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Neue Streaming-serie

"White Lotus" auf den Kanaren? Das kommt einem spanisch vor

Das Krimi-Drama "Oasis" aus iberischer Produktion orientiert sich an großen Vorbildern, kann die hohen Erwartungen aber nur teilweise erfüllen. Location und Personen sind teils unwirklich attraktiv, das Drama hinter dem Kriminalfall bleibt jedoch blutleer. Auf Netflix.

En Fuego? – Mui en fuego! Das neue Netflix"-Krimi-Drama Oasis" zeigt vor allem schöne Menschen in toller Umgebung
En Fuego? – Mui en fuego! Das neue Netflix"-Krimi-Drama Oasis" zeigt vor allem schöne Menschen in toller UmgebungManuel Fernandez Valdes / Netflix
Christian Klosz
Akt. 23.06.2026 03:23 Uhr

Sonne, Meer, Luxus – und eine Gruppe reicher Urlauber, die ihre ganz persönlichen First-World-Problems mit ins Paradies bringen: Dieses Konzept kennt man spätestens seit der gefeierten Serie "The White Lotus" (auf Sky X), die mittlerweile seit drei Staffeln höchst amüsant aufzeigt, wie nahe Bosheit, Banalität und Badestrand oft zusammenliegen (Staffel 4 wird aktuell produziert).

Auf dasselbe Seepferdchen setzt nun auch Streaming-Gigant Netflix. In "Oasis" bekommt man acht Episoden lang drastisch vor Augen geführt, wozu Reich und Schön fähig sind, wenn ihnen die Umstände den wohlverdienten Sommerurlaub verhageln. Dass einem dabei allerdings bald manches spanisch vorkommt, hat nicht nur mit dem Produktionsland der Serie zu tun.

Worum es in "Oasis" geht

Die Idee, sommerliche Leichtigkeit mit abgründig bösem zu verbinden, ist beileibe nicht neu. Ob Agatha Christie ("Das Böse unter der Sonne"), Patricia Highsmith ("Nur die Sonne war Zeuge" bzw. das großartige Remake "Der talentierte Mr. Ripley" aus 1999) oder der unterschätzte Streifen "The Beach" von Danny Boyle: Alle zeigten die Schattenseiten, die in Urlaubs-Paradiesen lauern können.

Die spanische Netflix-Produktion "Oasis" planscht im selben Becken – und orientiert sich dabei tatsächlich ziemlich eindeutig an "The White Lotus". Schauplatz ist ein exklusives Luxusresort auf einer abgeschiedenen Insel. Im dortigen "Oasis Infinity" suchen die oberen Zehntausend der iberischen Halbinsel Erholung, darunter auch die Patchwork-Familie von Dani (Tomy Aguilera).

Gleich nach der Ankunft verguckt sich der junge Mann in die hübsche Angestellte Celia (Victoria Kantch), zugleich Tochter des Resort-Managers. Gemeinsam mit ihren Freunden verbringen sie die Nacht am Strand und Dani und Celia kommen sich rasch näher.

Doch die Urlaubsidylle währt nicht lange: Celia wird kurz darauf entführt – und die Ermittler verhängen einen Lockdown über das ganze Resort. Von den millionenschweren Gästen bis hin zu den Angestellten darf niemand das Gelände verlassen, während die Polizei die Anwesenden einzeln verhört. Und im Zentrum ihres Interesses steht schon bald Dani. Denn Überwachungsvideos legen nahe, dass er einer der letzten war, der das Mädchen vor seinem Verschwinden gesehen hat.

So gut ist die Serie

Auf den ersten Blick macht "Oasis" vieles richtig. Die Serie sieht hervorragend aus, die Kamera fängt die luxuriöse Umgebung gut ein, die Strände leuchten, das Meer glitzert, die Villen wirken wie aus einem Katalog für High-End-Reisen. Gedreht wurde "Oasis" übrigens auf der Kanareninsel Teneriffa, deren pittoreske Küstenlandschaften atemberaubend eingefangen wurden.

Und hier ist auch die erste Haken: Gegen optische Reize ist natürlich nichts einzuwenden. Aber "Oasis" erliegt seiner eigenen Faszination für Oberflächen. Ob geografische, architektonische oder menschliche - vor allem letztere werden kaum dekonstruiert oder hinterfragt, selbst wenn man gelegentlich sozialkritische Töne unterbringen will. Aber der makellosen Oberfläche verbirgt sich erstaunlich wenig eigene Substanz, alles wirkt hier wie schon früher einmal woanders gesehen.

Zwischen Celia (Victoria Kantch) und Dani (Tomy Aguilera) funkt es gleich zu Beginn, doch dann beginnen die Probleme
Zwischen Celia (Victoria Kantch) und Dani (Tomy Aguilera) funkt es gleich zu Beginn, doch dann beginnen die Probleme
Manuel Fernandez Valdes / Netflix

Dieser Vorwurf gilt auch inhaltlich. Dass sich "Oasis" Vergleiche mit "White Lotus" gefallen lassen muss, haben die Macher vermutlich einkalkuliert. Was "Oasis" von seinem Vorbild jedoch klar unterscheidet, ist die totale Abwesenheit jener düsteren, beinahe existenzialistischen Tiefe, die das Vorbild seit jeher auszeichnet. Dort werden Klassenunterschiede, Privilegien und die Sinnkrisen einer saturierten Wohlstandsgesellschaft mit scharfem Blick seziert. In "Oasis" bleiben diese Themen meist an der Oberfläche.

Auch die Spannung verebbt recht rasch: Das beherrschende Unglück passiert bereits am Ende von Episode 1, danach wird nur mehr aufgeklärt. "White Lotus" hingegen baut seine Spannung langsam auf, lebt vom anschwellenden Gefühl des Unbehagens, das in die heile Luxuswelt einbricht und kulminiert erst gegen Ende hin zur Tragödie antiken Ausmaßes.

Zwischen Kitsch und Klischee

Die Schwäche der Handlung setzt sich bei der Figurenzeichnung fort. Kaum ein Charakter bleibt im Gedächtnis, zumindest nicht aufgrund seiner Persönlichkeit. Die Figuren wirken mehr wie schöne Ausstattungsobjekte als handlungstragende, authentische Menschen. Hinzu kommt ein Hang zum Kitsch, der immer wieder die Glaubwürdigkeit der Geschichte untergräbt. Wo Ambivalenz und Zwischentöne gefragt wären, setzt die Serie häufig auf plakative Konflikte.

Plakativ im optischen Sinn ist die Inszenierung von "Oasis". Die Produktion ist hochwertig und professionell umgesetzt. Was ihr jedoch fehlt, ist eine erkennbare visuelle Identität. Viele Einstellungen wirken austauschbar, einige Sequenzen erinnern eher an Werbespots.

So sieht der Nachwuchs der oberen Zehntausend Spaniens aus, wenn man der neuen Netflix-Serie "Oasis" Glauben schenkt
So sieht der Nachwuchs der oberen Zehntausend Spaniens aus, wenn man der neuen Netflix-Serie "Oasis" Glauben schenkt
Manuel Fernandez Valdes / Netflix

Was am Ende des acht Episoden langen Aufenthaltes unter Spaniens Reichen und Schönen bleibt, ist ein spannender Werbespot in Gestalt eines Dramas, das hervorragend aussieht und es versteht, seine paradiesische Kulisse wirkungsvoll in Szene zu setzen. Wem allerdings schöne Menschen in schönen Bildern allein nicht genügen, der sollte sich nach einer anderen Streaming-Destination umsehen.

"Oasis", Krimi, Drama. Spanien 2026, 8 Episoden à ca. 45 Minuten, Netflix

Christian Klosz
Akt. 23.06.2026 03:23 Uhr