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Gehen hält gesund

10.000 Schritte am Tag sind super, aber nicht das Maß aller Dinge

Regelmäßig zu gehen ist nicht nur die einfachste, sondern auch eine sehr effektive Art, seiner Gesundheit Gutes zu tun. Die kolportierte Zahl von "10.000 Schritten am Tag" ist allerdings nicht so relevant wie gedacht. Wie schnell man geht, ist mindestens ebenso wichtig.

Schnelles Gehen ist der Königsweg, wenn man seine Gesundheit mit einfaschen Mitteln kräftigen will. Ob man dabi 10.000 oder vielleicht nur 7.000 Schritte macht, ist weniger von Belang
Schnelles Gehen ist der Königsweg, wenn man seine Gesundheit mit einfaschen Mitteln kräftigen will. Ob man dabi 10.000 oder vielleicht nur 7.000 Schritte macht, ist weniger von BelangGetty Images
The Economist
Akt. 11.10.2026 07:03 Uhr

"Gehen ist die beste Medizin des Menschen", soll Hippokrates, ein Arzt im antiken Griechenland, gesagt haben. Ob der Satz tatsächlich von ihm stammt, ist umstritten. Einen wahren Kern hat er allemal. Gehen ist eine Form der Bewegung, die nichts kostet, keine Ausrüstung erfordert und sich für die meisten Menschen problemlos in den Alltag integrieren lässt. Doch wie viele Schritte sollte man täglich zurücklegen – und in welchem Tempo –, um gesundheitlich davon zu profitieren?

Als Faustregel gelten 10.000 Schritte pro Tag. Die Herkunft dieser Zahl ist allerdings ebenso fragwürdig wie das Hippokrates zugeschriebene Zitat. Sie geht nicht auf eine klinische Studie zurück, sondern auf eine japanische Werbekampagne für einen Schrittzähler, der im Vorfeld der Olympischen Spiele von Tokio 1964 auf den Markt kam. (Die Zahl 10.000 erinnert in japanischer Kanji-Schrift zudem ein wenig an einen gehenden Menschen.) Wer sich vorgenommen hat, täglich möglichst viele Schritte zu sammeln, muss deshalb nicht auf die Marke von 10.000 verzichten. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Zahl jedoch kaum fundiert.

Die für viele Menschen fast mystische Zahl von "10.000 Schritten am Tag" entstammte ursprünglich einer Werbekampagne für einen Schrittzähler im Umfeld von Olympischen Spielen
Die für viele Menschen fast mystische Zahl von "10.000 Schritten am Tag" entstammte ursprünglich einer Werbekampagne für einen Schrittzähler im Umfeld von Olympischen Spielen
Reuters

Eine 2025 in The Lancet Public Health veröffentlichte Studie wertete 57 zwischen 2014 und 2025 erschienene Untersuchungen zum Gehen aus. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen der täglichen Schrittzahl und verschiedenen gesundheitlichen Folgen zu untersuchen. Das Ergebnis: Mehr Bewegung zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus.

Wer täglich 7.000 statt 2.000 Schritte zurücklegte, hatte ein um 47 Prozent geringeres Risiko, vorzeitig zu sterben. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sank um 25 Prozent, jenes für Diabetes um 14 Prozent. Schon vergleichsweise kleine Veränderungen können viel bewirken: Wer die tägliche Schrittzahl von 2.000 auf 4.000 erhöhte, verringerte sein Sterberisiko im Beobachtungszeitraum um 36 Prozent.

Allerdings nimmt der zusätzliche Nutzen irgendwann ab. "Bei den meisten untersuchten Gesundheitsindikatoren beobachten wir nach etwa 7.000 Schritten einen abnehmenden Grenznutzen", sagt Melody Ding, Epidemiologin an der University of Sydney und Leiterin der Studie. Zusätzliche Schritte bringen zwar weiterhin Vorteile, doch jenseits von rund 7.000 Schritten täglich fällt der Zugewinn vergleichsweise gering aus. Der Sprung von 7.000 auf 10.000 Schritte etwa senkte das Sterberisiko lediglich um weitere zwei Prozent.

Die Zahl der Schritte ist allerdings nur ein Maß für die Bewegung. Ein weiteres ist deren Intensität. Wissenschaftler erfassen diese häufig anhand der Schrittfrequenz, also der Zahl der Schritte pro Minute. Wie hoch diese idealerweise sein sollte, lasse sich wissenschaftlich weniger eindeutig bestimmen, sagt Ding. Grundsätzlich gelte in der Sportwissenschaft jedoch: Je intensiver die körperliche Aktivität, desto besser. "Wenn Menschen ihre Herzfrequenz erhöhen oder ein wenig außer Atem geraten können", sagt sie, "hat das definitiv gesundheitliche Vorteile."

Ein Hund ist der perfekte Antrieb, seine tägliche Schrittzahl zu erhöhen. Wenn dann auch noch das Tempo passt …
Ein Hund ist der perfekte Antrieb, seine tägliche Schrittzahl zu erhöhen. Wenn dann auch noch das Tempo passt …
Getty Images

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Emmanuel Stamatakis von der Monash University im australischen Melbourne. In einem im September im British Journal of Sports Medicine veröffentlichten Beitrag untersuchten er und seine Kollegen, wie sich Schrittzahl und Gehintensität gemeinsam auf die Gesundheit auswirken. Dafür werteten sie Daten von 64.743 Teilnehmern aus der britischen UK Biobank über einen Zeitraum von rund acht Jahren aus.

Wie bei der Schrittzahl erwies sich auch hier ein höheres Tempo grundsätzlich als vorteilhaft. Menschen, die täglich zwischen 0 und 5.000 zügige Schritte zurücklegten, erzielten im Durchschnitt eine ähnlich starke Verringerung des Sterberisikos wie jene, die zwischen 5.000 und 7.500 Schritte in gemächlichem Tempo gingen. Doch auch bei der Schrittfrequenz zeigte sich ein abnehmender Zusatznutzen. Der Untersuchung zufolge liegt der günstige Bereich daher bei 7.500 bis 10.000 Schritten täglich, ergänzt durch häufige Gehphasen mit einer Frequenz von 100 Schritten pro Minute.

Jede vernünftige Menge an Bewegung ist besser als gar keine. Wer nicht lange oder weit gehen kann, könnte den gesundheitlichen Nutzen möglicherweise steigern, indem er das Tempo erhöht. Und wer im Alltag zu wenig Gelegenheiten zum Gehen findet, sollte sie sich schaffen, rät Stamatakis. Statt das Auto direkt vor dem Supermarkt abzustellen, könnte man beispielsweise etwas weiter entfernt parken und den Rest des Weges zügig zu Fuß zurücklegen.

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

The Economist
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