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Klimabonus: Wie viel sie bekommen, wer ab jetzt dafür Steuer zahlen muss

Ab September schüttet der Staat wieder den Klimabonus aus, diesmal zwischen 145 Euro und 290 Euro. Was neu ist, was doch nicht kommt (und etwas Aufregung verursachte): alle Details.

Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) beim Pressefoyer nach dem Ministerrat
Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) beim Pressefoyer nach dem Ministerrat
Helmut Graf
Christian Nusser
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Am Anfang war die Verwirrung. Am Mittwoch präsentierten Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) nach dem Ministerrat den Klimabonus 2024. Es ist nicht viel anders, aber: Besserverdiener müssen die Zuwendung ab heuer versteuern. Was nun aber ein Besserverdiener ist, musste zunächst zwischen den Ministerien geklärt werden, denn die vorgelegte Berechnung war falsch. Zunächst sollte jeder, der mindestens 4.750 Euro im Monat verdient, den Klimabonus nun versteuern müssen. Stimmt aber nicht, klärte sich Stunden später. Was Sie jetzt wirklich bekommen, was sie Steuern zahlen, was Sie wissen müssen:

Was ist der Klimabonus überhaupt?
Vergisst man schnell, aber: Es handelt sich um eine Ausgleichszahlung für die so genannte CO2-Bepreisung. Heißt: Am 1. Oktober 2022 bekam Kohlendioxid (reichlich verspätet) auch in Österreich einen Preis, dadurch wurde der Sprit an den Tankstellen teurer. Um der Bevölkerung den Mehrpreis ganz oder zum Teil auszugleichen, wurde der Klimabonus eingeführt.

Was war der Sinn?
Klimaschutz. Es sollen Anreize geschaffen werden, damit weniger Kohlendioxid ausgestoßen wird. CO2 gilt als einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Es fällt überall dort an, wo noch immer Öl und Erdgas als Energiequelle benötigt werden, im Autoverkehr, der Industrie, in Haushalten.

Der Klimabonus kann alternativ wieder als Gutschein ausgezahlt werden
Der Klimabonus kann alternativ wieder als Gutschein ausgezahlt werden
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Wer bekommt den Klimabonus 2024?
Alle Menschen, die länger als sechs Monate (183 Tage) ihren Hauptwohnsitz in Österreich haben. Nicht-österreichische Staatsbürger benötigen einen rechtmäßigen Aufenthaltsstatus. Häftlinge, die länger als 183 Tage in Haft sind, erhalten keinen Klimabonus.

Erhalten auch Kinder und Babys den Klimabonus?
Ja, aber Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr bekommen nur die Hälfte. Babys ab einem Alter von 183 Tagen, die bis zum 31. Dezember des Anspruchsjahres 183 Tage in Österreich mit Hauptwohnsitz gemeldet sind, haben Anspruch auf den Klimabonus.

Wie ist das, wenn das Kind heuer 18 wird?
Dann bekommt es den vollen Bonus, egal, ob es im Jänner oder im Dezember 18 wird.

Wie viel erhalten behinderte Personen?
Menschen , die öffentliche Verkehrsmittel nicht benutzen können, bekommen den Sockelbetrag und den vollen Betrag des Regionalausgleichs, also 290 Euro. Im Behindertenpass muss eingetragen sein, dass die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauerhafter Mobilitätseinschränkung aufgrund einer Behinderung nicht zumutbar ist.

Wann wird ausbezahlt?
Mit Anfang September wird begonnen.

Für Babys gibt es einen halben Klimabons, wenn sie älter als 183 Tage sind
Für Babys gibt es einen halben Klimabons, wenn sie älter als 183 Tage sind
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Muss ich ein Auto haben, um den Klimabonus zu erhalten?
Nein, das Geld bekommt jeder und jede.

Wie hoch ist der Klimabonus heuer?
Deutlich höher als im vergangenen Jahr. Das liegt daran, dass der CO2-Preis schrittweise angeboten wird um 2025 dann 55 Euro pro Tonne zu erreichen. Weil der CO2-Preis in die Höhe klettert, steigt automatisch auch der Klimabonus an.

Wie viel bekomme ich nun 2024?
Das hängt davon ab, wo Sie wohnen. Es gibt einen Sockelbetrag von 145 Euro, den jeder mindestens bekommt und dazu Aufschläge (oder eben auch nicht).

Das bekommen Sie in den vier Kategorien

  • Kategorie 1: Bisher 110 Euro, neu 145 Euro
  • Kategorie 2: Bisher 150 Euro, neu 195 Euro
  • Kategorie 3: Bisher 185 Euro, neu 245 Euro
  • Kategorie 4: Bisher 220 Euro, neu 290 Euro
Finanzminister Magnus Brunner holt sich ein Teil des Klimabonus-Geldes von den Besserverdiener zurück
Finanzminister Magnus Brunner holt sich ein Teil des Klimabonus-Geldes von den Besserverdiener zurück
Helmut Graf

Wie weiß ich, in welche Kategorie ich lebe?
Das können Sie unter diesem Link feststellen. Sie müssen nur Ihre Postleitzahl eingeben, der Betrag wird automatisch angezeigt. In die Kategorie 1 fallen lediglich die zentralen Bezirke in Wien. Deren Bewohner erhalten die Mindestsumme 145 Euro. Auf dieser interaktiven Karte können Sie Ihre Stadt, ihre Gemeinde, Ihren Bezirk finden.

Diese vier Kategorien gibt es

  • Kategorie 1: Wohnorte mit sehr guter Infrastruktur und Öffi-Versorgung. In diese Kategorie fallen nur die zentralen Wiener Bezirke
  • Kategorie 2: Wohnorte mit guter Infrastruktur und Öffi-Versorgung
  • Kategorie 3: Wohnorte mit guter grundlegender Infrastruktur und Öffis
  • Kategorie 4: Ländliche Wohnorte mit "grundlegender" Öffi-Ausstattung

Wie wird das Geld ausbezahlt?
Es gibt wie gehabt zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit 1 Wenn Ihre aktuelle Bankverbindung auf FinanzOnline angegeben ist, erhalten Sie das Geld automatisch auf Ihr Konto. Bis 10. Juli ist Zeit, die Daten zu aktualisieren. Auch wer Familienbeihilfe bezieht, erhält das Geld auf diesem Weg, ebenso alle Pensionisten und Pensionistinnen.
Möglichkeit 2 Alle anderen erhalten einen RSa-Brief mit dem Klimabonus in Form von Gutscheinen. Sie müssen das Schreiben persönlich entgegennehmen oder später mit Ausweis und Abholschein beim Postamt abholen. Mit einer "Klimabonus-Vollmacht" können auch andere Personen den RSa-Brief in Empfang nehmen, Sie können sie hier runterladen. Achtung: Die "Klimabonus-Vollmacht" kann nicht für die Abholung am Postamt verwendet werden.

Was mache ich mit den Gutscheinen?
Sie können die Gutscheine bei über 10.000 Annahmestellen einlösen (hier gibt es die Liste). Oder Sie tauschen sie bei der bank99 gegen Bargeld um (hier finden Sie die Filialen).

Die NEOS (hier Parteichefin Beate Meinl-Reisinger im Parlament) sprechen von einem Wahlgeschenk
Die NEOS (hier Parteichefin Beate Meinl-Reisinger im Parlament) sprechen von einem Wahlgeschenk
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Stimmt es, dass ich den Klimabonus versteuern muss?
Ja und nein. Tatsächlich müssen Besserverdiener heuer erstmals für den Klimabonus Steuer zahlen. Die Regierung beruft sich hier auf eine Empfehlung WIFO ("Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung"). Vorbild ist der Anti-Teuerungsbonus.

Wer muss jetzt wie viel versteuern?
Das hat am Mittwoch für Verwirrung gesorgt. Zunächst war davon die Rede, dass man den Klimabonus ab einem Einkommen von 4.750 Euro brutto versteuern müsste. Ein Rechenfehler, die Jahressumme wurde falsch dividiert, wie das Umweltministerium später korrigierte. Tatsächlich muss der Klimabonus erst am einem Einkommen von 6.600 Euro brutto (14-mal im Jahr) versteuert werden. Der Klimabonus für die Kinder muss nicht versteuert werden.

Wie läuft diese Versteuerung ab?
Selbst muss man nichts unternehmen, die Versteuerung passiert automatisch beim Jahresausgleich (weil man ja erst da die exakte Einkommenshöhe weiß). Der Klimabonus wird in diesem Fall zur Bemessungsgrundlage der Einkommensteuerveranlagung dazugerechnet.

Warum stand eigentlich der Landwirtschaftsminister bei der Präsentation neben der Umweltministerin?
Weil gleichzeitig ein Entlastungspaket für die Land- und Forstwirtschaft in Höhe von rund 300 Millionen Euro fixiert wurde. Bauern und Bäuerinnen zahlen rund 20 Cent weniger je Liter Diesel, hier ist das CO2 offenbar nicht so wichtig. Abseits des Dieselmotors gebe es derzeit in der Landwirtschaft keine alternativen Antriebsmöglichkeiten, begründete Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig die Unterstützung bei Diesel.

Was sagt die Opposition?
Die NEOS nennen die Erhöhung ein "Wahlgeschenkt", die niederösterreichische FPÖ spricht von einer "Strafsteuer", die SPÖ forderte angesichts der "Rekordteuerung" ein Aussetzen der CO2-Steuer.

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