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Jetzt redet First Lady

Die Biden-Memoiren: "Oh mein Gott, er hat einen Schlaganfall"

Am 2. Juni erscheint "View from the East Wing". In ihren Memoiren erzählt Jill Biden, wie das damals wirklich gewesen sein soll, die Gedächtnislücken, das verheerende TV-Duell, der Rücktritt. Warum das Buch schon vorab für viel Polit-Empörung sorgt.

Jill Biden stand an der Seite ihres Ehemann-Präsidenten, manche sagen auch, er stand neben ihr
Jill Biden stand an der Seite ihres Ehemann-Präsidenten, manche sagen auch, er stand neben ihrReuters
NewsFlix Redaktion
Akt. 28.05.2026 22:36 Uhr

Donnerstag, 27. Juni 2024, es ist 21 Uhr Ortszeit in Atlanta, 3 Uhr nachts in Österreich. Im Studio D am Techwood Turner Campus von CNN beginnt das TV-Duell ums Weiße Haus, und die Welt erlebt historische Momente. In einem solchen Zustand hatte sie zuvor noch nie einen US-Präsidenten im Fernsehen gesehen.

Joe Biden tritt gegen Donald Trump an, der Amtsinhaber stellt sich dem Duell gegen seinen Vorgänger, der sieben Monate später sein Nachfolger werden sollte. Die CNN-Moderatoren Jake Tapper und Dana Bash stellen die Fragen, 90 Minuten lang. Es gibt kein Publikum im Studio, die Mikrofone sind jeweils stummgeschaltet, wenn der andere spricht.

Aber das sind alles nur Nebengeräusche, denn alle Augen sind auf Biden gerichtet. Der 81-Jährige wirkt wie ein angeschlagener Preisboxer. Mehrfach verliert er mitten im Satz den Faden. Bei den Demokraten bricht noch während der Sendung Panik aus. Diesen Mann schicken wir (erneut) ins mächtigste Amtshaus der Welt?

Als die Tortur überstanden ist, marschiert Jill Biden schnurstracke auf die Bühne. Für ihren Mann hat sie nur Lob übrig, auch nachher im Hyatt Regency vor Parteifreunden. "Joe, du hast einen tollen Job gemacht", sagt sie und: "Du hast alle Fragen beantwortet." Die Nation reibt sich die Augen. Später heißt es, Biden wäre etwas erkältet gewesen, deshalb die Aussetzer.

Zwei Jahre danach erzählt die damalige First Lady, wie es wirklich war, und ihre Aussagen werfen kein günstiges Licht auf sie. Jill Biden bestätigt indirekt, dass sie damals aus vollem Herzen heraus die volle Unwahrheit gesagt hat. So kann man das auch aus ihren Memoiren herauslesen, die am 2. Juni erscheinen. Das weiß man bereits darüber:

Wie heißt das Buch?
"View from the East Wing: A Memoir", es erscheint bei Gallery Books/Simon & Schuster und hat einen Umfang von 288 Seiten. Das Buch wird als Hardcover-Ausgabe auf den Markt kommen, auch ein Hörbuch folgt. Es wurde von Jill Biden selbst eingelesen.

Worum geht es?
Um die politisch brisanteste Phase in ihrem Leben. Das Buch ist Jill Bidens erste große politische Erinnerung an ihre Zeit als First Lady im Weißen Haus zwischen 2021 und 2025. Da war ihr Mann Präsident der USA, nach Trump und vor Trump.

Warum heißt es "East Wing"?
Während der Präsident im berühmten West Wing arbeitet, gehört der Ostflügel historisch der First Lady. Hier hat sie ihr Büro, widmet sich ihren Projekten, auch das gesellschaftliche Leben des Weißen Hauses findet im East Wing statt – alle Staats-Bankette, Empfänge, Weihnachtsfeiern und Ehrungen.

Lebt aktuell Melania im Ostflügel?
Nein, ironischerweise ließ Donald Trump den historischen Gebäudeteil 2025 abreißen, um Platz für einen neuen Ballroom zu schaffen.

"View from the East Wing: A Memoir" erscheint am 2. Juni, das Hörbuch hat Jill Biden selbst eingelesen
"View from the East Wing: A Memoir" erscheint am 2. Juni, das Hörbuch hat Jill Biden selbst eingelesen
Simon & Schuster

Ist die First Lady also obdachlos?
Jein, Melania Trump hat derzeit kein klassisches East-Wing-Zentrum mehr. Nach dem Abriss wurden ihre Büros, das Personal der First Lady, ihr Stab und Teile des Besucherbetriebs provisorisch in andere Gebäude des White-House-Komplexes verlegt.

Schreibt Jill Biden über ihr Leben im Ostflügel?
Ja, laut Verlag widmen sich die Memoiren auch diesem Thema. Dazu geht es um die Covid-Zeit, den Sturm auf das Kapitol am 6. Jänner 2021, die Familienperspektive der Bidens, vor allem aber um den dramatischen Rückzug Joe Bidens aus dem Präsidentschaftsrennen.

Warum ist das brisant?
Es ist ein "Blick hinter die Kulissen" versprochen. Jill Biden kündigte an, erstmals offen über die Wochen nach dem katastrophalen TV-Duell gegen Donald Trump zu schreiben.

Was ist bislang dazu bekannt?
Joe Biden wollte zunächst weitermachen. Der Druck aus der Demokratischen Partei nahm aber so massiv zu, dass er sich zurückzog. Jill beschreibt das offenbar als emotionalen Wendepunkt.

Was schreibt sie darüber?
Wörtlich recht schwülstiges: "Als Joe die noch nie dagewesene Entscheidung traf, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten und das Zepter zu übergeben." Über ihren Mann lässt sich im Buch offenbar nichts kommen.

Warum ist das relevant?
Das Buch dürfte auch als Antwort auf spätere Enthüllungsbücher wie "Original Sin" gelesen werden, in denen Jill Biden als übermäßig schützende und politisch dominante Figur beschrieben wurde, die ihren Mann dirigierte.

Was ist "Original Sin"?
Gemeint ist der 2025 erschienene Bestseller "Original Sin: President Biden's Decline, Its Cover-up, and His Disastrous Choice to Run Again". Die bekannten US-Journalisten Jake Tapper und Alex Thompson beleuchten darin die Vorkommnisse um Joe Biden.

In welcher Weise?
Sie schreiben von einer Vertuschung seines gesundheitlichen und kognitiven Abbaus, berichten über Momente, die das belegen (etwa, dass er bei einer Gedenkveranstaltung eine "Trump 2024"-Kappe trug) und die Reaktionen von Kamala Harris darauf. Jill Biden will hier eine Gegenerzählung liefern.

In welcher Form?
Sie möchte ihre Rolle anders darstellen, als arbeitende Frau, die nicht auf Repräsentation beschränkt blieb. Jill Biden war die erste First Lady der US-Geschichte, die dauerhaft weiter außerhalb des Weißen Hauses arbeitete – als Community-College-Professorin.

Wie kommt das im Buch vor?
Sie schildert, wie sie sich im Weißen Haus auf den Unterricht vorbereitete oder Prüfungen im Rosengarten korrigierte. Das soll den Kontrast zwischen Machtzentrum und "normalem Leben" zeigen.

Präsident Donald Trump mit First Lady Melania am 20. Jänner 2025 bei der Amtsübergabe an Joe und Jill Biden
Präsident Donald Trump mit First Lady Melania am 20. Jänner 2025 bei der Amtsübergabe an Joe und Jill Biden
Reuters

Welche Perspektive gibt es dazu noch?
Die familiäre Seite. Das Buch scheint bewusst emotional-persönlich geschrieben zu sein: Über Ehe, Familie, Kinder, Enkelkinder, Krankheit und Belastungen durch das öffentliche Amt. Sie beschreibt sich als "an ordinary woman living an extraordinary life".

Aber wartet die Öffentlichkeit nicht auf etwas anderes?
Ja, natürlich, auf die Beschreibung der entscheidenden Phase des Präsidentschaft-Wahlkampfes: Das TV-Duell am 27. Juni 2024 gegen Donald Trump. Das eigentlich Erschütternde daran war nicht, DASS Biden schlecht war — sondern WIE schlecht.

Wie äußerte sich das?
Schon die ersten zwei bis drei Minuten lösten Panik aus. Biden wirkte heiser, extrem langsam, fahrig, oft verloren, mit leerem Blick und körperlich steif. Er verlor mehrfach mitten im Satz den Faden. Der berühmteste Moment war: "We finally beat Medicare." Ein Satz, der komplett wirr wirkte und sofort viral ging.

Was löste das aus?
CNN berichtete noch während der Sendung, dass in den Reihen der Demokraten Panik ausbrach, sie sei "tiefgehend, weit ausstrahlend und aggressiv" gewesen. Noch bitterer: Spender wirkten geschockt.

Was passierte umgehend?
Strategen und Kongressmitglieder diskutierten noch während der Debatte: Kann Biden ersetzt werden? Muss er raus? Ist die Wahl verloren? Viele Demokraten sagen rückblickend: Das war der Moment, in dem die Wiederwahl praktisch kollabierte.

Wie reagierte das Weiße Haus?
Es schob eine Erklärung als Grund vor. Biden sei übermüdet gewesen, leide an einer Erkältung und an Jetlag. Aber niemand glaubte daran. Rund 51 Millionen Amerikaner hatten das Duell live im Fernsehen oder im Streaming gesehen – es war eines der meistgesehenen politischen TV-Events des Jahres.

Was sagt Jill Biden?
Aktuell jedenfalls etwas anderes als 2024. Am Sonntag strahlt der TV-Sender CBS in seiner Morgensendung ab 9 Uhr Ortszeit (parallel auf Paramount+) ein Interview mit der ehemaligen First Lady aus. Im Gespräch mit Reporterin Rita Braver schildert sie, wie sie den Abend wirklich erlebte. Am Donnerstag erschien ein erster Ausschnitt.

Was ist der Inhalt?
"Ich hatte Angst, denn ich hatte Joe weder vorher noch nachher je so gesehen, nie", sagte Jill Biden nun auf CBS. "Ich weiß nicht, was passiert ist. Als ich das sah, dachte ich: 'Oh mein Gott, er hat einen Schlaganfall.' Und ich war zu Tode erschrocken."

Warum sorgt das für Aufregung?
Weil es das ziemlich genaue Gegenteil von dem ist, was Jill Biden nach der TV-Debatte sagte. Im Anschluss lobte sie vor den Anhängern die Leistung ihres Mannes ("toller Job"). Später erklärte sie gegenüber Reportern, dass der Wahlkampf "nicht zulassen werde, dass diese 90 Minuten die vierjährige Amtszeit des Präsidenten prägen".

Vielleicht war es die Aufregung?
Mag sein, aber sie hielt zwei Jahre lang an ihrer Ursprungsversion mit der Erkältung fest. Im Juli 2024 sagte sie gegenüber ABC News, er habe sich am Tag der Debatte "schrecklich gefühlt", als er sich gegen Fragen zu seinem Alter und seiner geistigen Leistungsfähigkeit verteidigte.

Kamala Harris (hier mit Vize Tim Walz) folgte Biden nach und scheiterte
Kamala Harris (hier mit Vize Tim Walz) folgte Biden nach und scheiterte
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Warum haben viele zudem Zweifel?
Weil die Geschichte nicht zusammenpasst. Tenor der Kritik: Wer denkt, dass der Ehemann einen Schlaganfall hat, geht nachher auf die Bühne und bringt die Anhänger dazu, "vier weitere Jahre" zu rufen?

Oder anders ausgedrückt?
"Tut mir leid, aber das ist doch totaler Quatsch. Wenn sie wirklich Angst gehabt hätte, dass er einen Schlaganfall erleidet, hätte jede vernünftige Ehefrau darauf bestanden, dass er sofort ins Krankenhaus kommt", sagte Miranda Devine, Kolumnistin der New York Post.

Was passierte mit Biden?
Er machte noch einen Monat weiter. 107 Tage vor der Präsidentschaftswahl schied er dann aus dem Rennen aus und sprach sich für die ehemalige Vizepräsidentin Kamala Harris als Kandidatin der Demokraten aus.

Warum veröffentlicht Jill Biden das Buch?
"Es war für mich irgendwie befreiend, das zu schreiben", nennt sie selbst als Grund. "Teile dieser Geschichte wurden bereits erzählt. Aber nicht alles."

Rechnen US-Medien mit Enthüllungen?
Ja, viele erwarten das. Spekuliert wird über Aussagen zu Barack Obama, Nancy Pelosi, bis 2023 Sprecherin des Repräsentantenhauses, die erfolglose Biden-Nachfolgerin Kamala Harris. Auch zum Innenleben der Demokraten könnte es Erhellendes geben.

Wer ist Jill Biden?
74, Joe Biden ist ihr zweiter Ehemann. Er war Witwer, als sie ihn kennenlernte. 1972 waren seine erste Frau Neilia und die kleine Tochter Naomi bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die beiden Söhne Beau und Hunter überlebten schwer verletzt. Gemeinsam bekamen Jill und Joe Biden Tochter Ashley Biden. Die Familie Biden hat sieben Enkelkinder.

Was weiß man über die zweite Tragödie in der Familie?
Das war der Tod von Beau Biden 2015. Der älteste Sohn Joe Bidens starb mit 46 Jahren an Gehirnkrebs. Beau galt als politischer Hoffnungsträger der Familie und sein Tod traf Jill und Joe Biden schwer.

Was hat sie für einen Beruf?
Jill Biden war Lehrerin und Professorin für Englisch. Sie besitzt einen Doktortitel in Education und tritt deshalb offiziell als "Dr. Jill Biden" auf.

Welche First Ladys haben Memoiren geschrieben?
Die meisten, sogar schon Melania Trump. Davor etwa Michelle Obama ("Becoming", 2018), Laura Bush ("Spoken from the Heart", 2010),  Hillary Clinton ("Living History", 2003, "Hard Choices", 2014, "What Happened" 2017) oder Barbara Bush ("A Memoir", 1994).

Wie haben sich die Bücher verkauft?
Einige ziemlich gut. "Becoming" von Michelle Obama gilt mit bis zu 17 Millionen verkauften Exemplaren als die erfolgreichste politische Autobiografie der Neuzeit. Hillary Clinton verkaufte von "Living History" über eine Million Stück.

NewsFlix Redaktion
Akt. 28.05.2026 22:36 Uhr