In ihrem neuesten Film "Dreams – gefährliches Verlangen" lässt sich Schauspiel-Chamäleon Jessica Chastain mit einem – noch dazu wesentlich jüngeren – Mann aus einfachen Verhältnissen ein. Außerdem im Kino: Der neue Horror-Schocker von Regisseur Eli Roth.

Kaum eine Schauspielerin ihrer Generation verbindet künstlerischen Ehrgeiz, intellektuelle Neugier und internationale Strahlkraft so konsequent wie Jessica Chastain. Die Oscarpreisträgerin gehört zu jener seltenen Kategorie von Filmschaffenden, deren Karriere sich vor allem über die kontinuierliche Suche nach komplexen Figuren definiert.
1977 in Sacramento, Kalifornien, geboren, wuchs sie in einfachen Verhältnissen auf und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für das Theater. Anders als viele Altersgenossinnen, etablierte sich Jessica Chastain erst Anfang ihrer Dreißiger als eine der gefragtesten Darstellerinnen des US-Kinos – nicht zuletzt dank jener Wandlungsfähigkeit, die ihre Karriere bis heute prägt. Sie entwickelt für jede Rolle eine eigene Körpersprache, ein individuelles Tempo und eine charakteristische emotionale Dynamik.
Eine Technik, die es ihr erlaubt, auch moralisch ambivalente Figuren mit großer Präzision zu gestalten, ob in Blockbustern wie Christopher Nolans Science-Fiction-Epos "Interstellar" und Ridley Scotts "Der Marsianer", oder eher kleine Produktionen wie "A Most Violent Year" oder "Miss Sloane". Gerade diese Ambivalenz bildet den roten Faden ihres Schaffens. Chastains Figuren sind selten klar sympathisch oder verwerflich. Vielmehr bewegen sie sich in Grauzonen zwischen Ehrgeiz, Verletzlichkeit, Macht und Selbstzweifeln.
Den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere markierte 2022 der Oscar als Beste Hauptdarstellerin für ihre Darstellung der Fernsehpredigerin Tammy Faye Bakker in "The Eyes of Tammy Faye". Die Auszeichnung bestätigte, was Kritiker bereits seit Jahren betonten: Jessica Chastain zählt zu den technisch versiertesten Schauspielerinnen ihrer Generation.
Mit "Dreams – Gefährliches Verlangen", ihrer jüngsten Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Regisseur Michel Franco, der diese Woche in den österreichischen Kinos anläuft, erweitert sie dieses Werk um eine weitere Facette – und bestätigt einmal mehr ihren Ruf als Darstellerin, die bewusst die Grenzbereiche menschlicher Beziehungen auslotet.

Der Film erzählt die Beziehung zwischen der wohlhabenden Kunstmäzenin Jennifer und dem mexikanischen Balletttänzer Fernando. Was zunächst wie eine romantische Geschichte erscheint, entwickelt sich zu einer schonungslosen Untersuchung von Machtstrukturen, Klassenunterschieden und emotionaler Abhängigkeit.
Anders als viele ihrer früheren Figuren, die ihre Verletzlichkeit offenbaren, verkörpert Jennifer eine Frau, deren gesellschaftliche Privilegien untrennbar mit emotionaler Kontrolle verbunden sind. Chastain spielt diese Ambivalenz mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Ihre Figur bleibt über weite Strecken undurchschaubar und verweigert einfache psychologische Erklärungen.
Zugleich erweitert "Dreams – Gefährliches Verlangen" Chastains Werk thematisch. Ihre Jennifer ist weder klassische Antagonistin noch tragische Heldin; sie verkörpert vielmehr die Widersprüche einer liberalen Elite, deren moralische Überzeugungen dort an ihre Grenzen stoßen, wo persönliche Interessen berührt werden. Diese Vielschichtigkeit macht die Figur zu einer der anspruchsvollsten Rollen ihrer jüngeren Karriere. Und "Dreams" zu einer unbedingten Empfehlung für diese Kino-Woche – gute Unterhaltung!

Worum es geht Zwei sehr unterschiedliche Personen beginnen eine Affäre: Jennifer (Jessica Chastain) ist Tochter eines ebenso reichen wie einflussreichen Vaters, werkt in seinem Imperium als Philanthropin und lebt ihn San Francisco. Sie ist es gewohnt, dass andere für sie arbeiten. Und dass sie bekommt, was sie will.
Ihr Geliebter ist der um einiges jüngeren mexikanischen Balletttänzer Fernando (Isaac Hernández). Den Beginn der Beziehung bekommen wir nicht mit, er macht sich dann aber in einem Transporter illegal auf den Weg über die Grenze, um sie zu sehen. Ihre Beziehung scheint beide zu erfüllen.
Doch Jennifer hält Fernando offenbar versteckt, sie will nicht in der Öffentlichkeit mit ihm gesehen werden. Für die Organisation ihres Vaters arbeitet sie für diverse Charitys, die sich auch um mexikanische Migranten kümmern. Aber mit ihnen als "Gleichwertige" gesehen werden will man dann lieber doch nicht.
Fernando hat keine Lust mehr auf das Versteckspiel. Er zieht aus Jennifers Apartment aus und versucht sich selbst in San Francisco durchzuschlagen. Schließlich bekommt er einen Job in einer Ballettschule, für sie wird er damit etwas "akzeptabler", herzeigbarer. Doch ein Kommentar ihrer Vaters, der von der Beziehung Wind bekommt, veranlasst sie zu einem fatalen Schritt.
Lohnt sich das? Der mexikanische Regisseur Michel Franco hat sich seit seiner durchaus nicht unumstrittenen Sozialdystopie "New Order" zu einem der interessanten internationalen Filmemacher entwickelt. Seine Werke polarisieren zwar weiterhin die Kritik, doch inzwischen ist er Dauergast in den Wettbewerben renommierter Festivals – "Dreams" lief bei der Berlinale 2025.
Der Film erzählt von einer unmöglichen Liebe, die nur deshalb unmöglich ist, weil Vorurteile, Klassendünkel und die Unfähigkeit (einer privilegierten Frau) sich davon zu lösen, sie verhindern. Ihr Geliebter kommt keineswegs aus einer armen Familie, er hätte auch in Mexiko eine Zukunft. Doch für seine Liebe nimmt er Risiken und Unsicherheiten in Kauf. Sie hingegen kann und will nicht einmal das Risiko, von ihrer Familie schief angeschaut zu werden, in Kauf nehmen.
Jennifer hat alles und kann alles haben, außer echte Liebe, und das auch deshalb, weil sie eben alles hat: Für sie bleibt jemand wie Fernando stets ein Mensch zweiter Klasse, mehr ein Objekt denn ein autonomes Lebewesen, mit dem sie so verfährt wie mit allem und allen anderen in ihrem Leben. Sie ist gefangen in und charakterlich entstellt durch ihre Privilegien, deren Schattenseiten sie nicht zu durchschauen vermag.

Stilistisch setzt Franco oft auf statische Kameraeinstellungen aus einer gewissen Distanz, die das Geschehen unkommentiert und unverfälscht einfangen. Manche mögen das spröde finden, dieser inszenatorische Reduktionismus bietet aber eine ideale Plattform für seine Darsteller/innen, die auch hier glänzen dürfen.
Auch wenn "Dreams" qualitativ nicht ganz an Francos Vorgänger "Sundown" und "Memory" heranreicht, ist das tragische Drama doch ein sehenswerter, herausfordernder und ausgezeichnet gespielter Film, der Intim-Persönliches mit Sozialkritik paart.
"Dreams – Gefährliches Verlangen", Drama. Mexiko 2026, 100 Minuten, ab 6. August im Kino

Worum es geht In der idyllischen Kleinstadt Bayleen Bay kündigt das Klingeln eines Eiswagens zunächst einen unbeschwerten Sommertag an. Doch der geheimnisvolle Ice Cream Man (Ari Millen) verteilt Eis mit einer unheilvollen Wirkung: Kurz nach dem Verzehr verwandeln sich die Kinder der Stadt in brutale Killer, die Jagd auf die Erwachsenen machen.
Während Panik und Chaos ausbrechen, versuchen die wenigen Unversehrten – unter anderem Marty (Eli Roth), Schuldirektor Maloney (Darrin Baker) und Alison (Karen Cliche) – verzweifelt herauszufinden, wer hinter den grausamen Ereignissen steckt. Und wie sich der Sommer-Albtraum stoppen lässt. Nach und nach kommen düstere Geheimnisse über den Eisverkäufer ans Licht, während die Uhr tickt.
Lohnt sich das? Eli Roth ist bekannt für seine kompromisslosen Slasher, die den blutigen Wahnsinn durch Ironie und schwarzen Humor auflockern. Nach dem Flop "Borderlands", bei dem das Studio zahlreiche Schnitte vornehmen ließ, um eine Altersfreigabe zu erreichen, hatte Roth genug von kreativen Eingriffen: Für ein vergleichsweise kleines Budget von 5.5 Millionen Dollar finanzierte er seinen neuen Film selbst, verzichtete auf eine Jugendfreigabe und lässt das Blut umso heftiger spritzen.
"Zum Horrorgenre gehört Geschmacklosigkeit", so Roth über seinen Zugang. "Und für die Leute in den Studios ist es schwer, geschmacklos zu sein, weil sie Filme machen wollen, die gefeiert und gesellschaftlich akzeptiert werden", sagt der Regisseur. "Doch wenn man einen guten Horrorfilm dreht, überschreitet man Grenzen und verstößt gegen Konventionen."
Die ersten Kritiken bestätigen, dass Roth damit wohl erfolgreich war: Der Film polarisiert. In der US-Presse wird "Ice Cream Man" als extrem blutiger, makaber-humorvoller und visuell einfallsreicher Horrorfilm gefeiert. Gelobt werden vor allem die originellen Gore-Effekte, die zahlreichen Anspielungen auf Horror-Klassiker wie "The Birds", "Village of the Damned" und "Children of the Corn". Kritisiert wird hingegen, dass der Film stellenweise so grotesk und exzessiv sei, dass selbst eingefleischte Splatterfans an ihre Grenzen kommen könnten. Und dass die Handlung zu dünn sei.
Übrigens: Der Film ist kein Remake des gleichnamigen Films aus 1995 mit Clint Howard. Roth betont, dass es sich um eine eigenständige Geschichte handelt, die lediglich den Titel und die Grundidee eines unheimlichen Eisverkäufers teilt.
"Ice Cream Man", Horror. USA 2026, 86 Minuten, ab 6. August im Kino

"Nightborn"
Das junge Paar Saga (Seidi Haarla) und Jon (Rupert Grint) freut sich auf die Geburt ihres ersten Kindes. Doch in Saga wächst nicht nur ein Kind, sondern auch die Vorahnung, dass mit dem Neugeborenen etwas nicht stimmt. Während ihr Mann ihre Ängste als Einbildung abtut, gerät sie zunehmend in einen Strudel aus Angst und Misstrauen.
Mit "Nightborn" präsentiert die finnische Regisseurin Hanna Bergholm ("Hatching") einen atmosphärischen Horror-Thriller, der psychologischen Suspense mit übernatürlichen Elementen verbindet. Er feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale 2026 und zählt zu den international meistbeachteten europäischen Genrefilmen des Jahres.
"Nightborn", Horror. FIN/LT/FRA/GB 2026, 92 Minuten, ab 6. August im Kino
"Guru"
Der gefeierte Life-Coach Matt Vasseur (Pierre Niney) begeistert mit seinen Motivationsshows tausende Menschen und wird wie ein spiritueller Guru verehrt. Als eine Untersuchung seines Geschäftsmodells beginnt und ein fanatischer Anhänger ihm immer näherkommt, gerät seine sorgsam aufgebaute Fassade ins Wanken.
Der französische Psychothriller beleuchtet die schillernde Welt der Selbstoptimierungsbranche und den gefährlichen Einfluss charismatischer Persönlichkeiten. Regie führte Yann Gozlan, der bereits mit den Thrillern" Black Box" und "Visions" internationale Aufmerksamkeit erregte.
"Guru", Thriller, Drama. FRA 2025, 125 Minuten, ab 7. August im Kino
"Lebensansichten eines Huhns"
Der ungarische Regisseur György Pálfi, einer der renommiertesten Filmemacher seiner Heimat, erzählt eine ungewöhnliche Geschichte aus der Perspektive einer Henne: Nach ihrer Flucht aus einer Legebatterie findet diese Zuflucht in einem heruntergekommenen Restaurant an der griechischen Küste. Während sie ihre Eier vor dem gierigen Restaurantbesitzer schützen muss, wird sie Zeugin von Schmuggel, Diebstahl und den alltäglichen Konflikten der Menschen. Der Film verbindet eine Tierfabel mit Gesellschaftssatire zu einer ebenso originellen wie berührenden Geschichte über das Zusammenleben von Mensch und Tier.
"Lebensansichten eines Huhns", Drama, Komödie. HUN/GRE/DE 2025, 98 Minuten, ab 6. Juli im Kino
"PAW Patrol: Der Dino Film"
Die beliebten Rettungswelpen kehren mit ihrem bislang größten Kinoabenteuer zurück: Nachdem ein heftiger Sturm ihr Schiff vom Kurs abbringt, strandet die Paw Patrol auf einer geheimnisvollen Insel voller Dinosaurier. Gemeinsam mit dem Dino-Experten Rex stellen sich Chase, Skye und ihre Freunde einer Reihe spektakulärer Rettungsmissionen und müssen verhindern, dass Bürgermeister Besserwisser durch seinen rücksichtslosen Rohstoffabbau einen verheerenden Vulkanausbruch auslöst. Animationsfilm für ein junges Publikum.
"PAW Patrol: Der Dino Film", Kinder-Animationsfilm, CDN 2026, 88 Minuten, ab 6. August im Kino