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"Für immer"

Deal statt Annexion: Warum die USA Grönland nun doch bekommen

Nach monatelangem Streit, der am Ende sogar zur Zerreißprobe für die NATO wurde, haben die USA und Dänemark am Freitagabend überraschend eine Einigung über die politische und militärische Zukunft von Grönland verkündet. Was das für Europa jetzt bedeutet.

Nun also doch: Am Freitag wurde bekannt, dass die USA über ein Sicherheitsabkommen den vollen militärischen Zugriff auf Grönland bekommen – hier das US-Konsulat in Nuuk
Nun also doch: Am Freitag wurde bekannt, dass die USA über ein Sicherheitsabkommen den vollen militärischen Zugriff auf Grönland bekommen – hier das US-Konsulat in Nuukvia REUTERS
NewsFlix Redaktion
Akt. 19.09.2026 07:02 Uhr

Auch wenn die Mitternachtssonne Grönland zuletzt in einen ewigen Tag mit goldenem Licht verwandelt hat, lag in den vergangenen Monaten ein dunkler Schatten über der autonomen, aber politisch zu Dänemark gehörenden größten Insel der Welt: US-Präsident Donald Trump wollte Grönland annektieren – notfalls mit Gewalt. "We need it, we will get it" – "Wir brauchen es und wir werden es bekommen", so sein Mantra, das er bei jeder Gelegenheit wiederholte.

Freitagabend dann die große Überraschung: Wie aus dem Nichts verkündeten die USA und Dänemark, dass sie ein Abkommen über die Zukunft Grönlands geschlossen hätten, berichtet die BBC. Die Einigung beendet einen diplomatischen Konflikt, der die NATO zuletzt immer stärker vor eine Zerreißprobe gestellt hatte.

Was genau vereinbart wurde, was diese Entwicklung für Europa und NATO bedeutet und wie zufrieden man auf dänischer Seite mit dem erzielten Kompromiss ist – die wichtigsten Fakten über Donald Trumps eisigen Deal:

Was wurde konkret vereinbart?
Die USA erhalten dauerhafte Kontrolle über alle sicherheitsrelevanten Fragen in Grönland, erklärte Donald Trump am Freitagabend auf Truth Social. "Für immer", schrieb der US-Präsident konkret. Kein Gegner der USA dürfe demnach ohne ausdrückliche Genehmigung einen Militärstützpunkt auf der Insel errichten oder andere sensible Investitionen tätigen. Details dazu nannte er nicht.

Begrüßen das Abkommen: Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen und der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen
Begrüßen das Abkommen: Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen und der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen
EUTERS/Marko Djurica

In welcher Form wird die erzielte Einigung festgehalten?
Ein Abkommen über den ausgehandelten Kompromiss soll bei der UN-Generalversammlung nächste Woche in New York von beiden Seiten unterzeichnet werden.

Was sagt Dänemark zu dem Deal?
Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen bezeichnete das Abkommen als gut für die NATO und für Europa. Wichtig sei, dass die Vereinbarung die Souveränität Dänemarks sowie das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes anerkenne, so das Büro der Premierministerin. Eine Annexion der Insel, wie von Trump öfters mehr oder weniger subtil in den Raum gestellt, sei damit vom Tisch.

Warum wollte Trump Grönland überhaupt haben?
Grönland liegt strategisch günstig zwischen Nordamerika und Europa. Die Insel befindet sich auf der direkten Flugbahn möglicher russischer Raketen Richtung USA. Trump verwies außerdem auf angebliche russische und chinesische Schiffsaktivitäten in der Region. Zudem ist Grönland reich an seltenen Erden und anderen Bodenschätzen.

Haben die USA nicht bereits eine Basis dort?
Ja, die USA unterhalten die Pituffik Space Base ganz im Nordwesten Grönlands. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt und hieß bis 2023 Thule Air Base. Diese dient der Überwachung von Weltraumaktivitäten und Raketenstarts. Sie geht auf ein bestehendes Verteidigungsabkommen zwischen Washington und Kopenhagen zurück. Trump wollte aber deutlich mehr Einfluss.

Wie weit ging Trump mit seinen Drohungen?
Trump drohte mehrfach mit der Annexion Grönlands und schloss den Einsatz militärischer Gewalt dabei nicht aus. Er verhängte auch Zölle gegen mehrere europäische NATO-Staaten, um Druck zu machen. Die Drohungen führten zu einem schweren Vertrauensbruch innerhalb des westlichen Bündnisses. Erst vor wenigen Wochen postete er eine Landkarte, auf der Mexiko, die gesamte Karibik, Kanada, Grönland und Island als Teil der USA dargestellt wurden, was in den betroffenen Ländern nicht sehr sportlich aufgenommen wurde.

Mexiko, die Karibik-Staaten, Kanada, Grönland und Island als Teil der USA:  Diese Karte postete Trump erst Anfang September auf Truth Social
Mexiko, die Karibik-Staaten, Kanada, Grönland und Island als Teil der USA:  Diese Karte postete Trump erst Anfang September auf Truth Social
Screenshot Truth Social, Format angepasst

War das Ende der NATO wirklich ein Thema?
Ja, zeitweise war tatsächlich von einem möglichen Ende der NATO die Rede. Der Konflikt zwischen den USA und dem NATO-Partner Dänemark stellte den Zusammenhalt des Bündnisses auf eine harte Probe. NATO-Generalsekretär Mark Rutte musste beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2026 persönlich vermitteln, um die Spannungen abzubauen.

Was geschah nach dem Davos-Treffen?
Nach Ruttes Vermittlung ließ Trump zunächst von seinen aggressiven Forderungen ab. Eine hochrangige Arbeitsgruppe mit Vertretern der USA, Dänemarks und Grönlands wurde eingerichtet. Die Verhandlungen fanden hinter verschlossenen Türen und ohne mediale Aufmerksamkeit statt, bis jetzt das Ergebnis verkündet wurde.

Was sagt Grönland selbst dazu?
Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen begrüßte das Abkommen. Es stärke die Sicherheit der autonomen Region und würdige Grönlands Interessen. Die Insel strebt langfristig die Unabhängigkeit von Dänemark an, dieser Weg bleibt durch das Abkommen demnach weiter offen.

Müssen die nationalen Parlamente dem Abkommen noch zustimmen?
Ja, das Abkommen muss noch von Gesetzgebern genehmigt werden. In Dänemark ist eine parlamentarische Zustimmung erforderlich. Auch in Grönland selbst wird das Abkommen noch diskutiert. Die formelle Unterzeichnung ist für nächste Woche bei der UN-Generalversammlung geplant.

Zuletzt hatte sich Dänemark bemüht, mehr militärische Stärke auf Grönland zu zeigen
Zuletzt hatte sich Dänemark bemüht, mehr militärische Stärke auf Grönland zu zeigen
REUTERS/Tim Barsoe

Was bedeutet das für Europa und Österreich?
Das sich die Schatten, die auf der NATO und damit auf den Sicherheitsgarantien für Europa lagen, fürs Erste einmal verzogen haben. Ein Militäreinsatz der USA gegen einen NATO-Partner, auch wenn er im Endeffekt eher unwahrscheinlich gewesen wäre, hätte das westliche Bündnis mit Sicherheit gesprengt. Für Österreich als neutrales Land wäre eine NATO-Krise ebenfalls problematisch gewesen, da die europäische Sicherheitsarchitektur auf dem Bündnis aufbaut und Österreich im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden ("Partnership for peace") mit der NATO assoziiert ist.

Ist der Konflikt damit endgültig gelöst?
Das hängt davon ab, wie die Details des Abkommens aussehen und ob alle Seiten zufrieden bleiben. Die Vereinbarung muss noch unterzeichnet und ratifiziert werden. Beobachter werden genau verfolgen, wie die USA ihre neuen Rechte in Grönland konkret ausüben.

NewsFlix Redaktion
Akt. 19.09.2026 07:02 Uhr