Kimberly Guilfoyle war US-Botschafterin in Griechenland – und Verlobte von Donald Trump Jr. Nun musste sie auf Drängen von dessen Vater, dem US-Präsidenten, zurücktreten. Sie soll Geld für einen Zugang zur Regierung verlangt und Geschenke angenommen haben.

Ein Dinner in Athen im vergangenen März. Die US-Botschafterin hebt das Glas, blickt in die Runde griechischer Würdenträger und sagt einen Satz, der es in sich hat: "Wir können jede Regierung stürzen. Wir können es hier tun." Der griechische Energieminister erwidert daraufhin, die USA könnten eine demokratisch gewählte Regierung nicht einfach ersetzen – und merkt sich die Worte der Botschafterin. Es ist einer von mehreren Momenten, die schließlich das Ende einer schillernden diplomatischen Karriere einläuteten.
Wenige Tage nach Bekanntwerden brisanten Enthüllungen über die US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, hat das Weiße Haus sie zum Rücktritt aufgefordert, heißt es auf CBS News. Die Vorwürfe wiegen schwer: Geldforderungen für Zugang zur Regierung, Geschenkannahmen von Milliardären und ein grober diplomatischer Fauxpas.
Für viele Beobachter ein Lehrstück darüber, wie persönliche Verstrickungen und politische Macht zusammenwirken können. Was über die Vorwürfe gegen die 57-Jährige bislang bekannt ist:
Worum geht es?
Das Weiße Haus hat Kimberly Guilfoyle offiziell zum Rücktritt als US-Botschafterin in Griechenland aufgefordert. Pressesprecherin Katie Zacharia verkündete die Nachricht bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Präsident Trump bestätigte kurz darauf persönlich, dass Guilfoyle ihren Posten verlassen werde. "Ich mag nicht, was ich gelesen habe", sagte er vor Journalisten.

Wer ist Kimberly Guilfoyle?
Die 57-Jährige ist eine schillernde Figur im Trump-Universum. Sie war von 2001 bis 2006 mit dem heutigen demokratischen Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, verheiratet. Später arbeitete sie beim konservativen Sender Fox News, den sie 2018 verlassen musste. Danach war sie mehrere Jahre mit Trumps Sohn Donald Trump Jr. verlobt. Im Dezember 2024 nominierte Trump sie zur Botschafterin – nur wenige Wochen nachdem bekannt geworden war, dass sein Sohn eine andere Frau datete.
Was wird ihr konkret vorgeworfen?
Die Liste ist lang: Sie soll einen Trump-Spender um 100.000 Dollar gebeten haben, um Kreditkartenschulden zu begleichen. Im Gegenzug versprach sie angeblich Zugang zu hochrangigen Regierungsbeamten. Weiters soll sie Luxusreisen von griechischen Geschäftsleuten angenommen haben. Zudem löste sie mit Aussagen bei einem Dinner einen diplomatischen Eklat aus.
Was hat es mit der Geldforderung auf sich?
Laut Berichten kontaktierte Kimberly Guilfoyle wenige Tage vor ihrer Senatsanhörung im Juli 2025 den Geschäftsmann Eric Deters. In Textnachrichten bat sie ihn, 100.000 Dollar auf ihr American-Express-Konto zu überweisen, damit ihre Schulden nicht in den Finanzberichten für den Senat auftauchen. "Schatz, bitte, du musst das heute noch für mich erledigen", schrieb sie. Deters bezeichnete das Angebot als "Pay to Play" - Bezahlung für Zugang.
Was wollte der Geschäftsmann im Gegenzug?
Eric Deters stand offenbar seit Monaten mit Guilfoyle in Kontakt. Er suchte Hilfe, um die Aufmerksamkeit der Trump-Regierung auf seine persönlichen steuerlichen und rechtlichen Angelegenheiten zu lenken. Im Erfolgsfall soll er ihr sogar Zahlungen von bis zu einer Million Dollar in Aussicht gestellt haben. Das Geld floss letztlich nie, Deters hatte nach eigenen Angaben "keine 100.000 Dollar übrig".
Welchen diplomatischen Eklat löste sie aus?
Bei einem Dinner in Athen im März prahlte Guilfoyle damit, dass die USA "jede Regierung stürzen" könnten - auch die griechische. Die Aussage sorgte für Empörung. Der griechische Energieminister widersprach öffentlich. Sowohl die rumänische als auch die griechische Regierung mussten die Wogen glätten. Gerade für eine Diplomatin ein schwerwiegender Fehltritt.
Wie verhielt sie sich gegenüber ihrem Personal?
Medienberichten zufolge soll Guilfoyle ihr Botschaftspersonal schlecht behandelt haben. Ein Sicherheitsmann wurde angeblich degradiert, weil er um vier Uhr früh nicht verfügbar war, ihr Eiswürfel zu bringen. Zwei Chauffeure verloren ihren Job, weil Guilfoyle deren Linkskurven nicht mochte. Auch über die Renovierungskosten ihrer Residenz in Athen soll es Streit gegeben haben.

Wie reagierte das Weiße Haus auf die Enthüllungen?
Zunächst verteidigten Trump und Außenminister Marco Rubio die Botschafterin noch. Doch mit jeder neuen Enthüllung wuchs der Druck. Laut Insidern waren sowohl Trump als auch Rubio "extrem sauer" auf Guilfoyle und die Schlagzeilen, die sie lieferte. Am Montag kündigte Trump an, "sich das anzusehen". Am Dienstag folgte dann die offizielle Rücktrittsforderung.
Was sagt Guilfoyle selbst zu den Vorwürfen?
Die Botschafterin bestätigte ihren Rücktritt auf der Plattform X, bestritt aber alle Anschuldigungen. Sie bezeichnete die Tätigkeit als "die größte Ehre ihres Lebens" und kündigte an, ihren Namen "rigoros verteidigen" zu wollen. Ihr Anwalt bestreitet laut Berichten die Echtheit der veröffentlichten Textnachrichten.
Welche Rolle spielt Donald Trump Jr.?
Guilfoyle und der älteste Trump-Sohn waren seit 2018 ein Paar und verlobten sich 2020. Doch die Beziehung endete. Im Mai 2026 heiratete Trump Jr. eine andere Frau. Laut Insidern hat Guilfoyle nur noch wenige Verbündete in der Trump-Administration. Ihr ehemaliger Verlobter sei zwar höflich zu ihr, habe aber kaum noch Kontakt.
War ihre Ernennung von Anfang an umstritten?
Ja. Die Nominierung im Dezember 2024 löste bereits Verwunderung aus. Guilfoyle hatte keine diplomatische Erfahrung. Ihre Vergangenheit war von Kontroversen geprägt - etwa ihrem Abgang bei Fox News wegen Belästigungsvorwürfen. Kritiker sahen die Ernennung als Gefälligkeit gegenüber der Trump-Familie.
Was bedeutet das für die US-Diplomatie?
Der Fall wirft ein weiteres Schlaglicht auf die – eigenwillige – Personalpolitik der Trump-Administration. Demokraten fordern bereits eine lückenlose Aufklärung. Robert Garcia, ranghöchster Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, verlangt Antworten. Einen Nachfolger für den Botschafterposten in Athen gibt es bislang noch nicht.
Wie geht es mit Kimberly Guilfoyle weiter?
Ob der Skandal weitere Kreise ziehen oder vielleicht sogar einen Rechtsstreit auslösen wird, bleibt abzuwarten. Guilfoyle hat jedenfalls schon angekündigt, sich wehren zu wollen. Ihre politische Karriere im Trump-Lager dürfte damit aber vorerst beendet sein – auch wenn sie betont, ihre Treue zur MAGA-Bewegung werde "niemals enden".