Der ehemalige Chef der britischen Großbank Barclays, Jes Staley, wurde vom US-Kongress über seine Verbindung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befragt. Dabei ging es auch um bizarre E-Mails, in denen von Sex mit Frauen in Disney-Kostümen die Rede ist. Die Details.

In einem nüchternen Sitzungssaal auf dem Capitol Hill, also dem Amtssitz des amerikanischen Parlaments, sitzt ein Mann im maßgeschneiderten Anzug vor einem Komitee des US-Kongresses. James Edward "Jes" Staley, 69, einst einer der mächtigsten Banker der Welt, muss sich unbequemen Fragen der Abgeordneten stellen. Es geht um E-Mails, es geht um Märchenkostüme – und es geht um seine Freundschaft zu Jeffrey Epstein, dem 2019 verstorbenen Finanzmanager und verurteilten Sexualstraftäter.
Stattgefunden hat das Gespräch bereits im vergangenen Juli. Nun liegt schwarz auf weiß vor, was die Abgeordneten von Jes Staley wissen wollten. Denn die Protokolle des nicht öffentlichen Verhörs wurden diese Woche freigegeben, berichtet der britische Guardian. Und sie zeichnen das Bild eines Mannes, der sich in immer neue Erklärungsnöte verstrickt. Und sie werfen einmal mehr ein Schlaglicht auf die Verbindungen der internationalen Finanzelite zu dem pädophilen Millionär, der hunderte Frauen sexuell ausgebeutet haben soll.
Worüber die Kongressabgeordneten mit dem Banker sprachen, welche Themen dabei besonders ausführlich erörtert wurden, wie sich der 69-Jährige versuchte, aus der Affäre zu ziehen – die interessantesten Aussagen im Überblick:
Wer ist Jes Staley?
James Edward Staley, genannt Jes, ist ein amerikanischer Banker, der über drei Jahrzehnte bei JPMorgan Chase arbeitete, bevor er 2015 Chef der britischen Großbank Barclays wurde. Er galt als einer der einflussreichsten Finanzmanager weltweit. 2021 trat er von seinem Posten zurück – wegen seiner Verbindungen zum zwei Jahre davor verstorbenen Jeffrey Epstein.

Worum geht es bei der Kongressanhörung?
Der US-Kongress untersucht seit Monaten die Netzwerke rund um Jeffrey Epstein. Die Abgeordneten wollen herausfinden, wer von den Machenschaften des Millionärs wusste, wer ihn unterstützte und wer von seinen Verbrechen profitierte. Staley ist einer von mehreren prominenten Zeugen, die in diesem Zusammenhang befragt wurden.
Was hat es mit den E-Mails auf sich?
Im Juli 2010 tauschten Staley und Epstein mehrere Nachrichten aus, in denen es um Disney-Prinzessinnen ging. Staley schrieb: "Das war lustig. Sag Snow White Hallo." Epstein fragte daraufhin: "Welche Figur hättest du gerne als nächstes?" Staley antwortete: "Die Schöne und das Biest." Epstein erwiderte: "Nun, eine Seite ist verfügbar."
Was hat Staley vor dem Kongress dazu ausgesagt?
Der Ex-Banker bestritt unter Eid, Sex mit einer Frau in einem Schneewittchen-Kostüm (Snow White ist die englische Bezeichnung für Schneewittchen) gehabt zu haben. Er räumte allerdings ein, möglicherweise eine solche Person in Epsteins Wohnung gesehen zu haben. Das habe aber nichts mit ihm zu tun gehabt, sagte er den Abgeordneten.
Waren die Abgeordneten damit zufrieden?
Eher nicht. Die Kongressmitglieder wiesen auf eine weitere E-Mail hin, die am Tag nach Staleys Nachricht an Epstein geschickt wurde. Darin schreibt eine unbekannte Person: "Snow White wurde zweimal gef…, sobald sie ihr Kostüm angezogen hat." Die Abgeordneten nannten Staleys Erklärung in diesem Zusammenhang einen "ziemlich unglaublichen Zufall".
War das Disney-Prinzessinnen-Gerede ein Code für etwas ganz anderes?
Die Abgeordneten fragten Staley direkt, ob er und Epstein "Disney-Prinzessinnen als Codenamen für die Auswahl von Frauen für sexuelle Begegnungen" verwendet hätten. Staley beantwortete das mit Nein. Die Abgeordneten zeigten sich allerdings skeptisch angesichts der vorliegenden Nachrichten.
Wie eng war die Freundschaft zwischen Staley und Epstein?
Die Verbindung reichte bis in die frühen 2000er-Jahre zurück. Staley besuchte Epstein mehrfach, auch nachdem dieser 2008 wegen Sexualdelikten verurteilt worden war. Die beiden tauschten über Jahre hinweg zudem regelmäßig E-Mails aus. Staley hat inzwischen eingeräumt, dass die Freundschaft ein schwerer Fehler gewesen sei.

Welche Konsequenzen hatte seine Beziehung zu Epstein für Staley?
2021 trat Jes Staley als Barclays-Chef zurück, nachdem die britische Finanzaufsicht die Darstellung seiner Beziehung zu Epstein angezweifelt hatte. Sein Ruf als Banker ist seither nachhaltig beschädigt. Zudem verlor er Millionen an Abfindungen und Boni. Ihm wurde schließlich wegen der Verharmlosung dieser Verbindung die Ausübung jeglicher Tätigkeit im britischen Finanzsektor untersagt. Staley versuchte 2025 vergeblich, dieses Berufsverbot vor Gericht aufzuheben.
Wer ist Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war ein millionenschwerer US-amerikanischer Finanzier und verurteilter Sexualstraftäter. Er wurde beschuldigt, über Jahrzehnte Minderjährige missbraucht und einen Sexhandelsring betrieben zu haben. Im August 2019 starb er in einer New Yorker Gefängniszelle, offiziell durch Suizid. Sein Tod löste weltweit Verschwörungstheorien aus.
Was sind die Epstein-Files?
Seit Anfang 2024 werden nach und nach Gerichtsdokumente und Ermittlungsakten aus verschiedenen Epstein-Verfahren veröffentlicht. In großem Umfang geschieht das seit Februar 2025. Diese Dokumente enthalten Namen von Prominenten, E-Mails und Zeugenaussagen. Der Kongress führt zudem eigene Untersuchungen durch und hat mehrere Zeugen vorgeladen.
Drohen Jes Staley rechtliche Konsequenzen?
Bisher ist Staley nicht strafrechtlich angeklagt. Die Kongressanhörung dient der Aufklärung, nicht der Strafverfolgung. Allerdings könnten die Protokolle von Staatsanwälten verwendet werden, sollten neue Beweise auftauchen. Staley hat wiederholt betont, nie an illegalen Aktivitäten teilgenommen zu haben.

Was bedeutet das für die Aufklärung des Epstein-Falls?
Die Veröffentlichung der Staley-Protokolle zeigt, dass der Kongress entschlossen ist, alle Verbindungen zu Epstein offenzulegen. Die Frage, wie viele mächtige Männer von Epsteins Verbrechen wussten oder sogar davon profitierten, beschäftigt die USA weiterhin. Auch die Anhörungen des Kongresses werden fortgesetzt.
Wie geht es jetzt weiter?
In den nächsten Wochen dürfte der Kongress weitere Aussage-Protokolle freigeben. Ob sich gegen Jes Staley strafrechtlich relevante Tatbestände aus seinen Aussagen vor dem Ausschuss ergeben, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig sagen.