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"Clayface"

Comic-Horror: Wer nicht aufpasst, verliert schnell sein Gesicht

In der DC-Verfilmung "Clayface" wird der Ursprung eines der ältesten Gegenspieler von Batman erzählt. Dem kommt zunächst sein gutes Aussehen und später schließlich sein Verstand abhanden. Gruselig, teilweise grauslich, aber gut gelungen. Jetzt neu im Kino.

Gehört das so? Dem Schauspieler Matt Hagen entgleiten in "Clayface" bald seine Züge, und das auf eine unkontrollierbare Weise
Gehört das so? Dem Schauspieler Matt Hagen entgleiten in "Clayface" bald seine Züge, und das auf eine unkontrollierbare WeiseWarner Bros.
Christian Klosz
Akt. 22.10.2026 05:41 Uhr

Hollywoods Verhältnis zum DC-Universum gleicht seit Jahren einer komplizierten Beziehung: Immer wieder versucht das Studio Warner Bros., Superhelden wie Batman, Superman und Co. zu einem verlässlichen Kassenschlager zu machen. Nach dem kommerziell erfolgreichen, aber erzählerisch umstrittenen DC Extended Universe (DCEU) soll nun James Gunn als Chef der DC Studios mit einem Neustart für frischen Wind sorgen.

Die vergangenen Filme zeigen, wie schwierig dieser Neuanfang ist: Zwischen großen Hoffnungen, enttäuschenden Einspielergebnissen und vereinzelten Kritikerlieblingen sucht DC weiterhin nach einer nachhaltigen Erfolgsformel. Ein Blick zurück auf das alte Filmuniversum zeigt das Problem deutlich: "The Flash" (2023) spielte weltweit nur rund 271 Millionen US-Dollar ein und enttäuschte trotz einzelner positiver Stimmen mit seinem chaotischen Multiversums-Konzept.

"Aquaman: Lost Kingdom" (2023) kam zwar auf etwa 440 Millionen Dollar, blieb angesichts eines Produktionsbudgets von rund 205 Millionen Dollar aber ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Beide Filme litten unter schwachen Kritiken und schwindendem Interesse am bisherigen DC-Universum.

"Clayface": Das größte Kapital des Schauspielers Matt Hagen (Tom Rhys Harries) ist sein gutes Aussehen
"Clayface": Das größte Kapital des Schauspielers Matt Hagen (Tom Rhys Harries) ist sein gutes Aussehen
Warner Bros.

Mit "Superman" (2025) schien James Gunn dann tatsächlich der Neustart zu gelingen: Rund 619 Millionen Dollar weltweites Einspielergebnis und überwiegend begeisterte Kritiken machten den Film zu einem soliden Fundament für das neue DC-Universum. Doch schon"Supergirl" (2026) bremste die Euphorie wieder: Nur etwa 126 Millionen Dollar weltweit bei einem Budget von rund 170 Millionen Dollar und gemischte Kritiken machten den Film zum finanziellen Rückschlag.

Nun steht mit "Clayface" der nächste Härtetest an: Der düstere Horrorfilm über den Gestaltwandler und Batman-Gegenspieler Matt Hagen startet am 23. Oktober in den USA – einen Tag nach dem Kino-Start in Österreich. Statt auf spektakuläre Superhelden-Action setzt Regisseur James Watkins auf Body Horror, Tragik und eine ungewöhnliche Schurken-Origin-Story.

Das erste Echo ist ziemlich positiv, jedoch noch nicht sonderlich aussagekräftig. Ob das rund 40 Millionen Dollar teure Experiment auch genügend Kinopublikum anlockt, ist noch offen. Aber vielleicht liegt DCs Zukunft nicht darin, Marvel einfach zu kopieren, sondern mutiger unterschiedliche Genres auszuprobieren. "Clayface" könnte den Weg weisen.

Nach einem Attentat unterzieht sich der Geschundene einer neuartigen Behandlung bei der Wissenschaftlerin Caitlyn Corr (Naomi Ackie)
Nach einem Attentat unterzieht sich der Geschundene einer neuartigen Behandlung bei der Wissenschaftlerin Caitlyn Corr (Naomi Ackie)
Warner Bros.

"Clayface"

Worum es geht Matt Hagen (Tom Rhys Harries) steht in Gotham City vor dem Durchbruch als Filmstar. Doch dann wird er Opfer eines brutalen Angriffs durch einen örtlichen Gangsterboss (Eddie Marsan), der sein Gesicht völlig entstellt und damit seine Karriere zerstört. Von seinem Umfeld im Stich gelassen, steht Hagen vor dem Scherbenhaufen seiner bisherigen Existenz.

Hagen sucht nach einem Ausweg aus seiner verzweifelten Lage. Den meint er in der Wissenschaftlerin Caitlyn Corr (Naomi Ackie) gefunden zu haben, die an einer neuartigen Behandlungsmethode arbeitet. Das experimentelle Verfahren scheint tatsächlich ein Wunder zu vollbringen: Hagens ursprüngliches Aussehen kehrt zurück.

Doch die Sache hat einen Haken: Sein Körper verwandelt sich zunehmend in eine lehmartige Substanz, die sich verformen und an andere Gestalten anpassen kann. Gleichzeitig verliert er immer mehr die Kontrolle über sich selbst und seine Wahrnehmung der Realität. Aus dem Verzweifelten wird eine unberechenbare Kreatur, deren Suche nach Vergeltung immer zerstörerischere Formen annimmt …

Lohnt sich das? Mit "Clayface" wagt der neue DC-Boss James Gunn in seinem dritten Film einen ungewöhnlichen Schritt: Statt eines klassischen Superheldenfilms steht ein grotesker Horrortrip im Mittelpunkt. Die Titelfigur gehört zu den ältesten Gegenspielern Batmans und tauchte erstmals 1940 in den DC-Comics auf. Ursprünglich war Clayface ein Schauspieler namens Basil Karlo, der zum Mörder wurde. Später erhielt die Figur die Fähigkeit, ihren Körper zu verformen.

Das Projekt geht auf eine Idee von Mike Flanagan zurück, der gemeinsam mit Hossein Amini das Drehbuch verfasste. Horror-Fachmann Flanagan, der kürzlich erst seine "Carrie"-Serienadaption herausbrachte, wollte "Clayface" ursprünglich selbst inszenieren, wegen Terminkollisionen übernahm schließlich James Watkins die Regie, der mit "Eden Lake" und "Speak No Evil" bereits zu überzeugen wusste. Und er erhielt von der Verantwortlichen laut eigenen Aussagen weitgehend freie Hand, das Werk als eigenständigen Horrorfilm zu gestalten, statt ihn mit zahlreichen Verweisen auf andere Filme des DC-Universums zu überfrachten.

Watkins wollte die körperlichen Verwandlungen des Protagonisten möglichst greifbar gestalten und setzt weitgehend auf praktische Effekte statt CGI, Vorbilder dafür waren Klassikern des Body Horrors wie David Cronenbergs "Die Fliege" und John Landis' "American Werewolf".

Die ersten Reaktionen auf "Clayface" nach der Premiere fielen in sozialen Medien überwiegend enthusiastisch aus, gelobt wurden die drastischen Verwandlungsszenen, die düstere Atmosphäre und Tom Rhys Harries' Darstellung. Manche sprachen sogar vom "bisher besten Film des Jahres". Das Zeug, zumindest in die Top-10 der besten Filme des Jahres zu kommen, hat "Clayface" allemal.

"Clayface", Horror-Thriller, Comic-Verfilmung. USA 2026, 108 Minuten. ab 22. Oktober im Kino

Die experimentelle Therapie bringt nach einiger Zeit jedoch gewisse Nebenwirkungen mit sich
Die experimentelle Therapie bringt nach einiger Zeit jedoch gewisse Nebenwirkungen mit sich
Warner Bros.

Heimkino-Tipp: "Bad Apples"

Worum es geht Maria (Saoirse Ronan) ist Lehrerin in einer Grundschule im englischen Somerset. Doch ihr idealistischer Anspruch und die tatsächlichen Möglichkeiten im Unterricht liegen ein ganzes Stück auseinander, auch weil der unberechenbare Schüler Danny (Eddie Waller) ihre Klasse immer wieder stört, Mitschüler mobbt und für Unruhe sorgt.

Eines Schultages schubst er Mitschülerin Pauline (Nia Brown) die Schulstufen hinunter. Die bricht sich zwar "nur" den Arm, aber Maria hat damit genug. In einer Auseinandersetzung nach der Schule konfrontiert sie Danny, der attackiert sie und schlägt wild um sich. Sie ringt ihn zu Boden, er atmet plötzlich nicht mehr und sie will ihn ins Krankenhaus bringen. Als er wieder zu Bewusstsein kommt und droht, sie an die Polizei zu verpfeifen, nimmt sie den Unruhestifter kurzerhand zu sich nach Hause mit und sperrt ihn im Keller ein.

Am nächsten Morgen hat sich Danny zwar etwas beruhigt, aber Maria steckt in der Zwickmühle. Sie beschließt, Denny vorerst im Keller zu lassen, während sie zur Schule fährt. In den kommenden Wochen entwickelt sich eine seltsame Bindung zwischen den beiden: Danny wird ruhiger, Maria versorgt ihn und unterrichtet ihn sogar in der "Kellerklasse". Offiziell gilt er als verschwunden und mit seiner Absenz floriert plötzlich auch Marias Klasse. Bis Pauline dem düsteren Geheimnis auf die Schliche kommt …

Lohnt sich das? "Bad Apples" ist einer dieser kleinen, feinen Filme, die heute kaum noch im Kino landen. Dabei hat er mit Topstar Saoirse Ronan eine zugkräftige Hauptdarstellerin vorzuweisen. Und Jonatan Etzlers böse Satire hat auch inhaltlich einiges zu bieten: Der Film ist eine schwarzhumorige Abrechnung mit dem (britischen) Schulsystem und eine Auseinandersetzung mit "politisch korrekten" Erziehungsmethoden.

Jeder Schüler soll die gleiche Aufmerksamkeit bekommen, jeder muss inkludiert und integriert werden und verdient Beachtung. Aber was, wenn das im Einzelfall – und der Einzelfall hier heißt Denny – nicht möglich ist und alle anderen darunter leiden? Wenn die Leistung der ganzen Klasse dadurch abfällt?

Die schüchterne, durchaus sympathische Maria wird so zur "Kidnapperin wider Willen", weil sie mit der Situation völlig überfordert ist. Sie hatte davor zwar wiederholt bei der Schulleitung um Hilfe gebeten, doch die wurde ihr mangels Ressourcen versagt. "Bad Apples" prangert so auch die Schulstrukturen und die Mangelfinanzierung an, die die eigentliche Ursache der Misere sind – denn der Plot ist natürlich nur mit einem Augenzwinkern zu verstehen und nicht als pädagogische Anleitung.

Saoirse Ronan spielt auch hier gewohnt überzeugend und macht durch ihre Ausstrahlung selbst die moralisch verwerflichen Handlungen ihrer Figur irgendwie nachvollziehbar und sympathisch. Nicht gänzlich gelungen hingegen ist das Finale von "Bad Apples", in das sich ein paar Ungereimtheiten einschleichen und von dem man sich mehr hätte erwarten können. Trotzdem ein sehenswerter, unterhaltsamer Film, der für die digitalen Videotheken eigentlich zu schade ist.

"Bad Apples", Schwarze Komödie. USA/GB 2025, 101 Minuten, als Video-on-Demand bei diversen Anbietern verfügbar

"Privatunterricht" im Keller der Lehrerin: Maria (Saoirse Ronan) und Danny (Eddie Waller) in "Bad Apples"
"Privatunterricht" im Keller der Lehrerin: Maria (Saoirse Ronan) und Danny (Eddie Waller) in "Bad Apples"
James Pardon

Außerdem neu im Kino:

"Der perfekte Urlaub"
Die Kumpel Leo, Pepe, Rocco und Simon (bekannt aus "Das perfekte Geheimnis") wollen bei einem Männerurlaub auf Mallorca Abstand gewinnen, die Konflikte sind nach dem verhängnisvollen Handyspiel noch nicht aufgelöst. Sie treffen dort aber unerwartet auf ihre Partnerinnen Eva und Carlotta sowie deren Freundin Maus. Als die gebuchte Finca abbrennt und die Clique in einem Hotel am Ballermann landet, brechen alte Konflikte und neue Spannungen auf.
Regisseur Bora Dagtekin versammelt in seinem Komödien-Sequel mit Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jella Haase, Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring erneut die prominente Besetzung des Vorgängers vor der Kamera.

"Der perfekte Urlaub", Komödie. DE 2026, 117 Minuten, ab 22. Oktober im Kino

"Liebhaberinnen"
Brigitte (Johanna Wokalek) arbeitet als Messe-Hostess und weiß, dass ihre gesellschaftlichen Chancen eng mit ihrem Aussehen verknüpft sind. Sie ist jedoch zunehmend frustriert mit ihrem Leben und ihren limitierten Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Online entdeckt sie die junge Paula (Hannah Schiller), die die digitale Selbstvermarktung exzessiv betreibt und damit Erfolg zu haben scheint. Brigitte beginnt sich immer mehr mit ihr zu vergleichen und will alles tun, um aus ihrer trostlosen Existenz auszubrechen.
Regisseurin Koxi adaptiert mit ihrem Spielfilmdebüt Elfriede Jelineks gleichnamigen Roman und verpflanzt die Handlung aus den 1970er-Jahren in den heutigen Spätkapitalismus. Premiere feierte der Film bei der Berlinale 2026.

"Liebhaberinnen", Drama, Tragikomödie. DE/LUX 2026, 98 Minuten, ab 22. Oktober im Kino

"Chopin – Eine Sonate in Paris"
Paris im Jahr 1835: Frédéric Chopin (Eryk Kulm) ist zwar erst 25 Jahre alt, wird in den Salons der französischen Hauptstadt aber bereits als musikalisches Genie gefeiert. Trotz des Erfolgs leidet der polnische Komponist zunehmend unter seiner angeschlagenen Gesundheit und der Sehnsucht nach seiner Heimat. Die Begegnung mit der unkonventionellen Schriftstellerin George Sand (Joséphine de La Baume) eröffnet ihm neue Möglichkeiten, bringt aber auch emotionale Herausforderungen mit sich.
Der Film von Michał Kwieciński zählt zu den bisher teuersten polnischen Filmproduktionen.

"Chopin – Eine Sonate in Paris", Biopic, Drama. FRA/POL 2026, 114 Minuten, ab 22. Oktober im Kino

"Alte Liebe"
Nach 40 Jahren Ehe sind Lore (Dagmar Manzel) und Harry (Joachim Król) ein eingespieltes Paar, zumindest auf den ersten Blick. Während sich der pensionierte Harry mit Gartenpflege, Bier und Zigaretten zufriedengibt, hält Lore an ihrer Arbeit als Bibliothekarin fest und träumt von einem anderen Leben. Als ihre gemeinsame Tochter zum dritten Mal heiraten will, brechen alte Konflikte auf, und Lore beginnt sich zu fragen, ob es für einen Neuanfang zu spät ist.
Regisseur Andreas Dresen erzählt eine Geschichte über die Routinen einer langen Beziehung und verpasste Chancen.

"Alte Liebe", Drama. DE 2026, 110 Minuten, ab 23. Oktober im Kino

Christian Klosz
Akt. 22.10.2026 05:41 Uhr