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Rechtsruck verhindert

Trotz Trump-Querschlägern: Warum der Linke Lula in Brasilien siegte

Mit 80 Jahren wurde der linke Kandidat Luiz Inácio Lula da Silva zum vierten Mal zum Präsidenten Brasiliens gewählt. Sein Gegner Flávio Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an, Donald Trump spricht gar von Manipulation, ohne Beweise vorzulegen. Die Fakten im Überblick.

Trumps Unterstützung für den rechten Kandidaten Flávio Bolsonaro, etwa durch Sonderzölle, kam bei den Lula-Fans alles andere als gut an
Trumps Unterstützung für den rechten Kandidaten Flávio Bolsonaro, etwa durch Sonderzölle, kam bei den Lula-Fans alles andere als gut anREUTERS/Alexandre Meneghini
NewsFlix Redaktion
Akt. 27.10.2026 06:14 Uhr

In São Paulo brandete Jubel auf, als die Wahlbehörde in der Nacht auf Montag das Ergebnis verkündete: Lula da Silva hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gewonnen. Seine Anhänger tanzten auf den Straßen der Millionenmetropole, während im Norden der Stadt eisiges Schweigen herrschte. Dort, im konservativen Viertel, wollten viele Menschen das Ergebnis nicht wahrhaben.

Es war ein Wahlkrimi bis zur letzten Minute. Lula, der 80-jährige Arbeiterführer, lag im ersten Wahlgang noch klar hinten - doch in der Stichwahl drehte er das Rennen. Nach Angaben von des US-Magazins Time kam er auf 51,79 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Flávio Bolsonaro auf 48,21 Prozent. Mehr als 124 Millionen Brasilianer gaben ihre Stimme ab – und entschieden damit über weit mehr als nur die Zukunft ihres eigenen Landes.

Weshalb der Sieg des linken Kandidaten als Signal über Brasilien hinaus verstanden wird, was das Ergebnis für das Land bedeutet und was US-Präsident Trump mit dem Wahlausgang zu tun haben könnte – die wichtigsten Fragen und Antworten zur Brasilien-Wahl:

Der Mann der Stunde: Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei zeigt den linken Kräften in der Politik, dass sie noch siegen können
Der Mann der Stunde: Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei zeigt den linken Kräften in der Politik, dass sie noch siegen können
REUTERS/Tuane Fernandes

Wer ist der Gewinner der Wahl?
Luiz Inácio Lula da Silva, kurz Lula, bleibt Präsident von Brasilien. Der 80-Jährige ist eine der schillerndsten Figuren der brasilianischen Politik. Er regierte bereits von 2003 bis 2010, saß danach wegen Korruptionsvorwürfen sogar kurz im Gefängnis. Die Vorwürfe wurden später aufgehoben. Seit 2023 steht er wieder an der Spitze des Landes – nun beginnt seine vierte Amtszeit.

Wer ist der Verlierer?
Flávio Bolsonaro ist der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Sein Vater wurde 2024 wegen eines versuchten Staatsstreichs nach seiner Wahlniederlage 2022 zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt. Er steht derzeit aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest. Flávio wollte im Fall eines Wahlsieges eine Amnestie für seinen Vater durchsetzen.

Warum erkennt Bolsonaro die Niederlage nicht an?
Flávio Bolsonaro behauptet, die Spielregeln seien während der Wahl geändert worden. Hintergrund: Die Öffnungszeiten der Wahllokale wurden wegen heftiger Regenfälle, Überschwemmungen und Stromausfällen in einigen Regionen verlängert. Ironischerweise hatte Bolsonaros Team selbst diese Verlängerung beantragt. Dennoch will er das Ergebnis nun anfechten lassen.

Was sagt Donald Trump dazu?
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Wahl am Montag als manipuliert, ohne Belege dafür vorzulegen. Das US-Außenministerium hatte zuvor Bolsonaros Kampagne unterstützt. Washington hatte sogar Zölle auf brasilianische Exporte verhängt, um Brasilien wegen der Verurteilung von Jair Bolsonaro unter Druck zu setzen. Diese Einmischung dürfte Lula letztlich aber sogar geholfen haben.

Warum ist diese Wahl international so wichtig?
Brasilien ist das größte Land und die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Die Wahl galt als Test dafür, ob der Rechtsruck in der Region aufgehalten werden kann. Denn in den meisten südamerikanischen Staaten regieren mittlerweile rechte Kandidaten. Lulas Sieg zeigt: Eine breite demokratische Koalition kann einen rechtspopulistischen Kandidaten besiegen, selbst wenn der Gegenwind stark ist.

Was bedeutet der Wahlausgang für Trump?
Für den US-Präsidenten ist Lulas Sieg ein Rückschlag. Er hatte auf Flávio Bolsonaro als Verbündeten in Lateinamerika gesetzt. Nun muss er mit einem Präsidenten verhandeln, der die amerikanische Einmischung in den Wahlkampf scharf kritisiert hat. Die von den USA verhängten Zölle könnten zudem zum Bumerang werden.

Schlechter Verlierer: Flávio Bolsonaro möchte den Sieg seines Konkurrenten nicht anerkennen, seine Partei tut das allerdings schon
Schlechter Verlierer: Flávio Bolsonaro möchte den Sieg seines Konkurrenten nicht anerkennen, seine Partei tut das allerdings schon
REUTERS/Adriano Machado

Wie reagierten andere Staaten?
Lateinamerikanische Staatschefs gratulierten Lula umgehend. Der chilenische Präsident sprach von einer gemeinsamen Agenda für wirtschaftliche Integration. Auch die Regierungen von Mexiko, Paraguay, Uruguay, Bolivien, Kuba und Panama übermittelten ihre Glückwünsche. Die Reaktionen zeigen, dass Lula international weiter auf Unterstützung zählen kann.

Was hat Lula in seiner bisherigen Amtszeit erreicht?
Unter Lulas Regierung sank die Arbeitslosigkeit auf einen historischen Tiefstand. Die Armut ging zurück, der Mindestlohn stieg. Das Parlament beschloss eine schrittweise Einführung der Fünf-Tage-Woche. Auch die Entwaldung im Amazonas-Gebiet wurde deutlich gebremst. Allerdings belasteten zuletzt eine sehr ausgabenfreudige Politik und ein Pensionsskandal seine Regierung.

Welche Probleme hat Brasilien aktuell?
Die Herausforderungen sind enorm: hohe Zinsen, eine Staatsverschuldung von über 82 Prozent der Wirtschaftsleistung und ein konservativ dominierter Kongress. Bolsonaros Liberale Partei stellt mit 121 von 513 Abgeordneten die stärkste Kraft in der Kammer. Lula wird Kompromisse eingehen müssen, um das Land stabil durch die nächsten Jahre führen zu können.

Warum stürzten die Kurse an der Börse nach Lulas Wahlsieg ab?
Lulas Sieg führte zu einem Kurssturz auf den brasilianischen Finanzmärkten. Der Aktienhandel wurde vorübergehend ausgesetzt. Investoren befürchten, dass Lula an seiner ausgabenfreudigen Politik festhalten wird. Die Staatsverschuldung macht die Märkte nervös.

Auch weite Teile der jungen und urbanen Bevölkerung Brasiliens stimmten für den 80-jährigen Amtsinhaber
Auch weite Teile der jungen und urbanen Bevölkerung Brasiliens stimmten für den 80-jährigen Amtsinhaber
REUTERS/Diego Herculano

Was plant Lula für seine neue Amtszeit?
Der wiedergewählte Präsident kündigte an, für alle 215 Millionen Brasilianer zu regieren. Er wolle mit dem konservativen Kongress zusammenarbeiten und sich in den kommenden zwei Monaten mit Wirtschaftsvertretern treffen. Außerdem plant er ein neues Ministerium für öffentliche Sicherheit.

Droht in Brasilien politische Instabilität?
Die Situation ist jedenfalls angespannt. Gegen Jair Bolsonaro wurde nach der Wahl eine Ausreisesperre verhängt, er musste seine Pässe abgeben. Sein Sohn weigert sich, das Wahlergebnis anzuerkennen. Allerdings erklärte Bolsonaros eigene Partei, dass sie das Ergebnis akzeptiere. Das könnte die Lage beruhigen und den Fokus der Politik auf die anstehenden Aufgaben lenken, anstatt sich in Grabenkämpfen gegenseitig zu zerfleischen.

NewsFlix Redaktion
Akt. 27.10.2026 06:14 Uhr