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Rom-Com 2.0

Warum Partnertausch nicht jedes Beziehungsproblem lösen kann

In der scharfzüngigen Beziehungskomödie "The Invite" stellen Penélope Cruz und Edward Norton das eingespielte Ehepaar Olivia Wilde und Seth Rogen auf eine harte Probe. Heraus kommt einer der originellsten und witzigsten Filme des Jahres – jetzt neu im Kino.

"Partnertausch? Oh, danke, wir fühlen uns sehr geschmeichelt!" – Olivia Wilde und Seth Rogen als spießiges Ehepaar in "The Invite" …
"Partnertausch? Oh, danke, wir fühlen uns sehr geschmeichelt!" – Olivia Wilde und Seth Rogen als spießiges Ehepaar in "The Invite" …Tobis
Christian Klosz
Akt. 30.07.2026 05:59 Uhr

Olivia Wilde hat sich in den vergangenen Jahren bemerkenswert neu erfunden. Bekannt wurde die gebürtige New Yorkerin zunächst als Schauspielerin in Filmen wie "Tron: Legacy" oder der TV-Serie "Dr. House". Heute sorgt sie jedoch vor allem hinter der Kamera für Aufmerksamkeit. Mit ihrer neuen Regiearbeit "The Invite", die jetzt Österreich-Premiere feiert, festigt Wilde ihren Ruf als eine der interessantesten Filmemacherin Hollywoods.

Der Wechsel ins Regiefach gelang ihr allerdings nicht über Nacht. Bereits 2019 feierte sie mit der Coming-of-Age-Komödie "Booksmart" ein viel beachtetes Regiedebüt, das ihr unter anderem den Independent Spirit Award für das beste Erstlingswerk einbrachte. Es folgte 2022 der Psychothriller "Don't Worry Darling", ehe sie nun mit "The Invite" ihren dritten Spielfilm vorlegt. Von einem Regie-Erstling kann also keine Rede mehr sein – vielmehr zeigt Wilde eine kontinuierliche Entwicklung als Filmemacherin.

"The Invite" ist ein ebenso pointiertes wie emotionales Kammerspiel über Beziehungen, Begehren und die Abgründe einer langjährigen Ehe. Der Film, in dem Wilde selbst neben Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton spielt, wurde beim Sundance Film Festival uraufgeführt und stieß dort auf überwiegend begeisterte Kritiken.

Gelobt werden Wildes Gespür für Dialoge, Timing und Ensembleführung sowie ihre Fähigkeit, aus einer intimen Ausgangssituation eine ebenso komische wie kluge Studie moderner Beziehungen zu entwickeln. Die Branchenblätter Variety und The Hollywood Reporter sprechen von einer der intelligentesten und unterhaltsamsten Erwachsenenkomödien der vergangenen Jahre.

Mit "The Invite" beweist Olivia Wilde endgültig, dass sie weit mehr ist als eine ehemalige Action-Schauspielerin, die gelegentlich Regie führt. Sie hat sich als Filmemacherin mit eigener Handschrift etabliert – als eine der spannendsten Regisseurinnen ihrer Generation.

… sowie Edward Norton und Penélope Cruz als ihre aufgeschlossenen Nachbarn
… sowie Edward Norton und Penélope Cruz als ihre aufgeschlossenen Nachbarn
Tobis

"The Invite"

Worum es geht Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde) führen eine nach außen hin perfekte Beziehung in einer Existenz, um die sie manche beneiden würden: Er ist Musikprofessor an einer Uni, sie verbringt ihre Tage damit, die noble, geerbte Großstadtwohnung der beiden zu dekorieren. Und ihre zwölfjährige Tochter ist ihr ganzer Stolz. Doch hinter der schönen Fassade brodelt es gewaltig.

Die erste Eruption des Beziehungskrisenvulkans findet statt, als Angela das Nachbars-Paar Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) einlädt, ohne Joe Bescheid zu geben. Der kommt gerade grantig von seiner Arbeit nach Hause und hat so gar keine Lust auf Gesellschaft; noch dazu mit einem Paar, deren hörbar funktionierendes Sexleben Joe und Angela einen Spiegel vorhält, der wiederum ein unvorteilhaftes Bild ihrer eigenen, kaputten Beziehung zurückwirft.

Doch bevor das Abendessen abgesagt werden kann, stehen die Nachbarn bereits in der Tür. Man versucht, auf heile Welt zu machen, doch das klappt natürlich nicht lange. Als die Sexualtherapeutin Pina und der einfühlsame Hawk Joe und Angela einen Partnertausch vorschlagen, treten ungelöste Konflikte, enttäuschte Erwartungen und unerfüllte Sehnsüchte umso deutlicher hervor.

Lohnt sich das? "The Invite" ist eine Art Film, die es heute nur noch selten gibt: Mainstream-tauglich und dabei doch anspruchsvoll. Klug, dabei aber unheimlich witzig. Gekonnt inszeniert (Regie: Olivia Wilde) und noch besser geschrieben (Drehbuch: Rashida Jones, Will McCormack). Und sehr überzeugend gespielt, wobei Edward Norton das Highlight ist.

"The Invite" ist keine dumbe, vor Kitsch triefende RomCom, aber auch keine zynische Anti-Beziehungskomödie. Man könnte den Film als weise und trotz aller Komik realistisch bezeichnen. Er handelt von einer Beziehung, die einst aus Verliebtheit und Liebe entstand und dann irgendwann in unglücklicher Bequemlichkeit und bequemem Unglücklichsein endete.

Das Unglück ist vertraut, man weiß, was einen erwartet, und so fügen sich Joe und Angela ihrem Schicksal. Bis eben zu jenem schicksalshaften Abend, der für die beiden schmerzhaft, aber auch kathartisch wird.

Der ganze Film spielt im Grunde in einer Wohnung, ein Kammerspiel, das seine Energie und Dynamik aus temporeichen Dialogen schöpft, die mit zum Lustigsten gehören, was 2026 bisher aus Hollywood kam. Wie dieser Film zahlreiche Brachialkomödien punkto Humor ganz nonchalant in den Schatten stellt, ist beachtlich. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger und enorm unterhaltsamer Film, der diesem bisher an Highlights sehr armen Filmjahr Leben einhaucht.

"The Invite", Tragikomödie. USA 2026, 107 Minuten, ab 30. Juli im Kino

Spider-Man (Tom Holland) und der Punisher (Jon Bernthal) kämpfen sich durch New York: "Spider-Man: Brand New Day"
Spider-Man (Tom Holland) und der Punisher (Jon Bernthal) kämpfen sich durch New York: "Spider-Man: Brand New Day"
Jay Maidment

"Spider-Man: Brand New Day"

Worum es geht Nach den Ereignissen von "Spider-Man: No Way Home", als Doctor Strange Peter "Spidey" Parker (Tom Holland) den Wunsch erfüllte, die Welt möge ihn vergessen, lebt der junge Superheld zurückgezogen und widmet sich nur seinem Kampf gegen das Verbrechen als Spider-Man. Ohne Familie, Freunde oder einen Alltag, trägt er die Last der Verantwortung allein auf seinen Schultern.

Fünf Jahre später hat sich Peter in einen disziplinierten, aber zunehmend einsamen Rächer verwandelt. Seine ehemaligen Freunde MJ (Zendaya) und Ned (Jacob Batalon) haben sich ohne ihn ein erfolgreiches Leben aufgebaut und kehren nun nach New York zurück.

Entfremdung, Isolation und das ständige Heldendasein lösen bei Peter eine innere Veränderung aus: Eine genetische Mutation führt zu neuen Superkräften, birgt aber auch die Gefahr eines Kontrollverlusts über seinen Körper und seine Emotionen. Diese "Verwandlung" könnte jedoch die einzige Chance sein, eine neue, mächtige Bedrohung für die Stadt abzuwehren …

Lohnt sich das? Nachdem die zuletzt erschienen Superhelden-Filme allesamt gefloppt sind, soll "Spider-Man: Brand New Day" die Nagelprobe für ein gesamtes Genre werden, das in der Krise steckt. Das Studio schöpft dafür aus dem Vollen: Eine Produktion der Superlative, ein Budget von rund 225 Millionen US-Dollar und eine Laufzeit von ca. 2 Stunden 25 Minuten. Dass Tom Holland – nach "Die Odyssee" eine der heißesten Aktien Hollywoods – wieder die Hauptfigur spielt, kommt Marvel dabei sicher zugute.

Es ist dies bereits vierte Film mit Holland als Peter Parker und "Brand New Day" ist eine direkte Fortsetzung des finanziell und bei der Kritik erfolgreichen "No Way Home". Zugleich markiert "Brand New Day" den Übergang zu einer erwachseneren Phase des Protagonisten: Im Zentrum steht Peters Suche nach seiner Identität, Trauma-Bewältigung und die große Frage, ob er seine Menschlichkeit opfern muss, um ein Held zu sein.

Fans, die eine charaktergetriebene Superheldengeschichte schätzen, sollten auch am neuen Spider-Man Gefallen finden. Ohne große Multiverse-Elemente, konzentriert sich der Film unter Regie von Destin Daniel Cretton ("Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings") stärker auf Peters persönliche Reise und die Konsequenzen seiner früheren Entscheidungen.

Erste Kritiken fallen positiv aus (Rotten Tomatoes hat ihn bei etwa 90 Prozent): Gelobt werden Hollands Performance, die emotionale Tiefe, die Action und die Rückbesinnung auf die Wurzeln der Figur. Manche meinen: einer der besten Spider-Man-Filme überhaupt.

"Spider-Man: Brand New Day", Superhelden-Action. USA 2026, 145 Minuten, ab 29. Juli im Kino

Verletzlich wie nie: "Spidey" ist mit den Superhelden-Jahren reifer, aber auch einsamer geworden
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Jay Maidment

Außerdem im Kino:

"Bitteres Fest"
Pedro Almodóvar stellt in diesem Meta-Film die Frage, ob es echte Originalität überhaupt geben kann: Sein filmisches Alter Ego Raúl Durán (Leonardo Sbaraglia) schreibt in der Gegenwart ein Skript für einen neuen Film, der 2004 spielen soll. Dabei greift er immer wieder auf reale Ereignisse aus der Zeit zurück und baut sie in den Plot ein - was nicht allen gefällt, die da "zitiert" werden. Gibt es wahre Inspiration überhaupt – oder ist alles nur die Kopie einer Kopie? Almodóvars Film feierte seine Premiere 2026 im Wettbewerb von Cannes, blieb dabei aber ohne Auszeichnung.

"Bitteres Fest", Drama, Satire. Spanien 2026, 111 Minuten, ab 30. Juli im Kino

"Amore und Basta!"
Die feministische Lehrerin Alessandra (Claudia Pandolfi) und der konservative Schulleiter Valerio (Edoardo Leo) begegnen einander zufällig in einem Bus und verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass er der neue Schuldirektor ihrer Schule ist. Und kurz darauf ist auch noch der Schwangerschaftstest positiv … Die beiden wollen das Kind bekommen und müssen trotz ihrer gegensätzlichen Ansichten zueinanderfinden. Die italienische Liebeskomödie von Regisseur Massimiliano Bruno spielt mit einem klassischen Gegensatzpaar. In Italien war der Film ein beachtlicher Erfolg.

"Amore und Basta!", Tragikomödie. Italien 2025, 108 Minuten, ab 31. Juli im Kino

Christian Klosz
Akt. 30.07.2026 05:59 Uhr