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Alternative oder Albtraum?

Hollywoodstar schockiert: E-Zigaretten haben meine Stimme zerstört!

Selena Gomez, 34, spricht auf Social-Media erstmals darüber, wie exzessives Vaping ihr Organ für immer degeneriert hätte, so die Künstlerin. Gleichzeitig sehen Sucht-Experten in E-Zigaretten aber eine Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. Was stimmt denn nun?

Macht mit einem dramatischen Appell auf Instagram die Folgen jahrelangen Vapens für ihre Stimme bekannt: die Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez ("Only Murders in the Building")
Macht mit einem dramatischen Appell auf Instagram die Folgen jahrelangen Vapens für ihre Stimme bekannt: die Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez ("Only Murders in the Building")REUTERS
Lena Schöndorfer
Akt. 21.10.2026 03:17 Uhr

"Ich werde meine Stimme wohl nicht mehr verändern können. Ich habe viel Nikotin gedampft. (…) Es ist verdammt schwer, damit aufzuhören. Falls ihr gerade selbst überlegt, mit dem Dampfen anzufangen – es ist es einfach nicht wert. Es ist so dumm, und ... es hat meine Stimme verändert. (…) Wenn ihr euch meine Stimme nicht gerne anhört, dann ist das absolut verständlich. Es ist einfach Mist."

Mit diesem auf Instagram veröffentlichten Appell ließ die 34-jährige Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez (u.a. "Only Murders in the Building") nun aufhorchen. Spricht sie darin doch mit schonungsloser Offenheit über die gesundheitlichen Schäden, die E-Zigaretten und jahrelanges "Dampfen" – oder "Vapen", wie es Konsumenten nennen – bei ihr hinterlassen haben, berichtet das US-Magazin Today.

Das Outing von Selena Gomez kommt dabei zu einem überraschenden Zeitpunkt. Denn während sie vor den Folgen des Vapens warnt, sehen viele Sucht-Experten E-Zigaretten als gesündere Alternative für Raucher, die von herkömmlichen Zigaretten wegkommen wollen.

Was die Frage aufwirft: Sind die Nikotin-Verdampfer nun gesundheitsschonende Alternativen zu klassischen Tabakwaren, oder doch Teufelszeug? Was Experten dazu sagen, wie Selena Gomez aus eigener Erfahrung argumentiert – das muss man darüber wissen:

Zunächst: Was ist Vaping?
E-Zigaretten, auch Vapes genannt, sind elektronische Geräte, die eine Flüssigkeit – das sogenannte Liquid – erhitzen und in ein Aerosol umwandeln, das von den Nutzern eingeatmet wird. Anders als herkömmliche Zigaretten verbrennen sie keinen Tabak und erzeugen also auch keinen Rauch. Das Aerosol besteht in vielen Vapes jedoch aus Nikotin, Aromastoffen und weiteren gesundheitsschädlichen Substanzen. Es gibt aber auch nikotinfreie Varianten.

Seit wann nutzt Selena Gomez Vaping?
Das hat sie in ihrem Instagram-Statement nicht genauer ausgeführt. Aber nach einhelliger Meinung, nutzt sie mindestens seit 2018 regelmäßig und oft intensiv Verdampfer. Und wie sie selbst bestätigt, hat sie dabei Nikotin verdampft und aufgenommen – was über die Jahre zu hörbaren und mittlerweile irreversiblen Veränderungen an ihrer markanten Stimme geführt hat.

Kann Vapen die Stimme wirklich derart verändern?
Ja, Ärzte halten das für plausibel. Der heiße, trockene Aerosoldampf kann das empfindliche Gewebe und die Schleimhäute im Kehlkopf und in der Luftröhre austrocknen und reizen. Die Stimme kann dadurch mit der Zeit tiefer, heiser oder rauer klingen, und auch wiederholter Husten kann Stimmveränderungen begünstigen.

Könnte auch die Tatsache damit zu tun haben, dass Selena Gomez Sängerin ist?
Unbedingt, bei Sängern fallen Veränderungen oft früher auf, weil sie auf Beweglichkeit und Feinheit der Stimme stärker angewiesen sind. Hält Heiserkeit oder eine Stimmveränderung länger als eine Woche an, raten Fachleute aber immer zur ärztlichen Abklärung.

Sind weitere Gesundheitsrisiken durch Vapen bekannt?
Genannt werden ein höheres Risiko für Lungeninfektionen, Lungenentzündung und Bronchitis. Vapen wurde auch mit Asthmaverschlechterung, Herzschäden und Vernarbungen der Lunge in Verbindung gebracht. 2019 wurde zudem EVALI ("E-cigarette or Vaping Product Use-Associated Lung Injury") bekannt, eine schwere und potenziell tödliche Lungenschädigung im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten.

Aber dann ist ja eigentlich alles klar … weshalb gibt es jetzt eine Debatte über die Schädlichkeit des Vapens?
Weil viele Sucht-Experten darin eine sinnvolle Alternative zum herkömmlichen Zigarettenrauchen sehen, berichtet die Washington Post. Demnach können E-Zigaretten erwachsene Raucher, die damit aufhören möchten, wirkungsvoller unterstützen als etwa Nikotin-Pflaster, die oft nicht die langfristige Wirkung erzielen können, die sie versprechen.

Besser als herkömmliche Zigaretten, aber weit weg von gesund: Wer bisher nicht gevaped hat, sollte auch weiterhin die Finger davon lassen
Besser als herkömmliche Zigaretten, aber weit weg von gesund: Wer bisher nicht gevaped hat, sollte auch weiterhin die Finger davon lassen
Getty Images/iStockphoto

Vapen wird also aktiv empfohlen, um mit dem Rauchen aufzuhören?
In bestimmten Fällen ja. Ein internationales Expertengremium berichtet aktuell im Fachblatt JAMA, Ärzte sollten bei ihren rauchenden Patienten E-Zigaretten als gesundheitsschonende Option auf dem Weg zum Nichtrauchen unbedingt in Erwägung ziehen. Diese Empfehlung richtet sich allerdings an erwachsene Zigarettenraucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Gemeint ist nicht, dass Vapes gesund wären, sondern dass sie als weiteres Werkzeug beim Rauchstopp mitgedacht werden sollen.

Warum können E-Zigaretten dabei hilfreich sein?
Nikotin macht stark abhängig, genau deshalb ist Aufhören ja so schwierig. E-Zigaretten liefern Nikotin ähnlich rasch ins Gehirn wie herkömmliche Tabakwaren, und auf jeden Fall deutlich schneller als Kaugummis, Pflaster oder Lutschtabletten. Außerdem ahmen sie Gewohnheiten und Bewegungsabläufe des Rauchens besser nach, was manchen Rauchern beim Umstieg ebenfalls helfen kann. Gleichzeitig fällt aber der besonders gesundheitsschädliche Vorgang des Tabakverbrennens weg.

Was raten Experten Rauchern konkret?
Entscheidend ist, ob jemand vollständig umsteigt. Wer E-Zigaretten nur zusätzlich zur normalen Zigarette verwendet, senkt die Belastung mit bekannten Schadstoffen nicht ausreichend. Langfristig sollte zudem nicht bloß die Zigarette verschwinden, sondern idealerweise auch die Nikotinabhängigkeit enden.

Was weiß man über die gesundheitlichen Langzeitfolgen des Vapens?
Um das sagen zu können, gibt es noch zu wenige Daten, das Vapen wird noch nicht lange genug praktiziert. Als sicher gilt: Aerosole, die beim Vapen freigesetzt werden, können gefährliche Chemikalien, Schwermetalle und flüchtige organische Verbindungen enthalten.

Woher kommt dann die Annahme, Vapes seien weniger schädlich?
Der Vergleich bezieht sich auf das Rauchen von Tabakzigaretten. Fachleute betonen, dass beim Rauchen das Verbrennen von Tabak die krebserregenden und besonders schädlichen Stoffe erzeugt. Weil bei E-Zigaretten nichts verbrannt wird, gelten sie im Vergleich zur Zigarette als deutlich weniger schädlich, aber auch bei weitem nicht als harmlos.

Wer sollte E-Zigaretten auf keinen Fall verwenden?
Kinder, Jugendliche und Nichtraucher sollten erst gar nicht damit anfangen. Und auch Erwachsene, die nie geraucht oder andere Tabakprodukte verwendet haben, sollen gar nicht erst damit anfangen.

Beim Vapen besteht das Risiko von Lungeninfektionen, Lungenentzündungen oder Vernarbungen der Lunge
Beim Vapen besteht das Risiko von Lungeninfektionen, Lungenentzündungen oder Vernarbungen der Lunge
Getty Images

Also gilt im Grunde das, was Selena Gomez auch gesagt hat?
"Lasst es, fangt gar nicht erst damit an" ist in jedem Fall die richtige Empfehlung.

Geht die Künstlerin eigentlich immer so offen mit ihren gesundheitlichen Themen um?
Ja, die 34-Jährige hat bereits in der Vergangenheit die Öffentlichkeit in ihre gesundheitlichen Probleme einbezogen, sei es ihre Autoimmunerkrankung (Lupus Erythematodes), ihre Nierentransplantation, chronische Gelenksentzündungen, eine bipolare Störung oder die Tatsache, dass sie keine eigenen Kinder bekommen kann. Gomez ist offen und transportiert ihre Botschaften immer sehr klar. Bleibt zu hoffen, dass auch diesmal möglichst viele ihrer Fans auf ihre Worte hören.

Lena Schöndorfer
Akt. 21.10.2026 03:17 Uhr