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"DAs Ende der Sterne"

Haben Sie sich das Ende der Menschheit auch so schön vorgestellt?

Mit dem Post-Apokalypse-Film "Das Ende der Sterne" bringt Ridley Scott eine ganz eigene Version vom Untergang der Menschheit auf die Leinwand: nachdenklich, leise, fast poetisch. Dabei ist der 88-Jährige weder altersmüde noch altersmilde. Jetzt neu im Kino.

Nach einer verheerenden Pandemie zu zweit allein: Hig (Jacob Elordi) und sein Hund Jasper in Ridley Scots Endzeit-Film "Das Ende der Sterne"
Nach einer verheerenden Pandemie zu zweit allein: Hig (Jacob Elordi) und sein Hund Jasper in Ridley Scots Endzeit-Film "Das Ende der Sterne"20th Century Studios
Christian Klosz
Akt. 27.08.2026 05:23 Uhr

Es sieht ein bisschen aus wie ein Werbespot für eine Outdoormarke. Jacob Elordi, aktuell sicher eines der schönsten männlichen Gesichter im Weltkino, sitzt im Daunenmantel mit seinem süßen Hund Jasper auf einem zugewachsenen Flugfeld und blickt verträumt in den Himmel. Das soll die Apokalypse sein? Ja – zumindest wenn es nach Ridley Scott geht, einem der einflussreichsten und fleißigsten Regisseure der vergangenen Jahrzehnte.

Mit "Das Ende der Sterne" kommt nun ein Film ins Kino, der auf den ersten Blick wie ein Alterswerk wirkt: eine leise, postapokalyptische Geschichte über Einsamkeit, Verlust und die Hoffnung auf Menschlichkeit. Doch wer Scott kennt, weiß, dass das Wort "letzter Film" bei ihm mit Vorsicht zu gebrauchen ist. Denn der 88-Jährige Brite denkt  gar nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Noch während andere über sein Vermächtnis sprechen, zeichnet Scott bereits Storyboards für das nächste Projekt.

Dabei ist seine Karriere selbst längst Stoff für ein Epos. Mit "Alien" und "Blade Runner" schuf Ridley Scott Bilderwelten, die das Science-Fiction-Kino veränderten; mit "Thelma & Louise", "Gladiator" und "Der Marsianer" bewies er, dass er zwischen Genres und Tonlagen wechseln kann, ohne seine Handschrift zu verlieren. Bemerkenswert ist weniger, dass Scott dabei immer wieder große Erfolge hatte, sondern dass er sich nie auf ihnen ausruhte. Er arbeitet mit einer beinahe trotzig anmutenden Produktivität: "Das Ende der Sterne" ist bereits sein fünfter Spielfilm in diesem Jahrzehnt.

Und doch haftet seiner Bilanz ein erstaunliches Manko an: Scott hat den Oscar bislang nie im Wettbewerb gewonnen. Viermal war er nominiert, unter anderem für "Thelma & Louise" und "Black Hawk Down". Im November wird die Lücke zumindest symbolisch geschlossen: Die Academy verleiht ihm einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Es ist die Auszeichnung, die sagt, was die reguläre Preisgeschichte nicht geschafft hat: dass Scott längst zu den prägenden Regisseuren des modernen Kinos gehört.

Ridley Scott, 88, mit seiner Frau Giannina bei der Weltpremiere von "Das Ende der Sterne" am 20. August in London
Ridley Scott, 88, mit seiner Frau Giannina bei der Weltpremiere von "Das Ende der Sterne" am 20. August in London
REUTERS/Corey Rudy

"Das Ende der Sterne" passt deshalb erstaunlich gut in dieses Spätwerk. Nach "Napoleon" und "Gladiator II" erzählt Scott diesmal nicht von Imperien und Schlachten, sondern von einer Welt nach der Katastrophe, in der zwei Männer zwischen Überleben und Menschlichkeit stehen. Der Film ist ruhiger als manches seiner früheren Spektakel und setzt stärker auf Atmosphäre und Landschaft. Das passt zu einem Regisseur, der immer wieder vom Untergang erzählt hat – und dennoch einen ausgesprochen optimistischen Kern besitzt.

War’s das also? Wahrscheinlich nicht. Scott arbeitet bereits an einer neuen Version von "Die Schatzinsel", interessiert sich für einen Film über die Folgen der Umweltzerstörung und hofft weiterhin auf sein seit Jahren geplantes Bee-Gees-Biopic. Auch ein weiterer "Alien"-Film ist im Gespräch. Wer bei Ridley Scott nach dem letzten Kapitel sucht, könnte deshalb einem Irrtum aufsitzen: Vielleicht ist seine eigentliche Besonderheit nicht, dass er so viele Klassiker geschaffen hat. Sondern dass er mit 88 noch immer glaubt, genau der nächste Film könnte derjenige sein, den er unbedingt machen muss.

Hig (Jacob Elordi) und Bagley (Josh Brolin) beschützen sich und ihren kleinen Flugplatz gegen Zombiewesen und sonstige nichtmenschliche Eindringlinge …
Hig (Jacob Elordi) und Bagley (Josh Brolin) beschützen sich und ihren kleinen Flugplatz gegen Zombiewesen und sonstige nichtmenschliche Eindringlinge …
20th Century Studios

"Das Ende der Sterne"

Worum es geht Eine Viren-Pandemie hat einen Großteil der Menschheit ausgelöscht. In Colorado lebt der Pilot und Mechaniker Hig (Jacob Elordi) mit seinem Hund Jasper auf einem verlassenen Flugplatz, den er gemeinsam mit dem misstrauischen Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) gegen Plünderer und andere Überlebende verteidigt. Während Bangley die neue Welt mit dem Messer zwischen den Zähnen betrachtet, hält Hig an der Hoffnung fest, dass irgendwo noch eine Form von Gemeinschaft und Menschlichkeit existiert.

Der Pilot nutzt seine alte Cessna, um die Umgebung zu erkunden und Lebensmittel zu beschaffen. Eines Tages empfängt er während eines Fluges ein rätselhaftes Funksignal: Die Stimme am anderen Ende könnte der Hinweis darauf sein, dass außerhalb seiner abgeschotteten Welt tatsächlich noch Menschen leben.

Gegen Bangleys Warnungen beschließt Hig, dem Signal zu folgen und setzt sich damit einer Reise aus, bei der er nicht weiß, was ihn erwartet. Schließlich trifft er auf die schöne Cima (Margaret Qualley) und ihren Vater (Guy Pearce), die ebenfalls versuchen, in der zerstörten Welt zu überleben.

Lohnt sich das? Regie-Legende Ridley Scott (u. a. "Alien", "Blade Runner", "Thelma & Louise", "Gladiator", "Black Hawk Down", "Der Marsianer") verfilmte mit „Das Ende der Sterne" den Roman "The Dog Stars" von Peter Heller. Der erschien bereits 2012, also lange vor Corona, ein "Pandemie-Film", der die Geschehnisse der letzten Jahre aufarbeitet und reflektiert, ist das Werk also nur bedingt.

Wobei vor allem emotional doch einige Anknüpfungspunkte zu finden sein dürften: Immerhin geht es hier um das (Über)Leben von/in einer Krise; um Vorkommnisse, die die Existenz der Menschheit als Ganzes bedrohen; um Trauer, Wut, Verlust, aber auch Hoffnung.

Zwei Enden des Kontinuums, wie sich in dystopischen Zuständen leben lässt, werden durch zwei der Hauptcharaktere repräsentiert: Bangley geht es darum, das, was er retten konnte, zu bewahren. Mit Überzeugung und Waffenkraft verteidigt er seine kleine "Oase" mitten im Wasteland gegen Plünderer und Zombiewesen.

Hig hingegen ist das nicht genug: Er will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch noch andere Überlebende gibt, mit denen er eine gemeinsame Zukunft aufbauen kann, mit denen sich gemeinsam so etwas wie eine neue Gemeinschaft erschaffen lässt. Im Zentrum von "Das Ende der Sterne" steht also mehr die (emotionale) Reise des/der Protagonisten als atemberaubende Action, für die man Ridley Scott auch kennt. Natürlich kommt der Film aber nicht gänzlich ohne diese aus und auch optisch hat er einiges zu bieten.

… bis Hig bei einem seiner Aufklärungsflüge die schöne Cima (Margaret Qualley) trifft
… bis Hig bei einem seiner Aufklärungsflüge die schöne Cima (Margaret Qualley) trifft
20th Century Studios

Die Kritik zeigt sich bisher gespalten: Die einen lobt Scotts neuen Film als Meisterwerk und als "bessere Odyssee", in dem der Regisseur zu alter Form findet. Auch als "ungewöhnlich, aber sehenswert" wird "Das Ende der Sterne" bezeichnet, als Film, der zwischen Trauer, Verlust, Melancholie und Hoffnung schwankt. Andere wiederum bemängeln das "reaktionäre Finale", das im konservativen Rückgriff auf eine Mann-Frau-Verbindung den einzigen Weg in die Zukunft nach einer Katastrophe zu sehen scheint.

Alles in allem können Kinobesucher ein emotional forderndes Drama über den möglichen Niedergang der Menschheit erwarten, in dem es um Trauer und Hoffnung geht, das aber auch romantische Töne anschlägt.

"Das Ende der Sterne", Drama. USA/GB 2026, 100 Minuten, ab 27. August im Kino

Kann nur einen Gesichtsausdruck, den dafür perfekt: Jason Statham in "Mutiny"
Kann nur einen Gesichtsausdruck, den dafür perfekt: Jason Statham in "Mutiny"
Constantin

"Mutiny"

Worum es geht Cole Reed (Jason Statham) war früher hochdekorierter Polizist und Soldat, bevor sein geliebter Vater bei einem Einsatz ums Leben kam, als er ihn retten wollte. Danach heuerte Reed beim Schifffahrt-Unternehmer Taran (Jason Wong) als Bodyguard an. Doch der wird in Bangkok Ziel eines Attentats und Reed schwört Rache.

Zu diesem Zweck begibt er sich auf eines von Tarans Frachtschiffen, um die Hintermänner ausfindig zu machen. Dort entdeckt er zufällig eine Gruppe Menschen, die, in einen Container gepfercht, geschmuggelt werden sollen. Der undurchsichtige Kapitän Madsen (Roland Moller) scheint auch irgendwie in die Sache involviert und Teil einer größeren Verschwörung zu sein.

Reed will einerseits die Flüchtlinge befreien, andererseits Tarans Mörder zur Strecke bringen. Unterstützung bekommt er dabei von Co-Kapitänin Angie Ellis (Annabelle Wallis), die kurzerhand die Seiten wechselt.

Lohnt sich das? Jason Statham steht für Verlässlichkeit: Nicht nur in seinen Rollen, sondern auch als Schauspieler. Etwa einmal jährlich erscheint ein neuer Action-Streifen, in dem der Brite jedes Mal die mehr oder weniger gleichen Figuren spielt: Wortkarge Einzelgänger, die durch Zufall oder Absicht in brutale Auseinandersetzungen geraten.

Manche mögen das langweilig finden, andere wiederum freuen sich über genau diese Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit: Wer Statham "kauft", weiß, was er oder sie bekommt, Überraschungen – im positiven wie im negativen Sinn – gibt es selten. Mit "Mutiny" steht nun der nächste Statham-Actioner ins Haus, für den sich der Star mit dem Franzosen Jean-François Richet zusammentat. Dieser sorgte 2023 mit "Plane" für einen der besten Actionfilme der letzten Jahre.

Okay, was wollt ihr noch einmal genau?
Okay, was wollt ihr noch einmal genau?
Constantin

"Mutiny" kann aber nicht an diesen Erfolg anschließen: Er ist über weite Strecken nicht mehr als ein zwar solide inszenierter, aber durch und durch durchschnittlicher 08/15-Actionfilm, wie man ihn bereits hundertmal gesehen hat. Und selbst von/mit Jason Statham ein halbes Dutzend Mal. Regisseur Richet lässt vieles von dem vermissen, dass seinen Vorgänger ausgezeichnet hatte.

Auch das Drehbuch von "Mutiny" wirkt wie ein wild zusammengewürfelter Mix an Action-Tropen, der kein großes Ganzes ergibt. Und gerade aus dem in Hinblick auf sein Action-Potential durchaus spannendem Setting (Riesenschiff auf hoher See) wird viel zu wenig gemacht. So plätschert der Film wie ein etwas schwerfälliger Kahn dahin und macht zu wenig aus der Prämisse. Schade.

"Mutiny", Action. GB/USA 2026, 95 Minuten. ab 27. August im Kino

Ach, egal, kommt nur, ich zeige euch den Weg
Ach, egal, kommt nur, ich zeige euch den Weg
Constantin

Außerdem neu im Kino:

"One Night Only"
In einer Zukunft, in der Singles und unverheiratete Paare nur an einem einzigen Tag im Jahr Sex haben dürfen, wollen Owen (Callum Turner) und Allie (Monica Barbaro) diese besondere Nacht eigentlich für einen romantischen Neuanfang nutzen. Doch als in ganz New York die Kondome ausgehen, beginnt für die beiden – und zahlreiche andere Singles – eine absurde Jagd nach dem letzten verfügbaren Exemplar. Mischung aus turblulenter Rom-Com und Gesellschaftssatire von Regisseur Will Gluck ("Wo die Lüge hinfällt").

"One Night Only", Komödie, Liebesfilm. USA 2026, 102 Minuten, ab 27. August im Kino

"Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos"
Die beiden Familienpatriarchen Frédéric (Christian Clavier) und Gérard (Didier Bourdon) haben gerade erst die überraschenden Wahrheiten über ihre Herkunft verdaut, da sorgt ein neuer DNA-Test wieder für Aufregung: Ein bislang unbekannter, türkischer Cousin (ebenfalls Christian Clavier) bringt die ohnehin komplizierten Familienverhältnisse durcheinander und stellt die bisherigen Testergebnisse auf den Kopf. Die französische Komödie ist die Fortsetzung des durchaus kurzweiligen Erfolgs "Oh la la – Wer ahnt denn sowas?" aus 2024, der in Frankreich fast zwei Millionen Zuschauer erreichte.

"Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos", Komödie. FRA 2026, 93 Minuten, ab 27. August im Kino

"La Hija Cóndor"
Die junge Clara (María Magdalena Sanizo) lebt in einer abgelegenen Gemeinde in den bolivianischen Anden und wird von ihrer Adoptivmutter Ana (Marisol Vallejos Montaño) zur Hebamme ausgebildet. Gleichzeitig träumt Clara davon, als Folklore-Sängerin in der Stadt Karriere zu machen. Das vielfach ausgezeichnete Debüt von Álvaro Olmos Torrico feierte 2025 in Toronto Weltpremiere.

"La Hija Cóndor", Drama. BOL/PER/URU 2026, 109 Minuten, ab 28. August im Kino

"Im Spiegel meiner Mutter"
Die Archäologin Ursula Scheuner (Corinna Harfouch) entdeckt bei Ausgrabungen eine Moorleiche, während gleichzeitig ihre Mutter stirbt und Ursula selbst unter Verdacht gerät. Als ihre neue Assistentin Mel (Carla Juri) auftaucht, die erstaunlich viel über Ursulas Vergangenheit und ihre Familie weiß, beginnt eine Reise durch Erinnerungen und verdrängte Wahrheiten.

"Im Spiegel meiner Mutter"; Drama, Mystery. DE 2026, 95 Minuten, ab 28. August im Kino

"GHOST: 2 Big To Rig"
Dokumentiert die "Skeletour World Tour" der schwedischen Rockband GHOST und wurde während zweier ausverkaufter Konzerte in Mexiko City aufgenommen. Neben Songs aus sechs Alben gibt es exklusive Backstage-Aufnahmen und Einblicke in das aufwendig inszenierte Live-Ritual der Band. Auch in ausgewählten IMAX-Kinos zu sehen.

"GHOST: 2 Big To Rig", Konzertfilm. MEX/USA 2026, 115 Minuten, ab 26. August im Kino

"Tad Stones und die Wunderlampe"
Der tollpatschige Hobby-Archäologe Tad Stones löst versehentlich einen uralten Zauber aus und muss gemeinsam mit Sara, der Mumie und seinen tierischen Freunden eine drohende Katastrophe verhindern. Die Suche nach einer legendären Wunderlampe führt die Gruppe in ein neues Abenteuer voller Rätsel und gefährlicher Gegner: Der bereits vierte Teil der erfolgreichen spanischen Animationsreihe für ein junges Publikum.

"Tad Stones und die Wunderlampe", Animationsfilm. ESP 2026, 95 Minuten, ab 27. August im Kino

Christian Klosz
Akt. 27.08.2026 05:23 Uhr