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Spionage-Ranking

Welches sind Europas Top-Geheimdienste? James Bonds MI6 ganz vorne

Die Briten haben ein Faible für schmutzige Tricks, die Franzosen sind bei der Terrorbekämpfung top: Experten aus 25 Ländern haben die besten Auslandsgeheimdienste Europas gekürt. Der MI6 liegt vorn – obwohl er im echten Leben ohne James Bond auskommen muss.

Steht seit mehr als 60 Jahren sinnbildlich für den britischen MI6: Agent James Bond. Der britische NAchrichtendienst wurde jetzt zum besten Geheimdienst Europas gewählt
Steht seit mehr als 60 Jahren sinnbildlich für den britischen MI6: Agent James Bond. Der britische NAchrichtendienst wurde jetzt zum besten Geheimdienst Europas gewähltAPA-Images / AFP / TOLGA AKMEN
NewsFlix Redaktion
Akt. 06.08.2026 05:53 Uhr

Ob Agent 007 dem Vereinigten Königreich einen Startvorteil verschafft hat? Wenn, dann höchstens emotional. Und von Emotionen lassen sich die Fachleute, um die es hier geht, im Normalfall nicht blenden.

Das französische Magazin L'Express hat 60 Geheimdienstexperten aus 25 Ländern, die meisten von ihnen selbst (ehemalige) Mitarbeiter von Nachrichtendiensten, nach der Qualität der Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa befragt. Das Ergebnis ist das erste öffentliche Auslandsgeheimdienst-Ranking, das mehr auf Erfahrung und Expertise als auf Spekulationen oder Hörensagen beruht.

Die Umfrage wirft ein seltenes Licht auf eine Welt, die normalerweise im Dunkeln operiert. Das Ergebnis: Der britische Auslandsgeheimdienst MI6 führt das Ranking mit großem Abstand an. Auf den Plätzen landeten die Kollegen aus Frankreich und den Niederlanden. Ganz hinten rangiert der Dienst aus der Slowakei. Und Österreich? Irgendwo im Mittelfeld, berichtet der Guardian.

Wie das Ranking zustande gekommen ist, was die Arbeit der britischen Spione über jene ihrer Berufskollegen stellt und worauf es im Spionage-Business generell ankommt – das muss man über das erste Spionage-Ranking wissen:

Weithin sichtbar: Das Hauptquartier des MI6 in Vauxhall Cross in London steht für Präsenz – und auch für den Kampf gegen Homophobie, wie die Regenbogenflagge verkündet
Weithin sichtbar: Das Hauptquartier des MI6 in Vauxhall Cross in London steht für Präsenz – und auch für den Kampf gegen Homophobie, wie die Regenbogenflagge verkündet
REUTERS/Hannah McKay

Wie genau ist dieses Geheimdienst-Ranking entstanden?
Es handelt sich um eine Umfrage unter 60 Fachleuten aus dem Geheimdienstbereich in 25 verschiedenen Ländern. Das französische Nachrichtenmagazin L'Express hat die Ergebnisse als erstes veröffentlicht. Die Experten bewerteten die Leistungsfähigkeit, Reichweite und operativen Fähigkeiten der europäischen Auslandsgeheimdienste – also jener Dienste, die im Ausland Informationen sammeln.

Wer schnedet am besten ab?
Der britische Secret Intelligence Service, besser bekannt als MI6, belegt mit 251 Punkten den ersten Platz. Frankreichs Direction Générale de la Sécurité Extérieure (DGSE) folgt mit 169 Punkten auf Rang zwei. Die Niederlande, die Ukraine und Deutschland vervollständigen die Top 5. Am schlechtesten schnitt der slowakische Geheimdienst ab.

Was macht den MI6 so gut?
Laut der Bewertung zeichnet sich der MI6 durch seine Fähigkeit aus, hochrangige Informanten zu rekrutieren und in die Führungszirkel von Ländern wie Russland, China, Iran und der Türkei einzudringen. Ein Ex-Chef der französischen DGSE sagte: "Die Briten können das lange Spiel spielen und investieren in Quellen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Und sie haben ein Faible für schmutzige Tricks."

Welche Rolle spielte der Ukraine-Krieg?
Die Bewertung hebt hervor, dass Großbritannien etwa als erstes Land die Ukraine vor der russischen Invasion im Februar 2022 gewarnt hat. Seither ist London ein enger Verbündeter Kiews. Ralph Goff, ein ehemaliger CIA-Chef für Europa und Eurasien, sagte: "Die Briten führen bei der Ukraine-Aufklärung. Wir sind direkt hinter ihnen."

Leitet seit 2025 den britischen Auslandsnachrichtendienst: MI6-Chefin Blaise Metreweli
Leitet seit 2025 den britischen Auslandsnachrichtendienst: MI6-Chefin Blaise Metreweli
via REUTERS

Warum schneidet Frankreich so gut ab?
Die DGSE, die auch in der erfolgfreichen französischen Fernsehserie "Büro der Legenden" porträtiert wurde, gilt als einer der weltweit besten Dienste bei der Terrorismusbekämpfung. Der Dienst ist bekannt für verdeckte Operationen zur Eliminierung von Personen, die als Bedrohung für die französische Sicherheit gelten. Ein polnischer Geheimdienstler sagte: "Es ist der einzige Dienst in Kontinentaleuropa mit beinahe globaler Reichweite."

Was weiß man über französische Geheimoperationen?
Der frühere französische Präsident François Hollande sprach öffentlich davon, mindestens 40 Operationen zur Tötung von hochwertigen Zielen im Nahen Osten und Afrika angeordnet zu haben. Diese Aussagen wurden 2017 in einem Buch dokumentiert. Die DGSE kombiniert technische Überwachung, menschliche Quellen und operative Aktionsfähigkeiten.

Warum ist Deutschland in den Top 5?
Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) schaffte es in die Spitzengruppe, obwohl er im europäischen Vergleich unter deutlich strengeren rechtlichen Auflagen arbeitet als etwa die britischen oder französischen Dienste. Die Platzierung auf Rang 5 zeigt, dass deutsche Aufklärungsarbeit trotz enger gesetzlicher Grenzen international anerkannt wird.

Was ist mit den kleineren Ländern?
Bemerkenswert ist das starke Abschneiden der Niederlande und vor allem der Ukraine. Der ukrainische Geheimdienst hat sich seit dem russischen Angriff als äußerst effektiv erwiesen. Die Slowakei hingegen landete auf dem letzten Platz – ein Hinweis auf die großen Unterschiede zwischen den europäischen Diensten.

Wie verlässlich ist so ein Ranking?
Die Bewertung basiert auf den Einschätzungen von Insidern, nicht auf öffentlich zugänglichen Daten. Das macht sie einerseits wertvoll, weil Fachleute ihre Kollegen am besten einschätzen können. Andererseits bleiben die genauen Kriterien und Methoden dieser Einschätzungen teils im Dunkeln – passend zur Geheimdienstwelt.

Übersiedelte erst 2018 von Pullach bei München nach Berlin: der deutsche Bundesnachrichtendienst
Übersiedelte erst 2018 von Pullach bei München nach Berlin: der deutsche Bundesnachrichtendienst
APA-Images / dpa / Sven Hoppe

Wie ist das Ergebnis für Österreich?
Der österreichische Auslandsnachrichtendienst wurde im Ranking nicht prominent genannt. Österreich verfügt über keinen zivilen, aber mit dem Heeresnachrichtenamt über einen (militärischen) Auslandsgeheimdienst, der jedoch deutlich kleiner ist als die Dienste der großen europäischen Staaten. Die Studie zeigt, wie stark die Kapazitäten in Europa variieren.

Warum ist das Ranking jetzt erschienen?
Die Veröffentlichung fällt in eine Zeit erhöhter geopolitischer Spannungen. Der Krieg in der Ukraine, Spionage- und Sabotagevorwürfe gegen Russland und China sowie die Debatte um europäische Sicherheit angesichts des Rückzuges der USA haben das Interesse an Geheimdienstarbeit verstärkt. Die Studie liefert erstmals vergleichende Einblicke in eine sonst verschlossene und in sich gekehrte Welt.

NewsFlix Redaktion
Akt. 06.08.2026 05:53 Uhr