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Agatha Christie

50 Jahre nach ihrem Tod verdient die "Queen of Crime" mehr als je zuvor

Verfilmungen, Theaterstücke, neue Bücher: 50 Jahre nach ihrem Tod ist Agatha Christie so erfolgreich wie nie. 2025 erwirtschaftete ihr Werk einen Gewinn von mehr als 23 Mio. Euro. Und damit das so weitergeht, erscheint Ende September ein neuer Miss-Marple-Krimi.

Peter Ustinov als Hercule Poirot in "Tod auf dem Nil": 50 Jahre nach ihrem Tod sind Agatha Christies Werke erfolgreichet als je zuvor
Peter Ustinov als Hercule Poirot in "Tod auf dem Nil": 50 Jahre nach ihrem Tod sind Agatha Christies Werke erfolgreichet als je zuvorAPA-Images / Everett Collection / ©Paramount
NewsFlix Redaktion
Akt. 09.08.2026 06:38 Uhr

In London fällt nach wie vor Abend für Abend der Vorhang für ein Stück, das längst Legende ist: "The Mousetrap" – "Die Mausefalle" – läuft seit 1952 ununterbrochen, mehr als 30.000 Mal wurde die Inszenierung gespielt, über zehn Millionen Menschen haben sie gesehen.

Während auf der Bühne weiter gemordet und ermittelt wird, klingeln im Hintergrund die Kassen einer Autorin, deren 50. Todestag heuer zelebriert wurde. Und die fünf Jahrzehnte nach ihrem Tod so viel Geld verdient wie nie zuvor. Agatha Christie, die Schöpferin von Miss Marple und Hercule Poirot, Autorin von 66 Krimis und 30 Theaterstücken, ist längst die erfolgreichste Schriftstellerin aller Zeiten.

Wie viel Geld die "Queen of Crime" ihren Nachlassverwaltern zuletzt in die Kassen gespült hat, weshalb die Autorin heute mindestens so beliebt ist wie zu Lebzeiten und wie der Hype um ihre Werke weiter gepflegt werden soll – Indizien und Fakten über die erfolgreichste literarische Mörderin aller Zeiten:

Wie erfolgreich sind die Werke von Agatha Christie?
Eminent erfolgreich. Die in London ansässige Agatha Christie Limited, die ihre Werke verwaltet, hat im Geschäftsjahr 2025 deutlich zugelegt, berichtet die FAZ. Der Umsatz stieg um 50 Prozent auf 33 Millionen Pfund, also rund 39 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn kletterte auf 20 Millionen Pfund (mehr als 23 Mio. Euro).

Agatha Christie 1955 bei der französischsprachigen Premiere ihres Stückes "Zeugin der Anklage" in Paris
Agatha Christie 1955 bei der französischsprachigen Premiere ihres Stückes "Zeugin der Anklage" in Paris
1955 bei der APA-Images / Roger Viollet / Boris Lipnitzki

Warum ist das so bemerkenswert?
Agatha Christie starb bereits im Jänner 1976, und doch wachsen die Geschäfte mit ihren Werken stetig weiter. Innerhalb von sechs Jahren haben sich die Gewinne der Firma verdoppelt. Dass eine Schriftstellerin ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod noch derart stark kommerziell zulegt, ist mehr als ungewöhnlich.

Wer muss man über Agatha Christie wissen?
Die britische Autorin lebte von 1890 bis 1976 und wurde mit ihren Ermittler-Figuren Miss Marple und Hercule Poirot weltberühmt. Geboren wurde sie als Agatha Miller in Devon im Südwesten Englands. Seit ihrer Heirat 1914 hieß sie Agatha Christie. Auch nachdem die Ehe mit dem Flieger Archibald Christie 1928 geschieden worden war, behielt sie seinen Nachnamen.

Womit wurde sie so groß?
Den ersten durchschlagenden Erfolg hatte sie 1926 mit ihrem siebten Roman "The Murder of Roger Ackroyd" (dt. "Alibi"). 1930 trat in "Murder at the Vicarage", auf Deutsch "Mord im Pfarrhaus", erstmals Miss Marple auf. Danach stiegen die Verkäufe ihrer Werke sprunghaft an, und Christie rückte an die Spitze der Mega-Bestsellerautoren.

Welche Rolle spielte ihr Leben für ihre Krimis?
Im Ersten Weltkrieg arbeitete Christie als Krankenschwester und erwarb in einer Apotheke viel Wissen über Gift. Dieses Wissen floss in viele ihrer Krimis ein. Zusätzlich steigerte ihr mysteriöses Verschwinden im Jahr 1926 ihre Bekanntheit: Wegen der bevorstehenden Trennung von ihrem Mann war sie elf Tage lang abgängig, was eine landesweite Suche auslöste.

Sechs von insgesamt 66 Krimis, die die Schriftstellerin Zeit ihres Lebens schuf
Sechs von insgesamt 66 Krimis, die die Schriftstellerin Zeit ihres Lebens schuf
Getty Images

Wie viel hat Agatha Christie geschrieben?
Insgesamt 66 Kriminalromane, 30 Theaterstücke und etwa 150 Kurzgeschichten. Bereits 1955 gründete sie eine Firma zur Vermarktung ihrer Werke. Die Agatha Christie Limited existiert heute noch. Und ihre Umsätze und Gewinne steigen regelmäßig.

Wie kann das sein?
Entscheidend sind mehrere Einnahmequellen zugleich. Noch immer verkaufen sich die Romane rund um Miss Marple und Poirot stark – so brachte etwas der Atlantik Verlag in den letzten Jahren eine komplette Neuedition sämtlicher deutschsprachige Werke der Autorin heraus. Dazu kommen Lizenzen aus älteren und neuen Verfilmungen. Auch Theaterstücke tragen viel zum boomenden Geschäft bei.

Welche aktuellen Projekte treiben den Boom an?
Zuletzt sorgte die Netflix-Miniserie "Agatha Christie's Seven Dials" für Lizenzeinnahmen. Erfolgreich war auch die Theateradaption von "Mord im Orientexpress", das nach einer Tour durch Großbritannien sogar nach China ging. Zudem kam auch "Tod auf dem Nil" in England wieder auf die Bühne, und neue Filmprojekte mit Hollywood-Studios sind ebenfalls geplant.

Wird es auch neue Bücher mit Christies Helden geben?
Ja, ihre Firma hat die Rechte für eine "Miss Marple"-Fortsetzung verkauft: Lucy Foleys "Mord im Grand Alpine Hotel" wird Ende September auch auf Deutsch erscheinen.

Inhaltlich weit weg von der Buchvorlage, aber bis heute prägend: Margaret Rutherford als Miss Marple in "Mörder ahoi!"
Inhaltlich weit weg von der Buchvorlage, aber bis heute prägend: Margaret Rutherford als Miss Marple in "Mörder ahoi!"
APA-Images / akg-images

Wie groß ist Agatha Christie als Autorin insgesamt?
Die Zahlen sind enorm. Mindestens zwei Milliarden Exemplare ihrer 80 Bücher wurden bislang verkauft. Damit ist sie die mit Abstand erfolgreichste Autorin aller Zeiten. Zum Vergleich: Von J. K. Rowling wurden bislang etwa 600 Millionen Bücher insgesamt verkauft, von Stephen King etwa 500 Millionen. Nur die Bibel wurde noch öfter gedruckt.

Wer steckt hinter der "Firma Agatha Christie"?
Ihr Urenkel James Pritchard leitet heute die Agatha Christie Ltd. Knapp ein Drittel der Anteile halten Familienmitglieder, rund zwei Drittel gehören dem US-Medienkonzern AMC Networks.

Was ist die Strategie des Unternehmens?
Die Firma setzt auf eine langfristige Verwertung der Rechte und will dabei den Markenkern schützen. Im Geschäftsbericht heißt es: "Die Strategie der Firma besteht weiterhin darin, die Gewinne mittel- bis langfristig zu maximieren, indem sie die Rechte an den Werken von Agatha Christie verwertet, wobei stets auf eine der Marke angemessene Vorgehensweise geachtet wird."

Wo leben die größten Agatha-Christie-Fans?
Laut aktueller Marktforschung weiterhin im Vereinigten Königreich. Dort machte die Agatha Christie Ltd. im vergangenen Jahr fast 17,5 Mio. Euro Umsatz, also knapp die Hälfte der Gesamteinnahmen. Rund 14 Mio. Euro kamen aus den USA, knapp 4,7 Mio. Euro aus der EU.

Bestimmte zuletzt das Bild von Agatha Christie im Kino: Kenneth Branagh als Hercule Poirot mit Tina Fey in der Verfilmung "A Haunting in Venice" aus 2023
Bestimmte zuletzt das Bild von Agatha Christie im Kino: Kenneth Branagh als Hercule Poirot mit Tina Fey in der Verfilmung "A Haunting in Venice" aus 2023
APA-Images / Everett Collection / ©Walt Disney Co.

Warum sind ihre Bücher eigentlich so erfolgreich?
Es sind mehrere Faktoren, die hier zusammenspielen: Viele ihrer Werke sind längst Standards der abendländischen Kultur, immer neue Adaptionen sorgen dafür, dass das Interesse an ihren Werken nicht erlahmt. Dazu kommt zuletzt sicher auch, dass das Interesse an "Cozy Crimes", also an Krimis, in denen man sich trotz der mörderischen Thematik als Leser wohlfühlt, seit Jahren unaufhörlich steigt. Für Psychologen eine Folge der unsicheren Weltlage, die den Rückzug in überschaubare Themenwelten bei den Lesern ankurbelt.

Weiß man, welches des bestverkaufte Werk von Agatha Christie ist?
Ja, überraschenderweise ist das weder "Tod auf dem Nil", noch "Mord im Orient Express", sondern "Und dann gab's keines mehr" aus dem Jahr 1939. Es wurde weltweit bislang mehr als 100 Millionen mal verkauft.

NewsFlix Redaktion
Akt. 09.08.2026 06:38 Uhr