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Neu im Kino

Dieser "Magier" machte Putin zum Zaren im Kreml

Der Politthriller "Der Magier im Kreml" erzählt Zeitgeschichte erschreckend aktuell. So wurde der Grundstein für jenes "neue Russland" gelegt, vor dem nun Europa zittert. Entspannter geht es in der Krimi-Komödie "How To Make A Killing – Todsicheres Erbe" zu.

Zum Fürchten authentisch: Jude Law als Wladimir Putin in "Der Magier im Kreml"
Zum Fürchten authentisch: Jude Law als Wladimir Putin in "Der Magier im Kreml"Constantin Film
Christian Klosz
Akt. 08.04.2026 23:03 Uhr

Wladislaw Surkow gehört zu jenen Männern, die Wladimir Putin erschaffen haben. Oder besser: Die ihm Russland und seine Bürger so aufbereitet haben, dass sie einen skrupellosen, menschenverachtenden Machtpolitiker wie den ehemaligen KGB-Offizier aus Leningrad seit mittlerweile mehr als einem Vierteljahrhundert immer wieder aufs Neue verlässlich zu ihrem Anführer wählen.

Über jenen Wladislaw Surkow schrieb der italienisch-schweizerische Schriftsteller und Politikberater Guiliano Da Empoli 2022 seinen Roman-Bestseller "Der Magier im Kreml", in dem er detailliert schildert, wie Surkow und Konsorten jenes "neue Russland" gezimmert haben, vor dessen Macht und Einfluss heute halb Europa zittert.

Weil es aber ein Roman sein sollte und kein Sachbuch (und weil vermutlich für viele der geschilderten Vorgänge schlicht die Beweise fehlten), fiktionalisierte Da Empoli die ganze Geschichte. Aus Surkow wurde Wadim Baranow, ein ehemaliger Avantgarde-Regisseur, der erkennt, wo er mit seinen inszenatorischen Fähigkeiten die größten Räder zu drehen vermag – nämlich an der Seite Putins.

"Der Magier im Kreml" wurde zu einem der Bestseller des Jahres 2022. Und zur Pflichtlektüre für alle, die zumindest ein wenig verstehen möchten, wie dieses neue Russland tickt. Nun kommt die Verfilmung des Stoffes in die heimischen Kinos – und obwohl Regisseur Olivier Assayas sein Werk auf mehr als zweieinhalb Stunden ausgedehnt hat, fehlen manche Schlüsselmomente des Buches. Sei's drum. "Der Magier im Kreml" ist dennoch eine der spannendsten Geschichtsstunden der jüngeren Kino-Vergangenheit.

Außerdem neu im Kino ist diese Woche die Schwarze Krimi-Komödie "How To Make A Killing – Todsicheres Erbe" von Regisseur John Patton Ford. Ihm gelang damit eine stilsicher inszenierte und frisch gespielte Variante des Kino-Klassikers "Adel verpflichtet", in der Schauspiel-Legende Alec Guinness zeigt, wie man sich in der Erbfolge nach vorn schummelt. Ihnen eine unterhaltsame Kino-Woche!

Der Mann, der Putin "machte": Vadim Baranov (Paul Dano) ist "Der Magier im Kreml"
Der Mann, der Putin "machte": Vadim Baranov (Paul Dano) ist "Der Magier im Kreml"
Constantin Film

"Der Magier im Kreml"

Worum es geht Der amerikanische Journalist und Russland-Experte Rowland (Jeffrey Wright) erhält 2019 eine Einladung von Wadim Baranow (Paul Dano), einst als "Magier des Kremls" und Putins Spin-Doktor bekannt und gefürchtet. Baranow, der sich längst aus der Politik zurückgezogen hat, möchte seine Lebensgeschichte erzählen.

Als junger Theater- und Fernsehregisseur hatte er seine Anfänge in der Avantgarde-Szene des post-sowjetischen Russlands. Im Laufe der 1990er-Jahre wechselte er zum Fernsehen, wo er als Produzent trashiger Reality-Shows die Kunst der Massenmanipulation lernte.

Durch Zufall kam Baranow in den Dunstkreis mächtiger Oligarchen. Diese erkannten sein brillantes populistisches Gespür und setzten ihn ein, um einen bis dahin unscheinbaren ehemaligen KGB-Offizier aufzubauen: Wladimir Putin (Jude Law). Baranow wird zu dessen zentralem Berater und Ideologen hinter Putins Aufstieg zur Macht.

Parallel dazu entwickelt sich Baranows private Tragödie: Seine Liebe zur freiheitsliebenden und unabhängigen Ksenia (Alicia Vikander) zerbricht an seinem Willen zur Macht, denn sie verkörpert alles, was er durch seine politische Arbeit zu zerstören hilft.

Lohnt sich das? Der Politthriller von Olivier Assayas feierte 2025 bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere. Der mehr als zweienhalbstündige Film ist die Adaption des gleichnamigen Roman-Bestsellers von Giuliano da Empoli aus 2022: Der war früher selbst als Berater der italienischen Regierung tätig und stellt in seinem Buch-Debüt Wladimir Putin als eine Art Zar und seinen Berater Vadim Baranow als eine Art Rasputin dar. Baranow ist dabei eine fiktionalisierte Version des realen Kreml-Strategen Wladislaw Surkow. Die Handlung des Films erstreckt sich vom Fall der UdSSR Ende der 1980er-Jahre bis zur Invasion der Krim im Jahr 2014.

Assayas Projekt sorgte von Anfang an für Aufsehen. Umso mehr, nachdem Hollywoodstar Jude Law als Putin-Darsteller feststand. Allen, die sich "Der Magier im Kreml" als Putin-Biopic vorstellen, sei aber gesagt: Der Film handelt hauptsächlich von seinem Berater Baranow und den inneren Vorgängen im postsowjetischen Russland. Jude Law ist zum ersten Mal nach einer Stunde als Putin zu sehen.

Die Kritik für "Der Magier im Kreml" fiel ambivalent aus: Die einen lobten die präzise Inszenierung von Regisseur Assayas, die starken darstellerischen Leistungen (vor allem von Paul Dano) und die aktuelle Relevanz des Stoffs als "Parabel über Macht und Manipulation". Andere monierten, dass der Film zu vollgestopft mit Informationen sei, daher atemlos daherkomme und vielleicht als Serie – wie etwa auch Assayas' letztes Projekt "Irma Vep" – besser funktioniert hätte. Packend ist die Geschichte des "Neuen Russlands" aber allemal.

"Der Magier im Kreml", Politthriller. Frankreich 2026, 156 Minuten, ab 9. April im Kino

Zwischen ihm und 28 Milliarden Dollar stehen nur sieben Menschenleben: Becket Redfellow (Glen Powell) in "How To Make A Killing – Todsicheres Erbe"
Zwischen ihm und 28 Milliarden Dollar stehen nur sieben Menschenleben: Becket Redfellow (Glen Powell) in "How To Make A Killing – Todsicheres Erbe"
Constantin Film

"How To Make A Killing – Todsicheres Erbe"

Worum es geht Becket Redfellow (Glen Powell) wartet in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Ihm wird ein Mord vorgeworfen, den er nicht begangen hat. Dafür hat er aber einige andere Menschenleben auf dem Gewissen, wie er dem Priester freimütig offenbart.

In seine Rolle als Serienkiller sei er irgendwie hineingestolpert, so Becket: Seine Mutter entstammte einem wohlhabenden Haus, doch ihre frühe Schwangerschaft (mit ihm) führte zum Ausschluss aus der Familie durch ihren Vater, den Patriarch Whitelaw Redfellow (Ed Harris). Sie zog den Jungen in kleinbürgerlichen Verhältnissen alleine groß, sorgte aber dafür, dass er mit den Regeln, Umgangsformen und Etiketten der Upper Class vertraut war. Dann starb sie jung und Becket landete im Waisenhaus.

Von seinen reichen Verwandten abgeschnitten, entwickelt er einen perfiden Plan: Er ist zwar Letzter der Redfellow'schen Erbfolge, doch sollten alle anderen vor ihm sterben, würde ihm das komplette Vermögen zufallen. Und so entschließt er sich, etwas nachzuhelfen …

Lohnt sich das? Regisseur John Patton Ford widmet sich auch in seinem zweiten Werk nach dem umjubelten Independent-Geheimtipp "Emily the Criminal" (2022) einer Hauptfigur, die kriminell wird. Die Umstände spielen in beiden Filmen eine Rolle: In Fords Erstling gerät seine von Aubrey Plaza gespielte Protagonistin auf die schiefe Bahn, weil sie ihren Studentenkredit tilgen will, aber keinen ordentlichen Job bekommt  und sich deshalb als Kreditkarten-Scammerin versucht.

Der Titel "How To Make A Killing" – als Referenz auf den Spruch "How to make a living" (sein Auskommen finden) – verrät bereits, worum es in Fords zweitem Film geht: Gesellschaftlicher Aufstieg durch tödliche Gewalt, mit der Besonderheit, dass der Protagonist zuvor Opfer eines unfreiwilligen Abstiegs wurde und sich nun rächen will. Und dass die Reichen, die er killen will, seine Verwandten sind.

Ford hegt unverkennbar Sympathien für seine kriminell gewordenen Anti-Helden, was man zumindest moralisch hinterfragen kann. "How To Make A Killing" versteht sich aber nicht als sozialkritisches Drama, sondern als Schwarze Komödie. Und als solche ist die Geschichte, die auf dem Film-Klassiker "Adel verpflichtet" mit Alec Guinness aus 1949 basiert, durchaus unterhaltsam.

Als ernste oder tiefgründige Gesellschaftssatire taugt der Film freilich nur bedingt, dafür ist er etwas zu oberflächlich und zu sehr an Twists und dramaturgischen Überraschungen interessiert. Bei allem Zynismus sorgt immerhin das Finale für ausgleichende (Un-)Gerechtigkeit. Alles in allem eine flotte Farce, deren Moral man hinterfragen kann, die aber trotzdem gut zu unterhalten vermag.

"How To Make A Killing", Schwarze Komödie, Krimi. USA 2026, 109 Minuten, ab 9. April im Kino

Hat nicht vor, sich den Erbfolgeplänen seines ungeliebten Enkels zu beugen: Patriarch Whitelaw Redfellow (Ed Harris)
Hat nicht vor, sich den Erbfolgeplänen seines ungeliebten Enkels zu beugen: Patriarch Whitelaw Redfellow (Ed Harris)
Constantin Film

Außerdem neu im Kino:

"Ready Or Not 2"
Das Sequel des Überraschung-Hits von 2019 knüpft direkt an dessen blutiges Ende an: Nur Momente, nachdem Grace MacCaullay (Samara Weaving) das tödliche "Hide and Seek"-Spiel der reichen Le-Domas-Familie überlebt hat, wird sie ins Krankenhaus gebracht. Von dort wird sie gemeinsam mit ihrer Schwester Faith (Kathryn Newton) auf das Anwesen der mächtigen Danforth-Familie verschleppt. Ein Anwalt (Elijah Wood) erklärt ihnen, dass Grace durch ihr Überleben das nächste Level des grausamen Spiels erreicht hat: Die vier rivalisierenden "Familien des Hohen Rates" jagen nun Grace und Faith und wer sie erwischt, wird mit Macht und Einfluss belohnt.

"Ready Or Not 2" setzt die satirische Gesellschaftskritik des Vorgängers fort und ergänzt den Cast um weitere Stars: Neben den bereits Genannten sind unter anderem Sarah Michelle Gellar, Kevin Durand und Horror-Ikone David Cronenberg mit einem kurzen Cameo dabei.

"Ready Or Not 2", Horror-Comedy. USA 2026, 108 Minuten, ab 9. April im Kino

"It's Never Over, Jeff Buckley"
Die Oscar-nominierte Regisseurin Amy Berg zeichnet ein intimes Porträt von Jeff Buckley: Der Film beleuchtet das kurze, intensive Leben des legendären Singer-Songwriters, der mit seinem Debütalbum "Grace" (1994) und vor allem seiner berührenden Interpretation von Leonard Cohens "Halleluja" einen kometenhaften Aufstieg hinlegte. Buckley starb 1997 mit nur 30 Jahren durch Ertrinken.

Berg greift für "It's Never Over, Jeff Buckley" auf nie zuvor gezeigtes Archivmaterial, Konzertaufnahmen, Tagebucheinträge und intime Interviews zurück. Zu Wort kommen unter anderem Buckleys Mutter Mary Guibert, seine ehemaligen Partnerinnen Rebecca Moore und Joan Wasser, Bandmitglieder sowie Musiker wie Ben Harper und Aimee Mann.

"It's Never Over, Jeff Buckley", Dokumentarfilm. USA 2025, 106 Minuten, ab 9. April im Kino

"Alpha"
"Titane"-Regisseurin Julia Ducournau erzählt die Geschichte der 13-jährigen Alpha (Mélissa Boros), die mit ihrer alleinerziehenden Mutter (Golshifteh Farahani) lebt. Als das Mädchen nach einer Party mit einem grässlichen Tattoo nach Hause kommt, bricht in ihrer Familie Panik aus, denn es mehren sich Berichte über eine neue, tödliche und über das Blut übertragene Krankheit. Ducournau präsentiert eine Mischung aus Coming-of-Age-, Gesellschaftsdrama und Body-Horror, die auf die AIDS-Krise in den 1980er-Jahren rekurriert.

"Alpha", Body-Horror-Drama. Frankreich/Belgien 2025, 128 Minuten, ab 10. April im Kino

"Arco"
Der zehnjährige Arco wächst in ferner Zukunft hoch über den Wolken in einer technisierten Welt auf, in der Menschen fliegen können und Zeitreisen möglich sind. Auf einer dieser Zeitreisen landet er im Jahr 2075 – und begegnet dort der zehnjährigen Iris, die auf einer von Naturkatastrophen heimgesuchten Erde lebt. Ein Film für Jung und Alt zwischen Utopie und Dystopie; in seiner außergewöhnlichen visuellen Gestaltung verbindet Regisseur und Autor Ugo Bienvenu handgezeichnete Animationen mit modernen, digitalen Techniken.

"Arco", Animationsfilm. Frankreich 2025, 89 Minuten, ab 9. April im Kino

"Hear Me: Our Summer"
Koreanisches Drama über eine zarte Liebesgeschichte zwischen dem orientierungslosen Yong-jun (Hong Kyung), der widerwillig im Familienbetrieb aushilft, und der gehörlosen Yeo-reum (Roh Yoon-seo). Die beiden müssen ihre Kommunikationsbarrieren überwinden, um zueinanderzufinden. Der Film basiert lose auf dem taiwanesischen Erfolg "Hear Me" und setzt auf authentische Gebärdensprache.

"Hear Me: Our Summer", Romanze, Liebesdrama. Korea 2024, 109 Minuten, ab 10. April im Kino

"Mirella"
Porträt über Leben und Werk der heute 94-jährigen Fotografin Mirella Ricciardi, die mit ihren Aufnahmen "Vanishing Africa" das Leben verschwindender ostafrikanischer Gemeinschaften und die Schönheit des Kontinents festhielt. Der Film folgt ihrem abenteuerlichen Leben – als Tochter eines italienischen Offiziers auf einem Bauernhof in Kenia geboren – und ihrer künstlerischen Entwicklung.

"Mirella", Dokumentarfilm. Österreich 2025, 97 Minuten, ab 10. April im Kino

Lebende Legende: die heute 94-jährige italienische Fotografin Mirella Ricciardi
Lebende Legende: die heute 94-jährige italienische Fotografin Mirella Ricciardi
Filmdelights
Christian Klosz
Akt. 08.04.2026 23:03 Uhr