Wegen des Iran-Kriegs waren Tausende Besatzungsmitglieder der USS Abraham Lincoln 10 Monate ununterbrochen auf hoher See. Acht Soldaten haben in der Zeit versucht, sich das Leben zu nehmen. Aber der US-Präsident hat für die Besatzung nur Spott und Hohn übrig.

286 Tage auf hoher See, ohne einen einzigen Hafen anzulaufen. Keine frischen Lebensmittel, keine Pause, kein Kontakt zur Familie außer per Funk. Während die USS Abraham Lincoln im Persischen Golf in Donald Trumps Iran-Krieg kämpfte, kämpften Tausende Soldaten an Bord nicht nur gegen einen äußeren Feind – sondern gegen die eigene Verzweiflung.
Wie NBC News berichtet, haben insgesamt acht Besatzungsmitglieder während des fast zehn Monate langen Einsatzes versucht, Suizid zu begehen. Ein Brief des amtierenden Navy-Sekretärs Hung Cao an die Senatorin Kirsten Gillibrand brachte diese Zahlen nun ans Licht. Die Zustände an Bord werden als "ernst" und "sich verschlechternd" beschrieben.
Was an Bord der USS Abraham Lincoln und ihrer Begleitschiffe geschehen ist, weshalb es so viele Suizidversuche gegeben hat und wie die offizielle Politik von Präsident Donald Trump darauf reagiert hat – das muss man über die Vorgänge bei der US Navy wissen:
Was ist auf der USS Lincoln passiert?
Acht Mitglieder der Besatzung und der angeschlossenen Einheiten haben während des verlängerten Einsatzes Suizidversuche unternommen. Die Kämpfe erhöhten nicht nur die Gefahr für Leib und Leben, sondern auch den psychischen Druck auf die Besatzung. Zwei Suizidversuche ereigneten sich direkt während aktiver Gefechte – Seeleute sprangen ins Wasser, konnten aber gerettet werden.

Alle Suizidversuche an Bord eines Schiffs?
Diese Zahl umfasst Soldaten auf dem Flugzeugträger selbst, seinem Luftgeschwader und den begleitenden Zerstörern. Der amtierende US-Marineminister Hung Cao bestätigte inzwischen die Vorfälle in einem Schreiben an die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand aus New York, berichtet der Sender CBS.
Wie kam die ganze Sache überhaupt ans Licht?
Senatorin Gillibrand stellte offizielle Anfragen an das Verteidigungsministerium. Marineminister Cao antwortete ihr schriftlich, und dieses Schreiben gelangte an die Medien. Gillibrand ist bekannt für ihr Engagement bei Themen rund um das Militär.
Kam es zu Todesfällen?
Nein, es konnten glücklicherweise alle Soldaten gerettet werden.
Wie lange war das Schiff unterwegs?
Die USS Lincoln verließ San Diego im November 2025. Der Einsatz sollte ursprünglich im Mai 2026 enden, wurde aber wegen des Kriegsausbruchs verlängert. Insgesamt war das Schiff 286 Tage auf See – ohne einen einzigen Hafenaufenthalt. Ein normaler Einsatz dauert sechs bis sieben Monate mit regelmäßigen Stopps. Der Einsatz gilt als einer der längsten in der jüngeren Geschichte der Navy.
Warum wurde der Einsatz verlängert?
Ende Februar 2026 begann der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die USS Lincoln, ein nuklear angetriebener Flugzeugträger, wurde zur Unterstützung der Operationen im Persischen Golf benötigt. Die Marine entschied, das Schiff nicht wie geplant zurückzurufen, sondern direkt ins Kriegsgebiet zu schicken.
Wie viele Menschen waren an Bord?
Rund 7.500 Soldaten, hauptsächlich Matrosen, gehören zur Strike Group der USS Lincoln. Dazu zählen neben der Flugzeugträger-Besatzung auch Angehörige des Trägersgeschwaders, Zerstörer-Besatzungen und verschiedene Luftwaffeneinheiten.

Welche Probleme gab es außer den Suizidversuchen?
Angehörige berichteten von Nahrungsmittelknappheit an Bord, niedriger Moral der Truppe und einer allgemein belastenden Atmosphäre. Eine Angehörige beschrieb gegenüber NBC News, dass die lange Zeit auf See "verheerende Auswirkungen" auf die psychische Gesundheit der Seeleute gehabt habe.
Warum wurde der lange Einsatz so problematisch?
Monate auf engem Raum ohne Landurlaub zehren an der psychischen Gesundheit. Die Isolation, der Stress durch Kampfeinsätze und die Ungewissheit über die Rückkehr belasten die Soldaten enorm. Schon früher gab es zudem Berichte über Missstände auf dem Schiff, die das US-Militär allerdings zurückwies.
Welche psychologische Unterstützung gibt es für die Soldaten an Bord?
Die USS Lincoln verfügt über fünf Militärseelsorger, einen klinischen Psychologen, einen Sozialarbeiter, Verhaltenstherapeuten und einen Präventionsberater. Ob diese Ressourcen für 7.500 Menschen auf einem Schiff ausreichen, ist Teil der Debatte.
Wie hat die Marine auf die jetzige Enthüllung reagiert?
Die Reaktionen waren unterschiedlich. Admiral Brad Cooper, Kommandeur des US Central Command, bezeichnete die Bedenken in einem Meinungsartikel im Wall Street Journal als "alte Neuigkeiten", die bereits vor Monaten gelöst worden seien. Andere Offizielle betonten, man nehme das Wohlbefinden jedes Soldaten ernst.
Was sagt die Politik dazu?
Senatorin Gillibrand, die auch Mitglied des Streitkräfte-Ausschusses ist, bezeichnet die Zustände als "ernst" und "sich verschlechternd". Sie kritisiert: "Unsere Truppen und ihre Familien bringen jeden Tag immense Opfer, doch der Präsident begegnete ihnen mit offener Respektlosigkeit."
Ist das tatsächlich so?
Könnte man schon sagen. Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth hatten frühere Berichte über Probleme auf der USS Lincoln zunächst als Fake News bezeichnet. Später auf die lange Missionsdauer des Trägerverbandes angesprochen, hat Trump den Einsatz als "bei weitem nicht lang genug" bezeichnet. Diese Aussage stieß bei Kritikern auf scharfe Ablehnung.

Wo ist das Schiff jetzt?
Die USS Lincoln wurde mittlerweile aus dem Einsatzgebiet abgezogen, hat einen Zwischenstopp in Thailand eingelegt und befindet sich nun auf dem Rückweg nach San Diego. Ein weiterer Stopp in Guam ist noch eingeplant. Nach fast zehn Monaten auf See sollen die Soldaten endlich nach Hause kommen.
Was bedeuten die Enthüllungen für die US-Marine insgesamt?
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über die Fürsorgepflicht des Militärs seinen Soldaten gegenüber auf. Wie lange kann man Menschen ohne Pause in Extremsituationen halten? Die Debatte um psychische Gesundheit im Dienst dürfte dadurch neuen Auftrieb bekommen.
Gibt es Konsequenzen für die Verantwortlichen?
Das bleibt abzuwarten. Senatorin Gillibrand hat Verteidigungsminister Pete Hegseth bereits mit Fragen konfrontiert. Der Brief von Navy-Sekretär Cao ist Teil einer offiziellen Untersuchung der Vorkommnisse.