Eine 35-Jährige aus dem Staat New York, die zum Islam konvertiert ist, soll für die Terrororganisation ISIS einen Bombenanschlag auf das State Capitol in Albany geplant haben, wurde aber vom FBI in eine Falle gelockt. Was man über die verhinderte Attentäterin weiß.

Eine Frau komplett in eine schwarze Burka gehüllt, schwarze Handschuhe, das Gesicht verdeckt, hält ihr Handy hoch, um Fotos vom State Capitol in Albany, dem Parlamentsgebäude des US-Bundesstaates New York, zu machen. Was aussieht wie eine etwas schräge Touristenszene, ist laut FBI jedoch in Wahrheit Ausspäharbeit für einen geplanten Terroranschlag gewesen.
Jessica B., eine 35-jährige Frau aus dem US-Bundesstaat New York, wurde deshalb am Mittwoch vom FBI verhaftet. Laut Time Magazine werfen ihr die Behörden vor, einen Bombenanschlag auf das Parlamentsgebäude geplant zu haben – im Namen der islamistischen Terrormiliz ISIS. Die Frau, die laut New York Post zum Islam konvertiert sein soll, wurde offenbar vom FBI in eine Falle gelockt. Sämtliche Vorbereitungen für das geplante Attentat geschahen in Abstimmung mit verdeckten Ermittlern der Bundespolizei.
Wie die Behörden der 35-Jährigen auf die Spur kamen, was die Frau noch alles geplant hatte, welche Strafe ihr nun droht – das sind die bekannten Fakten über die Möchtegern-Attentäterin von Albany:
Worum geht es?
Das US-Justizministerium gab am Donnerstag bekannt, dass eine Frau aus dem Staat New York wegen eines mutmaßlichen Anschlagsplans verhaftet wurde. Jessica B. wird vorgeworfen, einen Bombenanschlag auf das New York State Capitol in Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York, geplant zu haben. Sie wurde bereits einem Bundesgericht vorgeführt.
Wer ist die Verdächtige?
Jessica B. ist 35 Jahre alt und stammt aus Albany. Über ihre persönlichen Hintergründe ist bislang wenig bekannt. Den Behörden zufolge soll sie sich dem Islamischen Staat verbunden gefühlt haben. US-Medien berichten, dass sie vor fünf Jahren zum Islam konvertiert sein und den Namen Aisha Saif getragen haben soll, eine Bestätigung der Behörden dafür steht noch aus.

Was weiß man über den geplanten Anschlag?
Die Strafverfolgungsbehörden hatten die 35-Jährige angeblich seit fünf Wochen im Visier. Ein verdeckter FBI-Ermittler gab sich demnach als ISIS-Vermittler aus und begann im Juli, mit Bowie über ihre Pläne zu schreiben. In den Nachrichten soll sie ihre Absichten geschildert haben, das Parlamentsgebäude in Albany anzugreifen.
Welche Vorbereitungen hat die Frau getroffen?
Jessica B. soll das State Capitol mehrmals besucht haben, um es auszukundschaften. Dabei trug sie eine schwarze Burka mit Gesichtsmaske und schwarze Handschuhe, wie auf Fotos der Bundespolizei zu sehen ist. Im August traf sie sich zudem persönlich mit zwei weiteren FBI-Ermittlern. Bei diesem heimlich gefilmten Treffen soll sie ihre Anschlagspläne bekräftigt haben.
Was hat sie bei dem Treffen gesagt?
Laut Anklageschrift sagte sie, sie wolle den Anschlag an einem Tag verüben, an dem möglichst viele Senatoren anwesend seien. Ihr Ziel sei es gewesen, einen Sprengkörper in einer Tüte eines Lieferservice zu platzieren, der so viele Senatoren wie möglich töten und möglichst viel vom Gebäude zerstören würde. Danach wollte sie fliehen. Angeblich hatte sie bereits eine Fluchtroute bis Syrien vorbereitet, schreibt die New York Post. Außerdem plante sie, zurück in die USA zu kommen und weitere Anschläge zu verüben.
Was hatte sie noch geplant?
Sie sprach gegenüber den verdeckten Ermittlern davon, "mehr zu tun", sollte ihr nach dem Albany-Attentat die Flucht gelingen. Angeblich sah sie die Silvesterfeiern auf dem New Yorker Times Square als lohnendes Ziel für einen Anschlag, sie US-Medien.
Woher wollte sie die Bombe für den Albany-Anschlag bekommen?
Einer der verdeckten FBI-Ermittler, der sich als ISIS-Unterstützer ausgab, gab Jessica B. 200 Dollar. Damit kaufte sie in einem Baumarkt Materialien, die zum Bau des Sprengkörpers verwendet werden sollten. Die Behörden dokumentierten alles mit Überwachungsfotos. Auch bei dem Einkauf trug sie wieder die schwarze Burka, unter der sie nicht zu erkennen ist.
Wollte sie auch eine Waffe haben?
Ja. In der Woche vor ihrer Verhaftung fragte die 35-Jährige einen der falschen ISIS-Männer, ob er jemanden kenne, der ihr eine Waffe verkaufen könne. Am Tag ihrer Festnahme übergab sie den verdeckten Ermittlern 150 Dollar, um eine Pistole, ein Magazin und Munition zu kaufen.

Wie lief die Verhaftung ab?
Bei einem letzten Treffen am Mittwoch übergaben die verdeckten Ermittler der Möchtegern-Attentäterin einen funktionslosen Sprengkörper, der angeblich aus ihren Baumarkt-Einkäufen gebaut worden war. Als sie ihr Auto mit der Bombenattrappe, der Waffe und der Munition verließ, wurde sie von FBI-Agenten festgenommen.
Was droht Jessica B. jetzt?
Sie ist wegen des Versuchs angeklagt, eine als Terrororganisation eingestufte Gruppe materiell zu unterstützen. Das ist ein schweres Bundesverbrechen in den USA. Die Höchststrafe dafür kann bis zu 20 Jahre Haft betragen.
Ist sie geständig?
Bei ihrer Vernehmung durch das FBI legte Jessica B. laut Anklageschrift offenbar ein Teilgeständnis ab, berichtet die New York Post.
Wie kam das FBI überhaupt auf die Spur der Frau?
Dazu gibt die Behörde keine detaillierten Informationen bekannt. Aber da man davon ausgeht, dass die 35-Jährige "online radikalisiert worden" sei, ist der Schluss, dass die Bundespolizei entsprechende Foren überwacht und mögliche Gefährder gezielt anspricht, vermutlich nicht ganz falsch.
Ist das rechtmäßig?
Ja, in den USA schon, die Bezeichnung dafür lautet "Sting-Operation". Dabei werden potenzielle Einzeltäter identifiziert und präventiv gestoppt, bevor sie zur Tat schreiten können. Dazu werden verdeckte Ermittler in das Umfeld eines potenziellen Täters eingeschleust, um seine Schritte zu überwachen. In diesem Fall gaben sich FBI-Agenten als ISIS-Unterstützer aus, um das Vertrauen der Frau zu gewinnen. Sie bauten über Wochen Kontakt zu der Verdächtigen auf, um ihre Pläne zu dokumentieren, ehe die Festnahme erfolgte.

Wie reagierten die Behörden in New York auf das vereitelte Attentat?
Kathy Hochul, die Gouverneurin von New York, dankte dem FBI und betonte gleichzeitig, dass es derzeit keine unmittelbare Bedrohung gebe. Man habe bereits Anfang des Jahres die Sicherheitsvorkehrungen am State Capitol verstärkt – angesichts zunehmender politischer Gewalt und Drohungen gegen Amtsträger.
Ist Jessica B. ein Einzelfall?
Nein, erst im letzten Monat wurde eine weitere Frau aus dem Norden des Bundesstaates New York angeklagt, weil sie angeblich eine islamistische Terrororganisation unterstützt hatte, nachdem sie 30.000 Dollar in Kryptowährung an die palästinensische Gruppe Islamischer Dschihad im Gazastreifen gespendet hatte.