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3 Tote, 21 Verletzte

Bombenterror in Moskau: War Massaker-General das Ziel?

Bei einem Anschlag in Moskau sind drei Menschen getötet worden, darunter die mutmaßliche Attentäterin. Mindestens 21 Personen wurden verletzt. Ziel des Attentats könnte ein Armee-General gewesen sein, der seinen 55. Geburtstag feierte. Was bisher bekannt ist.

Terroranschlag im Herzen von Moskau: Das Gebäude am Kudrinskaja-Platz,wo bei dem Attentat drei Menschen starben und 21 verletzt wurden, wurde großräumig abgeriegelt
Terroranschlag im Herzen von Moskau: Das Gebäude am Kudrinskaja-Platz,wo bei dem Attentat drei Menschen starben und 21 verletzt wurden, wurde großräumig abgeriegeltREUTERS/Anastasia Barashkova
NewsFlix Redaktion
Akt. 02.08.2026 07:32 Uhr

Es war ein perfekter Abend für ein Fest. Im Zentrum von Moskau hatte es angenehme 25 Grad, der Himmel war wolkenlos und auf dem Kudrinskaja-Platz nahe dem Stadtzentrum versammelten sich Dutzende Gäste in einem italienischen Luxusrestaurant, um zu feiern: General Alexander Tschaiko, Kommandanten der russischen Luftwaffe, war vor wenigen Tagen 55 Jahre alt geworden.

Das Lokal liegt in einem der sieben Stalin-Hochhäuser, die der Diktator errichten ließ, um die Fortschrittlichkeit der Sowjetunion zu manifestieren. Viele der Gäste sitzen auf einer Veranda, um den lauen Sommerabend zu genießen, während zahlreiche Sicherheitskräfte die Feiernden beschützen – für diesen Abend hätten besondere Sicherheitsvorkehrungen gegolten, so die Schweizer NZZ.

Kurz nach 20 Uhr zerreißt eine Explosion die Atmosphäre und Sekunden später ist die Veranda des Lokals übersät mit schwer verletzten, blutenden Personen, während schwer bewaffnete Polizisten nach der ersten Überraschung den Ort abriegeln.

Nach ersten Zählungen starben drei Menschen bei der Explosion, darunter auch die mutmaßliche Attentäterin, 21 Personen wurden teils schwer verletzt. Wie es zu den Anschlag kommen konnte, ob der ukrainische Geheimdienst dahintersteckt und was das Motiv dafür gewesen sein könnte, weshalb General Tschaiko ins Visier geriet – das weiß man bisher über die Terror-Nacht von Moskau:

Die Bombe explodierte auf der Veranda des italienischen Restaurants "Balzi Rossi"
Die Bombe explodierte auf der Veranda des italienischen Restaurants "Balzi Rossi"
REUTERS/Anastasia Barashkova

Was genau ist passiert?
Samstagabend kurz nach 20 Uhr Ortszeit (19 Uhr in Österreich) explodierte im Eingangsbereich des italienischen Restaurants "Balzi Rossi" am Kudrinskaja-Platz an der Metrostation Barrikadnaja in Moskau, unmittelbar westlich des Gartenrings (einer Ringstraße um das Stadtzentrum) ein offenbar selbstgebauter Sprengsatz, berichtet die BBC.

Wo liegt das Lokal?
Es liegt im Erdgeschoß eines der sieben markanten Moskauer Hochhäuser aus der Stalin-Zeit, die als die "Sieben Schwestern" bekannt sind und aufgrund ihrer als "Zuckerbäcker-Architektur" verunglimpften Optik seit ihrer Errichtung Ziel von Spott sind, aber längst als Wahrzeichen der russischen Metropole gelten.

Was ist über das "Balzi Rossi" bekannt?
Es bezeichnet sich selbst als "Fine Dining"-Restauranr, die Preise gelten für Moskauer Verhältnisse allerdings als moderat –ç Menüs kosten ab etwa 110 Euro. Auf einer dem Restaurant vorgelagerten Veranda kann man den Blick auf den belebten Kudrinskaja-Platz genießen. Am Abend des Attentats fand in dem Luxuslokal ein privates Bankett statt, wie das Lokal auf seiner Homepage schreibt. Deshalb war es für das allgemeine Publikum geschlossen.

Was ist am Samstag geschehen?
Nach Angaben des russischen Antiterror-Komitees NAK und der Zeitung Kommersant wollte sich eine Frau mit einem Geschenkkorb Zugang zur Veranda des Restaurants verschaffen, wurde jedoch von einer Security am Eingang aufgehalten. Als sich der Sicherheitsmann den Geschenkkorb näher anschauen wollte, sei dieser sofort explodiert.

Was weiß man über den Sprengsatz?
Laut NAK habe es sich um einen selbst gebauten Sprengsatz gehandelt, der in dem Geschenkkorb versteckt gewesen sei. Der Sprengsatz sei außerdem mit tausenden kleinen Metallkügelchen gefüllt gewesen. Bei einer Explosion werden diese Kügelchen mit großer Geschwindigkeit "abgeschossen" und agieren wie die Kugeln einer Schrotladung. Ziel solcher Bomben ist es, möglichst viele Menschen zu töten bzw. zu verletzen.

Wie viele Opfer gibt es?
Nach bisherigen Angaben kamen drei Menschen ums Leben: die mutmaßliche Attentäterin selbst, der Sicherheitsbeamte, der sie kontrollieren wollte, sowie ein Besucher des Lokals, der sich in unmittelbarer Nähe der Explosion befand. Mindestens 21 weitere Personen wurden verletzt, laut Berichten auf Telegram-Kanälen seien viele der verletzten in ernstem Zustand.

Das Gebäude, in dem das italienische Restaurant liegt, gehört zu Stalins berühmten "Sieben Schwestern"
Das Gebäude, in dem das italienische Restaurant liegt, gehört zu Stalins berühmten "Sieben Schwestern"
Getty Images

Wer war die Attentäterin?
Zur Identität oder zu möglichen Motiven der Frau gibt es bislang keine offiziellen Angaben. Es ist aber gut möglich, dass die Frau gar nicht wusste, was sie da abliefern sollte. Die Wucht der Explosion soll ihren Körper buststäblich zerrissen haben, schreiben russische Medien, weshalb es möglicherweise länger dauern könnte, sie zu identifizieren.

Hat sie die Bombe selbst gezündet?
Davon ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszugehen. Wahrscheinlicher erscheint es, dass der Sprengsatz ferngezündet wurde, als die Attentäter erkannten, dass der Geschenkkorb nicht wie geplant zu seinem Ziel gelangen würde.

Wer war das Ziel?
Laut NZZ würden exilrussische Medien sowie russische Militärblogger verbreiten, dass der Anschlag dem Kommandanten der russischen Luftwaffe, General Alexander Tschaiko, gegolten haben soll. Er war vergangenen Montag 55 Jahre alt geworden – den Berichten nach war das Lokal "Balzi Rossi" mit Spruchbändern mit der Aufschrift "Alexander 55" geschmückt. Zu den Gästen der Feier sollen Vertreter russischer Geheimdienste, der Armee sowie Parlamentarier und andere Funktionäre gehört haben.

Wurde der General auch verletzt?
Nein, er soll unverletztb geblieben sein.

Wer ist Alexander Tschaiko?
Der General übernahm erst im Mai das Kommando über die Luftwaffe und entstammt eigentlich dem Heer. Er ist von Beginn an in führender Position an Russlands Ukraine-Feldzug beteiligt. Ihm sollen auch jene Einheiten unterstellt gewesen sein, die im April 2022, also kurz nach Ausbruch des Krieges, in Butscha vor den Toren Kiews Gräueltaten an der Zivilbevölkerung verübt haben sollen.

Gibt es dafür Belege?
Die schrecklichen Ereignisse in Buschta sind mittlerweile gut dokumentiert und bewiesen, werden in Russland aber nach wie vor als "Fake News" abgetan. Wer westliche Berichte über die Massaker verbreitet oder kommentiert, wird bis heute von den Behörden hartnäckig verfolgt und hart bestraft.

Ziel des Attentats könnte General Alexander Tschaiko (2. v. l.) gewesen sein, hier bei einer Besprechung mit Präsident Putin und Ex-Verteidigungsminister Schoigu mit Syriens Baschar al-Assad
Ziel des Attentats könnte General Alexander Tschaiko (2. v. l.) gewesen sein, hier bei einer Besprechung mit Präsident Putin und Ex-Verteidigungsminister Schoigu mit Syriens Baschar al-Assad
APA-Images / AP / Alexei Druzhinin

Also ist die Ukraine für den Anschlag verantwortlich?
Wenn es stimmt, dass General Tschaiko das Ziel des Attentats gewesen ist, liegt das nahe. Mehrere hochrangige Offiziere der russischen Streitkräfte sind in den vergangenen Jahren in Moskau und Umgebung gezielt getötet worden. Die Bedeutung der Massaker von Buschta ist in der Ukraine von großer Symbolik. Offiziere, deren Beteiligung daran als nachgewiesen gilt, werden von den ukrainischen Geheimdiensten mit großem Nachdruck verfolgt. Die Botschaft dahinter: "Wir vergessen nicht, jeder muss bezahlen".

Gab es bereits ein ähnliches Attentat?
Ja, der Anschlag erinnert an das Attentat auf den Schriftsteller und radikalen Kriegs-Befürworter Wladlen Tatarski im April 2023. Er war während eines Auftritts in einem Café in St. Petersburg durch eine Bombenexplosion getötet worden. Auch damals war die Bombe in einem Geschenk versteckt gewesen, einer kleinen Statue, die ihm von einer jungen Frau überreicht worden war. Damals war der Attentäterin überhaupt nicht klar, was sie da übergab.

Wie haben die Behörden auf den Anschlag reagiert?
Die Straßen rund um den Platz wurden unmittelbar nach der Explosion komplett gesperrt. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte sicherten den Tatort. In den sozialen Netzwerken zirkulieren Fotos und Videos vom Tatort, der auch noch Stunden nach dem Anschlag von Sicherheitskräften, unter anderem der Nationalgarde, weiträumig abgesperrt war.

Gedenken in Butscha: Deutschlands Außenminister Johann Wadephul bei einer Gedenkveranstaltung zum vierten Jahrestag des russischen Massakers in der Kleinstadt
Gedenken in Butscha: Deutschlands Außenminister Johann Wadephul bei einer Gedenkveranstaltung zum vierten Jahrestag des russischen Massakers in der Kleinstadt
APA-Images / dpa / Ansgar Haase

Was bedeutet der Anschlag für Russland?
Auch wenn das eigentliche Ziel, nämlich der General, verfehlt worden ist, zeigt der Anschlag, dass auch das Zentrum Moskaus nicht vor dem Zugriff der ukrainischen Geheimdienste gefeit ist. Das trifft eine Stadt, die sich nach außen gern als sicher und stabil präsentiert, natürlich ganz besonders. Dazu kommen die immer häufigeren Drohnenangriffe der Ukraine, die für zunehmende Verunsicherung der Zivilbevölkerung in Moskau und Umgebung sorgen.

Wie geht es nun weiter?
Die Ermittlungen der russischen Behörden laufen auf Hochtouren. Erfahrungsgemäß halten sich offizielle Stellen allerdings mit öffentlichen Stellungnahmen zurück, bis ein klares Narrativ feststeht. Ob dieses dann auch tatsächlich den realen Ereignissen und Erkenntnissen entspricht, ist ungewiss.

NewsFlix Redaktion
Akt. 02.08.2026 07:32 Uhr