichen, das sich im Zuhause einnistet, ist gerade im Horror-Genre alles andere als neu. Doch die Serie gibt dem Ganzen einen neuen, bisher so noch nicht gesehenen Twist, der Lust auf mehr macht.

Stilistisch ist die Mitwirkung der Duffer-Brothers spürbar, die zuletzt bereits an der sehenswerten Horror-Serie "Something very bad is going to happen" beteiligt gewesen sind. Und die sich nach dem "Stranger Things"-Finale wohl aufs Produzieren verlegen wollen. An "Stranger Things" erinnert auch der Soundtrack zu "The Boroughs" mit clever eingestreuten Song-Klassikern von David Bowie über Bruce Springsteen ("Thunder road") bis hin zu Bob Seger ("Nights Moves").
Ohne zu viel zu spoilern: "The Boroughs" beginnt vielversprechend, die Serie hat großes Potenzial. Und die bereits bei "Stranger Things" erprobte Kombination aus stimmigem Set-Design, superben Schauspiel-Leistungen (allen voran Afred Molina), einem gut gewählten Soundtrack und einer spannenden Mystery-Story funktioniert auch mit Senioren statt Teenagern als Protagonisten bestens!
"The Boroughs", Science Fiction. USA 2026, 8 Episoden à ca. 40-55 Minuten, Netflix