Den Hund im Bett schlafen zu lassen, bringt Zwei- wie Vierbeinern Vorteile, so eine Studie aus Kanada. Und wer hygienische Bedenken hat, muss trotzdem nicht auf seinen Schlaf-Buddy verzichten: Auch das Körbchen neben dem Bett beschert beiden Spezies süße Träume.

Das Bett ist warm, die Decke perfekt aufgeschüttelt, der Wecker gestellt - doch bevor das Licht ausgeht, springt noch jemand aufs Lager: Der Hund macht es sich am Fußende bequem, dreht sich dreimal im Kreis und seufzt zufrieden. Für Millionen von Hundebesitzern weltweit ist das ein allabendliches Ritual.
Doch ist das überhaupt gesund? Viele Menschen glauben, dass ihr Vierbeiner ihnen den Schlaf raubt – durch Platzmangel, Deckenstehlen oder nächtliches Winseln. Eine neue Studie der University of Toronto räumt jetzt mit diesem Vorurteil auf, wie NBC News berichtet.
Demnach ist es für Menschen sogar gleich in mehrfacher Hinsicht positiv, wenn ihr vierbeiniger Begleiter auch nachts immer an ihrer Seite ist. Jedenfalls was die Qualität ihres Schlafes betrifft. Wie Hunde subjektiv und objektiv zu einer Verbesserung der Schlafqualität beitragen können, wann ein eigenes Hundebett neben dem Menschenbett trotzdem von Vorteil wäre und wo sich Menschen von ihren Hunden sogar noch einiges abschauen können – die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Was zeigt die neue Studie konkret?
Die im Fachjournal PLOS One veröffentlichte Untersuchung kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Das Teilen des Bettes mit einem Hund beeinträchtigt weder die Schlafdauer noch die Schlafqualität des Menschen messbar. Die objektiven Daten widersprechen damit dem subjektiven Gefühl vieler Hundebesitzer, nachts häufig geweckt zu werden.
Wer hat diese Untersuchung durchgeführt?
Das Forschungsteam stammt von der University of Toronto in Kanada. Geleitet wurde die Studie von Ming Fei Li, der zum Zeitpunkt der Forschung Doktorand für evolutionäre Anthropologie war, sowie von der Anthropologie-Forscherin Lavania Nagendran. Die Arbeit war Teil eines größeren Projekts, das die Aktivitätsmuster von sozialisierten Wölfen und domestizierten Hunden vergleicht.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Forscher statteten 25 freiwillige Teilnehmer und ihre 38 Hunde in Süd-Ontario mit Aktivitätstrackern aus - ähnlich wie Fitbits. Die Menschen trugen die Geräte am Handgelenk, die Hunde am Halsband. Über vier Wochen hinweg wurden so Schlafdauer und Schlafqualität objektiv gemessen. Zusätzlich füllten die Teilnehmer Fragebögen zu ihrer subjektiv empfundenen Schlafqualität aus.
Welche Hunde wurden untersucht?
Alle teilnehmenden Hunde waren Huskys oder Malamutes ohne gesundheitliche Probleme. Die meisten schliefen direkt im Bett oder zumindest im selben Zimmer wie ihre Besitzer. Nur wenige Hunde schliefen in einem anderen Raum. Diese Einschränkung auf bestimmte Rassen ist eine Limitation der Studie.
Was ist das überraschendste Ergebnis?
Die Daten zeigen, dass nicht die Hunde den Schlaf ihrer Menschen stören, sondern umgekehrt: Die Menschen wachen zuerst auf und bringen dann ihre Hunde aus der Ruhe. Die synchronisierten Aktivitätszustände der Tracker zeigten deutlich, dass Mensch und Hund zwar gleichzeitig aktiv wurden, aber der Mensch die Bewegung initiierte.
Warum glauben viele trotzdem, schlechter zu schlafen?
Die Hälfte der Studienteilnehmer, besonders jene mit mehreren Hunden im Bett, berichtete von gestörtem Schlaf. Doch die objektiven Messgeräte erzählten eine andere Geschichte. Das gefühlte schlechtere Schlafen spiegelte sich nicht in den tatsächlichen Daten wider. Menschen neigen offenbar dazu, nächtliche Bewegungen dem Hund zuzuschreiben.

Macht es einen Unterschied, ob der Hund im Bett oder nur im Zimmer schläft?
Nein, laut dieser Studie nicht. Die Forscher fanden keinen messbaren Unterschied in der Schlafqualität, egal ob der Hund direkt im Bett lag oder nur in der Nähe schlief. Das widerspricht einer früheren Mayo-Clinic-Studie von 2017, die fand, dass Menschen zwar gut mit Hund im Zimmer, aber schlechter mit Hund im Bett schlafen.
Können Hunde sogar positive Effekte auf den Schlaf haben?
Ja, und zwar auf mehreren Ebenen. Die Studienteilnehmer gaben an, sich sicherer zu fühlen, wenn ihr Hund neben ihnen schläft. Die Forscher vermuten dahinter eine tiefe evolutionäre Geschichte zwischen Mensch und Hund. Zudem können Hunde als sogenannte Zeitgeber wirken: Sie schaffen feste Routinen für Schlafenszeiten, Fütterung und Spaziergänge.
Was sagen Schlafexperten zu den Ergebnissen?
Der Schlafmediziner W. Christopher Winter von der Charlottesville Neurology & Sleep Medicine betont die Bedeutung von Regelmäßigkeit für guten Schlaf. Hunde wollen alles zu einem bestimmten Rhythmus erledigt haben, was für Menschen mit unregelmäßigen Schlafgewohnheiten sehr positiv sein kann. Die Konsistenz des Schlafes sei wichtiger als die reine Schlafdauer, und Hunde leisteten dabei großartige Dienste.
Welche Hunde könnten doch den Schlaf stören?
Große Hunde können viel Platz im Bett beanspruchen und die Decke stehlen. Besonders problematisch können Rassen mit Atemwegsproblemen sein, etwa Möpse, Boston Terrier oder Französische Bulldoggen. Diese Hunde neigen zu lautem Schnarchen und Schlafapnoe, scherzte Experte Winter - manchmal lauter als jeder menschliche Schnarcher.
Gibt es Einschränkungen bei dieser Studie?
Ja, mehrere. Die Teilnehmergruppe war klein und bestand aus mehr Frauen als Männern. Zudem wurden nur Huskys und Malamutes untersucht, also keine Vielfalt bei den Hunderassen. Ob die Ergebnisse auf andere Rassen oder größere Populationen übertragbar sind, müssen weitere Studien zeigen.

Was bedeutet das für Hundebesitzer in der Praxis?
Wer gerne mit seinem Hund im Bett schläft, kann das offenbar ohne schlechtes Gewissen tun. Die objektiven Daten dieser Studie legen nahe, dass der nächtliche Kuschelpartner auf vier Pfoten den Schlaf nicht verschlechtert. Wichtig bleibt, auf die individuellen Bedürfnisse zu achten - bei Hunden mit Schnarchtendenz oder sehr großen Rassen könnte ein Hundebett neben dem Bett die bessere Wahl sein.
Die Studie liefert spannende neue Erkenntnisse, ist aber nur ein Puzzleteil. Weitere Untersuchungen mit größeren und diverseren Gruppen werden zeigen, ob die Ergebnisse auch breiter gültig sind. Bis dahin dürfen sich Hundebesitzer entspannen - und ihren Vierbeinern ruhig Platz auf der Matratze machen.