Hat Ex-US-Präsident Joe Biden geheime Regierungsunterlagen unerlaubterweise mit nach Hause genommen? Von den Republikanern jetzt veröffentlichte Tonaufnahmen sollen das belegen. Was darauf zu hören ist – und weshalb Biden trotzdem nichts passieren wird.

Es sind Sätze, die Joe Biden eigentlich nie öffentlich hören wollte. Lange hatte der ehemalige US-Vizepräsident unter Barack Obama (von 2009 bis 2017) und spätere Präsident (2021 bis 2025) gegen die Veröffentlichung der Tonaufzeichnungen gekämpft. Letztlich vergebens.
"Ich habe gerade das ganze geheime Zeug unten gefunden", sagt der heute 83-Jährige im Rahmen eines Gesprächs zu seinem Ghostwriter, während dessen Aufnahmegerät lief. Die Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 2017, als Biden an einem Erinnerungsbuch (das Memoir "Promise Me, Dad") über seinen 2015 verstorbenen Sohn Beau schrieb.
Jetzt sind diese Bänder, die im privaten Rahmen aufgezeichnet wurden, für jeden zugänglich. Mehr als zwei Stunden Audiomaterial haben republikanische Abgeordnete im US-Kongress am Montag veröffentlicht, berichtet die BBC. Sie sollen belegen, wie der damalige Ex-Vizepräsident über klassifizierte Unterlagen in seinem Besitz sprach – Dokumente, die er eigentlich nicht hätte haben dürfen.
Was auf den Aufnahmen zu hören ist, weshalb es so lange gedauert hat, bis diese veröffentlicht werden konnten und weshalb der 83-Jährige wie ein Löwe dagegen kämpfte, obwohl im juristisch überhaupt nichts passieren kann – das muss man über den Fall wissen:

Worum geht es?
Um private Tonaufnahmen zwischen Joe Biden und seinem damaligen Ghostwriter Mark Zwonitzer aus dem Jahr 2017, mit dem er gemeinsam an einem Erinnerungsbuch über seinen zwei Jahre zuvor an einem Gehirntumor verstorbenen Sohn Beau arbeitete.
Was genau hört man auf den Aufnahmen?
In den Gesprächen mit Zwonitzer erwähnt Biden mehrfach geheime Regierungsdokumente. An einer Stelle sagt er: "Ich habe gerade das ganze geheime Zeug unten gefunden." Eine andere Aufnahme von Oktober 2016 – als Biden noch Vizepräsident unter Barack Obama war – enthält weitere Hinweise auf klassifizierte Unterlagen. Große Teile der Abschriften dieser Aufnahmen sind allerdings geschwärzt.
Warum sind die Bänder so brisant?
Die Aufnahmen belegen, dass Biden von den geheimen Dokumenten in seinem Privathaus wusste und darüber sprach. Vizepräsidenten dürfen im Gegensatz zu Präsidenten nämlich keine Verschlusssachen mit nach Hause nehmen und dort behalten. Die Bänder wurden 2024 vom Sonderermittler Robert Hur als Beweis gesichert.
Wer ist Robert Hur und was hat er ermittelt?
Robert Hur war als Sonderermittler vom US-Justizministerium eingesetzt, um Bidens Umgang mit geheimen Dokumenten in seiner Zeit als Vizepräsident zu untersuchen – und zwar, als Biden gerade selbst Präsident war. Denn Ende 2022 waren in einem früheren Biden-Büro und in seinem Privathaus Verschlusssachen aus seiner Zeit als Vizepräsident gefunden worden. Nach seiner Untersuchung kam Hur 2024 zum Schluss, dass Biden zwar Dokumente unrechtmäßig aufbewahrt hatte, empfahl aber trotzdem keine Anklage.
Warum wurde Biden nicht angeklagt?
Hur nannte mehrere Gründe. Einer der umstrittensten: Er bezeichnete Biden als "sympathischen, wohlmeinenden älteren Mann mit schlechtem Gedächtnis". Ein Geschworenengericht würde ihn kaum verurteilen, so Hur damals sinngemäß. Biden wehrte sich allerdings vehement gegen diese Einschätzung und sagte: "Mein Gedächtnis ist gut." Die Formulierung wurde dennoch zum politischen Problem.
Warum wurden die Aufnahmen jetzt freigegeben?
Die Biden-Regierung hatte die Veröffentlichung während seiner Amtszeit (2021-2025) blockiert. Republikanische Kongressabgeordnete und die konservative Organisation Oversight Project klagten auf Herausgabe. Bidens Anwälte versuchten noch im Mai 2026 per Klage, die Bänder unter Verschluss zu halten – gaben aber nach juristischen Niederlagen ihren Kampf schließlich auf.

Was sagt Biden zu der jetzigen Veröffentlichung?
Sein Sprecher TJ Ducklo kritisierte die Entscheidung scharf. Er warf dem Justizministerium unter Präsident Donald Trump vor, die Freigabe politisch motiviert vorgenommen zu haben.
Gab es nicht auch gegen Trump eine ähnliche Untersuchung nach seiner ersten Amtszeit?
Ja, auch gegen Trump wurde wegen geheimer Dokumente ermittelt. Er hatte nach seiner ersten Amtszeit Verschlusssachen in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida aufbewahrt, sie wurden dort unter anderem in einem Badezimmer gefunden. Trump wurde deswegen angeklagt. Die Anklage wurde aber fallen gelassen, als er 2025 ins Weiße Haus zurückkehrte. Kritiker sehen das als Ungleichbehandlung.
Was belegen die Aufnahmen über Bidens Gedächtnis?
Die Bänder enthalten laut Republikanern Hinweise auf Gedächtnislücken bei Biden. Details dazu wurden allerdings in den veröffentlichten Versionen teilweise geschwärzt. Die Schwärzungen seien notwendig, um tatsächlich geheime Informationen zu schützen, argumentiert das Justizministerium.
Haben die Republikaner diese Schwärzungen akzeptiert?
Mitglieder des Oversight Committee im Repräsentantenhaus bemängeln, dass zu viel unkenntlich gemacht wurde. Sie vermuten, dass damit Biden-belastendes Material zurückgehalten wird. Das Justizministerium (wohlgemerkt unter dem ehemaligen Trump-Anwalt Todd Blanche) weist das zurück und verweist auf den Schutz von Staatsgeheimnissen.
Was bedeutet die Veröffentlichung politisch für Biden?
Der 83-Jährige ist nicht mehr im Amt, bleibt aber eine prägende Figur der Demokratischen Partei. Die Veröffentlichung der Aufzeichnungen liefert seinen Kritikern neues Material. Gleichzeitig erinnert die Causa an die Dokumentenaffäre von Trump – ein Thema, das Republikaner ihrerseits lieber meiden würden.

Wie geht es jetzt weiter?
Strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen, da Sonderermittler Robert Hur seinerzeit keine Anklage empfohlen hat. Politisch dürften die Aufnahmen aber noch für Debatten sorgen. Republikaner könnten versuchen, weitere Untersuchungen anzustoßen.
Gibt es schon eine persönliche Reaktion Bidens?
Nein, der Ex-Präsident selbst hat sich bisher nicht persönlich zu den veröffentlichten Bändern geäußert.
Wem ist mit der Veröffentlichung jetzt eigentlich mehr gedient?
Das lässt sich derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen. Die Freigabe der Aufnahmen markiert in jedem Fall einen weiteren Akt im jahrelangen Streit um Geheimdokumente in der US-Politik. Ob Republikaner oder gar Demokraten (wegen der Tangente zu Trump) daraus politisches Kapital schlagen können, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.