In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das Ebola-Virus rasant aus. Mehr als 2.000 Fälle sind bisher bestätigt, 754 Menschen sind bereits daran gestorben. Wie groß ist die Gefahr, dass das Virus auch nach Europa kommt? Und wie kann man sich davor schützen?

In den Krankenhäusern im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Die Betten sind fast vollständig belegt, das Pflegepersonal arbeitet am Limit. Der unsichtbare Feind: das Ebola-Virus. Der aktuelle Ausbruch hat mittlerweile offiziell mehr als 2.000 Personen erfasst, die Dunkelziffer könnte viermal so hoch sein. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Denn die Zahl der Infizierten steigt täglich weiter an. 754 Menschen sind mit Stand Mittwoch, 15. Juli, bereits an der Krankheit gestorben. Gesundheitsexperten weltweit beobachten die Lage mit Sorge, denn dieser Ausbruch entwickelt sich schneller als alle bisherigen Ebola-Epidemien auf dem afrikanischen Kontinent.
Weshalb der aktuelle Ausbruch verheerender verläuft als bisherige Infektionswellen, wie die Bevölkerung vor Ort mit der Situation umgeht und wie groß die Gefahr ist, dass das Virus bis nach Europa kommt – das muss man über die Ebola-Epidemie wissen:
Was ist Ebola eigentlich?
Ebola ist eine schwere, oft tödlich verlaufende Viruskrankheit. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen übertragen – etwa durch Blut, Speichel oder Schweiß. Typische Symptome sind hohes Fieber, starke Kopf- und Muskelschmerzen, Erbrechen und innere Blutungen. Ohne Behandlung verläuft die Krankheit in vielen Fällen tödlich.

Wo genau wütet das Virus?
Der aktuelle Ausbruch konzentriert sich auf die Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Besonders betroffen ist die Region um die Provinzhauptstadt Bunia. Das Gebiet liegt nahe der Grenze zu Uganda und dem Südsudan, was die Gefahr einer grenzüberschreitenden Ausbreitung erhöht.
Warum ist dieser Ausbruch so gefährlich?
Der aktuelle Ausbruch ist aus mehreren Gründen besonders besorgniserregend. Es handelt sich um den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo – eine Variante, gegen die es bisher weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. Noch nie zuvor wurden in den ersten Wochen eines Ausbruchs so viele Fälle registriert wie diesmal.
Wie sieht die aktuelle Lage in den Spitälern aus?
Die Situation ist dramatisch: Laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC sind bereits 95 Prozent der Bettenkapazitäten ausgeschöpft. Und das, obwohl der Gipfel des Ausbruchs noch gar nicht erreicht ist. Täglich werden Dutzende neue Infektionen gemeldet. Das Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen.
Was unternimmt die Weltgesundheitsorganisation?
Die WHO hat bereits den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen und die Risikostufe auf die höchste Kategorie gesetzt. Es werden internationale Hilfsteams entsandt, medizinische Ausrüstung geliefert und die Überwachung verstärkt. Dennoch kommen die Maßnahmen nach Einschätzung von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen zu langsam.
Gibt es Hoffnung auf einen Impfstoff?
Ja, es gibt erste Entwicklungen. Das Medikament Remdesivir von Herstellern aus den USA und Ägypten ist bereits im Land eingetroffen und soll in klinischen Verfahren erprobt werden. Es handelt sich um ein Prophylaxemittel, das nach Kontakt mit dem Erreger verabreicht werden kann. Weitere Impfstoffkandidaten befinden sich in Entwicklung.
Warum ist die Eindämmung so schwierig?
Mehrere Faktoren erschweren die Bekämpfung des Ausbruchs. Die betroffene Region ist von bewaffneten Konflikten geprägt, was den Zugang für Hilfsorganisationen erschwert. Armut und mangelnde Infrastruktur verschlimmern die Lage. Dazu kommt: Viele Menschen misstrauen den Gesundheitsbehörden oder verstecken Erkrankte aus Angst vor Stigmatisierung.

Kann sich Ebola bis nach Europa ausbreiten?
Das ECDC bewertet das Risiko für die Bevölkerung in Europa weiterhin als "sehr niedrig". Der Grund ist, dass Ebola nicht über die Luft übertragen wird, sondern nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten symptomatischer Erkrankter oder Verstorbener.
Und wenn eine infizierte Person einreist?
Selbst wenn infizierte Personen einreisen, kommt es in Europa wegen der schnellen Diagnose, Isolation und der strengen Infektionskontrolle normalerweise nicht zu einer größeren Weiterverbreitung. Dennoch beobachten europäische Gesundheitsbehörden die Lage aufmerksam und haben Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen.
Gibt es eine Dunkelziffer bei den Infektionen?
Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten deutlich höher liegt als offiziell gemeldet. In abgelegenen Regionen werden nicht alle Fälle erfasst, manche Betroffene suchen aus Angst keine medizinische Hilfe. Die WHO befürchtet eine erhebliche Dunkelziffer, was die Bekämpfung zusätzlich erschwert.
Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate?
Bei diesem Ausbruch liegt die gemeldete Sterblichkeitsrate bei etwa 37 Prozent der bestätigten Fälle. Das bedeutet: Mehr als jeder dritte bestätigte Patient stirbt an der Krankheit. Bei früheren Ausbrüchen variierte die Sterblichkeit je nach Virustyp und Versorgungslage zwischen 25 und 90 Prozent.

Was können die Menschen vor Ort tun?
Die Gesundheitsbehörden raten zu strengen Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, Vermeidung von Kontakt mit Erkrankten und deren Körperflüssigkeiten sowie die sofortige Meldung von Verdachtsfällen. Besonders wichtig ist auch, dass Bestattungsrituale angepasst werden, da traditionelle Waschungen der Verstorbenen eine häufige Infektionsquelle sind.
Und was kann ich in Europa tun, um mich prophylaktisch zu schützen?
Das Wichtigste ist, keine Reisen in betroffene Gebiete zu unternehmen und Kontakt mit Reisenden aus diesen Regionen zu vermeiden. Wer im Gesundheitswesen arbeitet, sollte bei Patienten mit Fieber und entsprechender Reiseanamnese sofort an Ebola denken und die vorgesehenen Schutzmaßnahmen anwenden. Aber für die überwältigende Mehrheit der Menschen in Europa besteht derzeit kein Anlass, den Alltag wegen Ebola zu verändern.