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Mord an Tupac Shakur

Ex-Gangster belastete sich in Memoiren selbst, jetzt fiel das Urteil

Fast 30 Jahre nach dem Tod des Rappers Tupac Shakur ist nun der Chef einer mit dem Opfer verfeindeten Gang wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Der heute 63-jährige Duane 'Keffe D' Davis hatte sich zuvor in Interviews und in seinen Memoiren selbst belastet.

Duane "Keffe D" Davis am letzten Verhandlungstag: Der Boss der South Side Compton Crips wurde des Mordes an Tupac Shakur schuldig gesprochen
Duane "Keffe D" Davis am letzten Verhandlungstag: Der Boss der South Side Compton Crips wurde des Mordes an Tupac Shakur schuldig gesprochenREUTERS
NewsFlix Redaktion
Akt. 01.09.2026 10:17 Uhr

Das Urteil fiel nach nur rund drei Stunden Beratung: Duane 'Keffe D' Davis ist schuldig am Tod des Rappers Tupac Shakur im Jahr 1996. Der Mann in schwarzem Sakko zeigte bei der Urteilsverkündung kaum eine Regung, umarmte seinen Anwalt und sagte nur einen Satz: "Ich möchte gegen diese Entscheidung Berufung einlegen", berichtet die Washington Post.

Damit endete Montagnacht europäischer Zeit einer der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle der Popkultur mit einem klaren Spruch der Geschworenen – zumindest vorläufig. Und für viele Prozessbeobachter bleibt die zentrale Frage, wie es fast drei Jahrzehnte nach Tupac Shakurs Tod doch noch zu einer Verurteilung kommen konnte.

Wer der Mann ist, der schuldig gesprochen wurde, was damals, 1996, überhaupt geschehen ist und warum es so lange gedauert hat, den nun Verurteilten anzuklagen – die bekannten Fakten in einem außergewöhnlichen Prozess:

Worum geht es?
Duane Davis wurde wegen Mordes im Zusammenhang mit der Schießerei auf Tupac Shakur im Jahr 1996 schuldig gesprochen. Die Anklage warf ihm vor, den Angriff organisiert zu haben, auch wenn er laut Behörden nicht selbst geschossen hat. Ihm droht nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Staatsanwalt Binu Palal mit einem Exemplar von Duane Davis’ Memoiren "Compton Street Legends", in dem er den Mord an Tupac Shakur schildert
Staatsanwalt Binu Palal mit einem Exemplar von Duane Davis’ Memoiren "Compton Street Legends", in dem er den Mord an Tupac Shakur schildert
REUTERS

Wer ist Duane 'Keffe D' Davis?
Davis gilt als früherer Anführer der South Side Compton Crips. Die Staatsanwaltschaft stellte ihn als Schlüsselfigur dar, die den Angriff aus Rache in Gang gesetzt habe. Weil andere Beteiligte inzwischen tot sind, stand zuletzt nur noch er vor Gericht.

Wer war Tupac Shakur?
Einer der einflussreichsten Rapper der 1990er-Jahre. Seine Texte waren poetisch, sozialkritisch und thematisierten Rassismus, Polizeigewalt und die Kämpfe marginalisierter Gemeinschaften. Er gilt bis heute als einer der einflussreichsten Rapper aller Zeiten. Shakur starb am 13. September 1996 im Alter von 25 Jahren in Las Vegas an den Folgen eines Schussattentats.

Was ist damals geschehen?
Sechs Tage vor seinem Tod war Tupac Shakur nach einem Boxkampf seines Freundes Mike Tyson in Las Vegas gemeinsam mit dem Musikproduzenten Suge Knight in einem BMW unterwegs, als an einer Kreuzung ein unbekannter Schütze aus einem anderen Fahrzeug mehrfach auf den BMW feuerte. Shakur wurde von mehreren Kugeln getroffen und schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Trotz intensiver medizinischer Behandlung erlag er nach sechs Tagen seinen Verletzungen.

Was war die Folge des Attentats?
Tupacs Tod erschütterte die Hip-Hop-Welt und wurde zu einem der bekanntesten ungelösten Fälle der US-Musikgeschichte; die Ermittlungen blieben jahrzehntelang ohne Anklage. Erst 2023 wurde Duane "Keffe D" Davis im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen – er bekannte sich zunächst nicht schuldig.

Warum war dieses Urteil jetzt so besonders?
Der Fall galt lange als Rätsel, das die Ermittler nicht lösen konnten. Umso bemerkenswerter ist, dass nun ausgerechnet die eigenen öffentlichen Aussagen des Angeklagten eine zentrale Rolle spielten.

Worauf stützte sich die Anklage?
Im Kern auf Davis' eigene Worte: auf Interviews, auf ein Polizeigespräch aus dem Jahr 2008, auf eine Dokumentation und auf seine 2019 veröffentlichten Memoiren "Compton Street Legend". Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Duane Davis habe selbst beschrieben, wie er in einem Cadillac losfuhr, Tupac konfrontieren wollte und eine Waffe nach hinten weitergab. Dort hätten die Schützen die bessere Position gehabt.

Tupac Shakur (l.) und der Produzent Suge Knight am 17. September 1996 in Las Vegas, nur Minuten vor der tödlichen Schießerei
Tupac Shakur (l.) und der Produzent Suge Knight am 17. September 1996 in Las Vegas, nur Minuten vor der tödlichen Schießerei
via REUTERS

Ist bekannt, wer geschossen haben soll?
Nein, das weiß man bis heute nicht. Und alle anderen Männer, die mit Davis in dem Cadillac gesessen sind, sind mittlerweile tot.

Was soll laut Anklage das Motiv gewesen sein?
Die Anklage sprach von Rache. Hintergrund war, dass Tupac Shakur und Begleiter Davis' Neffen Orlando 'Baby Lane' Anderson verprügelt haben sollen. In seinem Buch schrieb Davis, dieser Angriff habe ihnen 'grünes Licht' gegeben, etwas gegen sie zu unternehmen.

Warum waren Davis' Aussagen überhaupt verwendbar?
Das war ein zentraler Streitpunkt im Prozess. Davis sagte, er habe 2008 mit Bundesermittlern gesprochen, weil ihm damals zugesichert worden sei, dass er nicht strafrechtlich verfolgt werde. Die Behörden hielten dagegen, dass er später selbst den Weg zu einer Anklage frei gemacht habe, indem er seine Version öffentlich immer weiter erzählte.

Wie verteidigte sich Davis?
Sein Anwalt versuchte, genau diese Aussagen zu entwerten. Das Buch sei zugespitzt worden, um sich zu verkaufen, und dürfe nicht einfach als Tatsachenbericht gelesen werden. Außerdem verwies die Verteidigung auf Widersprüche in Details und wollte zeigen, dass die Polizei Teile von Davis' Geschichte nie sauber bestätigen konnte.

Warum überzeugte das die Geschworenen nicht?
Offenbar gewichteten sie die Summe der Aussagen und Auftritte höher als die Unstimmigkeiten im Detail. Die Verteidigungsstrategie war ungewöhnlich: Sie stellte den eigenen Mandanten als unzuverlässigen Erzähler dar. Am Ende folgten die Geschworenen der Anklage.

Welche Rolle spielte der alte Polizeimitschnitt?
Eine sehr wichtige. Im Prozess wurde ein lange geheim gehaltenes Interview aus dem Jahr 2008 vorgespielt, das ursprünglich im Rahmen von Ermittlungen zum Mord an Christopher Wallace, Künstlername Notorious B.I.G., entstanden war. Darin sagte Davis, er habe die Waffe nach hinten gereicht, weil die anderen von dort besser schießen konnten.

Freunde und Familienmitglieder von Tupac Shakur fallen sich nach dem Urteilsspruch in die Arme
Freunde und Familienmitglieder von Tupac Shakur fallen sich nach dem Urteilsspruch in die Arme
via REUTERS

Und Notorious B.I.G. war wer?
The Notorious B.I.G. war ebenfalls ein Rapper aus Brooklyn und gilt als eine der prägendsten Figuren des Hip-Hop der 1990er-Jahre. Seine Karriere war eng mit der Fehde zwischen seinem Umfeld und Tupac Shakur verknüpft. Er wurde am 9. März 1997 im Alter von 24 Jahren in Los Angeles bei einem Schussattentat getötet. Der Mord blieb ebenfalls jahrzehntelang ungelöst.

Hat der Fall auch eine politische Dimension?
Für viele Fans, Familienmitglieder und schwarze Künstler steht der Fall für die Probleme des amerikanischen Justizsystems. Die jahrzehntelange Verzögerung der Aufklärung wird als weiteres Beispiel für strukturellen Rassismus gesehen. Die Ermittler selbst verwiesen auf den Mangel an physischen Beweisen und die Weigerung von Zeugen, auszusagen.

Was passiert jetzt als Nächstes?
Die Strafanhörung wurde für den 13. Oktober angesetzt. In Nevada kann Mord ersten Grades mit 20 Jahren bis lebenslanger Haft bestraft werden. Die Todesstrafe hatte die Anklage nicht gefordert. Duane Davis will gegen das Urteil berufen. Bis dahin bleibt er ohne Kaution in Haft.

NewsFlix Redaktion
Akt. 01.09.2026 10:17 Uhr