Klingt schräg, regt aber zum Nachdenken an: Im fünften Aufguss des Animationsfilm-Klassikers "Toy Story" kämpfen Jessie, Woody, Buzz Lightyear und Co. gegen die fortschreitende Digitalisierung im Kinderzimmer. Auch neu im Kino: die Komödie "Chérie, ich komme!"

Als "Toy Story" vor mittlerweile 30 Jahren, im Jahr 1995 in die Kinos kam, markierte der Film einen Wendepunkt für das Animationskino. Er war der erste vollständig computeranimierte Langfilm und bewies, dass digitale Technik nicht nur neue Bilder hervorbringen, sondern auch anspruchsvolle Geschichten erzählen konnte. Pixar gelang es, den technologischen Fortschritt eng mit dramaturgischer Qualität zu verbinden – eine Kombination, die den weiteren Weg des Genres nachhaltig prägen sollte.
Die Bedeutung der Reihe erschöpft sich jedoch nicht in ihrem historischen Pionierstatus. Mit den Fortsetzungen entwickelte Pixar seine Figuren konsequent weiter und behandelte Themen wie Vergänglichkeit, Verantwortung und Abschied mit einer Ernsthaftigkeit, die lange Zeit eher dem Realfilm zugeschrieben wurde. "Toy Story" trug damit wesentlich dazu bei, die Wahrnehmung des Animationsfilms zu verändern: weg vom Kinderformat, hin zu einem Medium, das unterschiedliche Generationen gleichermaßen ansprechen kann.
Zugleich wurde die Filmreihe zu einem Motor technischer Innovation. Jede neue Produktion nutzte die Fortschritte der Computergrafik, um Materialien, Lichtstimmungen und Bewegungsabläufe realistischer und zugleich ausdrucksstärker zu gestalten. Die dabei entwickelten Verfahren beeinflussten nicht nur die Arbeit bei Pixar, sondern setzten Maßstäbe für die gesamte Branche.
Dass computeranimierte Filme heute den internationalen Kinomarkt prägen, ist auch eine Folge jener Entwicklung, die mit "Toy Story" ihren sichtbarsten Ausgangspunkt nahm. Rückblickend steht die Reih vielmehr für einen Paradigmenwechsel im Animationsfilm: für den Moment, in dem digitale Animation endgültig den Rang einer vollwertigen filmischen Ausdrucksform gewann.
Umso bedeutsamer ist es da zu sehen, dass sich die Reihe in ihrem jüngsten, fünften Teil quasi gegen sich selbst, auf jeden Fall aber gegen die aktuelle Entwicklung des Digitalen als Leittechnik selbst für die Jüngsten unter uns stellt.
In "Toy Story 5", der am 23. Juli in den heimischen Kinos startet, werden Themen wie "Wie viel digital ist gut für Kinder?" oder "Was verlieren wir, wenn wir uns nur mehr über digitale Angebote weiterentwickeln?" behandelt. Das ganze wie immer äußerst kindgerecht, aber so, dass es sowohl für Kinder als auch für Erwachsene erhellende Einblicke zu bieten vermag. Viel Spaß dabei!

Worum es geht Die aktuelle Besitzerin der bekannten Spielzeuge, Bonnie, ist inzwischen acht Jahre alt. Und auch vor ihr macht der digitale Fortschritt nicht Halt: Inzwischen fällt es ihr sogar schwer, Freunde zu finden, weil sie immer noch – total uncool – mit den altmodischen Toys spielt, während ihre Altersgenossen längst auf Tablets umgestiegen sind. Bonnies Eltern schaffen schließlich auch solch ein Ding an, in der Hoffnung, dass ihre Tochter so neue Kontakte knüpfen kann.
Die Spielzeuge rund um Sheriff-Cowgirl Jessie (im Original mit der Stimme von Joan Cusack) und ihren Deputy Buzz Lightyear (Tim Allen kehrt als Sprecher zurück) beobachten diese Entwicklung mit Sorge: Natürlich wollen auch sie das Beste für ihre Spielkumpanin – aber kann es wirklich gut sein, wenn die nun fast den ganzen Tag vor einem Bildschirm hängt? Und ganz auf ihre alten Spielsachen vergisst?
Als Bonnie zu einem Playdate eingeladen wird, versteckt sich Jessie gemeinsam mit Spielzeug-Pferd Bully im Koffer – sie möchte sichergehen, dass die neuen Freunde auch wirklich "die Richtigen" sind. Durch ein Missgeschick landen die beiden jedoch erst in der Natur, dann im alten Zuhause Jessies, wo inzwischen das Mädchen Blaze wohnt.
Und die stellt sich mit ihrem Faible für altmodisches Spielzeug als ideale Freundin für Bonnie heraus. Also machen es sich die Toys, auch mit Unterstützung des zurückgekehrten Woody (Tom Hanks) zur Aufgabe, die beiden Mädchen zusammenzubringen.
Lohnt sich das? Bei Filmreihen stellt sich stets die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt, aufzuhören? Wann zerstört ein weiteres Sequel das Vermächtnis der gesamten Reihe und wann geht es nur noch um Geldmacherei? Die meisten Studio-finanzierten Reihen überschreiten diesen Punkt irgendwann, bis das Publikum durch Desinteresse die Antwort selbst gibt. Mit dem bereits fünften Film aus dem "Toy Story"-Franchise müssen sich auch Regisseur Andrew Stanton und das Studio Disney/Pixar diese Frage gefallen lassen.
Der erste "Toy Story"-Film erschien vor über 30 Jahren und revolutionierte als erster, großer computeranimierter Spielfilm die ganze Branche. Heute ist die Machart längst Standard. Außerdem wirkt es ein bisschen seltsam, wenn ausgerechnet eine Filmreihe, die einst der "handgemachten" Zeichentrick-Kunst den Todesstoß versetze, nun selbst gegen digitalen Fortschritt Stellung bezieht.
Das Problem an "Toy Story 5" ist aber gar nicht unbedingt dieser Widerspruch, sondern eher die Art und Weise, wie die durchaus wichtige Message – gerade mit Hinblick auf die negativen Nebenwirkungen von Social Media – vermittelt wird. Denn das wird alles eher lustlos und wenig kreativ herunter erzählt.
Auch sonst hat der Film kaum Neues oder wirklich Relevantes zu bieten, denn auch die "Spielzeug-Geschichten" sind irgendwie auserzählt. "Toy Story 5" fühlt sich daher an wie eine Zugabe, die zwar niemandem wirklich schadet, aber auch völlig unnötig war: Nach "Toy Story 3", den Quentin Tarantino bis nach wie vor als einen der besten Filme aller Zeiten bezeichnet, hätte wohl Schluss sein sollen.
Dass Disney die Reihe einstellt, davon ist angesichts des finanziellen Erfolgs von "Toy Story 5" allerdings nicht auszugehen: In den USA und anderen Ländern startete der Film bereits vor einem Monat und spielte bisher fast eine Milliarde Dollar ein - ein Blockbuster wie früher also. Im Zweifelsfall gilt bei den Monopol-Studios dann immer noch Quantität vor Qualität.
Fazit: Harm- und weitgehend substanzlose Fortsetzung, die nichts Neues bringt, das man in den vorangegangenen Filmen nicht bereits gesehen hätte. Eignet sich am besten als belangloser Sommerkino-Snack für Familien und Kinder, aber auch nicht mehr.
"Toy Story 5", Animations-Komödie. USA 2026, 102 Minuten, ab 23. Juli im Kino

"Kraken – Erwachen der Tiefe"
Die Meeresbiologin Johanne (Sara Khorami) untersucht rätselhafte Vorfälle in einem abgelegenen Fjord: Menschen verschwinden, Fische sterben und die Bewohner leben in Angst. Gemeinsam mit Mikael (Mikkel Bratt Silset) und weiteren Einheimischen entdeckt sie, dass eine neue Schalltechnologie ein uraltes Wesen aus den Tiefen des Meeres geweckt haben könnte – den sagenumwobenen Kraken.
In "Kraken" verbindet Regisseur Pål Øie, der bereits im Genre-Geheimtipp "Tunnel" sein Können bewiesen hatte, Creature-Horror mit nordischer Mythologie. Die eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen der norwegischen Fjorde greifen zugleich ökologische Themen auf.
"Kraken – Erwachen der Tiefe", Action-Thriller. Norwegen 2026, 100 Minuten, ab 23. Juli im Kino
"H wie Habicht"
Nach dem Tod ihres Vaters zieht sich Helen (Claire Foy) aus ihrem bisherigen Leben zurück und beschließt, den jungen Habicht Mabel abzurichten. Die intensive Arbeit mit dem Greifvogel hilft ihr, den Verlust zu verarbeiten und Schritt für Schritt wieder ins Leben zurückzufinden. Erinnerungen an ihren Vater (Brendan Gleeson) begleiten sie dabei.
"H wie Habicht" von Regisseurin Philippa Lowthorpe basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Helen Macdonald und erzählt eine bewegende Geschichte über Trauer und Neuanfang.
"H wie Habicht", Drama. GB/USA 2025, 128 Minuten, ab 23. Juli im Kino
"Chérie, ich komme! – Die Erfindung der Lust"
Fanny (Alexandra Lamy) und Tom (François Cluzet) sind seit über 20 Jahren verheiratet. Als Fanny gesteht, noch nie einen Orgasmus erlebt zu haben, nimmt Tom dies zum Anlass, ein Tool zu entwickeln, das die weibliche Lust revolutionieren soll. Aus der ungewöhnlichen Idee entsteht eine humorvolle Reise voller Missverständnisse und überraschender Erkenntnisse.
Die französische Komödie erzählt mit viel Charme von einer Ehe, die neuen Schwung bekommt. Sie basiert lose auf der echten Geschichte hinter der Entwicklung des "Womanizer", eines Sexspielzeugs für Frauen.
"Chérie, ich komme! – Die Erfindung der Lust", Komödie. FRA 2025, 90 Minuten, ab 23. Juli im Kino