NewsFlix.at Logo
Zum Fürchten Gut

Horror-Hit "Obsession": Wenn die Traumfrau zum Albtraum wird

In den USA ist der kleine, feine Horrorfilm des erst 27-jährigen Regisseurs Curry Barker die Überraschung des Kino-Sommers und spielte bereits das 350-fache seiner Produktionskosten ein. Ebenfalls frisch in den österreichischen Kinos: ein neues "Supergirl".

"Ich habe dich schon so vermisst!" – Im Horror-Hit "Obsession" ist mit Nikki (Inde Navarrette) trotzdem irgendetwas nicht ganz sauber …
"Ich habe dich schon so vermisst!" – Im Horror-Hit "Obsession" ist mit Nikki (Inde Navarrette) trotzdem irgendetwas nicht ganz sauber …© 2026 FOCUS FEATURES LLC
Christian Klosz
Akt. 25.06.2026 02:47 Uhr

Mit "Obsession" kommt diese Woche ein gefeierter, atmosphärischer Horrorfilm auf die Leinwand, der die Grenzen zwischen Liebe, Verlangen und zerstörerischer Besessenheit auslotet. "Supergirl" dagegen führt das Publikum in die Welt der DC-Comics und erzählt die Geschichte einer jungen Heldin, die ihren Platz zwischen außergewöhnlichen Kräften und persönlicher Verantwortung finden muss.

Unterschiedlicher könnten die erzählten Welten kaum sein – und doch kreisen beide Filme um ähnliche Fragen nach Identität, Verlust und den Folgen eigener Entscheidungen. Und gerade das macht sie für Kinofans so spannend.

Beide Produktionen stellen keine unfehlbaren Heldinnen und Helden in den Mittelpunkt, sondern Figuren, die mit inneren Konflikten ringen und an ihnen wachsen – oder scheitern. Während "Obsession" psychologische Spannung und beklemmende Atmosphäre nutzt, um existenzielle Ängste greifbar zu machen, verbindet "Supergirl" spektakuläre Action mit einer emotionalen Coming-of-Age-Geschichte.

Für Kinogänger bietet die Startwoche damit ein abwechslungsreiches Doppel: Wer intensive Spannung und düstere Stimmung sucht, dürfte bei "Obsession" auf seine Kosten kommen. Wer hingegen großes Blockbusterkino mit Herz, Humor und visueller Wucht bevorzugt, findet in "Supergirl" eine moderne Interpretation der klassischen Superheldengeschichte. Gute Unterhaltung!

Mit solch einer Wunschbox beginnt der Horrortrip des schüchternen Baron: Seine Angebetete steigt plötzlich auf sein Werben ein
Mit solch einer Wunschbox beginnt der Horrortrip des schüchternen Baron: Seine Angebetete steigt plötzlich auf sein Werben ein
© 2026 FOCUS FEATURES LLC

"Obsession – Du sollst mich lieben"

Worum es geht Der schüchterne Baron (Michael Johnston) steht schon seit Ewigkeiten auf Arbeitskollegin Nikki (Inde Navarrette), weiß aber nicht so recht, wie er ihr seine Gefühle gestehen soll. Die "Übungen" mit seinem Kumpel Ian helfen da auch mehr schlecht als recht.

Vor dem nächsten Treffen der Clique kauft Baron ein Geschenk für Nikki: In einem Esoterikladen ersteht er eine Wunschbox, ein kleines Gimmick, das Wünsche wahr werden lassen soll. Am Ende des Abends kutschiert er seine Angebetete nach Hause, um ihr dort sein Präsent zu überreichen. Doch der Funke will wieder nicht überspringen und Baron bekommt kein Wort heraus, bis Nikki aussteigt. Frustriert öffnet er die Wunschbox und spricht einen folgenschweren Satz aus: Nikki soll ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt.

Als Baron kurz danach sein Auto starten will, kommt Nikki zurück, bittet ihn in ihr Haus und besteht dann darauf, mit ihm nach Hause zu fahren. Ihr Verhalten ist teilweise verstörend und seltsam, doch Baron freut sich natürlich über die plötzliche Aufmerksamkeit. Die beiden kommen sich näher und beginnen kurz danach sogar eine Beziehung. Baron hat alles, was er immer wollte, möchte man meinen. Doch die Hinweise mehren sich, dass mit seiner neuen Freundin irgendwas nicht stimmt …

Lohnt sich das? Letzte Woche war an dieser Stelle die Rede vom US-Kinohype über "Backrooms", ein mit überschaubarem Budget von einem 20-jährigen Youtuber realisierter Film, der zu den Überraschungserfolgen des Jahres gehört. Inhaltlich hatte der zwar nur wenig zu bieten, aber man kann den Trend zu kleinen, handgemachten Filmen als positiven Ausdruck dessen sehen, dass das (junge) Publikum genug vom träge gewordenen Superhelden-Genre hat und nach neuen, originären Inhalten sucht.

Die Parallelen zwischen den beiden Filmen, "Backrooms" und "Obession", liegen auf der Hand: Das Budget klein (es war bei Zweiterem noch geringer), die Regie übernahm mit Curry Barker auch hier ein junger Youtuber, der immerhin schon 27 Jahre alt ist, das gewählte Genre ist Horror. Der Unterschied ist, dass Barker um einiges mehr zu sagen hat als sein um sieben Jahre jüngerer "Backrooms"-Kollege. Er ist ein talentierterer Filmemacher, dem es immer wieder gelingt, durch simple Mittel Spannung und Suspense zu erzeugen.

Aber schon bald wird ihm klar, dass irgendetwas an der Sache faul ist
Aber schon bald wird ihm klar, dass irgendetwas an der Sache faul ist
© 2026 FOCUS FEATURES LLC

Das Motiv einer obsessiven Liebe ist keineswegs neu, von Alfred Hitchcock über dessen Verehrer Brian de Palma (der 1976 sogar einen Film mit gleichem Titel – "Obsession" – drehte) bis hin zum Hollywood-Subversionisten Paul Verhoeven ("Basic Instinct") kennt man derartige Geschichten. Ansatzweise neu ist hingegen die Geschlechterumkehr. Und die Hinzunahme "übernatürlicher Phänomene".

Barker ging es aber auch kaum darum, das Genrekino zu revolutionieren; er besinnt sich auf eine simple, aber authentisch erzählte Geschichte, die er mit minimalen Mitteln gekonnt und wirkungsvoll umsetzt. Knapp 350 Millionen Dollar an Einnahmen (noch vor dem Kinostart in Europa) bei nicht einmal 1 Million Budget sprechen eine klare Sprache. Und diesmal ist der Hype zumindest halbwegs berechtigt: Empfehlung verdient.

"Obsession – Du sollst mich lieben", Horror. USA/GB 2026, 109 Minuten, ab 25. Juni im Kino

Relativ neu im Superhelden-Universum: Supergirl alias Kara Zor-El (Milly Alcock)
Relativ neu im Superhelden-Universum: Supergirl alias Kara Zor-El (Milly Alcock)
Warner Bros.

"Supergirl – Woman of Tomorrow"

Worum es geht Kara Zor-El alias Supergirl (Milly Alcock) ist deutlich traumatisierter und innerlich zerrissener als ihr Cousin Superman: Sie wächst gezeichnet vom Verlust ihrer zerstörten Heimat Krypton auf und fühlt sich auf der Erde oft fehl am Platz.

Aus diesem Zustand der Orientierungslosigkeit wird sie in eine Rache-Geschichte hineingezogen: Das junge Mädchen Ruthye (Eve Ridley) sucht Vergeltung für den Mord an ihrer Familie. Sie und Kara tun sich zusammen und begeben sich auf eine Reise durch verschiedene Welten, um den Täter zu finden. Unterstützung bekommen sie dabei von Lobo (Jason Momoa), einem unberechenbaren Söldner.

Lohnt sich das? "Supergirl" ist der Film aus dem neuen DC-Superhelden-Universum. Regie führte Craig Gillespie ("I, Tonya"), das Drehbuch stammt von Ana Nogueira. Die Handlung basiert lose auf der gefeierten Comicreihe "Supergirl: Woman of Tomorrow". Die Geschichte ist als Mischung aus Space-Western, Roadmovie und Charakterdrama angelegt. Bisherige Kritiken heben besonders Milly Alcocks Darstellung hervor. Für Lob sorgt außerdem der für das Superhelden-Genre ambitionierte, teilweise düstere Ton.

Der neue "Supergirl"-Film hebt sich wohltuend von vielen klassischen Superheldenfilmen ab: Statt bloß auf Spektakel zu setzen, rückt er eine Protagonistin in den Mittelpunkt, deren Stärke ebenso aus ihren inneren Konflikten wie aus ihren übermenschlichen Fähigkeiten erwächst. Daraus entsteht ein Film, der emotionale Glaubwürdigkeit mit visuell eindrucksvoller Science-Fiction verbindet.

Gerade darin liegt sein Reiz: "Supergirl – Woman of Tomorrow" erzählt nicht nur von der Rettung der Welt, sondern auch von Identität, Verantwortung und dem schwierigen Balanceakt zwischen Herkunft und Selbstbestimmung. Wer anspruchsvoll inszeniertes Popcornkino schätzt, wird mit dem neuen "Supergirl" und ihrem Universum vermutlich rasch warm werden.

"Supergirl – Woman of Tomorrow", Superheldenfilm. USA 2026, 110 Minuten, ab 25. Juni im Kino

Wurde auch irgendwie in die Story gemixt: der ambivalente Superhelden-Bösewicht Lobo (Jason Momoa)
Wurde auch irgendwie in die Story gemixt: der ambivalente Superhelden-Bösewicht Lobo (Jason Momoa)
Warner Bros.

Außerdem neu im Kino:

"Resurrection"
In einer Zukunft, in der die Menschheit das Träumen aufgegeben hat, verfolgt eine Frau ein geheimnisvolles Wesen (Jackson Yee), das sich in Filmen versteckt, um weiterhin träumen zu können. Bevor es stirbt, durchlebt es in einer Reihe von Visionen und Erinnerungen verschiedene Leben und Epochen, die zugleich eine Reise durch hundert Jahre Filmgeschichte darstellen. Der neue Film des chinesischen Regisseurs Bi Gan wurde als bildgewaltiges SciFi-Epos gefeiert und in Cannes 2025 mit dem Spezialpreis der Jury prämiert.

"Resurrection", Science-Fiction, Drama. China/Frankreich 2025, 160 Minuten, ab 25. Juni im Kino

"Power Ballad – Der Song meines Lebens",
Die Musikkomödie von Regisseur John Carney erzählt die Geschichte des erfolglosen Hochzeitssängers Rick (Paul Rudd): Bei einem Auftritt trifft er auf den ehemaligen Boyband-Star Danny (Nick Jonas), aus einer spontanen Jam-Session entsteht ein Song, der später zum Welthit wird – allerdings unter Dannys Namen. Rick kämpft daraufhin um die Anerkennung für seine kreative Leistung.

"Power Ballad – Der Song meines Lebens", Komödie. Irland/USA 2026, 98 Minuten, ab 25. Juni im Kino

"Jackass: Einer geht noch"
Mit "Jackass: Einer geht noch" verabschiedet sich die legendäre Chaos-Truppe rund um Johnny Knoxville von der Kinoleinwand. Der Film kombiniert neue, spektakuläre Stunts mit den beliebtesten und verrücktesten Momenten aus 25 Jahren "Jackass"-Geschichte.

"Jackass: Einer geht noch", Action, Komödie, Dokumentarfilm. USA 2026, 120 Minuten, ab 25. Juni im Kino

"Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war"
Der Film widmet sich zum 100. Geburtstag dem Leben der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Im Mittelpunkt stehen ihre Gedankenwelt, ihre literarische Arbeit und ihr Ringen um künstlerische sowie persönliche Freiheit. Umgesetzt als ungewöhnliche Kombi aus bisher unbekannten Archivaufnahmen und einer darstellerischen Interpretation der Hauptfigur durch Sandra Hüller.

"Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war", Doku-Spielfilm. DE/AT 2026, 95 Minuten, ab 25. Juni im Kino

"Hallo Betty"
1956 erfindet die Werbetexterin Emmi Creola für eine Speiseölfirma die fiktive Hausfrau Betty Bossi, die rasch zum Star wird. Während Emmi plötzlich selbst im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht, muss sie sich gegen die Vorurteile und den Neid ihrer männlichen Kollegen behaupten. Nostalgie-Komödie aus der Schweiz.

"Hallo Betty", Komödie. Schweiz 2025, 100 Minuten, ab 25. Juni im Kino

"Nachbeben"
Die Neurologin Alexandra (Özlem Saglanmak) arbeitet unter großem Druck auf einer überlasteten Krankenhausstation und trifft täglich Entscheidungen in Sekundenschnelle. Als sie die Symptome des jungen Oliver als harmlos einschätzt und ihn nach Hause schickt, nimmt das Schicksal wenig später eine dramatische Wendung. Der Vorfall löst eine Kette von Konflikten und Schuldfragen aus, die Alexandra beruflich und persönlich an ihre Grenzen bringen. Preisgekröntes Spielfilmdebüt der dänischen Filmemacherin Zinnini Elkington.

"Nachbeben", Drama. Dänemark 2025, 92 Minuten, ab 25. Juni im Kino

"Wohin der Wind uns trägt"
Die lebensfrohe Alyssa und ihr bester Freund Mehdi träumen von einem besseren Leben und hoffen, durch einen Kunstwettbewerb auf der tunesischen Insel Djerba ihren großen Chancen näherzukommen. Auf einem spontanen Roadtrip quer durch Tunesien werden sie mit den gesellschaftlichen Grenzen ihrer Heimat, ihren Zukunftsängsten und den Herausforderungen des Erwachsenwerdens konfrontiert.

"Wohin der Wind uns trägt" Drama. FRA/TUN/KAT 2025, 96 Minuten, ab 26. Juni im Kino

"Welcome to the Jungle"
Eine Filmcrew gerät in ein unerwartetes Chaos, als sie im Dschungel einen Film drehen will und die Gefahren des Drehorts unterschätzt, was zu urkomischen Situationen führt. Nach "Welcome" und "Welcome Back" der dritte Teil der erfolgreichen indischen Filmreihe.

"Welcome to the Jungle", Bollywood-Action. Indien 2026, 147 Minuten, ab 26. Juni im Kino

"Con City"
Weiterer Filmstart aus Indien: Als ein Blitz in einen Rechungsdrucker einschlägt, spuckt der statt Belegen plötzlich Geld aus – und für eine Familie ändert sich ihr Leben auf einen Schlag. Zumindest so lange, bis die Öffentlichkeit von der Sache Wind bekommt.

"Con City", Krimi-Komödie. Indien 2026, 150 Minuten, ab 26. Juni im Kino

Christian Klosz
Akt. 25.06.2026 02:47 Uhr