Beim US-Militär kracht es: Heeresstaatssekretär Dan Driscoll nahm nach Konflikten mit Pete Hegseth am Montag seinen Hut, Generäle werden im Dutzend aus dem Haus geekelt und der Minister selbst steht an immer mehr Fronten unter Dauerfeuer. Ein Lagebericht.

Das Pentagon, Sitz des Verteidigungsministeriums und der militärischen Führung der USA, kommt derzeit nicht zur Ruhe. Kaum eine Woche vergeht ohne Rücktritte, Umbesetzungen oder Auseinandersetzungen auf höchster Ebene. Aktueller Höhepunkt: Der Rücktritt von Staatssekretär Dan Driscoll zu Beginn der Woche. Der Kriegsveteran kam offenbar mit Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht mehr klar und zog für sich selbst die entsprechenden Konsequenzen.
Und während dem Abgänger vom Weißen Haus abwärts Rosen gestreut werden, gerät Amtsinhaber Hegseth immer mehr unter Druck. Dem Quereinsteiger-Verteidigungsminister, der in seinem früheren Berufsleben als TV-Moderator Karriere gemacht hat und der sich selbst gerne als "Kriegsminister" bezeichnet, schlägt immer mehr Misstrauen seitens der militärischen Führung entgegen, währenddessen er gleichzeitig einen komplizierten Krieg führen und seine Autorität im eigenen Haus retten muss.
Der Rücktritt von Staatssekretär Driscoll ist deshalb weit mehr als ein Personalwechsel. Er steht für eine tiefgehende Krise an der Spitze des US-Verteidigungsministeriums, die angesichts der multiplen Herausforderungen der Gegenwart besonders heikel erscheint und weit über Washington hinaus mit Argusaugen beobachtet wird.
Wie die mächtigste Armee der Welt, deren aktuelles Jahresbudget mit einer Billion Dollar höher ist als die gesamte Wirtschaftsleistung von West- und Zentralafrika zusammen, in solch eine Schieflage kommen konnte, warum ihr Minister mittlerweile sogar im eigenen Haus als "dumm" bezeichnet wird und welche Rolle Präsident Trump bei all dem spielt – das muss man über die Krise im Pentagon wissen:

Worum geht es?
Dan Driscoll hat seinen Rücktritt bei Präsident Trump eingereicht. Das Weiße Haus bestätigte das am Montag. Er war als Staatssekretär des US-Heeres der ranghöchste zivile Verwalter der Landstreitkräfte, also sozusagen der oberste Manager der Army. Und er galt als Nummer zwei im Pentagon hinter Verteidigungsminister Pete Hegseth, berichtet die Washington Post.
Was muss man über Dan Driscoll wissen?
Driscoll ist Irakkriegsveteran, Tech-Investor, gilt als enger Vertrauter von Vizepräsident JD Vance und wurde von Präsident Trump als dessen Drohnenexperte bezeichnet. Der Senat bestätigte ihn im Februar 2025 mit 66 zu 28 Stimmen. In seiner Amtszeit trieb er laut den Berichten vor allem Modernisierung, Einsatzbereitschaft und den schnelleren Ausbau von Drohnen- und Abwehrfähigkeiten voran.
Was sagt das Weiße Haus dazu?
Eine Sprecherin des Weißen Hauses lobte Driscolls Arbeit in den höchsten Tönen. Er habe maßgeblich dazu beigetragen, Präsident Trumps Agenda voranzutreiben. Dank seiner Zusammenarbeit sei das US-Heer heute stärker denn je.
Warum tritt er zurück?
Offiziell hat das Weiße Haus die Gründe nicht bestätigt. Aus gut informierten Kreisen heißt es jedoch, dass es massive Spannungen zwischen Driscoll und Verteidigungsminister Pete Hegseth gegeben hat, berichtet CBS News. Driscoll soll unzufrieden gewesen sein mit Hegseths Umbauplänen für die Armee und dem Rauswurf wichtiger Generäle, die für Modernisierungsprojekte zuständig waren.
Warum ist sein Rücktritt so brisant?
Weil er nicht isoliert kommt, sondern nach Monaten der Unruhe im Pentagon. Es gab Leak-Ermittlungen, Budgetprobleme und mehrere Entlassungen hochrangiger Offiziere. Mitten im Krieg gegen den Iran wirkt jeder weitere Abgang an der Spitze wie ein Signal, dass die Führung intern nicht stabil ist.
Wie wird das Verhältnis von Driscoll zu Pete Hegseth beschrieben?
Mehrere Berichte schildern wiederholte Spannungen und persönliche wie fachliche Konflikte zwischen Driscoll und dem Verteidigungsminister. Besonders strittig sollen Entlassungen von Spitzenmilitärs gewesen sein. Dazu kam demnach Hegseths Vorwurf, Driscoll habe ihm nicht ausreichend die gewünschte Loyalität und Unterordnung gezeigt.

Woran entzündete sich der Streit konkret?
Ein zentraler Auslöser waren die Absetzungen hoher Generäle, darunter Heereschef Randy George. Driscoll galt als Verbündeter von George und beklagte dessen Abgang offen. Vor dem Kongress sagte er im April, er und seine Familie seien nach dessen Rücktritt zu ihm gefahren und hätten "ihn alle umarmt".
Was sagt Driscoll selbst zur Macht der politischen Führung über das Militär?
Öffentlich stellte er das Prinzip der zivilen Kontrolle über das Militär nicht infrage. Vor dem Kongress sagte er: "Davon abgesehen ist es in unserem System so vorgesehen, dass die zivile Führung die Führungspersonen auswählen kann, die sie haben möchte." Das zeigt den Grundkonflikt: formal ist vieles möglich, politisch kann es trotzdem massiven Widerstand auslösen.
Was war damit konkret gemeint?
Gegen Verteidigungsminister Hegseth stehen seit geraumer Zeit schwere politische und organisatorische Vorwürfe im Raum. Ihm wird angelastet, binnen weniger Monate fast drei Dutzend Generäle und Admiräle aus dem Amt gedrängt zu haben, oft ohne nachvollziehbare Begründung. Aus dem Pentagon wird zudem von einem Klima der Angst berichtet, in dem selbst Führungskräfte gegen ihren Willen Lügendetektortests über sich ergehen lassen müssten.
Welche Rolle spielt der Iran-Krieg dabei?
Er verschärft die Lage zusätzlich. Während die USA wieder Ziele im Iran angreifen, gibt es Berichte über gravierende Munitionsengpässe und Zweifel im Militär, ob eine Fortsetzung des Kriegs überhaupt sinnvoll ist. Wenn zugleich Spitzenposten im Pentagon wackeln, wirkt das nach außen wie eine Führungskrise im laufenden Einsatz.
Was ist über den Streit um Munition bekannt?
Nach einem Bericht soll Trump in Camp David Hegseth zur Rede gestellt haben, warum er über den massiven Munitionsmangel im Heer getäuscht worden sei. Hegseth habe daraufhin die Verantwortung seinem Stellvertreter Stephen Feinberg zugeschoben. Das Pentagon wies diese Darstellung später als "Fiktion" zurück und Trump erklärte, er sei "äußerst zufrieden mit der Arbeit, die Pete Hegseth leistet".
Warum sorgt Hegseths Personalpolitik für so viel Unruhe?
Weil sie tief in die militärische Führung eingreift. Neben Randy George wurden auch weitere Top-Offiziere aus dem Heer entfernt, darunter James Mingus, Christopher Donahue und David Hodne. Kritiker befürchten, dass dadurch Erfahrung verloren geht und die USA ausgerechnet in einer Kriegsphase an Schlagkraft einbüßen.

Wie wird Hegseth intern wahrgenommen?
Sein Autoritätsverlust zeigt sich auch an Berichten über Spott im Pentagon. Laut dem Magazin Stern soll er dort von manchen als "dummer McNamara" bezeichnet werden, eine Anspielung auf den früheren US-Verteidigungsminister Robert McNamara.
Wie ist das gemeint?
Der Demokrat Robert McNamara war Verteidigungsminister von 1961 bis 1968 und gilt als eine treibende Kraft hinter dem Vietnamkrieg, der mit über 58.000 gefallenen G.I.s und einer schmachvollen Niederlage der USA bis heute ein nationales Trauma darstellt.
Und weiter?
Doch bei allem politisch-militärischen Ungeschick war McNamara ein brillanter Kopf, dem intellektuell kaum jemand gewachsen war. Hegseth ist ebenfalls gerade dabei, für die USA einen Krieg zu vergeigen. Als besonders helle Kerze gilt er dabei aber nicht gerade. Deshalb "dummer McNamara". Das tragische dabei: Solche Zuschreibungen sind politisch besonders brisant, weil sie nicht nur Kritik an Entscheidungen, sondern grundlegende Zweifel an Hegseths strategischem Format ausdrücken.
Hat Hegseth schon vor dem Iran-Krieg negative Schlagzeilen geliefert?
Ja, er sorgte für Aufsehen, weil er im vergangenen Jahr Geheiminformationen zu einem Angriff auf den Jemen in einer Signal-Gruppe geteilt haben soll, in der auch seine Ehefrau war. Der frühere Pentagon-Mitarbeiter John Ullyot nannte das "total verrückt".
Wie reagiert das politische Lager von Trump auf die Kalamitäten im Pentagon?
Uneinheitlich. Das Weiße Haus lobte Driscoll in einer Stellungnahme ausdrücklich und hob seine Rolle bei Einsatzbereitschaft, militärischer Stärke und sogar bei Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine hervor. Aus dem konservativen Lager kamen aber auch scharfe Reaktionen wie "Zum Glück sind wir den los!", verbunden mit dem Vorwurf, wer nicht mit Hegseth auf einer Linie sei, habe in diesem Amt nichts verloren.
Wie reagiert die Opposition?
Demokratische Politiker haben den Rücktritt als weiteres Zeichen für das Chaos in der Trump-Administration gewertet. Sie werfen dem Präsidenten vor, loyale Gefolgsleute über kompetente Fachleute zu stellen. Republikaner hingegen betonen, dass personelle Veränderungen Teil jeder Regierungsarbeit seien.

Warum ist Driscolls Abgang auch für Hegseth gefährlich?
Weil Driscoll zeitweise selbst als möglicher Ersatz für Hegseth gegolten hat. Wenn nun ausgerechnet ein Mann geht, der im Weißen Haus Rückhalt gehabt haben soll, unterstreicht das die Tiefe des Konflikts. Zugleich bleibt Hegseth politisch verletzlich, weil jeder weitere Rückschlag seine Stellung im Kabinett weiter schwächen könnte.
Gibt es bereits einen Nachfolger?
Bisher wurde kein offizieller Nachfolger benannt. Auch Driscolls Stellvertreter, Dave Fitzgerald, soll noch diese Woche seinen Posten räumen. Das Pentagon steht also vor der Aufgabe, gleich mehrere Schlüsselpositionen neu zu besetzen – ein komplizierter Prozess, der Monate dauern kann.
Wie geht es jetzt weiter?
Unklar ist, wann die Regierung jemanden dauerhaft an die Spitze von Heer und Marine setzen wird. Vorläufig führen Übergangslösungen und interne Machtkämpfe dazu, dass wichtige Posten offen oder umstritten bleiben. Entscheidend wird sein, ob Hegseth die Führung im Pentagon stabilisieren kann, bevor der Iran-Krieg und die Munitionsfrage noch größeren politischen Druck erzeugen.
Was heißt das?
Als Nächstes wird von allen Seiten ganz genau beobachtet werden, ob auf Driscolls Rücktritt noch weitere Abgänge folgen und ob Trump Hegseth gleichzeitig weiter deckt. In einem Ministerium, das zugleich Krieg führt und intern rotiert, kann schon die nächste Personalentscheidung zu einem Belastungstest für die gesamte Regierung werden.