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Machtkampf

Ukraine: Minister mit besten Kontakten zu Elon Musk gefeuert

Mychajlo Fedorow, 35, wurde von Präsident Wolodymyr Selenskyj entlassen, obwohl seine Freundschaft zum SpaceX-Chef der Ukraine auf dem Schlachtfeld enorme Vorteile verschafft hatte. Doch die Generäle stellten sich seinen Modernisierungsplänen entgegen.

Muss nach nur sechs Monaten gehen: Ukraine-Verteidigungsmimnister und Elon-Musk-Freund Mychajlo Fedorow
Muss nach nur sechs Monaten gehen: Ukraine-Verteidigungsmimnister und Elon-Musk-Freund Mychajlo FedorowREUTERS/Andrii Nesterenko
The Economist
Akt. 16.07.2026 17:29 Uhr

Zunächst kam die Entlassung, mit der ohnehin jeder gerechnet hatte. Am 12. Juli kündigte Wolodymyr Selenskyj an, dass Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko im Zuge einer größeren Regierungsumbildung ihr Amt niederlegen werde. Der ukrainische Präsident brauchte jemanden mit genügend politischem Gewicht, um das zunehmend schwierige Verhältnis zum Parlament neu zu ordnen – und die eher kompromissbereite Swyrydenko war dafür nie die ideale Besetzung.

Die eigentliche Überraschung folgte drei Tage später: Auch Mychajlo Fedorow, der populäre Verteidigungsminister, würde seinen Posten räumen – nach gerade einmal sechs Monaten im Amt. Selenskyj sprach von Problemen im "Dialog" zwischen der Armeeführung und dem jüngsten Mitglied seines engsten Führungskreises. Fedorow verstand sich als Erneuerer, der mit alten Strukturen brechen wollte. Doch während er schnell aneckte, gelang es ihm kaum, politische oder militärische Verbündete zu gewinnen.

Der 35-Jährige, von seinen Kollegen schlicht "Mischa" genannt, war im Januar mit großen Erwartungen ins Verteidigungsministerium gewechselt. Sein Ruf als Reformer war gefestigt. Als Minister für digitale Transformation hatte er mit "Diia" eine international beachtete App aufgebaut, die staatliche Dienstleistungen und digitale Ausweisdokumente auf das Smartphone brachte.

Nach Beginn der russischen Großinvasion 2022 spielte er eine Schlüsselrolle beim Aufbau der ukrainischen "Drohnenarmee". Durch marktwirtschaftliche Anreize kurbelte er die Produktion sämtlicher Drohnentypen an – von kleinen Aufklärungsdrohnen bis zu Bomber- und Abfangdrohnen.

Erst am 14. Jänner dieses Jahres hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj den 35-jährigen Fedorow zum Verteidigungsminister ernannt
Erst am 14. Jänner dieses Jahres hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj den 35-jährigen Fedorow zum Verteidigungsminister ernannt
via REUTERS

Auch die Tatsache, dass US-Multimilliardär Elon Musk sein Starlink-Satelliten-Internet für die russische Armee zu Beginn dieses Jahres sperrte und damit den ukrainischen Drohnenstreitkräften einen erheblichen Vorteil am Schlachtfeld verschaffte, wurde (auch) mit der langjährigen Freundschaft zwischen Musk und Fedorow erklärt. Nicht von ungefähr bezeichnete Fedorow den SpaceX-Chef nach diesem Coup auf X überschwänglich als "wahren Freund des ukrainischen Volkes". *

Seine Anhänger sahen in ihm den Mann, der die Streitkräfte ebenso grundlegend modernisieren könnte, wie er zuvor den Staatsapparat digitalisiert hatte. Die Generäle teilten diesen Optimismus nicht – und begannen, seine Vorhaben systematisch auszubremsen.

Bei einer Sitzung des Kriegsrats Anfang Juli traten die Spannungen offen zutage. Die Militärführung hatte zunächst Erfolge zu vermelden: Die Drohnenkampagne entwickelte sich erfolgreich, und die Operation zur Isolierung der von Russland besetzten Krim verlief schneller als geplant. Doch kaum erschienen die PowerPoint-Folien auf der Leinwand, machten die Generäle ihrem Ärger über Fedorows Beschaffungspolitik bei Raketen und Munition Luft.

Der Minister reagierte scharf. Ohne seine kurzfristige Entscheidung zu Jahresbeginn, zusätzliche Drohnen zu beschaffen – finanziert mit Geldern, die eigentlich für Soldgehälter vorgesehen waren –, gäbe es die Krim-Operation überhaupt nicht, entgegnete er. Ein Teilnehmer beschrieb das Treffen später als Zusammenprall "zweier unterschiedlicher Koordinatensysteme", zwischen denen es "keine gemeinsame Sprache" gegeben habe.

Fedorows kurze Amtszeit war geprägt von rastloser Aktivität und erheblicher Konfliktbereitschaft. Er legte sich mit etablierten Interessen an und entzog einflussreichen Akteuren lukrative Beschaffungsverträge. Eine umfassende Prüfung seines Ministeriums deckte Mehrausgaben von rund 300 Milliarden Hrywnja (6,6 Milliarden US-Dollar) auf.

Nachdem Fedorows Entlassung bekannt geworden war, kam es in der Ukraine zu spontanen Protestkundgebungen von Bürgern
Nachdem Fedorows Entlassung bekannt geworden war, kam es in der Ukraine zu spontanen Protestkundgebungen von Bürgern
REUTERS/Sofiia Gatilova

Beamte mussten sich Lügendetektortests unterziehen; wer sich verweigerte oder durchfiel, verlor seinen Posten. Teile der Rüstungsbeschaffung stellte Fedorow auf offene Ausschreibungen um – nach seinen Angaben sank dadurch der Preis für Artilleriemunition um 16 Prozent.

Gerade das brachte ihm mächtige Gegner ein. Den Rest seiner Schwierigkeiten hatte er sich selbst zuzuschreiben. Immer wieder geriet er öffentlich mit den traditionell denkenden Spitzenmilitärs aneinander, allen voran mit Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj.

Dass Fedorow auf dessen Ablösung hingearbeitet hatte, galt in Kiew als offenes Geheimnis. Die Zustimmung des Präsidenten erhielt er jedoch nie. Schon vor seiner Entlassung warnte ein hochrangiger Geheimdienstvertreter, Fedorow unterschätze seine Erfolgsaussichten völlig: "Syrskyj ist erfahrener, kennt das System viel besser als Mischa – und wird ihn ausmanövrieren."

Sein erstes großes Reformpaket trat erst im Juni in Kraft – nach Monaten zäher Abstimmungen und ausstehender Genehmigungen. Auf dem Papier ging es die drängendsten Personalprobleme der Armee an. Frontsoldaten sollten künftig bis zu 7.000 Dollar im Monat verdienen; gleichzeitig waren befristete Verträge über sechs, zehn, vierzehn oder vierundzwanzig Monate vorgesehen. Bis Ende 2026 sollte zudem den am längsten dienenden Soldaten eine begrenzte Möglichkeit zur Demobilisierung eröffnet werden.

Darüber hinaus stellte Fedorow zusätzliche Mittel für die Rekrutierung ausländischer Freiwilliger bereit. Auch den schätzungsweise 300.000 Soldaten, die unerlaubt ihre Einheiten verlassen hatten, wollte er einen Weg zurück eröffnen: Innerhalb eines Zeitfensters von 100 Tagen sollten sie ohne Strafe zurückkehren können. Bis dahin wurden aufgegriffene Rückkehrer häufig an die gefährlichsten Frontabschnitte versetzt – mit entsprechend geringen Überlebenschancen.

Selbst seine Kritiker in den Streitkräften räumen ein, dass Fedorow die Drohnenbeschaffung und die Digitalisierung deutlich vorangebracht hat. Doch sie werfen ihm vor, ohne militärische Erfahrung keinen Krieg planen zu können. Manche bezeichneten seine Reformen als bloße PR-Neuverpackung bereits laufender Projekte. Ein hochrangiger General verglich ihn mit einem Strafraumstürmer, der den Ball nur noch über die Linie drückt und anschließend den Ruhm für die Vorarbeit anderer beansprucht.

Sieger im Machtkampf: Armee-Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj (r.), hier mit Präsident Selenskyj bei einer Lagebesprechung
Sieger im Machtkampf: Armee-Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj (r.), hier mit Präsident Selenskyj bei einer Lagebesprechung
APA-Images / AFP / UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SER

Andere fühlten sich an Robert McNamara erinnert, den früheren amerikanischen Verteidigungsminister, der feststellen musste, dass sich die Managementmethoden aus seiner Zeit an der Spitze von Ford nicht ohne Weiteres auf das Pentagon übertragen ließen. "Wer etwas reformieren will, muss zunächst verstehen, wie es funktioniert", sagte ein ukrainischer General. "Würden Sie in ein Flugzeug steigen, wenn Sie wüssten, dass der Pilot eigentlich Ladenbesitzer ist?"

Am 12. Juli fragte Selenskyj Fedorow, ob ihn das inzwischen freie Amt des Ministerpräsidenten reizen würde. Unter normalen Umständen wäre das eine Beförderung gewesen; in Kiew wurde es jedoch als Eingeständnis des Scheiterns seines Reformprojekts verstanden. Fedorow lehnte ab.

Das Amt wurde stattdessen Serhij Korezkyj angeboten, einem angesehenen Manager aus der Energiebranche. Er sei "der am besten vorbereitete Kandidat", um das Land durch einen schwierigen Winter zu führen, erklärte Selenskyj.

Medienberichten zufolge sollte Innenminister Ihor Klymenko das Verteidigungsministerium übernehmen. Ob Fedorow überhaupt ein neues Amt angeboten werden würde, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unklar. Sollte es lediglich eine Degradierung sein, dürfte er kaum zustimmen.

In den Tagen vor seinem Sturz räumte Fedorow ein, dass er befürchte, die Unterstützung seines politischen Förderers gehe zu Ende. Zugleich betonte er, er habe lediglich die Weisungen des Präsidenten umgesetzt.

"Als ich dieses Amt übernahm, sagte mir der Präsident, ich solle meinem Gewissen folgen", erklärte er. "Was soll ich also tun? Ich möchte dieses Amt nicht verlassen mit dem Gefühl, mich jemals verbogen zu haben, nur um es jemandem recht zu machen."

* ergänzt

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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Akt. 16.07.2026 17:29 Uhr