Ob Jeff Bezos, John McEnroe oder Prinz Harry: alle spielen derzeit Pickleball. Kein Wunder, dass der Streaming-Anbieter Apple TV+ den Trend nun aufgegriffen und mit "The Dink" eine Komödie darüber gemacht. Die wird dem Charme der Sportart aber nur bedingt gerecht.

Spätestens seit einem ausführlichen Interview (Story dazu siehe hier), das Lauren Sánchez der New York Times gegeben hat, wissen wir, dass Jeff Bezos, Amazon-Gründer, aktuell drittreichster Mensch der Welt und seit vergangenem Jahr ihr Ehemann, verrückt ist nach Pickleball. Jener auf den ersten Blick etwas absurd anmutenden Sportart, die Regeln aus Tennis, Tischtennis und Badminton mischt und seit einiger Zeit einen weltweiten Mega-Hype erlebt.
Aber nicht nur das Milliardärs-Ehepaar Bezos-Sánchez gönnt sich regelmäßig Action am Pickleball-Court. Pickleball-Turniere stehen vor allem im angelsächsischen Raum derzeit hoch im Kurs. Und ehemalige Tennisstars wie John McEnroe, Marija Scharapowa oder das Ehepaar Steffi Graf und Andre Agassi sind gefragte Pickleball-Spieler.
Denn die Grundidee des Spiels mit seiner im Vergleich zu Tennis wesentlich kleineren Spielfläche gleicht das Alters-Manko aus und die Technik der ehemaligen Tennis-Cracks ist nach wie vor vom Feinsten. Und last but not least: Aufgrund der einfachen Regeln und der Action, die es bietet, macht Pickleball Spielern wie Zuschauern gleichermaßen Spaß. Sogar den in Kalifornien lebenden Prinz Harry hat mittlerweile das Pickleball-Fieber erfasst, wie er kürzlich bei britischen Veteranenspielen namens Invictus-Games bewiesen hat.
Dass es eine (obskure) Randsportart ins Zentrum der Aufmerksamkeit geschafft hat, macht aber nicht so klar deutlich wie die Tatsache, dass Hollywood dem Thema einen Film widmet. Und so ist es nur folgerichtig, dass auch Pickleball nun zu Film-Ehren gelangt ist. Mit der Komödie "The Dink" widmet der Streamingdienst Apple TV+ der Sportart ihre erste wirklich große Show.


Chuck Boyd (Ed Harris), der strenge Manager eines traditionsreichen Country Clubs, bekommt es darin mit dem neuen Trendsport zu tun. Skip (Patton Oswalt, der Spencer aus "King of Queens"), der nervige Pickleball-Beauftragte seines Clubs, bittet ihn regelmäßig um mehr Spielflächen und Plätze für seine Pickleball-Spieler.
Doch der alten Traditionen verhaftete Manager kann damit so rein gar nichts anfangen. Pickleball, das sei eine Seuche, fast wie Covid, so Boyd. Und die bunte Heerschar von Pickleball-Spielern jeden Alters und jeder körperlichen Konstitution, die da mit Verve auf die kleinen Kunststoffbälle eindrischt, will er auf seinen noblen Tenniscourts auf gar keinen Fall sehen.
Aber weder Club-Manager Chuck, noch sein Sohn Dusty (Jake Johnson), der ebenfalls im Club arbeitet, bekommen den Geist in die Flasche zurück. Der Spaß-Sport, der eigentlich bereits 1965 von drei Familienvätern erfunden worden ist, die nach einer Beschäftigung für ihre Familien suchten, ist vor allem in den USA derzeit das Ding der Stunde.
Und als Dusty, dem einst eine große Tenniskarriere winkte, die er allerdings nach einer vernichtenden Niederlage gegen (den echten Tennisspieler) Andy Roddick in den Sand setzte, sich am Handgelenk verletzt, empfiehlt ihm sein Arzt (Ben Stiller) ausgerechnet Pickleball als schonende Rehabilitationsmaßnahme. Widerwillig beginnt er mit dem Training und lernt dabei eine Rentnerinnen-Gang um die lebensfrohe Candace (Mary Steenburgen) kennen, die ihn in den Sport einführt. Und wider Erwarten findet Dusty Gefallen am Spiel und auch wieder Freude am Wettkampf.
Aber sein Vater will die Pickleball-Spieler loswerden. Und so setzt er ein Turnier an, dessen Ausgang über die Zukunft von Pickleball im Club entscheiden soll: Pickleballer gegen Tennisspieler. Auch Dusty tritt an – auf der Seite der Pickleball-Spieler. Und muss ausgerechnet gegen seine Nemesis spielen: den als Gastspieler eingeladenen Andy Roddick …
"The Dink" ist einer jener Produktionen, die am Papier super klingen, aber am Ende relativ weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Ähnlich erging es zuletzt auch der Netflix-Serie "The Hawk" mit Will Ferrell als Golfer, der seine besten Tage hinter sich hat.
Der für den Streamingdienst des Tech-Giganten Apple produzierte Film macht ganz ähnliche Fehler und schießt sich dadurch selbst ins Aus: Das (eigentlich simple) Drehbuch ist wirr, ihm fehlt der rote Faden. Immer wieder verlaufen Handlungsstränge und einzelne Dialoge im Nichts. Und dem Humor, der immer das Herzstück solcher Sportlerkomödien sein sollte, fehlt leider allzu oft das richtige Timing.

Auch die zahlreichen Stars und Promis (etwa die Ex-Tennisprofis Andy Roddick und John McEnroe) können daran wenig ändern. Positiv hervorzuheben ist die 73-jährige Mary Steenburgen, die ihre Rolle äußerst charmant spielt und eine der wenigen, wirklich sympathischen Charaktere in "The Dink" ist.
Am besten geht der Film von Regisseur Josh Greenbaum als Liebeserklärung an Pickleball durch, eine sympathische Sportart, die fast jeder spielen kann und die wohl gerade deshalb so beliebt ist. Und da das wohl noch einige Zeit so bleiben wird, lebt auch die Hoffnung, dass sich schon bald weitere Chancen bieten werden, aus dem Thema einen guten Film oder eine gute Serie zu machen.
"The Dink", Komödie. USA 2026, 102 Minuten, auf Apple TV+