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Boxerinnen-Drama

Ja, das ist wirklich Sydney Sweeney! Haben Sie sie erkannt?

Im Sportlerinnen-Biopic "That's why the Lady is a Champ" boxt sich Hollywood-Jungstar Sydney Sweeney aus einfachsten Verhältnissen nach oben. Und muss sich eingestehen, dass die schlimmsten Gegner nicht immer in der anderen Ecke des Rings stehen. Jetzt im Kino.

Nicht wiederzuerkennen: Hollywood-Jungstar Sydney Sweeney hat für ihre Rolle im Boxerinnen-Drama "That's why the Lady is a Champ" eine massive Typveränderung zugelassen
Nicht wiederzuerkennen: Hollywood-Jungstar Sydney Sweeney hat für ihre Rolle im Boxerinnen-Drama "That's why the Lady is a Champ" eine massive Typveränderung zugelassenTobis
Christian Klosz
Akt. 03.09.2026 06:16 Uhr

Sydney Sweeney wurde in Hollywood lange unterschätzt – vielleicht auch, weil sie selbst ein wenig dafür gesorgt hat. Aufgewachsen in Spokane im US-Bundesstaat Washington, arbeitete sie sich über kleinere Rollen in viel gelobten Serien wie "The Handmaid’s Tale" und "Sharp Objects" nach oben.

Den großen Durchbruch brachte schließlich HBO: In der ersten Staffel von  "The White Lotus", aber vor allem als Cassie in "Euphoria" zeigte Sweeney, dass sie weit mehr kann, als nur gut auszusehen. Emmy-Nominierungen folgten, ebenso Hauptrollen im Kino.

Denn Sweeney ist längst auch eine Projektionsfläche. Ihr blondes Haar, ihre Kurven und die oft betonte Sexualität ihrer Rollen haben ihr früh das Image des Sexsymbols eingebracht. Sie spielt mit diesem Bild, vermarktet es – und versucht zugleich, sich davon nicht auf eine Rolle festlegen zu lassen.

Wie schwierig dieser Spagat ist, zeigte zuletzt die umstrittene Jeans-Werbung für American Eagle. Der Slogan rund um Sweeneys "Jeans" beziehungsweise "genes" und ihre blauen Augen löste eine Debatte über vermeintliche Eugenik-Anspielungen aus und machte einmal mehr deutlich, wie schnell aus Sweeneys öffentlichem Image eine gesellschaftliche Kontroverse werden kann.

Sydney Sweeney in der dritten Staffel der Erfolgsserie "Euphoria": Image eines Sexsymbols
Sydney Sweeney in der dritten Staffel der Erfolgsserie "Euphoria": Image eines Sexsymbols
HBO

Umso spannender ist ihre neue Rolle als Boxerin Christy Martin. Für den Film hat Sweeney ihren Körper massiv verändert, monatelang trainiert und sich intensiv mit dem Boxen beschäftigt. Die Transformation ist dabei mehr als eine körperliche Demonstration: Sweeney muss eine Frau verkörpern, deren Leben von sportlichem Ehrgeiz, Gewalt, Missbrauch und dem Kampf um Selbstbestimmung geprägt ist. Und das ausgerechnet eine Schauspielerin, die jahrelang vor allem über ihr Aussehen wahrgenommen wurde.

Dass das großartig funktioniert, überrascht mittlerweile aber kaum noch jemanden. Sweeney hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie über das Sexsymbol-Image hinaus eine bemerkenswerte Schauspielerin ist. Und darin liegt auch ein Teil des Reizes von "That's why the Lady is a Champ": Sydney Sweeney kämpft darin ein Stück weit auch gegen das Bild an, das sich die Öffentlichkeit von ihr gemacht hat. Und sie gewinnt diesen Fight eindeutig! Ihnen beim Zusehen viel Spaß dabei!

Sydney Sweeney kann wirklich schauspielern! Und Ben Foster spielt ihren Ehemann Jim wirklich unappetitlich! "That's why the Lady is a Champ"
Sydney Sweeney kann wirklich schauspielern! Und Ben Foster spielt ihren Ehemann Jim wirklich unappetitlich! "That's why the Lady is a Champ"
Tobis

"That's why the Lady is a Champ"

Worum es geht West Virginia Ende der 1980er-Jahre: Christy Salters (Sydney Sweeney) wächst in einer Kleinstadt in einer Arbeiterfamilie auf. Sie ist sportlich talentiert und spielt Basketball, eine echte Karrierenperspektive ist das jedoch nicht. Dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt, will vor allem ihre erzkonservative Mutter (Merritt Wever) nicht akzeptieren, ihre Tochter solle "ein normales Leben" führen, einen Mann heiraten und Hausfrau werden.

Als Christy ihr Talent fürs Boxen entdeckt, scheint das zunächst die Lösung und auch das Ticket aus der kleinstädtischen Enge zu sein: Sie habe nun "ihr Ding gefunden", sagt sie. Schnell macht sie sich einen Namen und wird an den erfahrenen, aber mehr als doppelt so alten Trainer Jim Martin (Ben Foster) vermittelt.

Der hat erst wenig Interesse, eine Frau zu trainieren, erkennt aber Talent in ihr. Die beiden beginnen eine "Zweckehe", er vermittelt die Kontakte und Kämpfe, sie gewinnt sie. Und auch Christys Familie ist froh, dass die Tochter nun doch noch "den rechten Weg" gefunden hat.

Rasch wird sie zum ersten Star des Frauenboxens, der schließlich sogar von Don King promotet wird. Doch je größer der Erfolg, desto höher auch der Preis: Die Probleme zwischen Christy und Jim wachsen, Drogen kommen ins Spiel, er verhält sich ihr gegenüber zunehmend gewalttätig. Ihr Versuch, ihn endlich zu verlassen, mündet in einer Tragödie.

Lohnt sich das? Zweifellos gehört Sydney Sweeney seit einigen Jahren zu den heißesten Aktien am Hollywood-Markt: Ihr oft provokant zur Schau getragenes Äußeres sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die junge Frau auch ausgezeichnet schauspielern kann. Der Widerspruch zwischen Talent, Aussehen und offensiver erotischer Selbstinszenierung in sozialen Medien ist nur ein scheinbarer.

Auch ihre Vereinnahmung durch rechte Gruppierungen und die Ablehnung durch manche Linke ist zu kurz gedacht: Denn ein Blick auf ihre Filme ergibt ein gänzlich anderes Bild. Sweeney produzierte viele ihrer Filme selbst (mit), die oft von progressiven, feministischen und emanzipatorischen Botschaften getragen sind. Sie spielt selbstbewusste Frauen, die gar nicht in das konservative Konzept des "braven Weibchens" passen wollen.

So ist das auch bei "That's why the Lady is a Champ", das in den USA schlicht "Christy" hieß und bei uns warum auch immer unter diesem Titel in die Kinos kommt. Der Film basiert auf der wahren Geschichte der US-Boxerin Christy Martin, die in den 1990er-Jahren als Pionierin des Frauenboxens internationale Bekanntheit erlangte. Ihre sexuelle Orientierung unterdrückte sie viele Jahre, ihre toxische Zweckehe mit dem schleimigen Trainer Jim Martin endete mit einem Tötungsversuch an ihr, als sie ihn endlich verlassen wollte.

Es ist also erneut eine Emanzipationsgeschichte, eine Suche nach der eigenen Identität und eine Abrechnung mit toxischen Männerfiguren, die Regisseur David Michod mit teils bemerkenswerten Einstellungen einfängt. Und in der Sydney Sweeney auch körperlich alles gibt: "Mut zur Hässlichkeit" nannte man sowas früher einmal, denn die Schauspielerin legte Gewicht zu, ist teilweise kaum wiederzuerkennen, ihr Habitus ist rau, burschikos, gar nicht weiblich oder "sexy". Und sie lernte offensichtlich zu boxen.

Ihr Schauspieltalent darf hier umso mehr hervorragen: Denn Sweeney legt eine bemerkenswerte Leistung hin und trägt den Film über weite Strecken auf ihren muskelbepackten Schultern. Ein gut gemachtes Sportler-Biopic mit Message, gekonnter Inszenierung und Sydney Sweeney in Bestform.

"That's why the Lady is a Champ", Drama, Biopic. USA 2025, 135 Minuten, ab 3. September im Kino

Unterwegs durch ein Land, das nicht mehr das ihre ist: Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) in "Vaterland"
Unterwegs durch ein Land, das nicht mehr das ihre ist: Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) in "Vaterland"
Polyfilm

"Vaterland"

Worum es geht Deutschland, 1949: 16 Jahre nachdem Thomas Mann (Hanns Zischler) vor den Nationalsozialisten ins Exil gegangen ist, kehrt der Literaturnobelpreisträger erstmals wieder in seine frühere Heimat zurück. Gemeinsam mit seiner Tochter Erika Mann (Sandra Hüller) reist er durch das vom Krieg gezeichnete Land von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis nach Weimar in der sowjetisch kontrollierten Zone. In beiden Städten soll Mann mit einem Goethe-Preis geehrt werden.

Für den Schriftsteller ist die Reise jedoch weit mehr als eine offizielle Ehrentour: Deutschland ist ihm nach den Jahren des Exils fremd geworden, gleichzeitig begegnen ihm sowohl im Westen als auch im Osten Menschen mit offener Ablehnung. Während die neue politische Ordnung bereits die Fronten des beginnenden Kalten Krieges erkennen lässt, werden auf der Reise auch die Spannungen innerhalb der Familie sichtbar.

Lohnt sich das? "Vaterland" ist bislang einer der am besten aufgenommenen Filme des Jahres: Regisseur Paweł Pawlikowski ( "Cold War") feierte mit seinem streng in Schwarz-Weiß komponierten Historiendrama im Mai 2026 im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes Weltpremiere und wurde dort mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.

Die historische Ausgangslage ist real: Thomas Mann reiste 1949 tatsächlich erstmals nach 16 Jahren Exil wieder nach Deutschland und erhielt sowohl in Frankfurt als auch in Weimar einen Preis. Allerdings ist die zentrale Konstellation des Films eine Fiktion: In Wirklichkeit wurde Mann von seiner Ehefrau Katia begleitet, nicht von Tochter Erika. Pawlikowski macht daraus ein Kammerspiel, das über die Begriffe Heimat, Schuld und politische Verantwortung reflektiert.

Die internationalen Kritiken fallen bisher nahezu euphorisch aus, bei Rotten Tomatoes hält der Film bei 96 Prozent positiven Bewertungen. Der Guardian bezeichnete "Vaterland" als außergewöhnlich elegante historische Miniatur. Gelobt werden vor allem Pawlikowskis präzise Stilistik, die Inszenierung und das Zusammenspiel von Hanns Zischler und Sandra Hüller.

"Vaterland", Historisches Drama. DE/ITA/POL/GB/FRA/FIN 2026, 82 Minuten, ab 3. September im Kino

Hymnische Kritiken und den Preis für die beste Regie in Cannes: Paweł Pawlikowskis stilles Kammerspiel "Vaterland"
Hymnische Kritiken und den Preis für die beste Regie in Cannes: Paweł Pawlikowskis stilles Kammerspiel "Vaterland"
Polyfilm

Außerdem neu im Kino:

"Onslaught"
Als eine Gruppe genetisch veränderter Supersoldaten aus einer geheimen Militäreinrichtung entkommt, wird eine abgelegene Wüstenregion zum Schauplatz eines blutigen Überlebenskampfes. Die ehemalige Soldatin und Scharfschützin Celeste (Adria Arjona) muss ihre Tochter vor den entfesselten Killern beschützen. Regisseur Adam Wingard verbindet Actionkino mit Creature-Horror.

"Onslaught", Action, Thriller. USA 2026, 92 Minuten, ab 3. September im Kino

"Mit leiser Stimme",
Die in Paris lebende Lilia (Eya Bouteraa) kehrt nach Tunesien zurück, um an der Beerdigung ihres Onkels teilzunehmen, doch ihre Lebensgefährtin Alice (Marion Barbeau) muss währenddessen im Hotel bleiben, da Lilias Familie nichts von dieser Beziehung weiß. Der Tod des Onkels wirft jedoch rätselhafte Fragen auf und so beginnt Lilia auf eigene Faust nachzuforschen.

"Mit leiser Stimme", Drama. FRA/TUN 2026, 13 Minuten, ab 4. September im Kino

"Our Girls"
Zwei befreundete niederländische Familien verbringen ihren Urlaub wie jedes Jahr in den Tiroler Alpen. Als ihre Teenager-Töchter in einen schweren Unfall verwickelt werden, gerät die Freundschaft der Eltern aus dem Gleichgewicht. Oscarpreisträger Mike van Diem ("Karakter") verfilmt die Romanvorlage als österreichisch-niederländisch-belgische Koproduktion, zum Cast gehören u.a. Thekla Reuten, Fedja van Huêt und Karl Markovics.

"Our Girls", Drama, Thriller. BEL/AUT/NL 2025, 103 Minuten, ab 4. September im Kino

"Das gewisse Etwas"
Nach einem missglückten Juwelenraub flüchten Alex (Max von der Groeben) und sein Vater Karlo (Florian Lukas) vor der Polizei. Bei der Suche nach einem Versteck landen sie ausgerechnet in einem Reisebus mit jungen Erwachsenen mit geistigen Beeinträchtigungen. Kurzerhand geben sie sich als der fehlende Mitreisende Otto und dessen Betreuer aus. Der deutsche Regisseur Marc Rothemund ("Wochenendrebellen") verfilmt den französischen Publikumshit "Was ist schon normal?" neu, der in seiner Heimat ein großer Erfolg war.

"Das gewisse Etwas", Komödie. DEU 2026, 100 Minuten, ab 3. September im Kino

"Arnie & Barney – Retten das Wasser"
Eine anhaltende Dürre trocknet die Wiese ihres Ameisenstamms aus, darum machen sich die Freunde Arnie und Barney auf die Suche nach dem verschwundenen Wasser. Dabei kommen sie einem skrupellosen Wasserschmuggler und Mafiaboss namens Legs auf die Spur. Das Animationsabenteuer ist ein Spin-off aus dem "Biene Maja"-Universum und richtet sich vor allem an ein jüngeres Publikum.

"Arnie & Barney – Retten das Wasser", Animationsfilm. BEL/DEU 2026, 80 Minuten, ab 3. September im Kino

"Katy Perry: The Lifetimes Tour – Live from Paris"
Der Film bringt Katy Perrys spektakuläre "The Lifetimes Tour" auf die Kinoleinwand und wurde während ihrer ausverkauften Auftritte in der Pariser Accor Arena aufgenommen. Die Zuschauer erleben die komplette Bühnenshow aus einer ungewöhnlich unmittelbaren Perspektive. Regisseur Paul Dugdale ("Adele: One Night Only") setzte für den Film mehr als 60 Kameraperspektiven ein, um das Konzerterlebnis möglichst umfassend einzufangen.

"Katy Perry: The Lifetimes Tour – Live from Paris", Konzertfilm. USA/FRA 2026, 132 Minuten, ab 2. September im Kino

Christian Klosz
Akt. 03.09.2026 06:16 Uhr