Die aktuelle Hitzewelle verdoppelt das Sterberisiko in der Bundeshauptstadt – so das Ergebnis einer Untersuchung. Noch dramatischer die Lage in Paris: Dort steigt das Sterberisiko um 300 Prozent. Insgesamt könnte die Hitze 12.000 zusätzliche Todesfälle verursachen.

Westeuropa wird derzeit von einer extremen Hitzewelle erfasst. Mehrere Länder haben neue Temperaturrekorde für den Monat Juni verzeichnet. In Frankreich beginnen Straßenbeläge zu schmelzen. In Großbritannien wurden Schulen geschlossen und Krankenhaustermine abgesagt.
Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent – und ist im Vergleich zu anderen wohlhabenden Weltregionen nur unzureichend auf extreme Hitze vorbereitet. Unsere Analyse gibt einen ersten Hinweis darauf, welche Städte in der aktuellen Hitzewelle besonders schwer betroffen sein könnten.
Wie hoch die Zahl der Todesopfer ausfallen wird, hängt nicht allein von den absoluten Temperaturen ab, sondern auch davon, wie außergewöhnlich diese für die jeweilige Region sind. Pierre Masselot und seine Kollegen von der London School of Hygiene & Tropical Medicine modellierten bereits 2023 den Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterblichkeit in 854 europäischen Städten.
Ihre Ergebnisse zeigen: Wenn Städte ungewöhnlich hohe Temperaturen erleben, steigt das Sterberisiko besonders stark an. So ist eine Temperatur von 30 Grad Celsius in Manchester deutlich tödlicher als dieselbe Temperatur in Madrid. Sowohl die menschliche Physiologie als auch Gebäude und Infrastruktur sind dort schlechter an Hitze angepasst.

Hinzu kommt, dass dunkle Materialien wie Beton und Asphalt Wärme stärker speichern als begrünte Flächen und Luftverschmutzung die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zusätzlich verschärft.
Um abzuschätzen, wie schwerwiegend die aktuelle Hitzewelle ausfallen könnte, haben wir das Modell von Masselot mit den durchschnittlichen Temperaturprognosen für den Zeitraum vom 24. bis 26. Juni – dem Höhepunkt der Hitzewelle in Westeuropa – kombiniert. Diese Methode ist nicht perfekt, da sie Faktoren wie die Luftfeuchtigkeit unberücksichtigt lässt.
Sie berücksichtigt jedoch teilweise die nächtlichen Temperaturen, die wesentlich zur Gefährlichkeit der aktuellen Hitzewelle beitragen: Bleiben die Nächte heiß, hat der Körper kaum Gelegenheit, sich zu erholen. Das Verfahren liefert somit eine überschlägige Schätzung des zusätzlichen Sterberisikos in 854 Städten im Vergleich zu Tagen mit den gesundheitlich günstigsten Temperaturen, bei denen die Sterblichkeit am niedrigsten ist.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die extreme Hitze innerhalb von nur drei Tagen rund 12.000 zusätzliche Todesfälle verursachen könnte. In Paris könnte die Sterblichkeitsrate um mehr als 300 Prozent steigen – der höchste Wert in unserer Analyse. Die Temperaturen liegen dort außergewöhnlich weit über dem üblichen Niveau und überschreiten das 99,9. Perzentil der Werte aus den Jahren 2000 bis 2019.

Paris verzeichnet während Hitzewellen regelmäßig besonders hohe Opferzahlen. Ein möglicher Grund ist der zusätzliche Wärmestau durch die charakteristischen grauen Zinkdächer der Stadt. In London könnte das Sterberisiko um etwa 200 Prozent, in Mailand um rund 170 Prozent ansteigen.
In Wien, so die Berechnungen, steigt das Sterberisiko um 100 Prozent. Nimmt man die aktuellen Sterbezahlen als statistische Basis, dann ist davon auszugehen, dass es während der aktuellen Hitzewelle zu 120 bis 130 zusätzlichen Todesfällen in der Bundeshauptstadt kommen wird. Zum Vergleich: In Paris werden bis zu 1.500 zusätzliche Todesfälle erwartet.*
Bereits heute sterben jeden Sommer Tausende Menschen in Europa an den Folgen extremer Hitze. Nach Schätzungen von Clair Barnes vom Imperial College London und ihrem Forschungsteam kamen zwischen Juni und August 2025 rund 24.400 Menschen durch Hitzebelastung ums Leben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen: Rund 85 Prozent der Opfer des vergangenen Sommers waren über 65 Jahre alt. Studien zeigen zudem, dass Frauen stärker betroffen sind als Männer und dass Großstädte in der Regel höhere Opferzahlen verzeichnen als kleinere Städte.
Unsere Berechnungen sind allerdings lediglich eine grobe Orientierung und beruhen auf historischen Durchschnittswerten. Wie groß die tatsächlichen Auswirkungen der aktuellen Hitzewelle sein werden, lässt sich erst im Nachhinein zuverlässig bestimmen. Bis dahin könnte Europa allerdings bereits von der nächsten Hitzewelle erfasst worden sein.
* ergänzt
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